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    <title>Care &amp; Working</title>
    <link>https://www.careworking.de</link>
    <description>Weblog mit Beiträgen zu Kultur, Geschichte, Philosophie, Politik, Wissenschaft und Bildung</description>
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      <title>Care &amp; Working</title>
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      <link>https://www.careworking.de</link>
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    <item>
      <title>Historische Wurzeln, Teil 3b: Nachkriegsmoderne. Zwei deutsche Staaten: Krankenpflege in der DDR</title>
      <link>https://www.careworking.de/historische-wurzeln-teil-3b-nachkriegsmoderne-zwei-deutsche-staaten-krankenpflege-in-der-ddr</link>
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      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Die Pflegeberufe in der DDR waren klar strukturiert: Wer sich für die Krankenpflege oder die Kinderkrankenpflege entschied, absolvierte eine dreijährige Ausbildung – ähnlich wie im damaligen Westdeutschland. Doch der Aufbau und die pädagogische Ausrichtung unterschieden sich in einigen Punkten deutlich.
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         Der theoretische Unterricht fand an medizinischen Fachschulen statt, die eng mit Krankenhäusern kooperierten. Dort wurden die Auszubildenden in den berufspraktischen Alltag eingeführt. Ein zentrales Element dieser Ausbildung war der hohe Praxisanteil. Verantwortlich dafür war die leitende Schwester des jeweiligen Hauses, die nicht nur organisatorisch, sondern auch pädagogisch eine Schlüsselrolle einnahm. Ihr Anspruch war es, den Nachwuchs nicht allein in den Handgriffen der Pflege zu schulen, sondern auch das fachliche und ethische Verständnis hinter den Tätigkeiten zu vermitteln.
         &#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Eine besondere Bedeutung kam den sogenannten Ausbildungsstationen zu. Sie wurden nach klaren Kriterien ausgewählt: ausreichende Personalstärke, hohe fachliche Kompetenz und ein Team, das als berufsethisch gefestigt galt. Für die Anleitung der Auszubildenden benannte die leitende Schwester erfahrene Pflegekräfte als Lehrbeauftragte – eine frühe Form der heutigen Praxisanleitung. Diese Fachkräfte begleiteten die Schüler gezielt durch die Einsätze, führten sie an praktische Aufgaben heran und überprüften deren eigenständige Arbeit. Idealerweise hatten sie zuvor die Fortbildung „Pädagogisches Minimum“ absolviert, die grundlegende didaktische Fähigkeiten vermittelte.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Auch im Bereich der Weiterbildung bot die DDR ein breites Spektrum an Spezialisierungen an: von Intensiv- und Anästhesiepflege über Dialyse und OP-Pflege bis hin zur Gemeindekrankenpflege. Als besonders anspruchsvoll galten die Studiengänge Medizinpädagogik und Diplom-Krankenpflege an der Humboldt-Universität zu Berlin. Letzterer sollte Pflegefachkräfte befähigen, sowohl ihre pflegerische Expertise zu vertiefen als auch Leitungsaufgaben souverän zu übernehmen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           1. Struktur der Pflegeausbildung in der DDR
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Einheitlichkeit und Zentralisierung:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die Pflegeausbildung war weitgehend zentral geregelt, mit einheitlichen Vorgaben für Inhalte, Dauer und Prüfungen – im Kontrast zur westdeutschen Trägervielfalt. Pflege war Teil der Kategorie "mittlere medizinische Berufe", eingebettet in die Planlogik des Gesundheitswesens.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Integration von Kranken- und Kinderkrankenpflege:  
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          In der Studie von Andrea Thiekötter werden explizit beide Bereiche untersucht – ein Hinweis darauf, dass strukturelle Parallelen und spezifische Unterschiede (z. B. in der Kinderkrankenpflege) sichtbar gemacht werden. Die Systematik der DDR bringt hier klare Linien, die in Westdeutschland eher historisch gewachsen und heterogen waren.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ausbildungsorte:  
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Schulen an Krankenhäusern, medizinischen Akademien, ggf. Polikliniken – also enge Anbindung an die Versorgungspraxis
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           2. Inhalte und Leitbilder
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Fachlich-medizinische Ausbildung:  
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
            Solide, stark an der medizinischen Versorgung orientiert – typische Fächer wie Anatomie, Krankheitslehre, Pharmakologie, Pflegehandlungen, ergänzt durch spezifische Bereiche für Kinderkrankenpflege.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Politisch-ideologische Inhalte: 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
            Die Curricula integrierten sozialistische Staatsbürgerkunde und marxistisch‑leninistische Grundlagen, um die Pflegekraft als sozialistische Persönlichkeit im Dienst des Kollektivs zu formen. Ausbildung war nicht nur Berufsqualifikation, sondern politische Formierung.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Berufsbild:  
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
            Die Pflegekraft erscheint als pflichtbewusste, kollektive, arbeitsorientierte Fachkraft, deren Tätigkeit auf die Gesunderhaltung der Werktätigen und der Bevölkerung ausgerichtet ist – also ein stark arbeitsgesellschaftliches Gesundheitsverständnis.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           3. Ausbildung des Lehrpersonals
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Eigenständiger Fokus der Studie von Andrea Thiekötter:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
            Ein wichtiger Mehrwert des Buches ist, dass Thiekötter nicht nur die Schülerinnen, sondern ausdrücklich die Ausbildung des Lehrpersonals für die mittleren medizinischen Berufe in den Blick nimmt.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Qualifikationswege: 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
            Es gab klar strukturierte Wege zur Qualifizierung von Lehrkräften, mit staatlich geregelten Inhalten, die sowohl fachliche, pädagogische als auch politische Komponenten beinhalteten.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Funktion von Lehrenden:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Lehrkräfte waren nicht nur Wissensvermittler, sondern Träger und Multiplikatoren der sozialistischen Ideologie im Berufsbildungssystem – also Akteure der Reproduktion des Systems.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           4. Staatlich vs. konfessionell
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Konfessionelle Einrichtungen in einem sozialistischen Staat: 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           Andrea Thiekötter untersucht explizit staatliche und konfessionelle Bereiche – das ist wichtig, weil die DDR offiziell säkular-sozialistisch war, aber kirchliche Träger in Nischen existierten.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Konvergenzen und Divergenzen:  
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
            Zu erwarten (und typisch für solche Analysen) sind:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
            - starke Angleichung an staatliche Vorgaben in Struktur und Fachinhalten  
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
            - gewisse Unterschiede in Haltung, Ethos und vielleicht bestimmten Lehrinhalten (z. B. christliches Menschenbild vs. sozialistisches Menschenbild)  
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
            - zugleich eine Ambivalenz: kirchliche Häuser waren teils Schutzräume, aber auch eingebunden in die sozialistische Realität
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Andrea Thiekötter arbeitete in ihrer Studie klar die Vorzüge der DDR-Krankenpflegeausbildung heraus:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          klar strukturierte Curricula, statt bloß historisch gewachsener Vielfalt wie in Westdeutschland
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          frühe und systematische Integration von Theorie und Praxis
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          systematische Qualifizierung des Lehrpersonals, nicht nur „praktische Experten, die nebenbei lehren“  
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          möglicherweise stärkere Verankerung von Prävention, Gemeinwesenorientierung und kollektiver Verantwortung – Aspekte, die heute in Care-Debatten wieder auftauchen
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Dementsprechend bleibt die Frage, die in heutigen Pflege-Debatten permanent auftaucht:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Was ging bei der Wiedervereinigung an Wissen, Strukturen und Potenzial verloren, weil das DDR‑System pauschal abgewertet und überdeckt wurde?
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Andrea Thiekötter kann mit ihrer Studie blinde Flecken ausgleichen, denn d
          &#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           ie deutsche Pflegegeschichtsschreibung war lange westdeutsch dominiert. Thiekötter leistet eine Korrektur, indem die DDR nicht nur als Mangelverwaltung erscheint, sondern als eigenständiges, ambivalentes, historisch relevantes Modell.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        
            Verwendete Literatur: 
           &#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Andrea Thiekötter: Pflegeausbildung in der Deutschen Demokratischen Republik. Mabuse Verlag: 2006.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        
            Beiträge zu Pflege und Carearbeit:
           &#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;a href="/blog"&gt;&#xD;
        
            Historische Wurzeln, Teil 3b: Nachkriegsmoderne. Zwei deutsche Staaten: Krankenpflege in der DDR
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;a href="/familie-first-staat-second-historische-wurzeln-teil-3a-nachkriegsmoderne-zwei-deutsche-staaten"&gt;&#xD;
        
            Historische Wurzeln, Teil 3a: Nachkriegsmoderne. Zwei deutsche Staaten: Der Beginn in Westdeutschland
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;a href="/familie-first-staat-second-historische-wurzeln-teil-2-jahrhundertwende-weimarer-jahre-und-nazi-euthanasie"&gt;&#xD;
        
            Historische Wurzeln, Teil 2: Jahrhundertwende, Weimarer Jahre und Nazi-Euthanasie
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;a href="/familie-first-staat-second-historische-wurzeln-teil-1-spaetmittelalter-moderne-bismarck"&gt;&#xD;
        
            Historische Wurzeln, Teil 1: Spätmittelalter, Moderne, Bismarck
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;a href="/pflege-staerken"&gt;&#xD;
        
            Pflege stärken
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;a href="/zukunft-der-pflege"&gt;&#xD;
        
            Care und Cure
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;a href="/zelfstrijkend-buurtzorg-und-zorghotels"&gt;&#xD;
        
            Das Pflegesystem in Holland
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;a href="/ehrenpflegas"&gt;&#xD;
        
            "Das war so ein bisschen wie Game of Thrones"
           &#xD;
      &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 13 Jan 2026 13:11:21 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Nachkriegsmoderne: Krankenpflege in BRD und DDR</title>
      <link>https://www.careworking.de/familie-first-staat-second-historische-wurzeln-teil-3a-nachkriegsmoderne-zwei-deutsche-staaten</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Historische Wurzeln, Teil 3a: Nachkriegsmoderne. Zwei deutsche Staaten 
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         Sehr unterschiedlich waren die Berufszugänge in der DDR und der Bundesrepublik Deutschland. Bereits in den 1950er Jahren wurde in der DDR die Krankenpflege in das Berufsausbildungssystem übernommen, während die Krankenpflegeschulen im Westen an Krankenhäuser angegliedert waren und über Schwesternwohnheime verfügten. Der Zugang zu den Schwesternheimen und zur Ausbildung blieb Männern im Westen verwehrt. 1965 wurde in der BRD ein Krankenpflegegesetz eingeführt, mit welchem auch die Pflegeausbildung an internationale Standards angepasst wurde, indem sie auf drei Jahre verlängert wurde. 
         &#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Der Beginn in Westdeutschland
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Am 28.09.1938 war im Dritten Reich das "Gesetz zur Ordnung der Krankenpflege" reichsweit in Kraft getreten, das nach 1945 nicht automatisch seine Gültigkeit verloren hatte. Die Ausführungen und Ausbildungsinhalte mit NS-Ideologie wurde lediglich gestrichen. Die Nazis hatten die Ausbildungszeit von zwei auf eineinhalb Jahre verkürzt, um genügend Pflegepersonal für den kommenden Krieg zu rekrutieren. Im Dezember 1942 wurde diese Ausbildungsverkürzung zurückgenommen, es entfiel danach das berufspraktische Jahr nach bestandener Prüfung. Bis 1957 gab es in der Bundesrepublik insgesamt 16 unterschiedliche Gesetze und Verordnungen zur Krankenpflegeausbildung. Zwischen 200 bis 300 Stunden Theorie in staatlich anerkannten Krankenpflegeschulen umfasste die weiterhin zweijährige Ausbildung. Zugangsvoraussetzungen waren ein Volksschulabschluss und ein einjähriges hauswirtschaftliches Praktikum. Im Juli 1945 hatte sich die Berufsorganisation der Krankenpflegerinnen Deutschlands wiedergegründet, die sich 1938 aufgelöst hatte. Nun firmierten sie unter dem Namen von Agnes Karll als Berufsverband, der sich stark für eine Reform der Ausbildung einsetzte. Deren Forderungen wurden vom Gesetzgeber ignoriert. 1949 wurde ein Ausschuss der Länder gegründet, um einen Gesetzesentwurf zur Neuordnung der Krankenpflege vorzubereiten. Der Agnes-Karll-Verband votierte für eine dreijährige Ausbildung und für die Einrichtung von Pflegevorschulen, von denen es vereinzelt in den Ländern ein paar gab. In diesen Vorschulen sollte die Allgemeinbildung von Volksschülerinnen vertieft werden und damit auch das hauswirtschaftliche Jahr ersetzt werden. Eine einheitliche Regelung zu diesen Vorschulen konnte nie erreicht werden.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist vom Personalmangel in der Pflege die Rede. Höherqualifizierung des Berufes zur Steigerung seiner Attraktivität gehörte vor allem von Seiten der Berufsverbände zu den Vorschlägen. Gegner dieser Linie waren Vertreter der konfessionellen Krankenpflege mit ihrem tradierten Pflegeverständnis (der Barmherzigkeit), Gewerkschaften wollten weiterhin Personen mit niederen Schulabschlüssen nicht den Zugang verwehren und der Gesetzgeber zeigte wenig Initiative, die Ausbildungsstruktur in der Krankenpflege zu ändern. Über Jahrzehnte wurden so durchgreifende Ausbildungsreformen ausgebremst. Hauptargument war, dass eine Höherqualifizierung und höhere Zugangsvoraussetzungen den Kreis der Bewerber einschränken würde. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Doch es gab auch viele Gegner einer Verlängerung der Ausbildung, die mit der gravierenden Personalnot argumentierten. Diese Personalnot führte auch dazu, die Forderung nach dem Schutz der Ausbildung der Krankenpflege abzulehnen. Denn so wäre eine abgeschlossene Berufsausbildung Voraussetzung für die Tätigkeit in der Pflege gewesen und hätte das Ausscheiden von Tausenden aus der Pflege bedeutet.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Der zweijährige Lehrgang, dem sich ein einjähriges Praktikum anschloß, fand in einem von permanentem Personalmangel geprägten Krankenhaus statt. Bei in der Regel geteiltem Dienst war die Arbeitszeit von 6.00 bis 13.00 Uhr und von 16.00 bis 20.00 Uhr bzw. so lange, bis die Arbeit fertig war. Schülerinnen wurden bevorzugt in den Mittagsdienst eingeteilt. Der theoretische Unterricht (ca. 300 Stunden) fand oft zu unregelmäßigen Zeiten des Tages statt; vor dem Examen gab es auch Unterrichtsnachmittage. Die Arbeit der Schülerinnen war so organisiert, daß ihre Abwesenheit auf der Station möglichst keine Lücken hinterließ. Vier Wochen alleiniger Nachtdienst (20.00 bis 6.00 Uhr) im Turnus von ca. vier Monaten war für die Schülerinnen üblich. Schülerinnen im Nachtdienst waren bei dem Unterricht am Nachmittag zur Teilnahme verpflichtet. Die Schule selbst hatte keine für die Ausbildung der Schülerinnen freigestellte Unterrichtsschwester. Die Oberschwester übernahm diese Aufgabe mit. Ein Chefarzt war der Leiter der Schule, der Arztunterricht hatte Vorrang vor dem Pflegeunterricht.
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ruth Elster: Der Agnes Karll-Verband und sein Einfluss auf die Entwicklung der Krankenpflege in Deutschland. DBfK: 2003, S. 60
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Nach der Abschlussprüfung wurden die Schwestern als examinierte Fachkräfte eingesetzt. Es dauerte bis 1957, bis am 15. Juli das Gesetz über die Ausübung des Berufs der Krankenschwester, des Krankenpflegers und der Kinderkrankenschwester verabschiedet wurde.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Gesetz über die Ausübung des Berufs der Krankenschwester, des Krankenpflegers und der Kinderkrankenschwester vom 15. Juli 1957
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Erstmals wurde die Kinderkrankenpflege in dieses Gesetz einbezogen und die sogenannte Geisteskrankenpflege, die in den Krankenpflegegesetzen von 1906 und 1938 noch nicht benannt worden war, ebenfalls. Grundlegend war die Erhöhung der Ausbildungsjahre auf drei Jahre. In der Praxis sah es allerdings so aus, dass die Prüfung nach dem zweiten Ausbildungsjahr erfolgte und im dritten Ausbildungsjahr lediglich ein obligatorisches Praktikum ohne theoretischen Unterricht vorgesehen war. Betont werden muss trotz dieses Gesetzes, dass in der Bundesrepublik die Krankenpflegeausbildung nicht in das bestehende Ausbildungssystem eingebunden war, so dass das Berufsbildungsgesetz nicht zur Anwendung kam und es somit keine duale Ausbildung in der Krankenpflege gab. Krankenpflegeschulen hatten einen Sonderstatus als "Schulen des Gesundheitswesens" und beispielsweise mussten Lehrkräfte keine Lehramtsbefähigungen oder Lehramtsprüfungen vorweisen. Der Unterricht wurde von vormals 200 oder 300 Stunden auf 400 Stunden theoretischen Unterricht erhöht. Symptomatisch war dies für die weiterhin geringe Bedeutung der Theorie  für die Krankenpflege. Zu den wichtigsten Befürwortern einer höher qualifizierten Krankenpflegeausbildung gehörten die Vertreterinnen der Schwesternschule der Universität Heidelberg. Bereits im Sommer 1946 organisierte die amerikanische Militärregierung eine Unterredung zum Thema der Errichtung einer Schwesternschule: Voraussetzung der Schulaufnahme sollte ein mittlerer Schulabschluss darstellen, dem man große Beachtung schenkte, denn dieser sollte das Niveau anheben. Lehrkräfte sollten mindestens über ein Abitur verfügen. Finanziert werden sollte diese Schule durch die Rockefeller Foundation, die ähnliche Einrichtungen bereits in der Schweiz finanzierte. Voraussetzung war zudem, dass der Lehrplan die öffentliche Gesundheitsfürsorge berücksichtigen sollte. Außerdem sollten die zukünftigen Mitglieder des Lehrkörpers durch Stipendien der Rockefeller Foundation unterstützt werden, um sich in einem internationalen Umfeld auf hohem Niveau weiterqualifizieren zu können.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Schwere Gegenwehr gab es für dieses Vorhaben aus Schwesternverbänden, welche die bisherige Ausbildung für ausreichend ansahen und eher in spezialisierten Weiterbildungen den akuten Mangel feststellten. Mittels Kompromisses löste man diesen Dissens: Man konzipierte stattdessen eine zweijährige Ausbildung, an die sich ein drittes freiwilliges Jahr anschloss, in welchem Schülerinnen in Gemeindepflege, Kinder- und Säuglingspflege oder Geisteskrankenpflege Spezialisierungen abschließen konnten. Die Rockefeller Foundation und der Schwedische Schwesternverband lobten hierfür Stipendien aus und für den Schulbesuch wurde ein Schulgeld erhoben. Im ersten und zweiten Lehrjahr sah der Lehrplan insgesamt 612 Schwestern und 476 Arztstunden vor; die Lernschwestern wurden nicht als Arbeitskräfte gezählt und sie bekamen eine Lehrschwester, die ihnen praktische Anleitung gab und sie kontrollierte. Die Eröffnung dieser Universitäts-Schwesternschule in Heidelberg fand am 29. Mai 1953 statt, 75 Schülerinnen wurden beschult. Im Jahr 1958 führte auch die Schwesterschule der Arbeiterwohlfahrt in Marl (Nordrhein-Westfalen) die dreijährige Ausbildung ein: Mit einem theoretischen Unterricht von 1,200 bis 1.400 Stunden im Blocksystem und praktischen Schulungen. Im Jahr 1962 schließlich eröffnete der Agnes Karll-Verband zusammen mit der Stiftung Hospital zum heiligen Geist eine staatlich anerkannte Krankenpflegeschule in Frankfurt am Main mit ca. 1.200 Stunden theoretischer Ausbildung. Zur gleichen Zeit wurde eine kommunale Einrichtung in München eröffnet, das städtische Ausbildungsinstitut für Krankenpflege startete mit 180 Ausbildungsplätzen und einer dreijährigen Ausbildung. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Keine Ruhe gaben verschiedene Organisationen, in denen sich vor allem Krankenschwestern um politische Mitsprache bemühten, bezüglich einer Professionalisierung und Vereinheitlichung der Ausbildung in der Bundesrepublik. Die Deutsche Schwesterngemeinschaft (DSG) machte "Vorschläge zur Ausbildungsordnung zum Gesetz über die Ausübung des Berufs der Krankenschwester, des Krankenpflegers und der Kinderkrankenschwester", welche im Jahr 1962 der Regierung unterbreitet wurden. Die Forderungen lauteten u.a.: Eine dreijährige Ausbildung einzuführen, Verzicht auf die Zählung von Arbeitskräften während der Ausbildung, eine hauptamtliche vorgebildete Unterrichtsschwester pro Ausbildungsstätte für je 30 Schülerinnen und 1964 wurde schließlich noch die Forderung hinzugefügt, mindestens 1.500 Theoriestunden, d.h. ein Drittel der Ausbildungszeit festzuschreiben. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Am 20. September 1965 wurde schließlich das Gesetz zur Änderung des Krankenpflegegesetzes, als neues Krankenpflegegesetz verabschiedet. Zuvor hatten die politischen Parteien im Bundestag über verschiedene Kontroversen gestritten, so lehnten die Fraktionen der Regierungsparteien von CDU/CSU gemeinsam mit der FDP den Schutz der Berufsausübung und die gesetzliche Gewährleistung beruflicher Fortbildung ab. Den Antrag für die umfassende Reformierung der Krankenpflege hatte die SPD im Jahr 1963 gestellt. Eine dreijährige Ausbildung, ein mittlerer Bildungsabschluss als Zugangsvoraussetzung, bezahlte Fortbildungen und die Ermöglichung des beruflichen Aufstiegs, die Konzeption einer einjährigen Ausbildung mit geringen Anforderungen und den Schutz der Berufsausübung beinhaltete dieser Antrag. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Schwerpunkte des Gesetzes zur Änderung des Krankenpflegegesetzes
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Mittlerweile hatten einige Bundesländer, wie Berlin und Hessen, die Volksschulbildung auf zehn Jahre erhöht - hierzu liefen Modellprojekte in den Ländern. Deshalb hieß es nun in diesem neuen Bundesgesetz, dass eine abgeschlossene Realschulbildung oder eine entsprechende Schulbildung oder eine "andere abgeschlossene zehnjährige Schulbildung" Zugangsvoraussetzung sei. Für Absolventen der neunjährigen Volksschulausbildung musste sich nun zwangsläufig erst eine abgeschlossene Berufsausbildung anschließen oder die Zulassung an einer dreijährigen Pflegevorschule erfolgen. Die Übergangsregelungen waren noch bis zum Jahr 1974 gültig.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die Ausbildung dauerte nun drei Jahre mit mindestens 1.200 Stunden Theorie und 100 Vertiefungsstunden. Als Abschlusskriterien wurden neu definiert: Eine dreistündige Abschlussarbeit, eine mündliche Prüfung und davor einen Bericht über eine zweitägige Pflege, der durch einen Arzt bestätigt wurde. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Neu eingeführt wurde die einjährige Ausbildung für Krankenpflegehelferinnen und -helfer, um dem notorischen Pflegenotstand zu begegnen. Damit ging in der Krankenpflege eine Trennung der Grund- und Funktionspflege einher. Dieses Gesetz war schließlich 20 Jahre in der Bundesrepublik in Kraft. In der Zwischenzeit hatte es mehrere Regierungswechsel gegeben und es wurde die Frage diskutiert, ob die Ausbildung an einer Berufsfachschule stattfinden sollte oder nach dem Berufsbildungsgesetz geregelt werden sollte. In den 1970er Jahren wurde darüberhinaus auch über die Finanzierung der Ausbildung gestritten durch die Kostendämpfungsgesetze (Krankenhausfinanzierungsgesetz 1972, Erlass der Bundespflegesatzverordnung 1973).
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Im Sommer 1985 wurde schließlich das Gesetz über die Berufe in der Krankenpflege eingeführt. Ab diesem Zeitpunkt gab es für die Auszubildenden eine verbindliche Ausbildungsvergütung und einen Ausbildungsvertrag mit dem Träger der Ausbildung, der verbindliche Optionen beinhalten musste. Krankenpflegeschulen wurden nun per Gesetz wieder zu Berufsfachschulen besonderer Art institutionalisiert - zwischen dualer und schulischer Ausbildung. Zwar hatten sich politische Parteien in den 1970er Jahren an dem Berufsbildungsgesetz orientiert, dennoch verhinderten besonders die konfessionellen Krankenhausträger die Gleichsetzung der Krankenpflege mit anderen Berufen. Gegen den Deutschen Berufsverband für Krankenpflege (DBfK), der für die Einrichtung von Berufsfachschulen eintrat und mit den Gewerkschaften für die Eingliederung in das duale System aussprach. Die Regierung folgte den konfessionellen Trägern, weil dadurch die Gleichstellung der Lehrkräfte zu den Pädagoginnen der allgemeinbildenden und berufsbildenden Einrichtungen vermieden werden konnte. Beispielsweise sprach sich der Deutsche Städtetag gegen die Einbeziehung aus und argumentierte mit den anfallenden Kosten für den Schulträger. Die Unterrichstunden der Theorie wurden auf 1.600 Stunden erhöht, hinzu kamen 100 Stunden zur Vertiefung einzelner Fächer. Erstmals gab es einen Positiv-Katalog, in welchem die Zielsetzungen für die Ausbildung festgelegt wurden. Dadurch kam es zu den Festlegungen, welche Aufgaben ausgebildeten Pflegefachpersonen obliegen. Geblieben waren die niedrigen schulischen Zugangsvoraussetzungen, entgegen den Forderungen von ProtagonistInnen der Krankenpflege, die auf eine Professionalisierung des Berufes drangen. Als Ausbildungsziel wurde lediglich festgelegt, dass eine "verantwortliche Mitwirkung bei der Verhütung, Erkennung und Heilung von Krankheiten erfolge".
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Dabei durften Pflegende nur auf ärztliche Anordnung hin tätig werden und tragen lediglich die Verantwortung für deren fachkundige Umsetzung. Als 'Heilhilfsberuf' bezeichnet, wird so pflegerisches Tun auf handwerkliches Handeln reduziert, in dem eigenständiges Denken und Handeln nicht vorgesehen sind.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Weitere Beiträge zur Pflege: 
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;a href="/familie-first-staat-second-historische-wurzeln-teil-2-jahrhundertwende-weimarer-jahre-und-nazi-euthanasie"&gt;&#xD;
      
           Historische Wurzeln, Teil 2: Jahrhundertwende, Weimarer Jahre und Nazi-Euthanasie
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;a href="/familie-first-staat-second-historische-wurzeln-teil-1-spaetmittelalter-moderne-bismarck"&gt;&#xD;
      
           Historische Wurzeln, Teil 1: Spätmittelalter, Moderne, Bismarck
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;a href="/pflege-staerken"&gt;&#xD;
      
           Pflege stärken
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;a href="/zukunft-der-pflege"&gt;&#xD;
      
           Care und Cure
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;a href="/zelfstrijkend-buurtzorg-und-zorghotels"&gt;&#xD;
      
           Das Pflegesystem in Holland
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;a href="/handicap-pay-gap-in-pflegeberufen"&gt;&#xD;
      
           Handicap Pay Gap in Pflegeberufen
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;a href="/ehrenpflegas"&gt;&#xD;
      
           „Das war so ein bisschen wie Game of Thrones“
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;a href="/die-spanische-grippe-ein-lehrstueck-fuer-pandemien"&gt;&#xD;
      
           Die spanische Grippe – ein Lehrstück für Pandemien
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;a href="/lady-with-the-lamp-zu-den-unterschieden-der-pflegesysteme-in-deutschland-und-den-nordischen-laendern"&gt;&#xD;
      
           Lady with the Lamp - zu den Unterschieden der Pflegesysteme in Deutschland und den nordischen Ländern
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Benutzte Quellen:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Syvelyn Hähner-Rombach, Pierre Pfütsch (Hrsg.): Entwicklungen in der Krankenpflege und in anderen Gesundheitsberufen nach 1945. Marbuse-Verlag: 2018, S. 160
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 11 Jan 2026 15:14:43 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Familie first, Staat second: Historische Wurzeln, Teil 2: Jahrhundertwende, Weimarer Jahre und Nazi-Euthanasie</title>
      <link>https://www.careworking.de/familie-first-staat-second-historische-wurzeln-teil-2-jahrhundertwende-weimarer-jahre-und-nazi-euthanasie</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Historische Wurzeln, Teil 2: Jahrhundertwende, Weimarer Jahre und Nazi-Euthanasie
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         Im zweiten Teil dieser Beitragsserie über die historische Entwicklung der Kranken- und Altenpflege in Deutschland folgt nun die sogenannte Gründerzeit um 1900 bis hin in die dunklen Jahre der Nazi-Zeit. Auffällig bei der Recherche in Forschungsarbeiten war ein eingetretener Wertewandel in dieser Zeit, der symptomatisch beschrieben wird - heute würde man zugespitzt vom Agismus sprechen. Der Zeitgeist wandte sich hin zur Jugendlichkeit: Schwung, Aufbruchseuphorie und Innovationskraft zählten jetzt zu den Leitwerten der deutschen Gesellschaft. Alter verlor seine Funktion als Wertgeber. Alt war keine deskriptive Beschreibung des Lebensalters mehr, sondern ein Ausdruck für weniger modern.
         &#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Erstaunlicherweise gibt es bezüglich dieses Wertewandels in den vergangenen beiden Jahrhunderten in Deutschland, speziell Ende des 19. Jahrhunderts bis Mitte des 20. Jahrhunderts,  viele weiße Flecken statt einer systematischen geschichtswissenschaftlichen Erforschung. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Für das 19. Jahrhundert hat die historische Bürgertumsforschung die Entstehung und Veränderung der sogenannten „bürgerlichen Werte“ herausgearbeitet; für das darauffolgende Säkulum ist sie unterdessen fragmentarisch geblieben. Dabei handelt es sich bei dem von den Sozialwissenschaften ermittelten Wertewandel um Verschiebungen gerade in den Bereichen, die seitens der Bürgertumsforschung als Kernbereiche der „bürgerlichen Werte“ ausgemacht worden sind: Familie, Arbeitsethos und Leistungsbereitschaft, Bildung und Hochkultur, Selbständigkeit, Individualität und Gemeinwohlverpflichtung sowie Religiosität und Kirchlichkeit.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          "Werte und Wertewandel in Moderne und Postmoderne", Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften der Johannes Gutenberg Universität Mainz, DFG-Projekt
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Ursachen für einen Wertewandel sind komplex, vereinfacht gesagt können Aspekte sein:
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Technische Innovationen
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          neue Möglichkeiten, neue Aspekte von Lebensqualität, etc.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Verlust von gewohnten Merkmalen der Lebensqualität
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Epidemien, Pandemien, Ressourcenverluste, massiver Wettbewerb, Bankrott, Schicksalsschläge
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Evolutionäre (naturbedingte) Notwendigkeit
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Naturkatastrophen, Klimawandel, Überbevölkerung
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Territoriale Veränderungen
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Krieg mit Übernahmen, nationale Vereinigungen, Auswanderungswellen etc.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Verschmelzungen von Kulturen
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Werteemulsion; Landesflucht, Fusionen, Internationalisierung von Unternehmen etc.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Manipulation
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Fanatismus, mediale Negativberichterstattung, Intriganz, Erpressung, Guru Anbetung, etc.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Höheres Bewusstsein
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          freies Wissen, Erkenntnisse durch Entdeckungen etc.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Siehe: https://www.wertesysteme.de/werte-glossar/wertewandel/
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Benjamin Möckel machte in seinen Forschungsarbeiten auf drei, teils gegenläufige Entwicklungen aufmerksam, welche die Alterswahrnehmung in den 1870ern bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein prägten: demographischer Wandel, die Entwicklung der Sozialversicherung und ein kultureller Wandel in der Alterswahrnehmung, der den Gegensatz von Jung und Alt zum politischen und gesellschaftlichen Schlagwort werden ließ. Während die Etablierung des modernen Ruhestands als eine wirkungsmächtige sozialpolitische Entwicklung des 20. Jahrhunderts gilt, gibt es hier auch die Gegengeschichte des kulturellen Ressentiments gegenüber dieser Lebensphase des Alters.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Eine Rente, so wurde in diesem Kontext argumentiert, könne nur auf der Grundlage individueller Arbeitsunfähigkeit gewährt werden, nicht aber auf der Grundlage formal festgelegter Altersgrenzen. Dieses Argument reicht in Deutschland bis in die Anfänge der sozialpolitischen Alterssicherung zurück und fand sogar in der Sozialdemokratie Zustimmung.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Benjamin Möckel: "Mit 70 Jahren hat kein Mensch das Recht, sich alt zu fühlen."- Altersdiskurse und Bilder des Alters in der NS-Sozailpolitik. Österreichische Zeitschrift für Geschichte, Jg. 2011, S. 112-135
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Sprunghafte Veränderungen im Deutschen Reich seit den 1870er Jahren
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Mit den wissenschaftlichen Fortschritten in der Medizin und anderen Wissenschaften kam es zu einer Verringerung der Säuglingssterblichkeit, Gesundheit und Hygiene wurden öffentlich diskutiert und öffentliche Aufklärungskampagnen informierten über die Zusammenhänge von Unsauberkeit und Krankheitserregern. Die medizinische Versorgung und Sozialhygiene wurde verbessert, die Kanalisation und das Trinkwassernetz ausgebaut, die Privathaushalte wurden mit Wasser, Gas und Strom versorgt. Neue chemische Arzneimittel, die eingeführte Sozialgesetzgebung und der Arbeitsschutz führten zu einem Sprung der Lebenserwartung.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Lag die Lebenserwartung im Jahr 1871 bei durchschnittlich 37 Jahren, so betrug sie im Jahr 1910 bereits 47 Jahre. Auch der Zuzug aus den ländlichen Kreisen in die Städte hatte aufgrund der Industrialisierung drastisch zugenommen. Die Agrarkrise der 1870er Jahre führte zu niedrigen Löhnen, so dass die LandarbeiterInnen in die Städte strömten, vor allem aus Ostdeutschland, so dass sich im Westen das soziale und wirtschaftliche Schwergewicht bildete. Die Metropolen wuchsen deutlich aufgrund der Urbanisierung, beispielsweise im Ruhrgebiet. Die Elektrifizierung versorgte die Städte, öffentliche Gebäude, Firmen, aber auch 10 Prozent der Privatwohnungen mit Strom. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Die 1920er Jahre
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Im August 1919 trat die erste parlamentarische Verfassung der Weimarer Republik in Kraft und mit ihr der Artikel 161: Eine verbindliche Sozialpolitik mit umfassenden Versicherungswesen gegen Risiken. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Zur Erhaltung der Gesundheit und Arbeitsfähigkeit, zum Schutz der Mutterschaft und zur Vorsorge gegen die wirtschaftlichen Folgen von Alter, Schwäche und Wechselfällen des Lebens schafft das Reich ein umfassendes Versicherungswesen unter maßgebender Mitwirkung der Versicherten.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Art. 161 der Weimarer Reichsverfassung vom 11.08.1919, Reichsgesetzblatt 1919, S. 1383
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Doch die Hoffnungen wurden wenige Jahre später bitter enttäuscht, bereits in den Jahren 1923/24 führte die Inflation zur Geldentwertung, was am stärksten die Rentenversicherung negativ beeinflusste. Hinzu kam die steigende Anzahl von Rentnern. Bis 1928 wurde die Sozialversicherung wieder stabilisiert: „Im Durchschnitt stieg der Prozentsatz der in den verschiedenen Zweigen versicherten Personen von 46 Prozent (1920) auf bemerkenswerte 62 Prozent (1929). Die Sozialleistungsquote […] erreichte einen Stand von 15 Prozent, dreimal so viel wie im Jahre 1914.“
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ab 1928 folgten die Jahre der Weltwirtschaftskrise, wodurch auch die Rentenversicherung von den strikten Sparmaßnahmen im Staatshaushalt betroffen war. Es entwickelten sich unterschiedliche Formen an Unterkünften für alte Menschen: Altenwohnheime, Altersheime, Armenhäuser, Siechenhäuser und Altenpflegeheimen. In den Wohnheimen waren alte Menschen selbstständig, während in Einrichtungen der Siechenhäuser und Altenpflegeheimen die Pflege in den Vordergrund rückte.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Exkurs: Siechenhäuser in der Weimarer Republik
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          "Die Siechenhäuser, Vorläufer der Altenpflegeheime und -krankenheime, kannten bis Ende des 19. Jahrhunderts kaum patientendifferenzierende Pflege und Behandlung. Dies galt insbesondere hinsichtlich alter chronisch kranker Menschen, die sich nur sehr allmählich aus der Sammelgruppe der Siechen in den Anstalten herauskristallisierten. Dies geschah nicht aufgrund zielgerichteter Professionalisierungsbestrebungen. Dieser Prozeß verwies vielmehr auf funktionale Erfordernisse des Sozial- und Gesundheitswesens."
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          K.H. Irmak: Anstaltsfürsorge für “Alterssieche” von Weimar bis Bonn (1924–1961), Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie volume 31, 1998, S. 438–447
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          In der Weimarer Republik wird der Ausbau der Heimunterbringung für alte Menschen betrieben und mit Wohnungspolitik verbunden. Für alte Menschen interessiert sich die Medizin nicht sonderlich, trotz des zunehmenden medizinischen Fortschritts. Die Menschen werden älter, allerdings nehmen auch chronische Erkrankungen zu. Zunehmend stoßen Krankenhäuser an ihre Kapazitäten. Man baut spezialisierte Einrichtungen auf bzw. baut schon bestehende aus. Kommunen klagen über explodierende Kosten der Krankenhäuser, so werden Siechenhäuser zum Sparprogramm mit einfacher Ausstattung und schlecht ausgebildetem Pflegepersonal. Die Bewohner der Siechen müssen in anstaltseigenen Werkstätten leichte Arbeiten verrichten. Das Pflegepersonal besteht aus angelernten FabrikarbeiterInnen, ehemaligem Hauspersonal, Insassenwärtern (ehemalige Insassen) und manchmal ausgebildeten Krankenschwestern, die nicht lange bleiben aufgrund der Zustände. Überfüllte Säle, Gestank und unwürdige hygienische Bedingungen und darüberhinausgehend für die Insassen brutale Behandlung zeichnen das Schreckensbild dieser Zeit.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          "Die wohlfahrtspolitische Leitwissenschaft der Sozialhygiene in der Weimarer Republik wie auch die Leitideologie des “Dritten Reiches”, die Rassenhygiene, hatten in Bezug auf die soziale Klassifizierung nach dem Alter eine Blindstelle mit markanten Folgen für die betagten “Siechen” in den “Euthanasie”-Aktionen während des Zweiten Weltkriegs. Das Jahr 1945 war für die Anstaltsbewohner in der Regel keine Befreiung. Ihre Misere setzte sich in drei Hungerjahren fort. Erst seit Mitte bzw. Ende der 1950er Jahre konnte das Heimwesen von der allgemeinen Aufwärtsentwicklung im Sozial- und Gesundheitswesen profitieren." (K.H. Irmak: 1998)
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Schon vor 1933 trat die nationalsozialistische Bewegung in ihrer Selbstinszenierung als empathischer Jugendwahn auf. In Abgrenzung zu den demokratischen Parteien der Weimarer Republik inszenierten sich die Nazis als betont jugendliche Bewegung. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Nazi-Zeit und Euthanasie
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die Gleichschaltung der Nazis setzt auch bei der Wohlfahrt ein; selbstorganisierte Vereinigungen werden verboten und es wird die "Naionalsozialistischee Volkswohlfahrt (NSW) gegründet und das Gesundheitswesen zentralisiert. Mit der aufbauenden "Volkspflege" sollen die gesunden und produktiven Volksgenossen gefördert werden. Sozialpolitik ist Rassenpflege. Pflegebedürftige erhalten nur noch ein Minimum an Mindestsicherung. Konfessionelle Einrichtungen kümmern sich um die Alten, Kranken und Behinderten, denen aufgrund der Rassentheorie die Existenz als unproduktives Leben abgesprochen wird. Siechenpflege wird Teil der Tötungsindustrie der Nazis. Mit Kriegsbeginn können Siechenheime geräumt werden, um kurzfristig zu Lazaretten für Kriegsverletzte umfunktioniert zu werden. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Am 14.07.1933 wurde von der NS-Diktatur das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ erlassen. In dem Gesetz galt als „unwertes Leben“, wer an folgenden Erkrankungen litt: angeborener Schwachsinn, Schizophrenie, zirkuläres Irresein, erbliche Fallsucht, erblicher Veitstanz, erbliche Blindheit, erbliche Taubheit, schwere erbliche körperliche Missbildungen und Alkoholismus. Alle infrage kommenden Personen sollten sterilisiert werden, wobei deren Einverständnis per Gesetz nicht erforderlich war. Ab 1940 wurden Menschen mit diesen Krankheitsbildern nachweislich ermordet (siehe Pirna-Sonnenstein). Die Patienten kamen über sog. Sammelanstalten (Arnsdorf) in die Tötungsanstalten.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Patientenakten der Psychiatrie des ehemaligen Stadtkrankenhauses Löbtauer Str. und der Medizinischen Akademie „Carl Gustav Carus“ Dresden 1934-1958,
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Universitätsarchiv der TU Dresden, Außenstelle Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus Dresden, S. 9
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Euthanasie-Debatte begann 1895 und wurde 1933 anschlussfähig
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Bereits vor der Jahrhundertwende, im Jahr 1895 hatte in Deutschland eine Euthanasie-Debatte unter modernistischen Intellektuellen eingesetzt, an der u.a. auch Ernst Haeckel teilnahm, die jedoch ohne politische Relevanz blieb. Eine Diskursänderung trat nach der Niederlage im I. Weltkrieg und der gescheiterten Novemberrevolution ein. Die Diskussion zog breitere Kreise und auch entschiedene Gegner der Euthanasie, beispielsweise aus kirchlich-theologischen Kreisen, konnten die Argumente der Euthanasie-Befürworter nicht mehr ignorieren, sondern sahen sich zu ernsthaften Diskussionsbeteiligungen gezwungen. Das führte zu einer Diskursverschiebung in den 1920er Jahren: Die Diskussion verlagerte sich in den zwanziger Jahren von der bislang dominierenden Tötung auf Verlangen immer stärker auf die „Vernichtung lebensunwerten Lebens". Nicht mehr das „Recht des Individuums zur Selbstverfügung über das eigene Leben" stand im Vordergrund, sondern das etwaige Recht der Gesellschaft zur Verfügung über individuelles, als sinn- und wertlos zurechtdefiniertes Leben. Mehrheitsfähig war diese Forderung in der Weimarer Republik nicht, schon gar nicht in den dominierenden Parteien in den Parlamenten, deren Wertekategorien und weltanschaulichen Prinzipien - theologisch, individuell-liberal oder sozialistisch - dem diametral gegenüberstanden. Das änderte sich schlagartig mit der Machtübernahme der Nazis 1933, wenngleich Michael Schwartz darauf verweist, dass diese Euthanasie-Debatte mit ihrem Ausgangspunkt 1895 und dem Wiederaufflammen und der Salonfähigkeit im Jahr 1920 durch den Juristen Karl Binding und den Psychiater Alfred Hoche, mithin zwei gesellschaftlich hochangesehenen Wissenschaftlern, durch die Nazi-Politik für grundsätzlich politikfähig erklärt wurde und die affirmativen Positionen zum Problem der Gesellschaft und ihrer Funktionseliten wurde. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Bestimmte Werthaltungen und Argumentationstypen des früheren „Euthanasie"-Diskurses jedoch sind keineswegs völlig vergangen. Es erscheint in dieser Hinsicht notwendig, auch die Geschichte der „Euthanasie"-Diskussion nicht etwa schlicht als spezifisches Problem des Dritten Reiches und seiner „Vorgeschichte" zu vergegenwärtigen, sondern als weiterhin gegebenes ethisches Problem moderner Gesellschaften überhaupt.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Michael Schwartz: "Euthanasie"-Debatten in Deutschland (1895-1945), Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Jahrgang 46 (1998), Heft 4, S. 617-665
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die Nazis verfolgten zwei Taktiken bezüglich des Ruhestands für alte Menschen: Zum einen gab es utopische Pläne für die Neuordnung der Altersversorgung, in welcher der Mythos der Volksgemeinschaft als Abbild einer neuen Generationengemeinschaft inszeniert werden sollte, doch zum anderen gab es die sozialpolitische Praxis, alte Menschen mit deren Interessen und Bedürfnissen systematisch zu vernachlässigen, indem das Primat der sozialpolitischen Effizienz betont wurde und Leistungsfähigkeit zur Leitidee der Sozialpolitik erhoben wurde. Initiiert wurden Forschungen in Medizin, Bevölkerungswissenschaft und Arbeitswissenschaft, welche die Probleme der Altersversorgung mit einer höheren Arbeits- und Leistungsfähigkeit bis ins höhere Alter hinein lösen sollten. Dadurch wurde in der Praxis vor allem auf ArbeiterInnen weiter Druck aufgebaut, auch nach Erreichen des Rentenalters erwerbsfähig zu bleiben. Bei Machtantritt ging es als allererstes darum, alte Menschen als potentiell ungenutzte Arbeitskraftressourcen so lang als möglich in der Lohnarbeit zu halten. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Es kann nicht angehen, dass Versicherte, wenn sie in das rentenfähige Alter eintreten und trotzdem noch, wie das ja häufig der Fall ist, voll leistungsfähig sind, nun ein Rentnerdasein führen. Wir wollen unser Volk nicht zu einem Rentnervolk erziehen, sondern zu einem Volk der Arbeiter.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Walter Schuhmann/Ludwig Brucker: Sozialpolitik im neuen Staat, Berlin 1934
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           Das Schlagwort der "Überalterung" der Gesellschaft stammt aus den Jahren des 3. Reichs, sie wurde zur Leitlinie nationalsozialistischer Sozialpolitik des Alters.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 07 Jan 2026 11:46:48 GMT</pubDate>
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      <g-custom:tags type="string">Geschichte der Pflege,Krankenpflege im III. Reich,Krankenpflege in Deutschland,Euthanasie,Krankenpflege in der Weimarer Republik</g-custom:tags>
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    <item>
      <title>Familie first, Staat second: Historische Wurzeln, Teil 1:  Spätmittelalter, Moderne, Bismarck</title>
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      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Spätmittelalter, Moderne, Bismarck
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         In verschiedenen Beiträgen habe ich schon zu den unterschiedlichen Wohlfahrtsregimen geschrieben. Während jenes der nordischen Länder als sozialdemokratisches typologisiert wird, zählen das holländische und das deutsche als konservativ, aber in Holland werden wie in Schweden nach universellen Kriterien alle Menschen (als Bürger) in die Fürsorge einbezogen, während in Deutschland Kosten reduziert werden sollen und Pflege nach SGB XI als Teilleistungsprinzip fungiert. Man kann anhand des Pflegeversicherungsbeitrags sehen, der zurzeit in Deutschland bei 3,05 % bzw. 3,3 % für Kinderlose rangiert, während in Holland zurzeit ca. 9,65 % vom Einkommen direkt an einen Langzeitpflegefonds entrichtet werden (siehe Blogbeitrag "Das Pflegesystem in Holland"), dass in Deutschland durch die seit 1995 eingeführte Pflegepflichtversicherung  lediglich ein Teilkaskobetrag erhoben wird. Zum damaligen Zeitpunkt, die Vereinigung hatte sehr viel Geld gekostet, Massenarbeitslosigkeit bedrohte die leeren Sozialkassen und "der Sozialstaat war erschöpft" (Trampusch: 2009), war der Pflegesektor das am frühesten vermarktlichte Segment sozialer Wohlfahrtsproduktion in Deutschland (Oschmiansky: 2013). Zum Schluss dieser Einleitung sei nochmal auf das Subsidaritätsprinzip als Ordnungsprinzip in Holland und in Deutschland verwiesen: Familie first, Staat second. Erst wenn die Familie mit der Fürsorge des Pflegebedürftigen überfordert ist, greift der Staat ein. Hingegen ist in Schweden diese Fürsorge eine Aufgabe des Staates, die zumeist kommunal ausgeübt wird.
         &#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Wichtig erscheint mir, auf die Ursprünge der Kranken- und der Altenpflege in Deutschland zurückzukommen, denn aus diesen Traditionen lassen sich heutige Entwicklungen ableiten. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Kurzexkurs Armenhäuser: Tradition aus dem Spätmittelalter
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die Armenfürsorge war in Deutschland eng mit der Pflege alter Menschen verknüpft, wenn sie nicht innerhalb von Familien versorgt werden konnten und nicht krank waren.  Spätestens mit der Reformation waren die Prinzipien der caritas brüchig geworden und es haben sich mit dem Jahrhundert Luthers, Calvins und dem Tridentinum aus den christlichen Werten der caritas säkulare Ansätze von Sozialpolitik entwickelt, damit ging auch eine Pädagogisierung einher.  
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Armenhäuser hatten sich seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts als neue Fürsorgeeinrichtungen etabliert, sie wurden schlicht als hospitalia bezeichnet oder je nach Region als  God's Houses, alm(e)shouse, domus eleemosynae bzw. elemosinarie, pore men hous, massendeu, sick houses, domus elemosinarie, domus oracionis oder auch: Zwölfbrüder-, Bruder- oder Seelhäuser, Gottesbuden, Armengänge oder Hofjes. Diese Bezeichnungen entstammten der speziellen Bauform, wenige Bewohnerinnen und Bewohner lebten wie in einem Stift in klar von einander getrennten Zimmern um einen Innenhof herum. Zu den Räumlichkeiten gehörten eine Kapelle, Gemeinschaftsräume und eine Küche.  (Rexroth, Frank: Armenhäuser - eine neue Institution der sozialen Fürsorge im späten Mittelalter. In: Geschichtliche Landeskunde, Band 56, Stuttgart: 2005)
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Der weitgehend auf ein primitives Lohnwärtersystem herabgesunkene Pflegestand und die unbeschreiblich schlechten hygienischen Verhältnisse in den Pflegestätten haben der Zeit vom Ende des 17. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts den düsteren Namen "Das dunkle Zeitalter der Pflege" gegeben. Bis zur Einführung besserer allgemeiner hygienischer Maßnahmen im 19. Jahrhundert mußten wegen Ansteckungsgefahren oft Anstalten geschlossen oder gar niedergerissen werden.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          (Schmid, Gabriele: Zur Geschichte der Pflege alter Menschen, Wiesbaden: 1997)
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Vom ausgehenden 18. Jahrhundert an mit der Weiterentwicklung der Medizin zur Naturwissenschaft begann die staatliche Kontrolle des Gesundheitssektors und der Bedarf an Krankenhäusern und besser qualifiziertem Personal. Unter dem Einfluss des aufgeklärten Absolutismus und des Humanismus kam es Anfang des 19. Jahrhunderts zu einem euphorischen Glauben an die armutsüberwindende Kraft der Arbeit und einen pädagogisch verstandenen Kampf gegen den Müßiggang. Das Gros der Armenfürsorge wurde aber weiterhin von privaten Wohlfahrtsorganisationen, Kirchen und Städten geleistet. Es kam zu einem Erstarken des Glaubenslebens und zur Gründung des Diakonissenamts - durch die Industrialisierung gab es finanzielle Unterstützung bei der Versorgung Alter und Kranker. Erwerbsunfähige alte Menschen gingen nahtlos in die Gruppe der Armen über und wurden der kommunalen Armenfürsorge anvertraut. Dafür gab es seit 31.12.1842 in Preußen das Gesetz über die Verpflichtung zur Armenpflege, wodurch die Gemeinden Unterstützungsleistungen gewähren mussten. Im 19. Jahrhundert wurde die Krankenpflege überwiegend von den katholischen und evangelischen Schwestern in Deutschland geleistet. Die Mutterhäuser entliehen die Schwestern mittels Gestellungsverträgen zur unentgeltlichen Pflegearbeit unter prekären Arbeitsbedingungen an die Krankenanstalten, verbunden mit der Garantie für die Schwestern, im Krankheitsfall selbst gepflegt zu werden. Übernommen wurde dieses Mutterhaus-Modell vom Roten Kreuz und kommunalen Trägern bis ins 20. Jahrhundert hinein (auch nach dem II. Weltkrieg, zunehmend abnehmend). Das Mutterhaussystem kreierte so eine besondere Form der Beschäftigung: Als Arbeitsfeld für Frauen und als Dienst der Nächstenliebe und nicht als Lohnarbeit. Konzepte der Schulung von Altenpflegekräften nach dem II. Weltkrieg verweisen noch auf die besonderen weiblichen Fähigkeiten bei der Krankenpflege.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Diese Organisationsform, zumindest die Gestellungsverträge, existieren teilweise bis heute. Dies ist von großer Bedeutung für die schleppende Verberuflichung. Nicht nur blieb die berufliche Ausbildung in den Händen der Schwesternschaften bzw. der Kirchen, sondern darüber hinaus wurden Professionalisierungsversuche immer wieder den ökonomischen Interessen der Kirchen und anderer Vereinigungen geopfert.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Eva-Maria Krampe:  "Krankenpflege im Professionalisierungsprozess. Entfeminisierung durch Akademisierung?"        Die Hochschule : Journal für Wissenschaft und Bildung 22 (2013) 1, S. 43-56
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Industrialisierung, Bismarcksche Sozialgesetzgebung
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Im Deutschen Reich wurde 1871 das Reichs-Gesetz über den Unterstützungswohnsitz verabschiedet, wodurch dieses Gesetz verallgemeinert wurde, außer in den Staaten Baden und Württemberg (erst 1873), in Elsaß-Lothringen (in abgewandelter Form 1910) und in Bayern (erst 1916). 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die Industrialisierung brachte die Trennung von familiärem Leben und Arbeit und von Reproduktion und Produktion: und Massenelend für ArbeiterInnen in Fabriken. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Über die folgenden Jahre hinweg entwickelten sich drei Grundbereiche der Sozialversicherung: 1883 die Krankenversicherung, 1884 die Unfallversicherung und 1889 schließlich die Alters- und Invalidenversicherung, wodurch die Wurzeln des heutigen Sozialsystems erkennbar werden. In die  Alters- und Invalidenversicherung wurden ArbeiterInnen in eine Pflichtversicherung bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze aufgenommen. Nicht versichert waren dadurch HeimarbeiterInnen und Familienangehörige, insbesondere Frauen, aber auch Angestellte, sogenannte Betriebsbeamte, die weniger als 2.000 Reichsmark im Jahr verdienten. Selbstständige mit kleinen Betrieben konnten sich selbst freiwillig versichern. Ausbezahlt wurde die Altersrente ab einem Alter von 70 Jahren ohne Prüfung der Erwerbsunfähigkeit. Doch welcher Arbeiter, welche Arbeiterin erreichte dieses Alter überhaupt? Der tatsächliche Rentenzugang um die Jahrhundertwende lag bei 57 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt wurde lediglich ein Fünftel oder ein Sechstel des vormaligen Jahresverdienstes ab 30 Beitragsjahren ausgezahlt und war nicht existenzsichernd. Im Jahr 1911 wurde die Angestelltenversicherung eingeführt; Beamtenpensionen und deren Hinterbliebene waren bessergestellt und das Pensionswesen diente als eigene Struktur dem Aufrechterhalten des bisherigen Lebensstandards. Das Altersruhegeld konnte ab dem 65. Lebensjahr bezogen werden. Im Jahr 1916 wurde auch für ArbeiterInnen der Renteneintritt auf 65 Jahre festgeschrieben, mitten im Krieg. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Exkurs spezial: Die Feminisierung der Krankenpflege im 19. Jahrhundert
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Im 19. Jahrhundert wurden Männer allmählich aus dem Tätigkeitsbereich der Pflege verdrängt. Einige Organisationen, wie die Barmherzigen Schwestern oder auch die Diakonissenanstalten waren von Anfang an reine Frauenvereine, die Gemeinschaften, welche im 19. Jahrhundert hinzukamen, wurden zu frauendominierten Gesellschaften. In der Jahrhundertwende zum 19. Jahrhundert waren noch die Wärter-Tätigkeiten für Männer und Frauen der Unterschicht vorgesehen, später wollte man vor allem bürgerliche Frauen für diesen Beruf gewinnen. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Beschworen wurden vorgebliche weibliche Tugenden und die Prädestiniertheit von Frauen für besondere Bildungswege. Manche Äußerung stand hierzu allerdings auch in einer Spannung: So wurde versucht, die besondere körperliche Befähigung von Frauen für die zum Teil schwere körperliche Arbeit wie auch ihre einzigartige Eignung für Nacht- und Schichtarbeit zu begründen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Eva-Maria Krampe: "Krankenpflege im Professionalisierungsprozess. Entfeminisierung durch Akademisierung?" Die Hochschule : Journal für Wissenschaft und Bildung 22 (2013) 1, S. 43-56
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Diese Abgrenzung zu Personen der Unterschicht, die vormals als Wärter in den Anstalten arbeiteten wurden von Frauen des gehobenen Bürgertums befördert. Die so herausgearbeitete Hierarchie - auf der einen Seite proletarische Wärterinnen und Wärter und andererseits Krankenpflegerinnen - war zu Beginn des 20. Jahrhunderts abgeschlossen. Die proletarischen Wärter wurden allerdings noch Anfang des 20. Jahrhunderts besser bezahlt als die Krankenschwestern, weshalb Krankenanstalten eher Krankenschwestern einstellten. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          "Im historischen Rückblick auf die Anfänge der Krankenpflege in Deutschland wird die Vielschichtigkeit der Geschlechtersegregation im Verlauf der Berufskonstruktion der Krankenpflege offensichtlich, die nach Wetterer zudem das Medium der sozialen Konstruktion der bürgerlichen Frau und ihrer „weiblichen“ Eigenschaften war (Wetterer 2002: 307). Die Segregation beinhaltet nur bedingt den Erfolg eines von den sich professionalisierenden Akteuren selbst betriebenen Schließungsprozesses, wie er für Professionsprojekte typisch ist (Witz 1992: 94ff.; die hochschule 1/201347Macdonald 1995: 131f.); vielmehr handelt es sich um eine Ausgrenzung, die vor allem durch die Interessen der anderen beteiligten Akteure (Kirchen, Mediziner, Krankenhäuser) vorangetrieben wurde und die ganz unter den Vorzeichen der Durchsetzung der bürgerlichen Familienideologie und der Gewinnung kostengünstiger Pflegekräfte stand."
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          zitiert nach Eva-Maria Krampe: ebd., S. 46 f.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Weitere Beiträge zur Kranken- und Altenpflege, Carearbeit, Pflege:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;a href="/historische-wurzeln-teil-3b-nachkriegsmoderne-zwei-deutsche-staaten-krankenpflege-in-der-ddr"&gt;&#xD;
      
           Historische Wurzeln, Teil 3b: Nachkriegsmoderne. Zwei deutsche Staaten: Krankenpflege in der DDR
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;a href="/familie-first-staat-second-historische-wurzeln-teil-3a-nachkriegsmoderne-zwei-deutsche-staaten"&gt;&#xD;
      
           Historische Wurzeln, Teil 3a: Nachkriegsmoderne. Zwei deutsche Staaten: Der Beginn in Westdeutschland
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;a href="/familie-first-staat-second-historische-wurzeln-teil-2-jahrhundertwende-weimarer-jahre-und-nazi-euthanasie"&gt;&#xD;
      
           Historische Wurzeln, Teil 2: Jahrhundertwende, Weimarer Jahre und Nazi-Euthanasie
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;a href="/familie-first-staat-second-historische-wurzeln-teil-1-spaetmittelalter-moderne-bismarck"&gt;&#xD;
      
           Historische Wurzeln, Teil 1: Spätmittelalter, Moderne, Bismarck
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;a href="/pflege-staerken"&gt;&#xD;
      
           Pflege stärken
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;a href="/zukunft-der-pflege"&gt;&#xD;
      
           Care und Cure
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;a href="/zelfstrijkend-buurtzorg-und-zorghotels"&gt;&#xD;
      
           Das Pflegesystem in Holland
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;a href="/ehrenpflegas"&gt;&#xD;
      
           „Das war so ein bisschen wie Game of Thrones“
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Mon, 05 Jan 2026 11:42:32 GMT</pubDate>
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      <g-custom:tags type="string">Sozialgesetze unter Bismarck,altenpflege,Geschichte der Pflege,Altenpflege in der Moderne,Krankenpflege in Deutschland,Geschichte der Pflege im Spätmittelalter</g-custom:tags>
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      </media:content>
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        <media:description>main image</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Warum Pflege kein Kostenproblem ist</title>
      <link>https://www.careworking.de/warum-pflege-kein-kostenproblem-ist</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Über Pflege, Drehtüreffekte und Länder, wo es besser läuft
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;b&gt;&#xD;
    
          Warum
          &#xD;
    &lt;a href="/careworking-in-der-spatmoderne"&gt;&#xD;
      
           Pflege
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          kein Kostenproblem ist
         &#xD;
  &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wenn über steigende Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung oder über knappe öffentliche Haushalte gesprochen wird, taucht Pflege fast reflexhaft als "Kostenfaktor" auf. Pflege sei zu teuer geworden, heißt es, zu personalintensiv, zu ineffizient. Diese Sichtweise greift zu kurz – und führt regelmäßig zu falschen politischen Entscheidungen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Das Problem der Pflege ist kein Kostenproblem. Es ist ein Organisations-, Vergütungs- und Anerkennungsproblem.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Pflege kostet Geld – schlechte Pflege kostet mehr
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Pflege ist arbeitsintensiv. Gute Pflege braucht Zeit, qualifiziertes Personal und verlässliche Strukturen. Das kostet Geld – aber genau hier beginnt die Verkürzung der Debatte. Denn schlecht organisierte Pflege spart nicht, sie verlagert und vervielfacht Kosten.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Unzureichende pflegerische Versorgung führt zu:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	längeren Krankheitsverläufen
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	vermeidbaren Komplikationen
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	häufigeren Wiedereinweisungen
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	zusätzlicher Belastung von Angehörigen
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Diese Folgekosten tauchen in keiner einfachen Pflegebilanz auf, belasten aber das Gesundheits- und Sozialsystem insgesamt.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Fehlanreize im System statt zu hoher Ausgaben
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Das deutsche Gesundheitssystem ist stark auf Abrechnung einzelner Leistungen ausgerichtet. Pflege wird dabei strukturell benachteiligt.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Vergütet werden vor allem:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	medizinische Prozeduren
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	diagnostische Maßnahmen
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	klar abrechenbare Einzelleistungen
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Pflege hingegen ist:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	kontinuierlich
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	beziehungsorientiert
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	schwer in einzelne "Leistungen" zerlegbar
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Zeit für Zuwendung, Beobachtung oder Koordination wird kaum honoriert. Pflege spart oft Kosten, indem sie Komplikationen verhindert – doch genau dieser präventive Effekt taucht im Vergütungssystem nicht auf.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Pflege zwischen Effizienzdruck und Verantwortung
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          In Akutkrankenhäusern wird Pflege zunehmend unter ökonomischen Vorgaben organisiert. Kurze Liegezeiten, hohe Fallzahlen und knappe Personalschlüssel setzen Pflegende unter Druck. Verantwortung für Menschen steht dann im Widerspruch zu betriebswirtschaftlichen Kennzahlen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die Folge:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	Pflegekräfte verlassen den Beruf
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	Know-how geht verloren
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	Arbeitsbelastung steigt weiter
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Der sogenannte Pflegenotstand ist daher weniger ein demografisches Problem als ein systemisch erzeugtes.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Pflege ist Infrastruktur
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Pflege ist keine individuelle Zusatzleistung und kein Luxus. Sie ist Teil der gesellschaftlichen Grundversorgung – vergleichbar mit Bildung, Verkehr oder Energieversorgung. Gesellschaften, die hier sparen wollen, zahlen später an anderer Stelle deutlich mehr.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Eine ehrliche Pflegepolitik müsste daher fragen:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	Wie organisieren wir Pflege so, dass sie langfristig stabil wirkt?
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	Wie vergüten wir Pflege so, dass Qualität sich lohnt?
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	Wie entlasten wir Pflegende und Angehörige gleichermaßen?
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Fazit
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Pflege ist nicht zu teuer.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Teuer ist ein System, das Pflege falsch organisiert, falsch bewertet und systematisch überlastet.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Wer Pflege weiterhin nur als Kostenfaktor behandelt, produziert höhere Ausgaben, schlechtere Versorgung und soziale Folgekosten. Wer Pflege als gesellschaftliche Infrastruktur begreift, investiert in Stabilität – menschlich wie ökonomisch.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Gemessen im internationalen Vergleich der OECD-Länder und des BIP sind die Gesundheitsausgaben Deutschlands deutlich über dem Durchschnitt (bei ca 12,3 bis 12,8 % - Durchschnitt der anderen OECD Länder liegt bei 9,3 %). Auch im europäischen Schnitt liegt Deutschland bei 12 %; EU-Schnitt bei 10 %.
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Was sind nun strukturelle Probleme, die dringend reformiert werden müssen?
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Unser Gesundheitssystem ist zugänglich und leistungsstark, aber strukturell ineffizient. Vieles wird gut behandelt - nur eben sehr oft, parallel und sehr teuer. Beispielsweise bei den Medikamentenpreisen, mit Drehtüreffekten und vielen Operationen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          In Deutschland dürfen neue Medikamente sofort nach Zulassung verordnet werden. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Der Hersteller legt im ersten Jahr den Preis selbst fest.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Erst danach wird der  Zusatznutzen bewertet (AMNOG) und ein Erstattungspreis verhandelt. Was zu dem Ergebnis führt, dass Deutschland oft der Referenzmarkt für hohe Medikamentenpreise wird. Andere Länder warten ab oder begrenzen die Anwendung - Deutschland nicht. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Drehtüreffekt
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Drehtüreffekt meint: Patient wird im Krankenhaus behandelt; ist kurz stabil, wird entlassen und kommt bald wieder. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Warum passiert das? Im Akutkrankenhaus wird das akute Problem behandelt. Bei der Nachsorge wird es lückenhaft (Hausarzt oder nicht?, ambulante Pflege, Sozialdienste). Es gibt kaum finanzielle Anreize für:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Prävention und Prophylaxe
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          langfristige Koordination
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          stabile ambulante Betreuung
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Dadurch kommt es zu der Kostenwirkung:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          nächste Krankenhausaufenthalte (erhöhte Kosten), gleiche Diagnose, gleiche Behandlung, wenig später wieder für Wochen
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Die Alternative hierzu zeigen andere Länder
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
             
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Strukturierte Nachsorge (engmaschige Nachbetreuung durch Ärzte, ambulante Pflegedienste, Sozialdienst)
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            integrierte Versorgung: Weniger Wiederaufnahmen, geringere Kosten
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Operationen: Zu viele Eingriffe, die nicht unbedingt nötig sind
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Im internationalen Vergleich finden in Deutschland sehr viele Hüft- und Knie-OPs, viele Wirbelsäulenoperationen und Herzkatheter-OPs statt. Es gibt in Deutschland eine falsche Anreizstruktur durch das DRG-System in Krankenhäusern, wo pro Fall bezahlt wird. Dadurch bringen OPs klare Erlöse und planbare Abläufe. Hingegen werden konservative Therapien (Physio, Zeit, Beratung) schlecht vergütet und sie sind zeitintensiv. Was zum Ergebnis führt, dass häufiger auch bei Grenzindikationen operiert wird. Eintreten können zudem Komplikationen, wodurch Folgeoperationen, Revisionen nötig werden und erneute Krankenhausaufenthalte.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Viele medizinisch sinnvolle Einzelentscheidungen ergeben systemisch hohe Kosten.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Nicht, weil zu gut behandelt wird, sondern weil zu oft und zu sektorengetrennt und zu wenig koordiniert behandelt wird, entstehen zu hohe Kosten.
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Wo es anders läuft: Dänemark
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Regionen sind für den gesamten Versorgungsweg verantwortlich. Krankenhäuser werden finanziell bestraft, wenn Patienten schnell wiederkommen. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Starke kommunale Pflege und Telemonitoring bilden die Struktur. Auch in Kanada, wo es für chronisch Kranke "Case Manager" als direkten Ansprechpartner gibt, der alles koordiniert, gelten erneute Krankenhausaufenthalte als Versorgungsversagen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Wichtig für Deutschland wäre:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Budgets gelten für Behandlungsketten, nicht für Einzelfälle. Wer entlässt, bleibt verantwortlich. Auch die vielen, durch Fallpauschalen begünstigten OP-Eingriffe in Deutschland könnten beispielsweise mit einer verpflichtenden Zweitmeinung bei bestimmten OPs auf deren Notwendigkeit überprüft werden - so passiert dies in der Schweiz. Dort gibt es zudem eine hohe Transparenz über OP-Zahlen je Klinik, begrenzte Leistungsangebote durch die Kantone und durch weniger unnötige Eingriffe eine bessere Spezialisierung der Kliniken. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Oder zum Beispiel Finnland. Dort müssen konservative Therapien dokumentiert ausgeschöpft sein, bevor operiert wird. Es gibt strenge Leitlinien und zentrale OP-Zentren. Zudem werden natürlich konservative Therapien auch besser bezahlt als in Deutschland.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          In einer Serie habe ich bereits die Pflegemodelle verschiedener Länder vorgestellt, wie z.B.
          &#xD;
    &lt;a href="/zelfstrijkend-buurtzorg-und-zorghotels"&gt;&#xD;
      
           Holland
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          oder auch die Pflegesysteme verglichen, wie
          &#xD;
    &lt;a href="/lady-with-the-lamp-zu-den-unterschieden-der-pflegesysteme-in-deutschland-und-den-nordischen-laendern"&gt;&#xD;
      
           hier
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          .
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Fazit
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           In einem konkreten Reformpaket für Deutschland sollte(n):
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           - Grenzen gesetzt werden (beispielsweise bei der Zulassung von neuen Medikamenten oder auch der Dokumentation konservativer Methoden) 
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           - Verantwortung gebündelt werden, statt sie zu fragmentieren
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           - Ergebnisse / Heilung bezahlt werden, nicht Maßnahmen
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Medikamente: „Schnell verfügbar, aber nicht zum Fantasiepreis“
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          a) Preisdeckel im ersten Jahr und sofortige Nutzengrenze
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	Heute ist Deutschland extrem attraktiv als Frühmarkt; genau das treibt die Ausgaben
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	Reform: ab Tag 1 ein vorläufiger Erstattungspreis (z. B. orientiert an EU-Vergleich/Bestandsmarkt) und Nachzahlung nur bei nachgewiesenem Zusatznutzen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	Warum jetzt: Ausgaben für patentgeschützte Arzneimittel sind weiterhin sehr dynamisch; in der AMNOG-Evaluation wird auch nach Eingriffen (GKV-FinStG) erneut starkes Wachstum gezeigt  
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          b) "Coverage with evidence" und Outcomes-Verträge
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	Für teure Innovationen: Erstattung nur für klar definierte Patientengruppen, gekoppelt an Registerdaten ("bezahlen, wenn es wirkt")
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          c) Verordnungssteuerung über Leitlinien/Indikationsprüfung
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	Bei geringer Evidenz: engere Indikationen, verpflichtende Zweitmeinung/Expert-Board (z. B. Onkologie)
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Drehtüreffekte: "Wer entlässt, bleibt mitverantwortlich"
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          a) 30-Tage-Gesamtbudget (Bundled Payment) für ausgewählte Diagnosen
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	Für Herzinsuffizienz, COPD, Diabetes-Komplikationen etc ein Budget für Aufnahme und Behandlung sowie Nachsorge über 30 Tage
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	Wiederaufnahme "frisst" das Budget → starker Anreiz, Nachsorge wirklich zu organisieren
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          b) Pflicht-Entlassmanagement und finanzierte Nachsorge
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	Standard: Termin beim Hausarzt/Primärteam binnen 7 Tagen, Medikationsplan, Telemonitoring bei Risikopatienten
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          c) Kommunale Primärversorgung skalieren
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	Das Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz (GVSG) stärkt explizit kommunale Versorgung/Strukturen – darauf kann man aufbauen (mehr Primärzentren, koordinierte Teams)
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Operationen: "Weniger Grenzindikationen, mehr ambulant, mehr Spezialisierung"
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          a) Verbindliche Zweitmeinung bei planbaren High-Volume-OPs
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	Knie/Hüfte, Wirbelsäule, bestimmte Katheter/Endoskopien: ohne dokumentierte Zweitmeinung keine Erstattung (Ausnahmen: Notfälle)
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          b) "Ambulant vor stationär" mit echter Finanzierung
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	Ambulante OP-Zentren/Hybridstrukturen ausbauen und so bezahlen, dass Kliniken nicht aus Erlöslogik stationär halten
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          c) Ergebnisqualität (PROMs/Komplikationen) wird abrechnungsrelevant
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	Kliniken/Teams mit schlechteren Outcomes verlieren Volumen/Leistungsgruppen
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Reformen sind in Deutschland schlecht durchsetzbar, das liegt zum einen an der förderalen Struktur und Planungshoheit der Länder (versus Finanzierung/Regeln Bundesangelegenheit) und dem herrschenden Korporatismus gut organisierter Verbände der Pharmaindustrie, Interessenvertretungen von Akteuren wie Krankenhäusern, Verbänden des ärztlichen Dienstes und den Kassen mit zum Teil gegenläufigen Interessen wie Preisen/Marktzugang versus Ausgaben und der Therapiefreiheit des ärztlichen Dienstes oder auch der stationären Versorgung (Volumina Kliniken versus ambulanter Versorgung.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
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    <item>
      <title>Ohne historisches Denken wird politische Analyse blind</title>
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      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
    
          Politische Ordnungen, Begriffe und Konflikte sind historisch entstanden, umkämpft und veränderlich – wer sie nur im Augenblick betrachtet, missversteht ihren Charakter als Produkt langfristiger Entwicklungen, Machtkämpfe und Deutungsprozesse. Im Interview mit Süddeutsche Zeitung (22.09.2025) analysiert Eva Illouz Ursachen für den Kulturkampf zwischen rechts und links.
         &#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/df8d9bd0f3ae4378be420f037a0a26ef/dms3rep/multi/Zitat+Illouz.png"/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;b&gt;&#xD;
    
          Was ist historisches Denken?
         &#xD;
  &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Historisches Denken bedeutet mehr als das Auswendiglernen von Daten. In der Geschichtsdidaktik wird darunter die Fähigkeit verstanden,
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           • Temporalität zu erfassen (Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft in ihren Beziehungen),
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •  Kontinuitäten und Brüche zu erkennen,
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •  Kausalität und Multikausalität zu reflektieren (komplexe Ursachen, Nebenfolgen),
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •  Perspektivität und Kontingenz zu verstehen (es hätte auch anders kommen können),
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •  sich mit Quellen kritisch auseinanderzusetzen und Deutungen zu prüfen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Empirische geschichtsdidaktische Forschung betont, dass historisches Denken immer auch ein Denken in Modellen, Narrativen und Deutungsangeboten ist, die selbst reflektiert werden müssen. Genau diese Kompetenzen sind zentral für jede anspruchsvolle politische Analyse: Wer Politik verstehen will, muss Narrative, Quellen, Begriffe und Machtkonstellationen historisch einordnen können.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Politik ist historisch – deshalb muss es die Analyse auch sein
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           2.1 Historische Variabilität dessen, was "Politik“ ist
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die historische Politikforschung zeigt, dass weder "Politik" noch "das Politische" zeitlos definierbar sind. Im Gegenteil: Was als "politisch" gilt, verändert sich historisch – ebenso die Räume, Akteure und Formen des Politischen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die Bielefelder historische Politikforschung betont, dass es „keine allgemeingültigen und überzeitlichen Definitionen dessen“ gibt, was unter Politik oder dem Politischen verstanden wird. Vielmehr verändert sich historisch,
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            •  wer politisch sprechen darf (z.B. Ausweitung des Wahlrechts, Frauenwahlrecht),
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •  wo Politik gemacht wird (Parlament, Straße, Medien, digitale Räume),
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •  welche Themen als politisch gelten (z.B. früher "Privatsache", heute Politikfeld: Geschlecht, Umwelt, Care-Arbeit).
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Damit folgt logisch: Wenn bereits der Gegenstand der Analyse – "die Politik" – historisch variabel ist, dann kann eine Analyse, die diese historische Variabilität ignoriert, nur verkürzt und teilweise irreführend sein.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           2.2 Historische Prägung politischer Begriffe und Denktraditionen
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die Geschichte politischer Ideen zeigt verschiedene, bis heute wirksame Politikbegriffe:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           • Normativ-ontologischer Politikbegriff (Platon, Aristoteles): Politik als auf das "Gute" zielende Ordnung der Polis.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •  Realistischer Politikbegriff (Neuzeit, Max Weber): Politik als Machtstreben, Legitimität, Herrschaft in modernen Staaten.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •  "Politik als Freund-Feind-Unterscheidung" (Carl Schmitt): Chantal Mouffe bezog daraus ihre "Agonistik". Mouffe überführt Schmitts Antagonismus (Feind als zu vernichtender Feind) in einen agonistischen Konflikt (Gegner als legitime, aber unvereinbare Opponenten).
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Diese Begriffe sind historisch entstanden, reflektieren spezifische Konstellationen (Polis, Nationalstaat, Krisen der Zwischenkriegszeit) und wirken bis heute nach. Wer heute politisch analysiert, steht unausgesprochen in diesen Traditionslinien. Historisches Denken ist hier nötig, um:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           • Begriffe zu entschlüsseln (z.B. "Souveränität", "Sicherheit", "Volk"),
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •  ihre Herkunft zu verstehen,
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •  ihren Ideologiegehalt sichtbar zu machen,
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •  und ihre Anwendung in der Gegenwart kritisch zu prüfen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ohne historische Kontextualisierung wirkt die Sprache der Politik scheinbar selbstverständlich, ist aber tatsächlich Ergebnis historischer Kämpfe und Bedeutungsverschiebungen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           3. Historische Quellenanalyse als Methode politischer Wissenschaft
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die Politikwissenschaft hat – neben Statistik, Vergleich, Politikfeld-Analyse – auch explizit historische Methoden integriert. Die historische Quellenanalyse wurde als eigenständige Methode in Handbüchern der Politikwissenschaft beschrieben.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Kennzeichnend für diese Methode sind:
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •  Quellenzentrierung: Politische Analysen stützen sich auf Dokumente, Reden, Verträge, Medienbeiträge, Akten usw., deren Entstehungskontext rekonstruiert werden muss.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •  Kritische Kontextualisierung: Wer hat wann, warum, für wen geschrieben? Unter welchen Machtverhältnissen? Mit welchen Auslassungen?
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •  Rekonstruktion von Prozessen: Politische Entscheidungen, Institutionen und Konflikte werden als Prozesse im Zeitverlauf verstanden, nicht als statische Zustände.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Dieser Ansatz verdeutlicht: Historisches Denken ist nicht einfach "Hintergrundwissen", sondern methodisch strukturiertes Vorgehen – die Art und Weise, wie Quellen gelesen, Ereignisse periodisiert und Entwicklungen analysiert werden. Politische Analyse ohne diesen Zugriff riskiert, Quellen ahistorisch zu lesen, etwa:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •  Aussagen von Akteuren in der Sprache ihrer Zeit zu übersehen,
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •  Machtasymmetrien in der Dokumentenproduktion zu ignorieren,
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •  und Kontinuitäten/Brüche (z.B. in autoritären Praktiken) nicht zu erkennen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           4. Geschichte und Politik: Deutungskämpfe und Erinnerung
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           4.1 Geschichte als Politikum
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die Politikwissenschaft und Zeitgeschichte weisen darauf hin, dass Deutungen der Vergangenheit selbst politisch hoch umkämpft sind. Debatten um Denkmäler, Gedenkfeiern, Museen und Gedenktage zeigen, dass Vergangenheit in Gegenwartsauseinandersetzungen eine zentrale Rolle spielt.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die Bundeszentrale für politische Bildung betont:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           • Deutungen der Vergangenheit sind immer auch Teil aktueller politischer Konflikte.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •  Erinnerungspolitik strukturiert Identität, Legitimität und Zugehörigkeit.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •  Die „Rückkehr der Geschichte“ in der Politik nach 1989/90 zeigt, wie Umbrüche durch Rekurse auf Vergangenes interpretiert werden.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Für politische Analyse bedeutet das:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •  Wer politische Debatten (z.B. um Nationalstolz, Kolonialerbe, „Wende“-Erfahrungen) verstehen will, muss die konkurrierenden Geschichtsbilder der Akteure analysieren.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •  Historisches Denken dient hier als Instrument, um Erinnerungspolitiken zu identifizieren, ihre Genese nachzuzeichnen und ihre Funktionen (Legitimation, Abgrenzung, Mobilisierung) sichtbar zu machen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ohne historisches Denken bleibt Analytik auf der Oberfläche tagespolitischer Argumente stehen und verfehlt die tiefere symbolische und identitätspolitische Dimension.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           4.2 Vergangenheitsbewältigung und politische Kultur
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Historisches Denken ist doppelt relevant, um zu analysieren, wie politische Kultur, Institutionen und Normen geprägt wurden, nämlich: 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •  Deskriptiv-analytisch: Es rekonstruiert, wie Gesellschaften mit Gewaltgeschichte umgehen, welche Narrative sich durchsetzen, welche verdrängt werden. Und das historische Denken erfolgt:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •  Normativ-kritisch: Es ermöglicht, Kriterien für einen verantwortungsvollen Umgang mit Vergangenheit zu entwickeln und gegen geschichtsrevisionistische Tendenzen zu argumentieren.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Politische Analysen, die z.B. den Aufstieg bestimmter Parteien, Vertrauenskrisen in Institutionen oder regionale Unterschiede betrachten, können ohne diese geschichtliche Tiefendimension nur eingeschränkt erklären, warum bestimmte Positionen auf Resonanz stoßen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           5. Historisches Denken als Schutz vor Gegenwartsfetischismus und Simplifizierung
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           5.1 Kontingenzbewusstsein statt "Es musste so kommen"
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Historisches Denken schärft das Bewusstsein dafür, dass politische Entwicklungen kontingent sind – sie hätten auch anders verlaufen können. Geschichtsdidaktische Forschung betont diese Kontingenzperspektive als Kern historischen Denkens.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Politischer Gewinn daraus:
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •  Abwehr deterministischer Narrative, in denen z.B. Globalisierung, "der Markt" oder "die Geschichte" als zwangsläufige Mächte erscheinen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •  Erkennen, dass Entscheidungen, Pfadabhängigkeiten und Alternativen real existierten – und dass Verantwortung benannt werden kann.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •  Öffnen von Denk- und Handlungsräumen: Wenn Vergangenes nicht zwangsläufig war, ist auch Zukünftiges gestaltbar.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ohne historisches Denken droht politischer Gegenwartsfetischismus: Die aktuelle Ordnung wird als selbstverständlich, "naturgegeben" oder alternativlos beschrieben.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           5.2 Komplexität und Multikausalität
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Historische Forschung arbeitet systematisch mit Multikausalität und Interdependenz – ökonomische, soziale, kulturelle, rechtliche, technologische Faktoren verschränken sich. Geschichtsdidaktische Modelle des historischen Denkens machen diese Mehrdimensionalität explizit zum Lernziel.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Politische Analyse, die historisch denkt,
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •  vermeidet monokausale Schuldzuweisungen ("Die Krise kam nur durch X"),
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •  kann langfristige Strukturprozesse (z.B. Demografie, Industrialisierung, Kolonialismus) und kurzfristige Auslöser (Entscheidungen, Krisen) kombinieren,
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •  erkennt Pfadabhängigkeiten (z.B. wohlfahrtsstaatliche Regime, Parteiensysteme).
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Dies ist wissenschaftlich relevant, weil Politik nicht nur aus isolierten Ereignissen besteht, sondern auf historisch gewachsenen Strukturen aufbaut, in denen Akteure handeln.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           6. Verbindung von historischer und politischer Bildung
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          In der Forschung zur politischen Bildung wird zunehmend betont, dass historisches Denken und politisches Urteilen eng zusammengehören. Werke wie „Historisches Denken erforschen“ zeigen, dass Kompetenzen des historischen Denkens (z.B. Perspektivübernahme, Quellenkritik, Narrativbewusstsein) sich direkt auf politische Urteilskompetenz übertragen lassen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Zentrale Punkte:
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •  Quellenkritik: Wer gelernt hat, historische Quellen kritisch zu lesen (Intention, Kontext, Selektivität), kann politische Informationen, Medien, Statistiken und Reden differenzierter einordnen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •  Perspektivübernahme: Historisches Einfühlen in vergangene Akteure trainiert eine Form von Empathie und Perspektivenvielfalt, die in pluralistischen Demokratien unverzichtbar ist.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •  Narrativkritik: Das Bewusstsein, dass jede Geschichte eine erzählte, perspektivische Rekonstruktion ist, hilft, politische „große Erzählungen“ (Nation, Fortschritt, Bedrohungsszenarien) zu dekonstruieren.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Damit wird historisches Denken nicht nur als Zusatzkompetenz, sondern als konstitutiver Bestandteil politischer Mündigkeit verstanden.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           7. Wissenschaftliche Schlussfolgerung
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Aus der Sicht von Geschichtswissenschaft, Politikwissenschaft und Geschichtsdidaktik lässt sich die These folgendermaßen bündeln:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          1. Politik ist historisch veränderlich und begrifflich umkämpft. Daher muss eine angemessene Analyse die historische Genese von Begriffen, Institutionen und Konflikten rekonstruieren.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          2. Historische Quellenanalyse ist ein anerkannter Teil politikwissenschaftlicher Methodik, weil politische Prozesse sich nur im Zeitverlauf und quellenkritisch angemessen erfassen lassen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          3. Deutungen von Vergangenheit sind selbst politisch. Politische Analyse muss daher Erinnerungspolitik und Geschichtsnarrative der Akteure mitreflektieren.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          4. Historisches Denken schützt vor Simplifizierung und Determinismus, indem es Kontingenz, Mehrursächlichkeit und Pfadabhängigkeiten sichtbar macht.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          5. Kompetenzen historischen Denkens (Quellenkritik, Perspektivübernahme, Narrativbewusstsein) sind direkt relevant für politisches Urteilen und demokratische Mündigkeit.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Politische Analyse ohne historisches Denken kann nicht als wissenschaftlich hinreichend gelten. Sie bleibt dann notwendig oberflächlich, zeitgebunden-unkritisch und blind für die Macht der Vergangenheit in der Gegenwart. Historisches Denken ist daher nicht nur "nützlich", sondern strukturell unverzichtbar für jede politikwissenschaftlich anspruchsvolle Analyse. 
          &#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Als Eva Illouz im Zusammenhang mit dem Gaza/Israel-Krieg erklärte, historisches Denken müsse ein entscheidender Teil jeder politischen Analyse sein, zielte sie nicht auf eine akademische Feinheit, sondern auf ein fundamentales Defizit aktueller politischer Debatten. Ihre Kritik richtet sich vor allem gegen Teile der westlichen Linken, gegen Strömungen der postkolonialen Studies und gegen Denkfiguren der French Theory, die – so Illouz – den Konflikt moralisch vereinfachen und historisch entkernen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Diese Aussage trifft einen wunden Punkt. Denn der Gaza/Israel-Konflikt ist heute weniger ein Gegenstand nüchterner Analyse als eine Projektionsfläche ideologischer Selbstvergewisserung.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           8. Was Eva Illouz mit "historischem Denken" meint
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Illouz fordert kein bloßes "Mehr Geschichte". Gemeint ist ein Denken, das historische Schichtung, Widersprüche und nicht aufhebbare Tragödien ernst nimmt. Historisches Denken akzeptiert, dass politische Konflikte nicht sauber entlang eines einzigen Machtvektor verlaufen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Gerade im israelisch-palästinensischen Konflikt bedeutet das:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	Israel ist zugleich Zufluchtsort nach der Shoah und militärische Besatzungsmacht.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	Palästinenser sind zugleich Opfer von Vertreibung und Akteure mit eigener politischer Verantwortung.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	Gewalt entsteht nicht nur aus "Strukturen", sondern auch aus Entscheidungen, Ideologien und bewussten Strategien.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Historisches Denken widersetzt sich dem Wunsch nach moralischer Eindeutigkeit.
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           9. Die Kritik an postkolonialen Deutungsmustern
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Illouz’ schärfste Kritik richtet sich gegen die Übertragung kolonialer Master-Narrative auf Israel. In vielen postkolonialen Lesarten wird Israel als klassischer "weißer Siedlerstaat" interpretiert, Palästinenser als indigene, entrechtete Bevölkerung – ein Schema, das aus anderen historischen Kontexten stammt und hier mechanisch angewendet wird.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Das Problem dabei:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	Jüdinnen und Juden sind historisch keine koloniale Mehrheitsmacht, sondern eine verfolgte Minderheit mit gebrochener Kontinuität.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	Der Zionismus entstand nicht primär als imperialistisches Projekt, sondern als Reaktion auf europäischen Antisemitismus.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	Ein Großteil der israelischen Bevölkerung stammt aus dem Nahen Osten und Nordafrika – sie passen nicht in das Raster "weiß/kolonial".
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Illouz’ Punkt ist nicht, israelische Politik zu rechtfertigen, sondern zu zeigen: Wer Geschichte durch Ideologieschablonen presst, hört auf, sie zu verstehen.
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           10. French Theory und moralische Abkürzungen
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Auch Denkfiguren aus der French Theory – etwa vereinfachte Macht-/Unterdrückungsmodelle – geraten bei Eva Illouz unter Kritik. Wenn politische Analyse primär danach fragt, wer strukturell dominant ist, wird Gewalt asymmetrisch moralisiert.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Das Ergebnis:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	Gewalt der Schwächeren erscheint automatisch legitim oder "verständlich".
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	Gewalt der Stärkeren wird ausschließlich als Ausdruck von Herrschaft gelesen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	Akteure verschwinden hinter Strukturen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Eva Illouz warnt davor, dass so moralische Verantwortung ausgelagert wird. Terror wird dann nicht mehr als bewusste Tat verurteilt, sondern als Symptom erklärt. Historisches Denken dagegen besteht darauf, dass auch Unterdrückte moralische Subjekte bleiben.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           11. Die Blindstelle linker Positionen
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Illouz’ Kritik schmerzt besonders, weil sie aus dem Inneren der Linken kommt. Sie benennt eine Haltung, in der Solidarität zur Identitätspolitik verkommt. Wer als "unterdrückt" gilt, wird moralisch immunisiert. Wer als "mächtig" gilt, verliert jedes Anrecht auf Kontext.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Diese Logik produziert paradoxe Effekte:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	Antisemitische Narrative werden reproduziert, während man sich antirassistisch nennt.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	Jüdische Ängste werden delegitimiert, weil Juden nicht mehr ins Opferbild passen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	Komplexität wird als Verrat an der „richtigen Seite“ wahrgenommen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Eva Illouz fordert hier nichts weniger als eine Rückkehr zur tragischen Dimension politischer Urteilsfähigkeit.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           12. Warum historisches Denken heute unbequem ist
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Historisches Denken verlangt Geduld, Ambivalenz und Selbstkritik – alles Dinge, die im digitalen Empörungsbetrieb wenig attraktiv sind. Es ist einfacher, klare Täter-Opfer-Geschichten zu erzählen als sich einzugestehen, dass manche Konflikte keine sauberen Lösungen haben.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Illouz’ Aussage ist deshalb auch eine Kritik an der Gegenwartskultur politischer Debatten:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	an moralischer Selbstvergewisserung statt Analyse,
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	an ideologischer Reinheit statt Verantwortung,
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	an Parteinahme ohne Verständnis.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           13. Ein Plädoyer für intellektuelle Redlichkeit
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Der Kern von Eva Illouz’ Argument ist simpel und radikal zugleich:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Wer Geschichte ausblendet, ersetzt Denken durch Moralismus.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Gerade progressive Politik lebt davon, Macht kritisch zu hinterfragen – aber sie verliert ihre Glaubwürdigkeit, wenn sie historische Realität ignoriert. Der Gaza/Israel-Konflikt ist kein Lehrbeispiel für einfache Theorien, sondern ein Prüfstein für intellektuelle Redlichkeit.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Historisches Denken schützt nicht vor Parteinahme. Aber es zwingt dazu, Verantwortung, Gewalt und Leid auf allen Seiten ernst zu nehmen. Und genau das macht politische Analyse nicht schwächer, sondern menschlicher.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 17 Dec 2025 23:58:36 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Zwischen Kohabitation und Selbstbehauptung: Teil 5 / Eva Illouz und Judith Butler</title>
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      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Im 5. Teil dieser Serie sollen die Ansichten von Eva Illouz und jene von Judith Butler direkt gegenüber gestellt werden.
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/df8d9bd0f3ae4378be420f037a0a26ef/dms3rep/multi/Butler+Illouz+Hero.png"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         Eva Illouz und Judith Butler vertreten beide linke, kritische Positionen zur israelischen Staatsstruktur – doch ihre Vorstellungen von Kohabitation unterscheiden sich grundlegend: Illouz plädiert für einen liberalen, säkularen Staat mit gleichen Rechten für alle Bürger, während Butler stärker postkolonial und identitätspolitisch argumentiert und die jüdische Staatsidee grundsätzlich infrage stellt.
         &#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Eva Illouz: Liberale Kritik aus jüdischer Perspektive
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Zielbild: Ein säkularer, liberaler Staat Israel, in dem jüdische und arabische Bürger gleiche Rechte genießen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ablehnung des Ethno-Nationalismus: Illouz kritisiert, dass Israel jüdische Identität über Staatsbürgerschaft stellt – etwa durch das Nationalstaatsgesetz von 2018.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Zionismus nicht per se delegitimiert: Sie erkennt das Existenzrecht Israels an und unterscheidet zwischen Zionismus und seiner heutigen politischen Ausprägung.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Kohabitation: Möglich durch Reform des Staates, nicht durch dessen Auflösung. Sie fordert eine Verfassung, die religiöse und ethnische Privilegien abschafft.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Kritik an der Linken: Illouz wirft Teilen der globalen Linken vor, muslimische Akteure zu idealisieren und jüdische Kritik zu ignorieren.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Judith Butler: Postkoloniale Dekonstruktion des Nationalstaats
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Zielbild: Butler stellt die Existenz eines jüdischen Nationalstaats grundsätzlich infrage und plädiert für eine binational-demokratische Lösung.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Dekonstruktion von Identität: Sie sieht den Zionismus als exklusivistisch und kolonial geprägt. Israel sieht Judith Butler dabei als Produkt europäischer Gewaltgeschichte.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Solidarität mit Palästina: Butler betont die Opferrolle der Palästinenser und unterstützt Bewegungen wie BDS (Boycott, Divestment, Sanctions).
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Kohabitation: Soll ermöglicht werden durch Auflösung nationaler Identitätsgrenzen – ein Staat, der nicht auf ethnischer Zugehörigkeit basiert.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Kritik an Israel: Butler bezeichnet Israel als „rassistisch“, weil jüdische Identität strukturell privilegiert sei.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        
            Kerndifferenzen zwischen Eva Illouz und Judith Butler
           &#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Eva Illouz sucht eine liberale Transformation Israels von innen, Butler sucht eine postnationale Neugestaltung von außen. Beide eint die Kritik an ethnischer Ungleichheit – doch sie trennen sich in der Frage, ob Israel als jüdischer Staat reformierbar oder grundsätzlich illegitim ist.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 17 Dec 2025 23:50:43 GMT</pubDate>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Zwischen Kohabitation und Selbstbehauptung: Teil 4 / Eva Illouz über Israel</title>
      <link>https://www.careworking.de/zwischen-kohabitation-und-selbstbehauptung-teil-4-eva-illouz-ueber-israel</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Dialogisch wird es anhand der öffentlichen Meinungsäußerungen von Eva Illouz und Judith Butler weitergehen. In diesem Beitrag werden die Vorstellungen eines säkularen und liberalen Israels von Eva Illouz beschrieben.
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/df8d9bd0f3ae4378be420f037a0a26ef/dms3rep/multi/Butler+Illouz+Hero.png"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Im 3. Teil der Serie wurde eine Replik auf Eva Illouz' jüngsten Essay "Der 8. Oktober" mit deren Kritik an Judith Butler und der french theory erarbeitet, nun soll Eva Illouz' Perspektive aufgezeigt werden. Ihre Vorstellungen über ein liberales Israel schrieb Eva Illouz in ihrer Essaysammlung "Israel" nieder, so dass dieses 2015 erschienene Buch und Interviews als Grundlage dieses Blogbeitrages dienen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           "Ich gestehe, dass ich mich manchmal zwischen kultureller Selbstgefälligkeit und kulturellem Opferstatus nach weniger engen Identitätsmustern gesehnt habe, nach der (privilegierten) kosmopolitischen Erfahrung Marokkos, nach dem egalitären Universalismus Frankreichs oder nach den multiplen Bindestrich-Identitäten der Vereinigten Staaten - vielleicht, weil einzig eine erweiterte Vorstellung von der Menschheit und das Bekenntnis zu klaren und starken universalistischen Werten eine Nation neu zu inspirieren vermag, die ihrer Ethnien überdrüssig ist."
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           [Eva Illouz: Israel. Suhrkamp: 2015, S. 167 f.]
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           "Israel" erschien im Jahr 2015
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Das Buch "Israel" stellt eine Sammlung von Beiträgen von Eva Illouz dar, die von 2011 bis 2014 in der israelischen Zeitung "Ha'aretz" publiziert wurden. Die Soziologin stellt dem israelischen Modell den französischen Laizismus und ein auf Universalismus basierendes Wertesystem gegenüber. Sie verweist darauf, dass jüdische Einwanderer aus orientalischen Ländern in Frankreich innerhalb einer Generation gesellschaftlich aufsteigen konnten und angesehene Positionen erreichten. Im Gegensatz dazu sieht sie in Israel weiterhin eine Form von Diskriminierung: Juden europäischer Herkunft (Aschkenasim) würden gegenüber jenen aus Nordafrika oder dem Irak (Mizrachim) privilegiert behandelt.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Noch stärker sei laut Illouz die Benachteiligung nichtjüdischer Bürger Israels. Anhand konkreter Beispiele zeigt sie, dass arabische Israelis vom Zugang zu staatlicher Repräsentation, Landbesitz, Bürgerrechten und Bildung weitgehend ausgeschlossen seien. Ihrer Analyse zufolge fördert der jüdische Glaube eine strikte Trennung zwischen Juden und Nichtjuden, wodurch es ihm an Grundlagen für ein liberales Gemeinwesen mangele. Illouz plädiert daher für die Achtung von Menschenrechten, für Offenheit und universelle Werte – Prinzipien, die jüdischen Gemeinschaften historisch Schutz und Stärke verliehen hätten. Doch gerade diese Elemente fehlten ihrer Ansicht nach im heutigen israelischen Staat.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Trotz ihrer Kritik bleibt Illouz dem Land emotional verbunden. Sie ruft zu einer zeitgemäßen Neudefinition jüdischer Identität und gesellschaftlicher Strukturen auf. Dazu gehören unter anderem die Abschwächung militärischer Vorherrschaft, die Trennung von Religion und Staat, die Überwindung ethnischer Ausschließung sowie der Verzicht auf politische Instrumentalisierung von kollektiver Trauer und Angst. Ihre Kritik an Israel ist dabei nicht polemisch, sondern analytisch fundiert, differenziert und von persönlicher Anteilnahme getragen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           Prämisse: Souveränität Israels
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Nicht nur haben die Juden ein Recht auf eine nationale Heimstätte, sie haben sogar ein größeres moralisches Recht darauf als die meisten anderen Völker, weil sie auf die längste und eine der leidvollsten Verfolgungsgeschichten der Menschheit zurückblicken. Ein paar Tausend Jahre Exil und unbarmherzige Verfolgungen erlegen der Welt, das heißt der nichtjüdischen Welt, die moralische Verpflichtung auf, dafür zu sorgen, dass das Recht der Juden auf ein Territorium und nationale Souveränität niemals infrage gestellt wird.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           [Eva Illouz: Israel. Suhrkamp: 2015, S. 8]
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           Nation und Identität
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Eva Illouz sieht Israel als ein Projekt, in welchem jüdische Identität, Erinnerung und Sicherheit zentral bleiben müssen. Das Zusammenleben von Juden und Nicht-Juden in Israel steht im Mittelpunkt:
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Koexistenz, Minderheitenrechte, Integration versus Abgrenzung. Eva Illouz betont die Realität von Gewalt, Trauma und kollektiver Verwundung und wie diese das Zusammenleben strukturieren. Dabei klammert Eva Illouz die affektive Dimension nicht aus, sondern beschreibt, wie  Gefühle wie Angst, Solidarität, Misstrauen die sozialen Beziehungen zwischen Juden und NIcht-Juden prägen und sie zeigt damit praktische Vorstellungen vom Zusammenleben. Eva Illouz’ Sammelband "Israel" ist eine scharfsinnige, soziologisch fundierte Analyse der politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in Israel. Die Texte sind teils autobiografisch, teils analytisch, und sie verbinden persönliche Erfahrungen mit struktureller Kritik.  
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           Rückfall in die Vormoderne
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Sie warnt vor einer zunehmenden Identifikation mit Ethnie und Religion, die den liberalen Charakter Israels untergräbt. Die Demokratie werde durch religiösen Nationalismus und ethnische Exklusivität gefährdet. Auf die Frage in einem taz-Interview zu ihrer Einschätzung der Wirkkraft linker Parteien wie der sozialdemokratischen
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Meretz und der  kommunistischen jüdisch-arabischen Chadasch resümiert Eva Illouz kritisch: "Die Tatsache, dass die Rechte mit einigen kurzen Unterbrechungen 20 Jahre regiert hat, hat Denkstrukturen geformt, die schwer zu verändern sind. Dazu gehören der Nationalismus und das Misstrauen gegenüber Europa und inzwischen auch gegenüber den Vereinigten Staaten. Das macht es sehr schwer, die Israelis dazu zu bringen, Probleme überhaupt anzuerkennen und adäquat einzuordnen. Die sozialen Proteste vor fast vier Jahren waren diesbezüglich sehr interessant.(...)Es gelang ihr nicht [der Linken, mk], sich in eine wirkliche Protestbewegung zu transformieren, weil erstens im politischen Ethos Israels die Idee der Solidarität stark verankert ist. Zweitens gibt es keine Bürgergesellschaft, die den Namen verdient: Die Bürger haben keine Vorstellung davon, signifikant andere Interessen als die Regierung zu haben. Historisch wurde die Linke mit dem Staatsapparat identifiziert, sie entwickelte sich als regierende Partei, weswegen es sehr schwer für sie ist, ein Ethos des Protests zu entwickeln." 
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           [Aus taz: Eva Illouz über Israels Linke: "Sie hat keine starke soziale Vision." taz vom 16.07.2015]
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           Zionismus mit kritischem Blick
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Eva Illouz bekennt sich zum Zionismus, sieht darin aber keinen Freibrief für politische Willkür. Sie argumentiert, dass Juden ein moralisches Recht auf eine Heimstätte haben – jedoch nicht auf Kosten eines anderen Volkes. Dieser Widerspruch zieht sich durch ihre Essays und wird nicht aufgelöst, sondern als ethisches Dilemma benannt.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "Israel wurde nicht als universalistischer Staat gegründet, und die Linke hat es versäumt, Universalismus einzufordern. Bevor man Pluralist oder Multikulturalist sein kann, muss man ein universalistisches Gemeinwesen haben. Israel war zwar immer schon multikulturell, der Staat aber wurde mit einer ethnischen Gruppe identifiziert. (...) Viele der Gründer des israelischen Staats sahen die amerikanische Verfassung und das multikulturalistische Modell der Vereinigten Staaten als Vorbild, andere kamen aus Russland und Deutschland, wo die Idee des Universalismus stark mit den Bewegungen des Sozialismus und des Kommunismus verknüpft war. Der genuin französische Universalismus, in dessen Namen ich spreche, nimmt aber als Republikanismus Gestalt an: Der Staat ist der Ort, an dem das Gemeinwohl verwaltet wird. Bürgerrechte werden in abstrakten, neutralen Begriffen definiert. Staatsangehörigkeit ist eine Klammer für unterschiedliche Identitäten. Die französische Idee des Universalismus ist in Israel kaum bekannt." [Aus: Eva Illouz über Israels Linke: "Sie hat keine starke soziale Vision." taz vom 16.07.2015]
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           Eva Illouz' Perspektive eines liberalen Israels
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wird eine Religion, deren Vorschriften unter jahrhundertelangem Druck entstanden sind, zur dominanten Staatsreligion erhoben, kann dies problematisch werden. Was einst sinnvoll und nachvollziehbar war, kann sich als ungeeignet für die Anforderungen einer offenen, demokratischen Gesellschaft erweisen. Die Ideen, die Eva Illouz in dem Sammelband beschreibt, zielen auf zwei zentrale Reformansätze. Der erste betrifft die klare Trennung von Religion und Staat. Dabei soll die jüdische Tradition weiterhin respektiert werden – etwa durch die Beibehaltung des jüdischen Kalenders und die besondere Stellung jüdischer Feiertage und Symbole. Gleichzeitig sollen andere Glaubensrichtungen im öffentlichen Raum stärker anerkannt und sichtbar gemacht werden. Insbesondere muslimische Bürger sollten mehr Präsenz und Anerkennung erfahren. Es wäre notwendig, die Zuständigkeit für Eheschließungen und Scheidungen dem Rabbinat zu entziehen und stattdessen eine Zivilehe einzuführen. Der zweite Reformvorschlag betrifft das Militär: Die Einführung einer Berufsarmee könnte die gleichen sicherheitspolitischen Aufgaben erfüllen, ohne dabei den gesellschaftlichen und kulturellen Charakter Israels in vergleichbarem Maße zu beeinflussen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Verwendete Quellen:
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Eva Illouz: Israel. Soziologische Essays, edition suhrkamp 2683, Suhrkamp, Berlin 2015
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;a href="https://taz.de/Eva-Illouz-ueber-Israels-Linke/!5209847/" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           Eva Illouz über Israels Linke: "Sie hat keine starke soziale Vision."
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            taz vom 16.07.2015, letzter Zugriff: 19.10.2025
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 15 Oct 2025 19:52:40 GMT</pubDate>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Zwischen Kohabitation und Selbstbehauptung: Teil 3 / Judith Butler zum 07. Oktober  2023</title>
      <link>https://www.careworking.de/zwischen-kohabitation-und-selbstbehauptung-3-teil-judith-butler-zum-07-oktober23</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Der 2. Teil dieser Serie stand im Fokus des jüngsten Essays von Eva Illouz "Der 8. Oktober", der am 15.09. 2025 bei Suhrkamp erschien. Nun wieder dialogisch Judith Butlers Perspektive und die Rehabilitation der french theory.
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/df8d9bd0f3ae4378be420f037a0a26ef/dms3rep/multi/Butler+Illouz+Hero.png"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;b&gt;&#xD;
    
          Relativierung versus Kontextualisierung
         &#xD;
  &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ein Vorwurf von Eva Illouz lautete, dass durch Konzepte wie "Diskurs", durch "Intersektionalität" und der Skepsis gegenüber "allgemeingültiger Wahrheiten" oder "universalistischer Gewissheiten" das Leid der Opfer in Israel nicht gleichwertig und nicht ausreichend anerkannt wird. Diese Sorge und Kritik ist berechtigt und sie ist wichtig. Betrachtet und analysiert werden muss, dass diese Kontextualisierung nicht benutzt wird, um konkretes Leid zu relativieren. Gewalt, Unrecht und Massaker wie das am 07.10.2023 sind real und sie erfordern moralische Verurteilung. Macht, Diskurs und deren historische Konditionen dienen nicht dazu, Verbrechen zu beschönigen oder zu relativieren, sondern um die Bedingungen zu verstehen: Wie sie möglich wurden, wer sie trägt, wer sie ermöglicht, wer sie instrumentalisiert. 
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          In Judith Butlers Verständnis heißt das, wenn die Taten der Hamas verurteilt werden, dann müssen gleichzeitig die längerfristigen politischen, sozialen und historischen Bedingungen mitgedacht werden. Besatzung ebenso wie globale Ungleichheit, Rassismus, religiöser Fanatismus, aber auch die Rolle westlicher Politik; internationale Waffenlieferungen, Propaganda in Medien usw. Nur wenn dies auf beiden Seiten analysiert und deskriptiv beschrieben wird, strukturell und unmittelbar, kann dies zu einer umfassenderen ethischen Verantwortung führen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Empathie darf nicht abhängig sein von vollständiger Transparenz. Ebenso wenig darf sie nicht blind werden für Manipulationen und Ungenauigkeiten. In ethischen Kontexten muss ein Spannungsverhältnis akzeptiert werden: Die Verpflichtung, Wahrheit zu suchen und zu prüfen, und gleichzeitig die moralische Verpflichtung, den Schmerz sichtbar zu machen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Universelle Ethik (Illouz) versus identitäre Politik (Butler)
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Eva Illouz beklagte im Essay den Verlust universaler Maßstäbe, wenn politische Emphase auf Identitäten gelegt werde. Im Sinne Judith Butlers kann dieser Universalismus leer oder sogar toxisch sein, wenn er historische Unterschiede, unterschiedliche Machtverhältnisse und ungleiche Erfahrungen und Perspektiven übersieht. Ein Universalismus, der alle Menschen denkt, aber die konkreten Bedürfnisse und Verletzungen von Minderheiten leugnet oder marginalisiert, ist kein starker Universalismus, sondern ein Universalismus, der Machtverhältnisse reproduziert. Intersektionalität ist mithin eine Ergänzung zum Universalismus, nicht dessen Gegensatz. Wenn gesagt wird, dass alle Menschen gleiche Rechte verdienen, dann heißt das auch, dass geprüft werden muss, wie bestimmte Gruppen durch spezifische historische und strukturelle Gewalt ausgeschlossen, entmenschlicht oder unsichtbar gemacht werden. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Die historische Dimension des Zionismus
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Eva Illouz beschrieb den Zionismus als emanzipatorische und antirassistische Bewegung als Antwort auf Verfolgung, als säkulares und liberal-patriotisches Ideal und kritisiert die Gleichsetzung von Zionismus mit Kolonialismus. Zionismus hatte und hat unterschiedliche Ausprägungen. Einige sind historisch säkular, sozialistisch, humanistisch geprägt; andere ethno-nationalistisch, theokratisch und kolonialistisch. Es ist erforderlich, diese zu unterscheiden. Den legitimen Anspruch auf ein sicheres Zuhause und Selbstbestimmung für Jüdinnen und Juden heißt nicht, alle politischen Entscheidungen der israelischen Regierung kritiklos zu akzeptieren, insbesondere, wenn durch diese Entscheidungen eklatant Menschenrechte verletzt werden. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Indifferenz und Schweigen
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Eva Illouz beklagt zurecht das lange Schweigen von Intellektuellen nach dem Massaker der Hamas am 07. Oktober 2023. Schweigen und Zurückhaltung war augenscheinlich Ausdruck moralischer Überforderung oder auch Angst vor politischer Instrumentalisierung, vielleicht auch Unsicherheit über das, was man angemessen darüber sagen kann. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Diese moralische Verantwortung sollte nicht davor zurückschrecken, auch unangenehme Positionen einzunehmen, auch wenn das Kritik nach sich zieht. Es darf nicht passieren, dass Furcht vor Polarisierung die Pflicht zu Empathie und Gerechtigkeit ersetzt. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Illouz Kritik der french theory
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          In ihrem Essay Der 8. Oktober hat Eva Illouz der french theory vorgeworfen, sie habe ein Klima moralischer Relativierung geschaffen, in dem Antisemitismus gedeihe und in dem die Verurteilung des Massakers vom 07. Oktober 2023 unzureichend erscheine. Ihr Argument lautet im Kern: poststrukturalistische Ansätze wie jene von Foucault oder Derrida hätten die Grundlagen universeller Ethik zersetzt und eine intellektuelle Kultur befördert, in der das Leiden der Jüdinnen und Juden systematisch relativiert oder gar ausgeblendet werde. 
          &#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Diese Diagnose ist kraftvoll, aber sie ist zugleich wissenschaftlich problematisch. Sie beruht auf Verallgemeinerungen, die heterogene Theorietraditionen unter ein einziges Schlagwort stellen, und sie verkennt den normativen und politischen Gehalt kritischer Theorie. Im Folgenden möchte ich mit kurz skizzierten Aspekten zeigen, dass Illouz’ Kritik das Projekt der french theory falsch charakterisiert und damit gerade jene differenzierte Urteilsfähigkeit untergräbt, die sie selbst fordert.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Fiktion einer homogenen Theorie
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Eva Illouz spricht von french theory so, als handle es sich um einen einheitlichen Diskurs. In Wirklichkeit bezeichnet der Begriff ein Sammelsurium unterschiedlicher Strömungen. Foucaults Analysen der Gouvernementalität und Biopolitik unterscheiden sich grundlegend von Derridas Dekonstruktion oder Bourdieus Feldtheorie. Diese Traditionen haben zwar Überschneidungen, doch sie folgen verschiedenen methodologischen und normativen Prämissen. 
          &#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Eine seriöse Kritik müsste präzisieren: Welche spezifischen Begriffe oder Argumentationsfiguren tragen zu welchem Problem bei? Indem Eva Illouz die Komplexität reduziert, erzeugt sie einen Scheinwiderspruch: eine amorphe "Theorie" als Feindbild, das dann für gesellschaftliche Missstände verantwortlich gemacht wird. Wissenschaftlich gesehen ist das ein Kategorienfehler.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        
            Kontextualisierung ist keine Relativierung
           &#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Eva Illouz behauptet, poststrukturalistische Theorien führten zu moralischer Indifferenz. Tatsächlich analysieren sie jedoch die Bedingungen der Möglichkeit moralischer Urteile. Michel Foucault etwa zeigt, wie Diskurse Wahrheitsregime formen; Jacque Derrida weist darauf hin, dass jede Norm mit einem Rest an Nicht-Erfüllbarkeit behaftet ist. 
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Diese Analysen beseitigen moralische Normativität nicht, sie vertiefen sie: Wer versteht, wie Macht Wissen produziert, kann auch kritischer einschätzen, welche Stimmen ausgeschlossen und welche Opfer unsichtbar gemacht werden. Eine Ethik, die sich blind auf "universelle Werte" beruft, ohne ihre historischen Einbettungen zu reflektieren, läuft Gefahr, bestehende Machtverhältnisse zu reproduzieren. Kontextualisierung ist daher die Bedingung einer robusteren moralischen Urteilskraft.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        
            Theorie und Empirie: ein falscher Gegensatz
           &#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Eva Illouz wirft der "french theory" vor, sie sei anti-empirisch und verliere den Bezug zur Wirklichkeit. Doch viele ihrer Vertreterinnen und Vertreter betrieben und betreiben empirische Arbeit: Foucault in Archiven, Bourdieu in ethnographischen Feldstudien, Butler in der Analyse juristischer und medialer Praktiken. 
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Das Missverständnis liegt darin, Theorie und Empirie als Gegensätze zu konstruieren. In Wahrheit gilt: Theorie strukturiert, was als empirische Evidenz zählt. Ohne theoretisches Raster gibt es keine Datenauswahl, keine Relevanzkriterien. Poststrukturalistische Ansätze verschieben die Frage: Welche Formen von Evidenz werden anerkannt, und welche werden systematisch delegitimiert? Das ist kein Abwenden von Empirie, sondern eine radikale Erweiterung empirischer Sensibilität.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        
            Universalismus durch Differenz
           &#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ein weiterer Kernvorwurf lautet, "french theory" habe den Universalismus zugunsten partikularer Identitätspolitik aufgegeben. Doch Universalismus ist nicht gefährdet durch die Anerkennung von Differenzen, sondern gerade auf sie angewiesen. 
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wenn gesagt wird, "alle Menschen sind gleich", bleibt dieser Satz leer, solange wir nicht aufzeigen, wie bestimmte Gruppen — z.B. Minderheiten — systematisch entrechtet werden. Intersektionale Analysen machen die blinden Flecken sichtbar, in denen Universalismus sonst abstrakt bleibt. Differenz ist daher kein Feind, sondern die Bedingung der Möglichkeit des Universalen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        
            Der Vorwurf des "virtuosen Antisemitismus"
           &#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Besonders scharf ist Eva Illouz’ These, die "french theory" habe einen "tugendhaften Antisemitismus" erzeugt — also eine intellektuell vornehme Form des Antisemitismus ("antisémitisme vertueux"). Das ist eine schwerwiegende Anschuldigung, die wissenschaftliche Evidenz erfordert. Doch Eva Illouz bietet keine systematischen Belege: keine empirischen Studien, die eine Kausalität zwischen theoretischer Ausbildung und antisemitischer Einstellung zeigen; keine Textanalysen, die den behaupteten Zusammenhang stringent begründen. 
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Eine Kritik darf starke Begriffe verwenden, aber sie muss methodisch tragfähig sein. Wer theoretische Konzepte mit Antisemitismus gleichsetzt, läuft Gefahr, die notwendige Unterscheidung zu verwischen: zwischen legitimer Kritik an israelischer Politik und antisemitischer Feindseligkeit gegen Juden. Gerade poststrukturalistische Analyseinstrumente helfen, diese Unterscheidung schärfer zu ziehen, indem sie Diskurse differenziert analysieren.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Verwendete Literatur:
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Eva Illouz, Der 8. Oktober. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 2025
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Michel Foucault, Archäologie des Wissens. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1973
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Pierre Bourdieu, Die feinen Unterschiede. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1987
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Jacques Derrida, Die Grammatologie. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1983
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Judith Butler, Raster des Krieges. Frankfurt a.M.: Campus, 2010
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <enclosure url="https://cdn.website-editor.net/df8d9bd0f3ae4378be420f037a0a26ef/dms3rep/multi/dead-sea-1930735_1280.jpg" length="305272" type="image/jpeg" />
      <pubDate>Sat, 27 Sep 2025 22:37:32 GMT</pubDate>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Zwischen Kohabitation und Selbstbehauptung Teil 2  /   Eva Illouz: "Der 8. Oktober"</title>
      <link>https://www.careworking.de/zwischen-kohabitation-und-selbstbehauptung-teil-2-eva-illouz-der-8-oktober</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Am 15.09.2025 erschien bei Suhrkamp der Essay "Der 8. Oktober" von Eva Illouz. Wie konnte ein Teil der politischen Linken dazu kommen, islamistische Gewalt als antikolonialen Widerstand zu verklären und dabei jüdisches Leid zu ignorieren?
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/df8d9bd0f3ae4378be420f037a0a26ef/dms3rep/multi/Butler+Illouz+Hero.png"/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           "Der 8. Oktober: Über die Genealogie eines sich überlegen dünkenden Hasses | Über die Ursprünge des neuen Antisemitismus"von Eva Illouz, Suhrkamp 2025
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           In ihrem Essay beschreibt Eva Illouz, dass Islamismus – insbesondere in seiner antiwestlichen Ausprägung – von Teilen der politischen Linken, darunter antiimperialistische Bewegungen in Europa und arabischen Ländern sowie von der Sowjetunion, nicht primär als religiöse Bewegung, sondern als antikolonialer Klassenkampf interpretiert wurde. Diese Sichtweise führte dazu, dass islamistische Akteure in bestimmten linken Milieus als legitime Widerstandskämpfer gegen westliche Hegemonie betrachtet wurden – trotz ihrer autoritären oder religiös-fundamentalistischen Ideologie. 
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           Islamismus als antikolonialer Klassenkampf
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die Sowjetunion unterstützte in den 1950er–1980er Jahren zahlreiche antiimperialistische Bewegungen, darunter auch islamisch geprägte Gruppen, sofern sie gegen westliche Einflusssphären kämpften.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           In Teilen der europäischen Linken – besonders in postkolonialen und poststrukturalistischen Kreisen – wurde der Islamismus nicht als religiöser Fanatismus, sondern als Ausdruck von Widerstand gegen westlichen Kolonialismus und Kapitalismus gedeutet.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "Dieser Neuinterpretation des Islams gelingt es, die Tatsache zu verschleiern, dass der Islamismus gleichzeitig eine Reaktion auf den Kolonialismus und eine mörderische Ideologie sein konnte, dass sein Widerstand gegen den Zionismus nationalistische und genozidale Ziele verfolgen konnte, dass der Terrorismus eine Reaktion auf Enteignung ebenso wie eine krankhafte Martyrologie ist. Aber der wohlmeinende und naive Ansatz der Linken fand Gehör. 1991 organisierte der Iran eine internationale Konferenz zur Unterstützung einer islamischen Revolution in Palästina. Diese Konferenz vereinigte die Hamas und die marxistischen Fraktionen der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) und bildete den bewussten Versuch einer Verschmelzung von Fundamentalisten und Linken unter der Ägide des Antiimperialismus."
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           [Eva Illouz: Der 8. Oktober, S. 71]
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Illouz kritisiert, dass diese Lesart die autoritären, antisemitischen und patriarchalen Aspekte islamistischer Bewegungen oft ausblendet oder sie dadurch relativiert werden. Dem hält Eva Illouz entgegen, dass der Zionismus von Beginn an antirassistisch war, "weil er eine Antwort auf und ein Gegenmittel zu Verfolgung und Hass darstellte"; innerhalb des Mandats-Palästina hatten die Jüdinnen und Juden gegen die Briten ab 1939 einen antikolonialen Kampf geführt, aus Europa und arabischen Ländern waren sie durch Pogrome verfolgt dorthin geflohen. Angesiedelt und heimisch waren Jüdinnen und Juden in Palästina seit 3.000 Jahren. 
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           Illouz kritisiert diese ideologische Fehlentwicklung: Die Verklärung islamistischer Gewalt als revolutionärer Akt blendet autoritäre, antisemitische und patriarchale Aspekte aus – ein Symptom einer postmodernen Linken, die Diskurs über Fakten stellt.
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die Linke ist es, die die menschliche Würde in den Mittelpunkt politischer Institutionen gerückt hat. Die Linke ist es, der wir unseren sozialen und moralischen Fortschritt verdanken. Wie also war es möglich, dass ein Teil der progressiven Linken mit Gleichgültigkeit oder Freude auf ein Massaker reagieren konnte, insbesondere an den Universitäten? Warum sind diese Künstler:innen, Professor:innen und Intellektuellen – die doch eigentlich auf der Seite der Menschlichkeit stehen sollten – in einem solchen Maße indifferent gegenüber einem Massaker an Juden und Jüdinnen geblieben?
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           [Eva Illouz: Der 8. Oktober, S.15 f.]
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           Selektives Mitleid
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Eva Illouz bezeichnet in diesem Essay auch Judith Butler als eine Intellektuelle der identitären Linken, die Universalismus, Ökonomie und Klasse zugunsten von Relativismus, "Rasse" und Kultur preisgegeben habe, "sowie darin, das Mantra der Intersektionalität herunterzubeten und aus Weiß eine schuldbeladene Farbe zu machen."
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           In Beiträgen nach dem Terroranschlag der Hamas am 07. Oktober 2023 richtete Eva Illouz deutliche Worte an die Adresse von Judith Butler, beispielsweise nach der Diskussionsrunde eines Kollektivs antikolonialer und antizionistischer Vereinigungen am 3. März 2024 in Paris:
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "Ob es Belege für die Behauptungen gibt oder nicht, die über die Vergewaltigung israelischer Frauen gemacht wurden" – skeptische Grimasse – "okay, wenn es Belege gibt, dann beklagen und verurteilen wir das, absolut keine Frage. Aber wir wollen diese Belege sehen." Die skeptische Miene, die Butler bei diesen Worten machte, ist wohl die gleiche, die ein Polizist vor 50 Jahren machte, als eine Frau versuchte, Anzeige zu erstatten, und er Beweise für die an diesen Frauen begangenen Gräueltaten verlangte, obwohl es bereits eine schwindelerregende Menge an Beweisen gab.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Judith Butler hat ihre Karriere darauf aufgebaut, Begriffe wie Objektivität, Essentialität und Wirklichkeit in Frage zu stellen. Aber jetzt verlangt sie eine Mega-Objektivität, einen Mega-Beweis, eine Objektivität jenseits der verfügbaren Rekonstruktionen, Bilder, Videos und forensischen Analysen."
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           [Eva Illouz: Warum Judith Butler keine Linke ist. Der Freitag 11/2024 vom 12.03.2024]
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Eva Illouz beruft sich auf das anthropologische Mitgefühl und Mitleid mit Rousseau, Darwin und Schopenhauer um zu zeigen, dass Mitleid eine universelle menschliche Regung ist. Illouz sieht die postmoderne (french theory) "Theorie" als Ursache dieses Malus bei Butler, indem poststrukturalistische Denker wie Jaques Derrida, Michel Foucault und auch Judith Butler die Realität in "Diskurse" auflösen, wodurch ein Opferstatus nicht mehr objektiv, sondern relativ und kontextabhängig wird. In diesem Denken wird Mitleid nicht nach dem Leid selbst, sondern nach der Zugehörigkeit zu unterdrückten Gruppen verteilt. Juden, insbesondere in Israel, gelten in diesem Narrativ oft als "privilegiert" oder "kolonial", und werden daher vom Mitgefühl ausgeschlossen. Für Illouz ist Mitleid jedoch eine Form moralischer Anerkennung, die nicht ideologisch gefiltert werden darf. Doch in postmodernen Diskursen wird es nach Gruppenzugehörigkeit vergeben – nicht nach dem tatsächlichen Leid. Illouz kritisiert Judith Butler dabei als zentrale Figur dieser identitären Linken, die Objektivität und Wirklichkeit dekonstruiert – und nun, angesichts der Hamas-Verbrechen, eine überhöhte Beweislast fordert. Diese Haltung erscheint Illouz als symptomatisch für eine Theorie, die moralische Klarheit durch diskursive Skepsis ersetzt.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           Eva Illouz' methodische Kritik an der french theory
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Eva Illouz setzt sich mit der French Theory auseinander, indem sie Werke von Poststrukturalisten wie Jacques Derrida oder Michel Foucault kritisch betrachtet. Sie untersucht dabei deren Einfluss auf akademische Milieus und auf gesellschaftliche Phänomene wie den Umgang linker Intellektueller mit Juden im Kontext der Hamas-Angriffe und der Antisemitismusdebatte. Ihre Analyse orientiert sich an der Rolle französischer Theoretiker im US-amerikanischen Universitäts-Diskurs und reflektiert die Rezeption poststrukturalistischer Ideen. 
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "In derselben Weise, wie Engel und Dämonen für Gläubige eine umso stärkere Realität sind, als diese unsichtbar bleibt, glichen die Schlüsselbegriffe der French Theory in ihrer Abstraktion dem unsichtbaren Gott und wurden durch ihre Institutionalisierung in der akademischen Ausbildung real. Die Universität ist eine so mächtige Institution wie die Kirche, wobei ihre Macht in der Verbindung besteht, die sie zwischen der Kernfamilie und dem ökonomischen Markt herstellt."
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            [Eva Illouz: Der 8. Oktober, S. 42 f.]
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           Pantextualismus
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Auffälligstes Merkmal ist der Pantextualismus, dass unsere 
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Gesellschaft ein riesiges Netz aus Zeichen, Texten und Diskursen darstellt. Folge dessen ist, dass es nur Interpretationen von Wirklichkeit gibt, keine objektive Wirklichkeit. Mit Jaques Derridas Grammatologie und Dekonstruktion gibt es keine stabilen Bedeutungen in Texten, sondern alles werde zu einem Spiel der Bedeutungen in politischen Texten, in der Literatur und in der Alltagssprache. Wirklichkeit werde grammatisch konstruiert.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "Aus der Hermeneutik – der Wissenschaft der Textinterpretation – ist eine Inszenierung von Dissens und Widerstand geworden, die an sich schon die emotionalen Aufwallungen der Empörung und der Anprangerung, das Drama der Provokation und die Umkehrung der Hierarchien beinhaltet. Vergleicht man den pouvoirisme mit den traditionellen soziologischen Machtkonzeptionen, treten die Probleme dieser Strategie deutlicher zutage."
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           [Eva Illouz: Der 8. Oktober, S. 34]
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Eva Illouz beschreibt einige zentrale Begriffe von Michel Foucault, wie Diskursivität, Macht (pouvoirisme), "Disziplin", "Überwachung". Foucaults Vorstellung von Macht (pouvoirisme) als allgegenwärtigem, dezentralem Geflecht, das nicht von Institutionen ausgeht, sondern durch soziale Praktiken und Wissensordnungen wirkt, ist in ihren Augen problematisch, denn darin verbirgt sich eine ideologische Verschiebung: Wenn Macht überall ist und Wahrheit nur eine diskursive Formation, wird es unmöglich, Gewalt klar zu benennen oder moralisch zu verurteilen. Ebenso verhält es sich mit den zentralen foucaultschen Begriffen wie „Disziplin“, „Überwachung“ und „Normalisierung“, die Foucault zur Beschreibung moderner Gesellschaften entwickelt hat. Diese Begriffe erscheinen Eva Illouz als Teil eines theoretischen Rahmens, der zwar Herrschaft analysiert, aber zugleich die Unterscheidung zwischen Täter und Opfer relativiert. Illouz kritisiert, dass diese Denkweise in akademischen Milieus dazu geführt habe, jüdisches Leid – etwa nach dem Hamas-Massaker – nicht mehr als moralisch eindeutig zu erkennen, sondern als Teil eines diskursiven Spiels um Macht und Identität.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           Zusammenfassung
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Eva Illouz kritisierte vier Merkmale des postmodernen Denkstils nach der "french theory":
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           1. Symbolische Deduktion statt historischer Dialektik: Gesellschaft wird als Text gelesen, nicht als komplexes Geflecht widersprüchlicher Interessen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           2. Machtobsession: Macht wird als allgegenwärtiges Erklärungsmuster verwendet, oft ohne empirische Grundlage.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           3. Superkritik: Ein Überbietungswettbewerb im Aufdecken von Unterdrückung, der jede positive Entwicklung (z. B. LGBTQ-Rechte in Israel) als Täuschung („pinkwashing“) abwertet.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           4. Moralische Intuitionen: Urteile über Israel und Palästina werden als moralische Dogmen behandelt, die keiner Begründung mehr bedürfen und nicht falsifizierbar sind.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Illouz’ Kritik ist also nicht eine Ablehnung der French Theory an sich, sondern eine Warnung vor ihrer ideologischen Instrumentalisierung. Sie plädiert für eine Rückbesinnung auf die "demokratischen Tugenden der Komplexität und der Wahrheit" und warnt davor, dass die politische Linke ihr humanistisches Fundament verliere, wenn sie sich von diesen Tugenden verabschiede.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           Credo von Eva Illouz
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Verliert die Linke ihre universalistische Ethik, verliert sie ihre Seele. Ihr Appell: Mitgefühl muss entideologisiert werden – das Menschsein gehört ins Zentrum jeder Ethik.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Dieser 2. Teil war explizit dem Buch "Der 8. Oktober" von Eva Illouz gewidmet. Weiter geht es dialogisch im 3. Teil mit Judith Butler.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 21 Sep 2025 08:54:38 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.careworking.de/zwischen-kohabitation-und-selbstbehauptung-teil-2-eva-illouz-der-8-oktober</guid>
      <g-custom:tags type="string">Philosophie</g-custom:tags>
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    </item>
    <item>
      <title>Zwischen Kohabitation und Selbstbehauptung: Teil  1 / Judith Butler und Eva Illouz</title>
      <link>https://www.careworking.de/zionismus-und-anti-zionismus</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Mit dieser Beitragsreihe möchte ich die Positionen von Eva Illouz und Judith Butler näher beleuchten. Beide sind seit Jahrzehnten herausragende Wissenschaftlerinnen, aber leider auch Projektionsflächen geworden in einer Welt der Krisen und Kriege und polarisierender politischer Kampagnen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Mitte August 2025 wurde bekannt, dass der Athener Oposito Books Verlag den Vertrag mit der renommierten israelischen Soziologin Eva Illouz wegen ihrer Positionen zu Israel und Gaza gekündigt habe. Die Rechte für "Gefühle in Zeiten des Kapitalismus" sind damit freigegeben worden - ich schrieb darüber
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="/eva-illouz-griechische-sommertragoedie"&gt;&#xD;
      
           in diesem Blogbeitrag
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           . 
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Nun, im September 2025 wurden die Münchner Philharmoniker vom Flanders Festival in Gent wegen ihres israelischen Dirigenten Lahav Shani ausgeladen, weil dieser sich angeblich nicht "klar genug" von der israelischen Regierung distanziere. Als Musikdirektor des Israel Philharmonic Orchestra sei seine Haltung zum "genozidalen Regime" in Tel Aviv nicht eindeutig. 
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Ganz ehrlich: Eine solche Gesinnungsprüfung erinnert auch mich an autoritäre Regime. 
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Damit ist eine besorgniserregende Überschreitung vollzogen, Künstler und Wissenschaftler in Kollektivhaft für die Politik der herrschenden Regierung in Israel zu nehmen. Illouz wurde 1961 in Fès, Marokko, in eine strenggläubige sephardische Familie geboren und wuchs in Frankreich auf. Ihre jüdische Identität ist tief verwurzelt, aber sie entwickelte sich später zu einer säkularen Intellektuellen. Der Mord an Premierminister Yitzhak Rabin durch einen religiösen Extremisten im Jahr 1995 war für sie ein Wendepunkt. Seitdem lehnt sie die Macht des orthodoxen Rabbinats und religiöse Privilegien entschieden ab. Illouz ist eine scharfe Kritikerin der Netanjahu-Regierung und ihrer nationalistischen Ausrichtung. Sie sieht darin eine Bedrohung für die liberale Identität Israels. Judith Butler wurde 1956 in Cleveland, Ohio, in eine jüdische Familie geboren. Ihre Großeltern waren aus Osteuropa eingewandert, und Butler wuchs in einem liberal-jüdischen Umfeld auf. Sie hat sich in vielen ihrer Schriften und Interviews mit ihrer jüdischen Identität auseinandergesetzt – sowohl kulturell als auch politisch.
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           1. Teil: Der Anti-Zionismus von Judith Butler
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           Judith Butlers Ethik der Kohabition
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Judith Butler wendete sich nach dem 9/11 im Jahr 2001 der praktischen Ethik zu und markierte diese neue Ethik im Anschluss an Hannah Arendt, Emmanuel Lévinas, Walter Benjamin, Primo Levi und den Palästinensern Edward Said und Mahmoud Darwish als Möglichkeit einer Kritik am Zionismus aus dem Judentum heraus. Butler führt einen Widerspruch des Zionismus auf, der im 19. Jahrhundert als emanzipatorische Bewegung Theodor Herzls entstanden war und den unterdrückten, vertriebenen und verfolgten Jüdinnen und Juden einen Zufluchtsort versprach. Als 1948 der Staat Israel gegründet wurde, gab es Vertreibungen aus Palästina. Flüchtlinge, denen man heute noch abspricht, Palästinenser zu sein, ebenso wie ihren Nachfahren. Judith Butler problematisiert diesen Widerspruch und bezieht sich in ihrer Ethik auf Hannah Arendt: Die Ethik der Kohabition. Hannah Arendt hat wiederum in ihren Werken keine konsistente Ethik der Kohabition herausgearbeitet, sondern sie in Werken wie der "vita activa" anhand von Kriterien beschrieben. 
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Aus Hannah Arendts Perspektive entsteht Freiheit durch das aktive Handeln mit anderen, demnach ist eine ethische Kohabition der Raum für freies und gegenseitiges Handeln. Ihr Begriff der Pluralität sieht Menschen als verschiedenartig und gleichwertig und die ethische Kohabition respektiert individuelle Lebensentwürfe. Öffentlichkeit ist ein weiterer zentraler Begriff der vita activa, denn politisches Handeln braucht Sichtbarkeit. Schließlich ist der Begriff der Verantwortung bedeutsam: Beziehungen sind nur ethisch, wenn sie Verantwortung einschließen. Diese ethische Kohabition basiert auf gegenseitiger Verantwortung. Hier wird der Verweis auf die Ethik des jüdischen Philosophen Emmanuel Lévinas sichtbar, der über den Einen und den Anderen philosophierte.
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           Emmanuel Lévinas: Ethik im Antlitz des Anderen
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Versatzstücke levinasschen Denkens:
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           des-inter-essement - sich lösen aus selbstsüchtigem Interessiertseins
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           patience - ge-dulden
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           A-Diem - Altern, Abschiednehmen zu Gott hin
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Begriff der Kehre -  bei Levinas kein Bruch mit vorgängigem Denken
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Gebrauch des Infinitivs - unbestimmt, unbeendete Verbform
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Das Selbst konstituiert sich erst im Angesicht des Anderen.
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           "Du sollst nicht töten" ist für Levinas kein Gebot unter anderen, sondern die Grundstruktur der Subjektivität. Der Andere ist nicht fassbar, nicht verfügbar – er entzieht sich jeder Totalisierung und jedem politischen Zugriff. Butler liest Levinas gegen die zionistische Idee eines jüdischen Staates, der sich in ihren Augen durch Grenzziehung und Gewalt gegenüber Nicht-Juden absichert. Sie argumentiert, dass Levinas’ Ethik eine Verantwortung gegenüber allen Anderen impliziert – also auch gegenüber Palästinensern. Die jüdische Identität darf laut Butler nicht auf Exklusivität beruhen, sondern muss sich durch Offenheit und ethische Beziehung zum Anderen definieren. Butler erkennt, dass Levinas selbst Israel als ethischen Raum verstand – als Ort, an dem Verantwortung konkret wird, sie kritisiert, dass Levinas in politischen Texten Palästinenser oft nicht als ethische Andere anerkennt.
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           Ethik statt Identitätspolitik
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Butler schlägt vor, jüdische Identität nicht über Nation, Religion oder Geschichte zu definieren, sondern über die ethische Beziehung zum Anderen. Levinas’ Ethik wird so zur Grundlage einer jüdischen Kritik an Gewalt, Besatzung und Ausschluss. Judith Butler nutzt Emmanuel Levinas’ Gebot der Verantwortung für den Anderen, um eine ethisch fundierte Kritik am Zionismus zu formulieren. Sie fordert, dass jüdische Identität nicht durch nationale Selbstbehauptung, sondern durch radikale Offenheit gegenüber dem Anderen – insbesondere dem palästinensischen Anderen – bestimmt wird. Levinas’ Ethik wird bei ihr zur Grundlage einer Politik der Anerkennung, der Verletzlichkeit und der Gerechtigkeit.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           Primo Levi und Edward Said
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Mit dem Schriftsteller Primo Levi nimmt Judith Butler Bezug auf einen Überlebenden des Holocaust, der für die Verpflichtung zur Erinnerung steht und für eine Ethik, die aus dem Leiden hervorgeht. Levi wird als jüdische Stimme gegen die Instrumentalisierung des Holocaust für politische Gewalt gelesen, womit Judith Butler darauf verweisen will, dass aus Levis Werk keine automatische Legitimation für israelische Staatsgewalt abgeleitet werden kann. Stattdessen plädiert sie für eine Ethik, die aus der Verletzlichkeit und Verwundbarkeit des Menschen erwächst. Diese Ethik wird sie in den Folgejahren in Werken wie "Kritik der ethischen Gewalt" (2006), "Die Macht der Gewaltlosigkeit" (2015) fortsetzen.
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Der palästinensische Literaturwissenschaftler und Begründer der Postcolonial Studies, Edward Said ist gleichermaßen Stimme der palästinensischen Erfahrung und Kritiker kolonialer Machtverhältnisse. Seine Forderung nach Anerkennung des Anderen und nach Gerechtigkeit für die Palästinenser wird in Butlers Ethik integriert. Said steht für die Notwendigkeit, jüdische Kritik mit palästinensischer Erfahrung zu verbinden, woraus Butler eine Ethik der Koexistenz ableitet, die sich gegen nationale Exklusivität richtet. Daraus entwickelt Judith Butler die Ethik der Pluralität und Verantwortung, indem sie die Perspektiven von Levi und Said dialogisch verbindet. 
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           Walter Benjamin: Gegen lineare Geschichte und staatliche Gewalt. Geschichtsphilosophie als Widerstand
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Butler greift Benjamins berühmten "Historischen Materialismus" auf, insbesondere die Kritik an der Vorstellung von Geschichte als Fortschritt.
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Die "Engel der Geschichte" (aus Benjamins "Über den Begriff der Geschichte") stehen für die Opfer, die im Namen des Fortschritts vergessen werden.
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Judith Butler nutzt dies, um zu zeigen, dass auch der Zionismus eine Fortschrittsgeschichte konstruiert: Mit Israel als "Endpunkt" jüdischer Geschichte und dabei palästinensisches Leid ausblendet.
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           Messianische Zeit statt nationaler Erlösung
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Walter Benjamin unterscheidet zwischen "homogener, leerer Zeit" (staatlich-politische Zeit) und "messianischer Zeit" (unterbrochene, ethische Zeit). Judith Butler liest dies als Kritik an der Vorstellung, dass ein jüdischer Staat die Erfüllung der Geschichte sei. Stattdessen plädiert sie mit Benjamin für eine Ethik der Unterbrechung, der Offenheit und der Nicht-Souveränität.
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           Gewaltkritik und "reine Mittel"
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           In "Zur Kritik der Gewalt" unterscheidet Walter Benjamin zwischen "rechtsetzender" und "rechtserhaltender" Gewalt, beide sind für ihn problematisch. Judith Butler nutzt diese Unterscheidung, um die Gewaltförmigkeit des israelischen Staates zu kritisieren, der sich in ihren Augen durch Grenzziehung und militärische Macht konstituiert. Sie fordert – im Geiste Benjamins – eine Politik, die auf "reinen Mitteln" beruht: auf Dialog, Anerkennung und ethischer Beziehung.
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Walther Benjamin als ethisch-politischer Gegenentwurf
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Walter Benjamin wird bei Butler zu einem Schlüsseldenker für eine jüdische Kritik am Zionismus, die sich gegen staatliche Gewalt, gegen lineare Geschichtsdeutungen und gegen nationale Selbstverabsolutierung richtet. Seine messianische Geschichtsauffassung und seine Gewaltkritik ermöglichen Judith Butler, eine jüdische Ethik zu formulieren, die auf Verantwortung, Pluralität und Gerechtigkeit basiert.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/df8d9bd0f3ae4378be420f037a0a26ef/dms3rep/multi/Butler+Illouz+Hero.png"/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <enclosure url="https://cdn.website-editor.net/df8d9bd0f3ae4378be420f037a0a26ef/dms3rep/multi/Israel-+Negev-+Timna+park.jpg" length="238879" type="image/jpeg" />
      <pubDate>Sun, 14 Sep 2025 15:09:54 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.careworking.de/zionismus-und-anti-zionismus</guid>
      <g-custom:tags type="string">Philosophie,Eva Illouz</g-custom:tags>
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        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Frauen verdienen mehr</title>
      <link>https://www.careworking.de/frauen-verdienen-mehr</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Am Dienstagabend (26.08.25) sorgte eine Tagesschau-Kachel in Facebook für einen Sturm der Entrüstung - vor allem bei Männern. Nun würden Frauen in Ausbildungsberufen sogar mehr verdienen als Männer. Schnappatmung!
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/df8d9bd0f3ae4378be420f037a0a26ef/dms3rep/multi/weibliche+Azubis+verdienen+mehr_Tagesschau-a3f83c50.png"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         Die Original-Kachel des Tageschau-Postings bezieht sich auf April 2024, die 15 Minuten vor der Tagesschau-20 Uhr-Ausgabe in meiner Timeline aufgetaucht war. Deshalb kommentierte ich gleich, denn die Ursachen für diese Verschiebung konnte ich mir sehr gut erklären, denn gerade in den Ausbildungen zu den Gesundheitsfachberufen (seit 2004 Gesundheits- und Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege) hatte es in den vergangenen Jahren sehr deutliche Erhöhungen der Ausbildungsvergütungen gegeben. Und neu ist seit 2020 die "zusammengeführte" Ausbildung zum Pflegefachmann/ zur Pflegefachfrau, deshalb hier kurz die statistische Auflösung (vom Tagesschau-FB-Verantwortlichen gab es erst kurz vor 21 Uhr eine nähere Erläuterung zu den Unterschieden in den Ausbildungsgehältern: Und ja, es hing mit den Gesundheitsberufen zusammen).
         &#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Durchschnittliche monatliche Bruttovergütung 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          (öffentlicher Dienst, TVöD Pflege):
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           2007
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Altenpfleger/in    ca. 700–800  € 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Gesundheits- &amp;amp; Krankenpfleger/in   ca. 750–850 € 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Kinderkrankenpfleger/in   ca. 750–850 €
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        
            2010
           &#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           AP: ca. 850–950 €
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           GuK: ca. 900–1.000 €
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           GuKK: ca. 900–1.000 €
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           2015
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          AP: ca. 950–1.050 €
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          GuK: ca. 1.000–1.100 €
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          GuKK: ca. 1.000–1.100 €
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           2019
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          AP: ca. 1.000–1.200 €
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          GuK: ca. 1.100–1.250 €
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          GuKK: ca. 1.100–1.250 €
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die Vergütung stieg meist mit jedem Ausbildungsjahr um etwa 50–100 €.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Nicht zu vergessen: Hier handelt es sich um TVÖD-Tabellen, aber es gibt natürlich sehr viele Einrichtungen der Caritas und der Diakonie, die eigene Verträge aushandeln (nach AVR, den Arbeitsvertragsrichtlinien als kirchlichen Regelwerken der Einrichtungen. Der Pflegesektor gilt als einer der am frühsten vermarktlichten Segmente der sozialen Wohlfahrtsproduktion in Deutschland (Oschmiansky: 2013); es gibt sehr viele private Einrichtungen und Krankenhäuser, die eigene Interessenvertreter haben (wie den Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) in der ambulanten und stationären Langzeitpflege und den Bundesverband Deutscher Privatkliniken (BDPK) für Kliniken und Reha-Einrichtungen).
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          2020 gab es dann die Umstellung auf die generalisierte Ausbildung aller drei Gesundheitsberufe zur Pflegefachfrau/ zum Pflegefachmann und nun sieht die Ausbildungsvergütung folgendermaßen aus:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          1. Jahr	ca. 1.341 €
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          2. Jahr	ca. 1.402 €
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          3. Jahr	ca. 1.503 €
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Schaut man sich die Zusammensetzung der Auszubildenden in den Gesundheitsberufen an, so sind weiterhin Frauen in der Mehrheit. Der Frauenanteil liegt konstant bei 80 bis 85 Prozent, Männeranteil bei 15–20 Prozent. Davon haben rund 25 bis 30 Prozent einen Migrationshintergrund.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Sieht man sich die herrschenden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen an, so ist natürlich augenfällig, dass im späteren Berufsleben Frauen in Teilzeitarbeit gehen, oder beispielsweise in Springerpools arbeiten, die Kliniken einrichten, um Eltern flexiblere Zeiten für die Familiensorgearbeit (Kita, Kinderbetreuung, Pflege) zu gewährleisten oder dann irgendwann aus dem Beruf ausscheiden - auch hierfür gibt es ja Statistiken, wie lang Pflegefachkräfte im Beruf bleiben.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <enclosure url="https://cdn.website-editor.net/df8d9bd0f3ae4378be420f037a0a26ef/dms3rep/multi/weibliche+Azubis+verdienen+mehr_Tagesschau.png" length="1075919" type="image/png" />
      <pubDate>Thu, 28 Aug 2025 10:03:49 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.careworking.de/frauen-verdienen-mehr</guid>
      <g-custom:tags type="string" />
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/df8d9bd0f3ae4378be420f037a0a26ef/dms3rep/multi/weibliche+Azubis+verdienen+mehr_Tagesschau.png">
        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/df8d9bd0f3ae4378be420f037a0a26ef/dms3rep/multi/weibliche+Azubis+verdienen+mehr_Tagesschau.png">
        <media:description>main image</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Eva Illouz: Griechische Sommertragödie</title>
      <link>https://www.careworking.de/eva-illouz-griechische-sommertragoedie</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Der griechische Verlag  Oposito Books mit Sitz in Athen hat Eva Illouz wegen deren Position zu Israel und Gaza den Vertrag gekündigt. 
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         Der Athener Verlag wirft Eva Illouz eine "Dehistorisierung des Kolonialismus" vor und solidarisierte sich explizit "mit dem palästinensischen Volk". Mit der Kündigung des Vertrags ist die Freigabe der Rechte für "Gefühle in Zeiten des Kapitalismus" verbunden.  Oposito ist ein Verlag für feministische, queere und psychoanalytische Literatur. Anlass war ein Beitrag von Eva Illouz im britischen Onlinemagazin Fathom "Time to Unmask the Imposture of Anti-Zionism" (Zeit, den Antizionismus als Täuschung zu entlarven), in welchem sie die fehlende Empathie in Teilen der 'globalen Linken' für Israel nach dem 07. Oktober 2023 ansprach. In diesem Essay liefert Eva Illouz eine tiefgehende und provokante Analyse der Beziehung zwischen Anti-Zionismus und Antisemitismus.
         &#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Zentrale Thesen von Eva Illouz im Essay
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Anti-Zionismus als neue Form des Antisemitismus:
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          Illouz argumentiert, dass Anti-Zionismus oft nicht nur eine politische Kritik ist, sondern eine Reinkarnation antisemitischer Denkweisen. Sie sieht darin eine Fortsetzung historischer rassistischer Hierarchien, die sich in neuen ideologischen Gewändern zeigen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Linke Doppelmoral:
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          Sie kritisiert, dass die politische Linke zwar Minderheiten das Recht zugesteht, selbst zu definieren, was Diskriminierung ist – etwa bei Sexismus oder Rassismus –, aber Juden dieses Recht beim Thema Antisemitismus verweigert.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Kulturelles Unbewusstes:
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          Illouz betont, dass rassistische und antisemitische Stereotype tief in der Kultur verankert sind und auch von Mitgliedern diskriminierter Gruppen selbst übernommen werden können. Sie lehnt daher das Argument ab, dass jemand aufgrund seiner Identität automatisch von solchen Vorurteilen frei sei.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Zionismus als säkulare Befreiungsbewegung:
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          Sie erinnert daran, dass der Zionismus ursprünglich eine säkulare Bewegung war, die darauf abzielte, Würde und Unabhängigkeit für Juden zu schaffen. Die Dämonisierung dieser Bewegung hält sie für ideologisch verzerrt.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Der Essay erschien im Kontext der weltweiten Debatten über Antisemitismus nach dem 7. Oktober 2024. Illouz reagiert auf die zunehmende Polarisierung und fordert eine intellektuelle Ehrlichkeit im Umgang mit dem Begriff Anti-Zionismus.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Hierbei muss man natürlich Eva Illouz' wissenschaftliche Perspektiven kennen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Schlüsselkonzepte
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Kulturelles Unbewusstes:
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          Illouz greift auf ein Konzept zurück, das an Freud und Adorno erinnert: Gesellschaften tragen unbewusste kulturelle Muster, die sich in scheinbar rationalen Diskursen manifestieren. Anti-Zionismus sei oft ein solcher Diskurs, der unbewusst antisemitische Stereotype reproduziere.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Moralische Ökonomie der Linken:
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          Sie kritisiert die selektive Empathie der politischen Linken, die jüdische Selbstdefinitionen von Diskriminierung nicht ernst nimmt. Während andere Gruppen ihre Diskriminierung selbst benennen dürfen, werde Juden diese Autorität abgesprochen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Dekoloniale Rhetorik als Tarnung:
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          Illouz analysiert, wie anti-zionistische Positionen sich oft der Sprache der Dekolonialisierung bedienen, dabei aber historische und kulturelle Komplexität des jüdischen Volkes ignorieren. Sie sieht darin eine ideologische Vereinfachung, die zur Dämonisierung Israels führt.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Politischer Impetus von Eva Illouz
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Zionismus als Befreiungsbewegung:
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          Illouz stellt klar, dass Zionismus historisch eine Antwort auf Verfolgung und Entrechtung war – nicht nur religiös, sondern auch säkular und sozialistisch geprägt. Die heutige Gleichsetzung von Zionismus mit Kolonialismus hält sie für historisch falsch und moralisch problematisch.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Antisemitismus in progressiven Milieus:
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          Sie warnt davor, dass Antisemitismus heute nicht nur von der extremen Rechten kommt, sondern auch in linken, akademischen und aktivistischen Kreisen Fuß gefasst hat – oft unter dem Deckmantel von Anti-Zionismus. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Appell an intellektuelle Redlichkeit:
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    
          Illouz ruft dazu auf, die Komplexität jüdischer Geschichte und Identität anzuerkennen und sich gegen ideologische Verkürzungen zu wehren. Sie fordert eine neue Ethik der Kritik, die nicht auf Dämonisierung basiert.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Das alles adressiert Eva Illouz nicht anonym, sondern sie kritisiert dabei explizit beispielsweise Judith Butler, den Schriftsteller Pankaj Mishra und Autorin Masha Gessen, die sich vehement für die Emanzipation von Minderheitsrechten stark machten, aber seit dem 7. Oktober 2023 im Bezug auf die israelischen Opfer des Massakers sehr, sehr still waren. "In einer Welt, die vor Verfolgungen, Kriegen, Völkermorden, Massakern, Bürgerkriegen wimmelt, kann die Obsession, mit der ausgerechnet Israels Verbrechen an den Pranger gestellt werden, kaum anders, als den Verdacht zu wecken, dass hier mehr zur Disposition steht als nur Israels eigene Sünden." (Aus: zeit-online.de, Peter Neumann: "Mehr als eine griechische Tragödie" https://www.zeit.de/kultur/2025-08/eva-illouz-israel-verlag-athen-publizierung, letzter Zugriff 11.08.2025 14 Uhr)
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Zwischen den Stühlen
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Noch im Frühjahr 2025 wurde die für den wichtigsten Kulturpreis Israels  nominierte renommierte und weltbekannte Soziologin vom israelischen Bildungsminister Yoav Kisch wegen ihrer angeblichen "Israel-Feindlichkeit" gecancelt, weil sie 2021 an einer Petition an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag beteiligt war. Darin wurde eine Untersuchung darüber gefordert, ob Israel im Gazastreifen, in der Westbank und Ostjerusalem Kriegsverbrechen begangen hatte. Über 180 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Israel, darunter zehn Preisträgerinnen und Preisträger, hatten diese Petition initiiert.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Mittlerweile hat sich mit Topovoros Books ein weiterer griechischer Verlag gefunden, der zwar gegenwärtig keine freien Kapazitäten hat, sich aber mit Eva Illouz solidarisierte und die "Gefühle in Zeiten des Kapitalismus" verlegen will. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Fazit
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Seit vielen Jahren lese ich die Werke von Eva Illouz und deshalb bin ich sehr erstaunt über die Schärfe, die ihr mittlerweile auch aus europäischen Verlagskreisen, wie diesem Oposito-Verlag entgegen schlägt. Auffallend war für mich in ihrer Essay-Sammlung "Israel", ich sah sie ja exklusiv bei einer tazlab-Veranstaltung zum neu erschienenen Buch in Berlin, dass sie zwei Ebenen zusammenbringen möchte. In dieser Sammlung spricht sie sich explizit nicht gegen einen jüdischen Staat Israel aus und damit auch nicht gegen Zionismus. Allerdings nicht - und das ist der wichtige Unterschied - als ethnisch-exklusive, religiös begründete oder nationalistische Lesart, sondern als linke und liberale Vision mit den universellen Werten, der Gleichheit und der Menschenrechte. Und Eva Illouz hat eine kosmopolitische Perspektive und knüpft stark an das Konzept der Aufklärung des Citoyen an: Bürgerrechte, Gleichheit vor dem Gesetz in säkularer Rahmenordnung. 
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Aufklärerischer Liberalismus
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Der Mensch als Gleicher unter Gleichen zuerst als Bürger, nicht primär als Angehöriger einer Ethnie oder Religion. Darin liegt das weltbürgerliche Moment: Israel soll sich nicht über Abgrenzung, sondern über universelle Werte legitimieren. Spricht sie in Interviews, so bezeichnet sie sich selbst als linke Zionistin (durchaus als politische Selbstbeschreibung).
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Die Essaysammlung bietet so den Eindruck, dass Eva Illouz auf eine kosmopolitische Bürgergemeinschaft zielt. Sie steht innerhalb des Zionismus, möchte diesen neu deuten - nicht im Sinne der rechtsradikalen aggressiven Siedler-Politik (aktuell mit N. an der Spitze) und dem ethnisch-religiösen Nationalismus, sondern hin zu einem säkularen, liberalen und weltbürgerlichen Projekt mit gleichberechtigten Bürgerinnen und Bürgern in Israel, denen gleiche Rechte und Pflichten garantiert werden.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/df8d9bd0f3ae4378be420f037a0a26ef/dms3rep/multi/3Matala2.jpg"/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Mon, 11 Aug 2025 12:26:58 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Yascha Mounk: Demokratie, Identität und Liberalismus</title>
      <link>https://www.careworking.de/yascha-mounk-demokratie-identitaet-und-liberalismus</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Im Jahr 2019 brachte Yascha Mounk sein Buch vom "Zerfall der Demokratie" heraus, in dem er den Aufstieg iliberaler Autokraten wie Trump, Orban, Erdogan und die Popularität von rechtspopulistischen Parteien wie AfD, FPÖ, Lega und Front National analysierte.
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/df8d9bd0f3ae4378be420f037a0a26ef/dms3rep/multi/Tech+Bros.png"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    
          Yascha Mounk wurde 1982 in München geboren und ist der Sohn einer polnischen Jüdin, die im Jahr 1969 aufgrund einer Säuberungswelle in der Kommunistischen Partei Polens mit ihren Eltern Polen verlassen musste. Mounk hat sich aus eigenen Erfahrungen mit Migration schon sehr früh mit dem Liberalismus und dem Ideal einer multiethnischen Gesellschaft befasst sowie deren Herausforderungen und Gefährdungen. Mounk studierte seit dem Jahr 2005 in den USA Regierungswissenschaft und erwarb den Ph.D.-Titel an der Harvard-Universität. Er lebt in New York und nahm im Jahr 2017 die amerikanische Staatsbürgerschaft an, um der Präsidentschaft von Donald Trump so besser entgegen treten zu können.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Unabhängigkeit der Justiz
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Bereits vor fünf Jahren analysierte Mounk die Bedrohungen für liberale Demokratien durch Populismus, den Verlust des Vertrauens in Institutionen und die wachsende Polarisierung der Gesellschaft durch extreme Parteien. Mounk plädiert für die Unabhängigkeit der Justiz,  so zum Beispiel unabhängige Ernennungsverfahren, bei denen die Auswahl und Ernennung von Richtern transparent und ohne direkten Einfluss der Exekutive oder Legislative erfolgen soll, z. B. durch unabhängige Kommissionen. Wichtig ist die finanzielle Autonomie der Justiz. Die Justiz sollte ein unabhängiges Budget haben, um ihre Funktionsfähigkeit zu garantieren und politischen Druck zu vermeiden. Karriereschutz für Richterinnen und Richter: Mechanismen zur Sicherstellung, dass Richter nicht durch politische Entscheidungen in ihrer Karriere behindert oder benachteiligt werden.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Die Freiheit der Presse
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Yascha Mounk setzte sich mit dem Schutz und der Freiheit einer unabhängigen Presse auseinander.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Gesetzlicher Schutz der Pressefreiheit: Gesetze sollten die freie Berichterstattung garantieren und den Einfluss staatlicher oder wirtschaftlicher Akteure begrenzen.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Eine transparente Medienfinanzierung: Die Unabhängigkeit kann durch Förderprogramme unterstützt werden, die staatliche Gelder bereitstellen, aber klare Schutzmechanismen gegen politische Einflussnahme enthalten.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Quellenschutz für Journalistinnen und Journalisten: Der rechtliche Schutz von Informanten ist essenziell, um investigativen Journalismus zu ermöglichen. Und schließlich ist die Förderung von Medienvielfalt wichtig: Die Unterstützung unabhängiger und lokaler Medien sowie der Abbau von Monopolen stärken den pluralistischen Informationsfluss.
          &#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Auch mittlerweile sechs Jahre später hat Mounks Buch nichts von seiner Aktualität eingebüßt, nicht zuletzt wegen der gewonnenen zweiten Präsidentenwahl durch Donald Trump im Herbst 2024. Angesichts dessen fast täglich herausgegebenen Dekreten und dem gefährlichen Rückbau des Rechtsstaats durch Elon Musks DOGE (deutsch: Abteilung für Regierungseffizienz, offiziell U.S. DOGE Service Temporary Organization), welche die "Regierungseffizienz und -produktivität erhöhen soll" und staatliche IT-Systeme modernisieren soll.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Yascha Mounks Empfehlungen zur Stärkung der Gewaltenteilung zeigen, dass diese wirksame Mittel des Rechtsstaates gegen autokratisches Macht-Gebaren wie von Trump praktiziert, beinhalten:  Die Legislative und die Judikative müssen ihre Kontrollfunktion gegenüber der Exekutive konsequent wahrnehmen. Gerichte können beispielsweise Dekrete blockieren, die gegen die Verfassung verstoßen, wie es bereits in einigen Fällen geschehen ist.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Unabhängige Medien und Zivilgesellschaft: Eine freie Presse und aktive Bürgerbewegungen spielen eine Schlüsselrolle, um Missstände aufzudecken und öffentlichen Druck aufzubauen. Sie können dazu beitragen, Transparenz und Rechenschaftspflicht zu fördern. Rechtsstaatliche Checks and Balances: Institutionen wie der Kongress und unabhängige Behörden müssen ihre Befugnisse nutzen, um exekutive Übergriffe zu verhindern. Dies könnte durch verstärkte Aufsicht und Untersuchungsausschüsse geschehen. Demokratische Prozesse wie Wahlen und Proteste sind essenziell, um autokratische Tendenzen zu bekämpfen. Eine informierte und engagierte Wählerschaft kann Veränderungen herbeiführen. Bildung und Aufklärung, letztlich eine informierte Bevölkerung ist weniger anfällig für Propaganda. Bildungsprogramme und unabhängige Medien können helfen, kritisches Denken zu fördern.Der Druck durch internationale Aufmerksamkeit kann dazu beitragen, dass demokratische Standards eingehalten werden.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Die Identitätsfalle
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Im Jahr 2024 erschien Yascha Mounks Buch "Im Zeitalter der Identität: Der Aufstieg einer gefährlichen Idee", mit welchem der Politologe sich keineswegs zum Trumpianer entwickelt hat, sondern seine grundlegende Frage formuliert, warum die Linke ihren Universalismus aufgegeben habe? Denn mit der Betonung von Gruppen-Identitäten, so argumentiert Mounk, wird nicht nur vormals marginalisierten Gruppen gesellschaftliches Gehör verschafft, sondern identitäres Denken verführe dazu, Spaltungen in der Gesellschaft zu vertiefen. Die Gefahr des Gruppendenkens, eine übermäßige Fixierung auf Gruppenidentität könne zu einer Art „wir gegen die anderen“-Mentalität führen, die die Einheit und Zusammenarbeit innerhalb der Gesellschaft gefährdet. Yascha Mounk plädiert hingegen für eine Rückkehr zu universellen Werten wie Gleichheit und Menschlichkeit, die alle Menschen miteinander verbinden, unabhängig von ethnischer, kultureller oder sozialer Herkunft. Kritik übt Yascha Mounk an Extrem-Positionen, konservativen und progressiven Polen, die sich seiner Meinung nach oft zu stark auf Identitätsmerkmale fixieren und dadurch den gesellschaftlichen Diskurs verengen. Er schlägt Ansätze vor, wie Gesellschaften eine Balance zwischen individueller Identität und gemeinsamen Werten finden können, ohne die Vorteile der Vielfalt zu verlieren. Mounk macht das an einer Vielzahl von Episoden und Beispielen aus sozialen Medien plastisch. Beispielsweise mit der Rassentrennung unter einem neuen Deckmantel: Er verweist auf Universitäten in den USA, die sogenannte „Safe Spaces“ schaffen, die nach ethnischen oder kulturellen Kriterien getrennt sind. Obwohl dies gut gemeint sein mag, sieht Mounk darin eine problematische Wiederbelebung der Trennung von Gruppen. Oder auch progressive versus konservative Ansätze. Mounk illustriert, wie sowohl progressive als auch konservative Lager gelegentlich extremistische Positionen einnehmen. Ein Beispiel ist die Verhärtung in Debatten über kulturelle Aneignung oder die Ablehnung von Diversitätsinitiativen. Beide Seiten könnten, so Mounk, von einem Dialog profitieren, der auf universellen Werten basiert. 
           &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Stärkung demokratischer Werte
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Yascha Mounk zeigt positive Beispiele von Politikern und Bewegungen, die versuchen, über Gruppengrenzen hinweg universelle Werte wie Gleichheit und Würde zu fördern, etwa Kampagnen für Bürgerrechte oder interkulturelle Dialoginitiativen. Yascha Mounk schlägt vor, den Nationalismus durch einen inklusiven Patriotismus zu zähmen. Er argumentiert, dass es wichtig ist, eine gemeinsame Identität zu fördern, die alle Bürger unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft einschließt. Durch die Förderung von kritischem Denken kann Bildung Menschen dazu befähigen, nationalistische Ideologien kritisch zu hinterfragen und sich gegen Propaganda oder extremistische Ansichten zu wehren. Historische Aufklärung kann helfen, die Geschichte des Nationalismus und seine Auswirkungen – sowohl positive als auch negative – zu verstehen. Dies kann dazu beitragen, aus der Vergangenheit zu lernen und extreme Formen des Nationalismus zu vermeiden. Durch die Einbindung von Themen wie kulturelle Vielfalt, Geschichte und globale Perspektiven können Bildungssysteme ein Bewusstsein für die Bedeutung von Inklusion und gegenseitigem Respekt schaffen. Und schließlich kann eine gemeinsame Identität gefördert werden: Bildung kann dazu beitragen, eine inklusive nationale Identität zu schaffen, die auf gemeinsamen Werten und Zielen basiert, anstatt auf ethnischen oder kulturellen Unterschieden. Indem Bildung demokratische Prinzipien wie Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit betont, kann sie dazu beitragen, Nationalismus in eine konstruktive Richtung zu lenken.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Macht und Diskurs nach Michel Foucault
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Doch zurück zur Identitätssynthese und deren Geschichte. Yascha Mounk diskutiert Michel Foucaults Einfluss auf die moderne Identitätspolitik und betont dessen zentrale Ideen über Macht und Diskurs. Foucaults Konzept, dass Macht nicht nur repressiv, sondern auch produktiv ist, hat die Art und Weise geprägt, wie soziale Strukturen und Identitäten heute verstanden werden. Mounk hebt hervor, dass Foucaults Skepsis gegenüber universellen Wahrheiten und großen Narrativen eine Grundlage für viele der heutigen Debatten über Identität und Macht bietet. Foucault kritisierte die Idee stabiler und essenzieller Identitäten, da er Identität als ein Produkt von Macht- und Diskursstrukturen betrachtete. Für ihn war Identität nicht etwas Festes, sondern etwas, das durch gesellschaftliche Praktiken und Diskurse ständig neu geformt wird. Er argumentierte, dass der Fokus auf Identität oft dazu führen kann, dass Machtverhältnisse und die Mechanismen, die Identitäten formen, übersehen werden. Stattdessen plädierte er für eine kritische Reflexion, die die Prozesse der Subjektivierung und die Rolle von Macht in der Konstruktion von Identitäten hinterfragt. Ausführlich diskutiert Yascha Mounk Widersprüche innerhalb der Ansätze der Identitätssynthese, wie beispielsweise des strukturellen Rassismus, der dauerhaft und unüberwindbar sei und die Standpunkttheorie, die vorgibt, Mitglieder einer Identitätsgruppe könnten die Mitglieder einer anderen Gruppe nicht verstehen oder auch die Intersektionalität, 1989 durch Kimberlé Crenshaw als  Ansatz entwickelt, die mehrere überschneidende Kategorien postulierte, aber schließlich doch in der verstärkenden Bedeutung der Opferrolle verharrte. Crenshaw argumentierte, dass diese Diskriminierungen nicht isoliert betrachtet werden können, sondern sich gegenseitig verstärken und komplexe Ungleichheiten schaffen.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Karl Marx und die Differenz (zur Identitätssynthese)
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Yascha Mounk hebt hervor, dass Marxismus und die heutige Identitätspolitik unterschiedliche Ansätze verfolgen. Während Marx sich auf universelle Prinzipien und die Überwindung von Klassenunterschieden konzentrierte, betont die Identitätspolitik oft spezifische Gruppenidentitäten und deren Rechte. Mounk argumentiert, dass diese Fokussierung auf Identitäten manchmal die universellen Werte von Gleichheit und Freiheit untergräbt. Die Identitätssynthese unterscheidet sich grundlegend vom Marxismus, da sie sich auf Gruppenidentitäten wie Geschlecht, Ethnie oder sexuelle Orientierung konzentriert, während der Marxismus den zentralen Konflikt zwischen den Klassen – Arbeiterklasse und Kapitalbesitzer – in den Vordergrund stellt. Die Marxistische Theorie sieht die ökonomischen Verhältnisse als Hauptursache für soziale Ungleichheit und Unterdrückung, während die Identitätssynthese oft kulturelle und soziale Faktoren betont. Ein weiterer Unterschied liegt in der Herangehensweise: Der Marxismus strebt eine universelle Lösung für die Befreiung aller unterdrückten Klassen an, während die Identitätssynthese spezifische Anliegen hervorhebt. Diese unterschiedlichen Perspektiven führen zu einer Trennung zwischen den beiden Ansätzen. Marxistische Kritiker der Identitätssynthese argumentieren oft, dass der Fokus auf Gruppenidentitäten wie Ethnie, Geschlecht oder sexuelle Orientierung von den zentralen ökonomischen Konflikten und Klassenkämpfen ablenkt, die im Marxismus im Vordergrund stehen. Sie sehen die Identitätssynthese als eine Form von kulturellem oder ideologischem Kampf, der die Aufmerksamkeit von der materiellen Basis der Gesellschaft und den Produktionsverhältnissen weglenkt. Zu nennen sind beispielsweise Slavoj Žižek und Vivek Chibber. Žižek kritisiert, dass Identitätspolitik oft zu einer Fragmentierung der Arbeiterklasse führt, während Chibber in seinem Buch "Postcolonial Theory and the Specter of Capital" argumentiert, dass postkoloniale und identitätspolitische Ansätze die universellen Prinzipien des Marxismus untergraben.
           &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Zum Schluss: Mounks Definition des Liberalismus
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Liberalismus beruht auf der Ablehnung einer natürlichen Hierarchie. Liberale glauben nicht, dass Menschen Dank ihrer vornehmen Geburt oder ihrer angeblichen spirituellen Erleuchtung das Recht haben, über andere zu herrschen, sondern sind der Überzeugung, dass wir alle gleich geboren sind. Deshalb bestehen wir auf Institutionen, die es uns erlauben, die Regeln, denen wir gehorchen müssen, selbst zu bestimmen. Diese Regeln müssen jedem von uns die Freiheit zugestehen, nach eigenen Überzeugungen zu leben und Mitgliedern aller Identitätsgruppen versichern, dass die Behandlung, die sie vom Staat erfahren nicht von ihrer Geschlechtsidentität, ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Hautfarbe abhängig ist.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Yascha Mounk
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          Mounk, Yascha. Der Zerfall der Demokratie: Wie der Populismus den Rechtsstaat bedroht. Droemer eBook. Kindle-Version. April 2019
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Mounk, Yascha: Im Zeitalter der Identität: Der Aufstieg einer gefährlichen Idee. © 2024 by J. G. Cotta’sche Buchhandlung
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 26 Mar 2025 18:31:13 GMT</pubDate>
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      <title>Wie Hitler an die Macht kam</title>
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      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Mit "Die Entscheidung" gelingt Jens Bisky eine umfassende kulturwissenschaftliche Perspektive auf die komplexen politischen und sozialen Zusammenhänge der Weimarer Jahre und den Aufstieg der aufstrebenden Nazibewegung
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Eine bisweilen anstrengende Lektüre angesichts der politischen Herausforderungen in den Jahren 1929 bis 1934 garantieren nicht nur die über 600 Seiten dieses Werks. Es ist vor allem eine atmosphärisch dichte Erzählung aus dem Blickwinkel der zeitgenössischen Politiker aus Regierung und Opposition, Philosophen, Kulturkritikern, Journalisten und fügt so ein Mosaik zusammen, das nicht durch eine konsistente Story getragen wird, sondern durch Kontrapunkte, Auslassungen und Fragezeichen Raum für ein "Was wäre gewesen, wenn ...?" lässt.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           "Gesetzt den Fall, die Bierhallen-Putschisten von 1923 wären etwa mit Blick auf die Todesopfer härter, weniger verständnisinnig verurteilt und auf zwei Jahrzehnte von der politischen Betätigung ausgeschlossen, die NSDAP aufgelöst worden; gesetzt den Fall, man hätte danach alle paramilitärischen Verbände verboten, die Reichswehr in ein Heer der Republik umgewandelt, Hitler wäre wahrscheinlich in Bedeutungslosigkeit versunken."
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ausgangspunkt dieser Erzählung und damit der Anfang vom Ende ist der Tod Stresemanns. Im Jahr 1930 ist die NSDAP bereits zweitstärkste Fraktion im Reichstag. Stresemann hatte maßgeblich zur Normalisierung der deutschen Beziehungen zu Frankreich beigetragen und wollte die Isolation Deutschlands nach außen beenden. Die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund im Jahr 1926 und zuvor das Zustandekommen des Dawes-Plans sowie eine diplomatische Revision des Versailler Vertrags gehören zu seinen Verdiensten. Im Oktober 1929 starb Stresemann nach mehreren Herzinfarkten und Schlaganfällen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           Ein Stein auf dem Weg zur deutschen Freiheit weggeräumt, gut so! Er hat sich dem kommenden Strafgericht entzogen.
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Joseph Goebbels, im Jahr 1929 NSDAP-Gauleiter Berlin Brandenburg
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Mitten in der Weltwirtschaftskrise, es war am 24. Oktober 1929 zum Börsencrash gekommen, zogen die Vereinigten Staaten alle Gelder aus Europa ab. Lag die Arbeitslosigkeit im Sommer 1929 bei 1,9 Millionen, so stieg sie bis März 1931 auf fünf Millionen, um im Februar 1932 den Höchststand mit 6,14 Millionen zu erreichen. Radikale Parteien wie NSDAP und KPD hatten enormen Zulauf und Zuspruch. Die nationalsozialistische Bewegung konnte vor allem bei den atypischen Arbeitern gewinnen: 27 % der Nazi-Wähler gehörten zur Arbeiterschaft. Ungelernte, aus der Landwirtschaft entflohene, unselbständig in kleineren Betrieben Beschäftigte, Postler, Straßenbahnfahrer ; die Verbindung zum Industrieproletariat und damit einem guten Organisationsgrad war bei ihnen schwach, ihre Einstellung war nationalistisch, sie orientierten sich an kleinbürgerlichen Lebensmodellen. Ausschlaggebend blieb jedoch die Konfession: Die Nationalsozialisten triumphierten besonders in protestantischen Regionen, so gewannen sie im Landvolk geprägten Schleswig Holstein 51 Prozent. Im Vergleich dazu der katholisch geprägte Wahlkreis in Köln/Aachen: 20,1 Prozent für die NSDAP, hingegen 40,5 Prozent für die Zentrumspartei.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Sechs Monate nach Stresemanns Tod war die Regierungskoalition unter Herrmann Müller (SPD) auseinandergebrochen und machte Platz für das Präsidialkabinett von Heinrich Brüning. Streitpunkt war die Erhöhung der Arbeitslosenversicherung um einen halben Prozentpunkt. Reichspräsident Paul von Hindenburg hatte den Rückgriff auf Artikel 48 der Weimarer Verfassung verhindert. Zentrum-Politiker Heinrich Brüning hatte sich bereits vor dem Rücktritt der Regierung Müller mit dem Reichspräsidenten verständigt, dass das neue Kabinett dem Reichspräsidenten größere Eingriffsmöglichkeiten und damit mehr politische Macht einräumt. Das Parlament wurde immer mehr ausgehöhlt durch die Spar- und Notverordnungen der Brüning-Regierung. Die Präsidialkabinette von Papen und Schleicher folgten. Und darauf schließlich Hitler.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Als Hitler Reichskanzler war, ließ er Kurt Schleicher und dessen Frau durch den Sicherheitsdienst der SS erschießen. Dieser in Auftrag gegebene Mord wurde von der Regierung Hitler verschleiert, mit daran beteiligt Roland Freisler, damals noch Staatssekretär des preußischen Justizministeriums. Im Zuge des Gesetzes über Maßnahmen der Staatsnotwehr nach den Bestimmungen des Ermächtigungsgesetzes vom 3. Juli 1934 wurde der Mord nachträglich "legalisiert", indem Schleicher staatsfeindliche Aktionen vorgeworfen wurden.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wilhelm Groener, seit 1928 Reichswehrminister und seit 1931 zusätzlich als Reichsminister des Innern als Parteiloser in der Regierung, sagte später privat: "Mit Gewalt hätte man sie niederwerfen müssen!"
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           1929 begann der dreifache Angriff auf die Grundlagen der Weimarer Republik, die Verständigungspolitik (Stresemann) wich der nationalen Opposition und der faschistischen Koalition von Hugenberg, Selte und Hitler. Gleichzeitig versuchte man, Sozialdemokraten von einflussreichen Machtpositionen zu verdrängen. Mittels Artikel 48 wurde das Parlament ausgeschaltet. Bereits das Kabinett von Papen war offen reaktionär und autoritär.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Wenig kommt im Buch die Rolle der KPD zur Sprache. Sicherlich auch deshalb, weil die Stalinisierung der KPD glückte und diese gerade in den entscheidenden Jahren falsche Strategien verfolgte. Bei der Reichspräsidentenwahl 1925 unterlag der Zentrum-Vertreter Wilhelm Marx im 2. Wahlgang Hindenburg um nicht mehr als 800.000 Stimmen. Thälmann trat trotz der Brisanz Republik versus Monarchie im 2. Wahlgang an, erreichte abgeschlagen 6,4 % und hatte noch 60.000 Stimmen mehr als im 1. Wahlgang. Wahrscheinlich hätte Marx sein Amt nicht gegen die Republik missbraucht. 1932 gab es schließlich keinen Kandidaten für die Republik. Hindenburg wurde durch die SPD und die Katholiken unterstützt und die KPD gab die Losung aus: Wer Hindenburg wählt, wählt Hitler, wer Hitler wählt, wählt den Krieg! KPD-Kandidat Ernst Thälmann erreichte im 1. Wahlgang 13,2 % und im 2. Wahlgang 10,2%, während Adolf Hitler 2 Millionen Wählerstimmen hinzugewann. Hindenburg hatte Anfang Februar 1932 Meinungs- und Versammlungsfreiheit zum "Schutz des deutschen Volkes" gecancelt und Ende Februar 1932 die übrigen Grundrechte. Am 2. August 1934 starb Paul von Hindenburg und Reichskanzler Adolf Hitler hatte bereits am 1. August 1934 die Ämter des Reichspräsidenten und die des Reichskanzlers per Gesetz auf seine Person vereinigt.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/df8d9bd0f3ae4378be420f037a0a26ef/dms3rep/multi/Unbenannt.jpg" alt="Jens Bisky &amp;quot;Die Entscheidung. Deutschland 1929 bis 1934&amp;quot;, erschienen bei Rowohlt."/&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            1928/29 wächst der Druck auf die Republik.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Auf die wirtschaftliche Depression folgen verbreitete Unzufriedenheit, diverse politische Kippunkte zeitigen gesellschaftliche Umbrüche und es kulminierten verschiedene Entwicklungen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Kooperationen mit der Hitler-Bewegung gibt es bereits in den 1920ern: Vermittelt durch die Gattinnen der Industriellen, welche die Salons für den Herrn Hitler öffnen. Das Radikale zog sie an.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Der Dortmunder Industrielle Albert Vogler und auch Fritz Thyssen wollen mit ihren Sympathien für die Hitler-Bewegung den Einfluss der SPD auf die Arbeiterschaft in ihren Konzernen zurückdrängen. Die Hitler-Bewegung hat ihre eigene Privatarmee, die SA.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           "Wer heute auf das Ende Weimars zurückblickt, weiß:
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Es ist politisch leichtfertig, nicht mit dem Schlimmsten zu rechnen."
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Aus: Bisky, Jens: Die Entscheidung
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            In der Weimarer Republik wurde diese Privatarmee der Hitler-Bewegung zwei Mal verboten. Direkt nach dem Hitler-Putsch 1923 für ca. ein Jahr und schließlich durch das Präsidialkabinett unter Heinrich Brüning mit einer Notverordnung am 13. April 1932: Mittlerweile waren ca.  450.000 Männer Mitglied der SA.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           Im November 1930 zählte die SA 60.000 Mitglieder; im August 1932 waren es bereits 471.384 Mitglieder. Röhm hatte bei seinem Amtsantritt im Januar 1931 eine SA mit knapp 77.000 Mann vorgefunden. Schon im April 1931 war sie auf 118.982 Mann angewachsen, im November 1931 hatte sie die 200 000-Mann-Grenze hinter sich gelassen. Im Dezember 1931 marschierten 260.438 Mann unter den Fahnen der SA. Im Sommer des Jahres 1932 waren es 455.000 Mann.
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wikipedia
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Jens Bisky stellt anhand von Horst Wessel exemplarisch dar, worin für junge Männer die Faszination dieser SA lag. Horst Wessel hatte bereits durch seine Familiensozialisation sehr viel von dem Nationalprotestantismus übernommen. Das überhöhte sakralisierte Verständnis der Nation, die Ablehnung der Republik, die Hochschätzung des Militärischen. Wessels Vater war kaiserlich gesinnter protestantischer Pastor und ab 1913 Pastor an der Berliner Nikolaikirche. Der Großteil der Eliten war protestantisch. An den Universitäten war die Hitler-Bewegung  seit Jahren erfolgreich.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           Protestantische Universitätstheologen erkannten nun allerorten Krisen. Krise der Kultur, Krise der Moderne, Krise der europäischen Kultur, deutsche Krise, Wissenschaftskrise, Bildungskrise, Schulkrise, Wirtschaftskrise, Staatskrise, Krise des Historismus, Krise der Jugend, Krise des Führertums, Krise des Kapitalismus, Kirchenkrise, Krisis der Sozialdemokratie, Krise der kirchlichen Sozialarbeit, Krise der Predigt, Glaubenskrisis, Kirchenkrise, Krise der Religion, Weltkrise und überhaupt: Krise der Wirklichkeit. Zeitdiagnosen kamen selten ohne den Krisenbegriff aus, versprachen den Dingen auf den Grund zu gehen und einen Ausweg zu weisen.
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;br/&gt;&#xD;
        
             
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Aus: Bisky, Jens: Die Entscheidung
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Einer der schillernsten Philosophen in den 1920ern war Martin Heidegger, dessen existenzialistischen Begrifflichkeiten große Nachahmung fanden. "Sein und Zeit" (SuZ) aus dem Jahr 1927 traf den Nerv der Zeit. Hannah Arendt, Herbert Marcuse und Karl Löwith wurden seine Schülerin und seine Schüler. Für die Weimarer Kultur mit ihren produktiven Spannungen und unvereinbaren Gegensätze war Heideggers Philosophie so wertvoll wie Mischa Spolianskys Revuen oder Fritz Langs Filme.
             &#xD;
        &lt;br/&gt;&#xD;
        
            Als Rektor der Universität Freiburg und frisches NSDAP-Mitglied nahm Martin Heidegger an der Bücherverbrennung im Universitätsstadion von Freiburg am 24. Juni 1933 teil und sprach angesichts der lodernden Flammen von "der Flamme der Revolution", als u.a. die Bücher von Sigmund Freud und von Franz Werfel auf dem Scheiterhaufen verbrannten.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            In dieser Zeit nach dem verlorenen Krieg und dem Versailler Vertrag sah man in dieser juvenilen militanten Bewegung, den Schlägertrupps der SA, die sich Straßenschlachten mit dem Rotkämpferbund der KPD lieferten, neue Helden - auf dem Weg in eine heroische Gesellschaft? Folgt man Herfried Münkler so war der Nationalsozialismus "der Versuch der systematischen Transformation einer Gesellschaft in die Gemeinschaft".
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           "Die Republik war ein Kind der Niederlage. Diesen vermeintlichen Makel wurde sie nie los. Dem Versailler Vertrag mit dem Kriegsschuldartikel, dem Verlust von Territorien des Reichs, den militärischen Beschränkungen und den Reparationszahlungen empfand die übergroße Mehrheit als Unrecht und Demütigung. Das verlieh antidemokratischer Propaganda Plausibilität, der zufolge der Parlamentarismus von den Siegern aufgezwungen und undeutsch sei."
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Aus: Bisky, Jens: Die Entscheidung
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Siegfried Kracauer schrieb über die Zeit das Buch "From Caligari to Hitler" und konstatierte, dass das Kino der Weimarer Republik kein Ort herkömmlicher bürgerlicher Kultur war, ihm fehlte ein Bild der Freiheit.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Und so war Marlene Dietrich, als "Der blaue Engel" der Gegen-Entwurf zu den DDP, DVP, Zentrum und auch den SPD-Politikern der Elite dieser Zeit: Erstere entzog sich und ging mit von Sternberg nach Hollywood, um als Mitglied der US Army wiederzukommen, letztere hatten bis zum Schluss keine politische Strategie entwickelt.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Otto Braun, der bis 1932 SPD-Ministerpräsident von Preußen war und dort ein "republikanisches demokratisches Bollwerk" gestalten wollte,
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           sah im Rückblick eine immer stärker verblassende liberale Ideologie in der Endphase der Weimarer Republik.  Mit den liberalen Grundsätzen und dem Parlamentarismus war der nationalistische Gleichheits- und Gemeinschaftsfanatismus unvereinbar. "Ehre, Einigkeit und Stärke" wurden die Schlagbegriffe der neuen Helden in einer Schule der Enthemmung und Bestialisierung zur politischen Religion.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           Wie reich und lebendig die deutsche Demokratiegeschichte entgegen anderer Behauptungen war, zeigten die Parteien der Weimarer Koalition, die sozialdemokratische Arbeiterbewegung, der politische Katholizismus und der regelmäßig unterschätzte Liberalismus, der allerdings schon Ende der 20er Jahre Niederlage um Niederlage verkraften musste, bis seine Parteien im Versuch, ein rettendes Ufer zu erlangen, bedeutungslos wurden
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           .
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Aus: Bisky, Jens: Die Entscheidung
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 11 Mar 2025 21:42:15 GMT</pubDate>
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      <title>Bittere Brunnen</title>
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      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
          Ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2023
         &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
          "Mose ließ die Israeliten vom Schilfmeer aufbrechen. Sie zogen hinaus in die Wüste Schur. Schon drei Tage waren sie in der Wüste unterwegs und fanden kein Wasser. Dann kamen sie nach Mara, wo es Wasser gab. Doch sie konnten es nicht trinken, weil es bitter war. Deshalb nannte man den Ort Mara, das heißt: Bitterbrunnen. Das Volk rebellierte gegen Mose und sagte: "Was sollen wir jetzt trinken?" Da schrie Mose zum Herrn, und der Herr zeigte ihm ein Stück Holz. Mose warf es ins Wasser, und dann konnten die Israeliten es trinken."
         &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
          Aus dem biblischen Buch Exodus stammt diese Geschichte. Darin irrt das Volk Israels verdurstend durch die Wüste und findet schließlich einen Brunnen, dessen Wasser jedoch bitter ist. Nur durch verdorrtes Holz von Wüstenbäumen kann es wieder genießbar gemacht werden. So versucht auch die jüdische Revolutionärin Hertha Gordon-Walcher ihr Leben lang, trotz bitterer Lebensumstände und Enttäuschungen für eine bessere Zukunft zu kämpfen.
         &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
          Bittere Brunnen. Hertha Gordon-Walcher und der Traum von der Revolution von Regina Scheer erzählt die bewegende Lebensgeschichte einer Frau, die ihr ganzes Dasein der Idee einer besseren, gerechteren Welt verschrieben hatte – und dabei immer wieder von den politischen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts herausgefordert wurde. Hertha Gordon-Walcher war eine überzeugte Kommunistin, die sich früh für soziale Gerechtigkeit engagierte. Sie kämpfte für die Arbeiterbewegung, erlebte Verfolgung im Nationalsozialismus und setzte sich später in der DDR für ihre Ideale ein. Doch die Realität in der DDR stellte ihre Überzeugungen auf eine harte Probe. Trotz aller Enttäuschungen blieb sie eine leidenschaftliche Kämpferin, die nie aufhörte, nach Wegen zu suchen, um ihre Ideale mit der Realität in Einklang zu bringen.
         &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
          Regina Scheer zeichnet das Porträt einer Frau, die voller Hoffnung und Tatkraft war, aber auch die Schattenseiten einer Revolution erlebte. Sie erzählt von persönlichen Verlusten, politischen Konflikten und der unermüdlichen Suche nach Gerechtigkeit. Bittere Brunnen ist ein tief berührendes Buch über einen lebenslangen Traum – und die oft schmerzhafte Konfrontation mit der Wirklichkeit.
         &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
          Frühe Jahre und Engagement in der KPD
         &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
           Hertha Gordon-Walcher trat bereits 1915 dem Spartakusbund bei. Nach ihrer Tätigkeit als Sekretärin von Clara Zetkin und ihrer Arbeit im Kreml kurz nach der Russischen Revolution kehrte sie nach Deutschland zurück und engagierte sich aktiv in der KPD. In dieser Zeit lernte sie auch ihren späteren Ehemann, Jacob Walcher, kennen, der als KPD-Sekretär in Stuttgart tätig war. Gemeinsam setzten sie sich für die sozialistische Bewegung ein und teilten den Traum von einer gerechten Gesellschaft. 
          &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
          Kluge Mitstreiterin von Clara Zetkin
         &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
          Hertha Gordon war 1921 nach Moskau gereist, um am III. Weltkongress der Kommunistischen Internationale teilzunehmen. Dort arbeitete sie als Sekretärin für Clara Zetkin und war in die organisatorischen Abläufe der Kommunistischen Internationale eingebunden. Scheer beschreibt, wie Hertha von der revolutionären Atmosphäre in Moskau inspiriert wurde und diese Erfahrungen ihr politisches Engagement nachhaltig prägten.
         &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
           Hertha Gordon und Clara Zetkin verband eine enge berufliche und persönliche Beziehung, die sich insbesondere während des Ersten Weltkriegs entwickelte. Hertha Gordon unterstützte Clara Zetkin in ihrer politischen Arbeit. In dieser Zeit lernte sie auch Jacob Walcher kennen, der später ihr Ehemann wurde. 
          &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
          Aufgrund ihrer gemeinsamen politischen Überzeugungen und Aktivitäten entstand zwischen Hertha Gordon und Clara Zetkin eine tiefe Verbundenheit. Ihre Zusammenarbeit war geprägt von einem intensiven Austausch und gegenseitiger Unterstützung in ihrem Engagement für die sozialistische Bewegung. Die Beziehung zwischen Clara Zetkin und Hertha Gordon basierte auf einer gemeinsamen politischen Vision und war durch enge Zusammenarbeit sowie persönliche Verbundenheit geprägt.
         &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
          Die KPD in den 1920ern - Interne Konflikte und Abspaltung
         &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
           Die KPD war in den 1920er Jahren von internen Spannungen geprägt, insbesondere hinsichtlich der Ausrichtung und Führung der Partei. 1928 übernahm Ernst Thälmann die Führung der KPD, was zu einer stärkeren Unterordnung unter die Direktiven Stalins führte. Diese Entwicklung stieß bei vielen Mitgliedern, darunter Hertha und Jacob Walcher, auf Kritik. Sie lehnten die stalinistische Ausrichtung ab und wurden aus der KPD ausgeschlossen. Gemeinsam mit anderen Gleichgesinnten gründeten sie die Kommunistische Partei-Opposition (KPO), eine linke Abspaltung, die sich gegen die stalinistische Linie stellte.  Hertha Gordon-Walcher und ihr Ehemann Jacob Walcher zählten zu den Gründungsmitgliedern der Kommunistischen Partei-Opposition (KPO) und Jacob Walcher wurde Mitherausgeber der KPO-Zeitschrift "Gegen den Strom".
          &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
          "Für Clara wie auch für Hertha war die Partei ein Brunnen, ein nun vergifteter, bitterer Brunnen, an dem sie fast verdursteten. Aber irgendwo musste doch das heilende Gegenmittel sein, vielleicht nur in ihnen selbst. Am 16. Dezember 1928 schrieb Jacob an Hertha, er sei völlig aus dem Gleichgewicht. »Das äußert sich in nervöser Unruhe, in der Unlust, allein zu Hause zu sein, und auf andere Weise.« Am 21. Dezember 1928 wurde er aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen, am selben Tag wie Paul Böttcher, Hans Tittel, Albert Schreiner. Fast alle seiner engen Freunde wurden rausgeschmissen oder gingen von selbst aus der Partei. Minna Flake, Paul Frölich, Rosi Wolfstein, Robert Siewert, August Enderle … Andere, wie Wilhelm Pieck, blieben, duckten sich aus der Schusslinie und gaben Jacob zu verstehen, dass sie ihm persönlich verbunden blieben."
         &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
          Scheer, Regina. Bittere Brunnen: Hertha Gordon-Walcher und der Traum von der Revolution - Ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2023 (S.251-252). Penguin Verlag. Kindle-Version. 
         &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
          Willy Brandt und die Walchers
         &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
          Im Buch wird die enge Beziehung zwischen Willy Brandt und dem Ehepaar Jacob und Hertha Gordon-Walcher detailliert beschrieben. Jacob Walcher, prominenter Kommunist und Mitbegründer der KPD, war in den 1930er Jahren ein politischer Mentor für den jungen Willy Brandt. Walcher, der seit 1932 im Vorstand der SAPD tätig war, entsandte Brandt nach Oslo, um dort einen Auslandsstützpunkt für die Partei aufzubauen. Hertha Walcher leitete das Auslandsbüro der SAPD und war somit direkt in die politischen Aktivitäten involviert, die Brandts Exil ermöglichten. 
         &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
          Nach mehreren Internierungen in Frankreich gelang Hertha und Jacob schließlich die Flucht in die USA. Dort heirateten Hertha und Jacob am 13. Mai 1941 in New York. Jacob arbeitete wieder als Dreher, während Hertha weiterhin politisch aktiv blieb. In den USA pflegten sie Kontakte zu anderen emigrierten Mitgliedern der SAPD und der Kommunistischen Partei-Opposition (KPO). Eine besondere Freundschaft verband sie mit Bertolt Brecht, der sich für ihre politischen Erfahrungen interessierte. Brecht unterstützte das Ehepaar finanziell, was ihnen letztlich die Rückkehr nach Deutschland ermöglichte. Während ihres Exils in den USA hielten Hertha und Jacob Walcher an ihren sozialistischen Überzeugungen fest und setzten sich weiterhin für ihre politischen Ideale ein. Ihre Zeit in den Vereinigten Staaten war geprägt von der Fortführung ihres Engagements im Exil und der Pflege von Netzwerken mit Gleichgesinnten.
         &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
           Die Beziehung zwischen Brandt und den Walchers entwickelte sich von einer engen Zusammenarbeit zu einer allmählichen Entfremdung. Während Brandt sich Mitte der 1930er Jahre vom Stalinismus distanzierte und einen demokratisch-sozialistischen Weg einschlug, blieben die Walchers der sowjetischen Linie treu. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrten beide Parteien nach Deutschland zurück: Brandt in den Westen, die Walchers in die sowjetische Besatzungszone, wo sie am Aufbau der DDR mitwirkten. Diese unterschiedlichen politischen Entscheidungen führten letztlich zum Bruch zwischen Brandt und dem Ehepaar Walcher. 
          &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
          Trotz der politischen Differenzen blieb eine persönliche Verbundenheit bestehen. Als die Walchers in der frühen DDR Gefahr liefen, verhaftet zu werden, bot Brandt ihnen einen sicheren Transfer nach West-Berlin an. Dieses Angebot unterstreicht die tiefe persönliche Beziehung, die trotz ideologischer Unterschiede fortbestand. Insgesamt zeichnet „Bittere Brunnen“ ein umfassendes Bild der komplexen und wechselvollen Beziehung zwischen Willy Brandt und dem Ehepaar Walcher, geprägt von gemeinsamen politischen Idealen, persönlichen Bindungen und letztlich divergierenden Wegen in der Nachkriegszeit.
         &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
          Exil und Rückkehr
         &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
           Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrten sie nach Deutschland zurück und traten 1947 der SED bei, um am Aufbau des Sozialismus in der DDR mitzuwirken. Ihre Rückkehr wurde jedoch nicht von allen Parteimitgliedern begrüßt, und sie sahen sich mit Misstrauen und Ablehnung konfrontiert. 
          &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
          Walter Ulbricht wird als einflussreicher Politiker der DDR dargestellt, der in den 1950er Jahren maßgeblich die Umgestaltung der SED zu einem straff geführten Instrument seiner Politik vorantrieb. In diesem Kontext wurde Jacob Walcher, der Ehemann von Hertha Gordon-Walcher, 1951 aus der SED ausgeschlossen und als „schlimmster Feind der Arbeiterklasse“ bezeichnet. Diese Ereignisse verdeutlichen die Spannungen zwischen den Walchers und der Parteiführung unter Ulbricht.
         &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
          Kritische Reflexion und Vermächtnis
         &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
           Regina Scheer beleuchtet in ihrem Buch die komplexe Beziehung der Walchers zur KPD und später zur SED. Trotz ihrer unerschütterlichen Hingabe zur „guten Sache“ waren sie oft mit den Entscheidungen und dem Führungsstil der Parteispitze unzufrieden. Ihre Erfahrungen spiegeln die Herausforderungen und Widersprüche wider, denen viele Kommunisten in dieser Zeit gegenüberstanden. Scheers Werk trägt dazu bei, diese ambivalente Geschichte der KPD und ihrer Mitglieder aus einer persönlichen Perspektive zu verstehen und erinnert an die oft übersehenen Beiträge von Frauen wie Hertha Gordon-Walcher in der deutschen Arbeiterbewegung. 
          &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
          "Ihr war es so selbstverständlich, Jüdin zu sein, wie ihre Identität als Frau ihr selbstverständlich war. Sie hatte es sich nicht ausgesucht, aber sie war es, und es bestimmte ihre Persönlichkeit. Natürlich glaubte sie, die Religion hinter sich gelassen zu haben, aber Jüdischsein ist mehr als ein religiöses Bekenntnis. Hertha blieb auch als Kommunistin die Tochter von Isaak und Chienka Gordon; wie so viele ihrer Freunde war sie aufgewachsen mit dem Gesetz der Zedakah, der Gerechtigkeit, die ein Tun erfordert. In ihren Kreisen spielte die Herkunft keine Rolle, aber jetzt spürte sie manchmal auch eine ganz persönliche Gefährdung, dachte an die Geschichten des Rabbiners Vogelstein. Die Flut um den Ölzweig stieg."
         &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
          Scheer, Regina. Bittere Brunnen: Hertha Gordon-Walcher und der Traum von der Revolution - Ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2023 (S.277). Penguin Verlag. Kindle-Version. 
         &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            
          &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
           ﻿
          &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            
          &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            
          &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Sat, 15 Feb 2025 23:07:30 GMT</pubDate>
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      <title>Vertrauter Fremder</title>
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      <content:encoded>&lt;h4&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
    
           
         &#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
  
         Identität, im Singular, wird niemals abschließend erlangt. Identitäten, im Plural, sind die Mittel des Werdens. Die Erzählung, die ich hier in Gang setze, wird nie ihr Ziel erreichen, selbst wenn ich lange genug leben sollte, um sie abzuschließen und das Wort Ende unter die letzte Seite zu setzen. Was unwahrscheinlich ist.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;font&gt;&#xD;
    
          Hall, Stuart. Vertrauter Fremder: Ein Leben zwischen zwei Inseln (S.100). Argument Verlag mit Ariadne. Kindle-Version.
         &#xD;
  &lt;/font&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
&lt;/h4&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         Stuart Halls "Vertrauter Fremder: Ein Leben zwischen zwei Welten" ist ein Mix aus persönlicher Lebensgeschichte und theoretischen Reflexionen seiner Kulturtheorie. Stuart Hall schildert seinen Lebensweg als schwarzer Intellektueller, der zwischen den kulturellen Welten Jamaikas und Großbritanniens navigiert - gespickt mit seinen Einsichten in die Entwicklung der Kulturtheorie und seiner kritischen Sozialwissenschaft. 
         &#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Hall wurde 1932 in Kingston, Jamaika, in eine Familie der unteren Mittelklasse geboren, die von kolonialen Werten und britischer Kultur geprägt war. Seine Vorfahren waren Portugiesen, Inder, Afrikaner und Juden. Die Familie war “farbig”, aber sie versuchten, sich an britische Normen anzupassen, um sich von der schwarzen, ärmeren Bevölkerung abzugrenzen. Dieses Spannungsverhältnis zwischen Rasse, Klasse und Kolonialismus prägte ihn tief. Hall protestierte schon früh gegen die koloniale Macht und trat für die Unabhängigkeit seines Landes ein. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          1951 ging Hall als gesellschaftlicher Aufsteiger mit einem Rhodes-Stipendium nach Oxford / Großbritannien  als Student und Aktivist und wurde in Großbritannien ein Kulturtheoretiker. Hall erlebte Rassismus und das Gefühl, sowohl als Jamaikaner als auch als britischer Bürger ein Außenseiter zu sein. Während seiner Zeit in Großbritannien engagierte er sich in politischen Bewegungen, insbesondere in der New Left. Sein zentrales Thema wurde so mithin das Konzept der Identität als fluide und hybrid und beeinflusst durch Klasse, Rasse, Kultur und Geschichte. 
          &#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Seine kritische Auseinandersetzung mit der britischen Nachkriegsgesellschaft, die Verbindung des Marxismus mit postkolonialen Theorien und die Betonung von Rasse und Ethnizität sind als Themen besonders relevant für zeitgenössische Gesellschaften der Spätmoderne.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Stuart Hall ist Mitbegründer der  Cultural Studies. Er analysierte, wie Medien, Politik und Sprache Identitäten konstruieren. Er hinterfragte essentialistische Vorstellungen von Kultur und betonte stattdessen die Hybridität von Identitäten – eine Idee, die seine eigene Lebenserfahrung widerspiegelte. Das ist mithin eine Absage an die führende Rolle des Proletariats und betont stattdessen die große Bedeutung der Massenkultur.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ein zentrales Thema des Buches "Vertrauter Fremder" ist das Konzept der “Diaspora-Identität” – das Gefühl, nie vollständig einer einzigen Kultur oder Nation anzugehören. Hall beschreibt, wie er sich weder vollständig als Jamaikaner noch als Brite empfand, sondern als jemand, der zwischen diesen Welten steht. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Vertrauter Fremder ist mehr als eine Autobiografie – es ist eine kritische Reflexion über Kolonialismus, Rassismus, Migration und die Konstruktion von Identität. Halls persönliche Erfahrungen dienen als Ausgangspunkt für tiefgehende theoretische Analysen, die für postkoloniale Studien und Cultural Studies von großer Bedeutung sind. 
          &#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Das Buch ist sowohl eine persönliche Lebensgeschichte als auch eine kritische Analyse der Nachwirkungen des Kolonialismus und der kulturellen Hybridität in einer globalisierten Welt.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        
            Stuart Halls Konzept des Encoding/ Decoding
           &#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Im Jahr 1973 beginnt Hall  in seinem Aufsatz "Encoding and Decoding in the Television Discourse" und später in seinem Buch "Culture, Media, Language" (1980) damit, auf semiotischer Grundlage Bücher, Bilder und Filme in einem allgemeinen Konzept des Textverständnisses als polyseme (=mehrdeutige) Texte zu beschreiben. Texte können mit drei verschiedenen Lesarten rezipiert werden: Dominant-hegemonial (das ist die gewünschte, offizielle Lesart), mit einer ausgehandelten (mit einem negotiated code = als Zwischenstufe mit Anteilen der dominant-hegemonialen und der eigenständigen / oppositionellen) und als oppositionell (die widerständige Lesart).  Diese drei Typen differenzieren, inwieweit die im Text vorhandene ideologische Position mit der des Rezipienten korreliert und von ihm eingenommen wird. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        
            1. Dominant-hegemoniale Lesart (Preferred Reading)
           &#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            •	Der Rezipient akzeptiert die vom Produzenten intendierte Bedeutung vollständig.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            •	Dies geschieht, wenn der Rezipient die gleiche kulturelle oder ideologische Perspektive wie der Produzent hat.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            •	Beispiel: Eine politische Nachrichtensendung lobt eine Regierungsentscheidung, und der Zuschauer, der die Regierung unterstützt, stimmt ihr zu.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        
            2. Aushandelnde (negotiated) Lesart
           &#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            •	Der Rezipient akzeptiert einige Teile der kodierten Botschaft, lehnt aber andere Aspekte ab oder interpretiert sie anders.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            •	Diese Lesart ist typisch für Menschen, die sich in Teilen mit der dominanten Ideologie identifizieren, aber gleichzeitig kritisch gegenüber bestimmten Aspekten sind.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            •	Beispiel: Eine Werbung für ein Luxusauto kann die Botschaft vermitteln, dass Wohlstand und Status wichtig sind. Ein Zuschauer könnte dies teilweise akzeptieren, aber dennoch der Meinung sein, dass das Auto zu teuer ist oder dass Umweltaspekte wichtiger sind.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        
            3. Oppositionelle Lesart (Oppositional Reading)
           &#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            •	Der Rezipient lehnt die intendierte Bedeutung ab und interpretiert sie auf eine völlig andere, oft kritische Weise.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            •	Dies geschieht, wenn jemand die zugrunde liegende Ideologie einer Botschaft erkennt und sich bewusst dagegen stellt.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            •	Beispiel: Eine Nachrichtensendung stellt eine politische Demonstration als gewalttätig dar, aber ein Zuschauer, der die Demonstration unterstützt, erkennt darin eine bewusste Manipulation der Medien und lehnt diese Darstellung ab.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        
            Grundidee des Encoding/Decoding-Modells
           &#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Hall argumentiert, dass die Bedeutung von Medienbotschaften nicht einfach von Sendern (z. B. Fernsehsendern, Zeitungen) an Empfänger (Zuschauer, Leser) weitergegeben wird. Stattdessen gibt es eine komplexe Beziehung zwischen Produktion, Vermittlung und Rezeption von Medieninhalten.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die Kernidee ist, dass Medieninhalte in zwei Schritten verarbeitet werden:
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            1.	Encoding (Kodierung): Der Produzent einer Nachricht (z. B. eine Fernsehsendung, eine Nachrichtensendung oder eine Werbung) kodiert bestimmte Bedeutungen und Ideologien in die Botschaft. Dabei werden gesellschaftliche Normen, Machtverhältnisse und kulturelle Kontexte in die Darstellung einbezogen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            2.	Decoding (Dekodierung): Der Rezipient (das Publikum) entschlüsselt die Botschaft auf Grundlage seines individuellen sozialen, kulturellen und politischen Hintergrunds. Dabei kann die Interpretation der Botschaft stark variieren.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Bedeutung des Encoding/Decoding-Modells
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Halls Modell revolutionierte die Medien- und Kommunikationstheorie, weil es zeigte,
          &#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           dass Medienkonsum ein aktiver Prozess
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
          ist. Rezipienten sind keine passiven Empfänger, sondern interpretieren Medieninhalte je nach ihrem sozialen, kulturellen und politischen Kontext.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Das Modell hat wichtige Implikationen für:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	Medienkritik: Es zeigt, wie Ideologie durch Medien verbreitet wird und wie Menschen sie hinterfragen können.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	Werbung und Propaganda: Es erklärt, warum manche Botschaften erfolgreich sind und andere nicht.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           •	Kulturelle Repräsentation: Es zeigt, dass Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen Medien unterschiedlich wahrnehmen, was für Themen wie Rassismus, Geschlechterrollen oder politische Berichterstattung wichtig ist.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Quellen:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Stuart Hall: Vertrauter Fremder: Ein Leben zwischen zwei Inseln. Argument Verlag mit Ariadne. Kindle-Version: 2020/2022.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          ders.: Cultural Studies 1983. A theoretical History. Duke University Press: 2016.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Oliver Marchart: Cultural Studies. Konstanz: UTB 2008.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Rainer Winter: Der produktive Zuschauer. Medienaneignung als kultureller und ästhetischer Prozeß. München: Quintessenz 1995.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/df8d9bd0f3ae4378be420f037a0a26ef/dms3rep/multi/vertrauter-fremder-taschenbuch-stuart-hall-c09cb612.jpeg"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Titel der englischen Originalausgabe: Familiar Stranger. A Life Between Two Islands Copyright © the Estate of Stuart Hall, 2017 Original English language edition first published by Penguin Books Ltd, London
           &#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            ﻿
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Mon, 10 Feb 2025 09:23:16 GMT</pubDate>
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      </media:content>
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        <media:description>main image</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Bemerkungen zu Arendts Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft</title>
      <link>https://www.careworking.de/bemerkungen-zu-arendts-elemente-und-urspruenge-totaler-herrschaft</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         In dieser Woche gab es eine Migrationsdebatte im politischen Berlin, die Wochen vor der vorgezogenen Bundestagswahl in der heißen Wahlkampfphase viele Gemüter erhitzte.
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         Die Rede ist von den Abstimmungen am Mittwoch - als mit den Stimmen der AfD ein Antrag der CDU/CSU angenommen wurde -  und am Freitag zu dem Gesetzesentwurf der CDU/CSU-Fraktion zur Begrenzung der Migration, als sich sogar Altkanzlerin Angela Merkel öffentlich meldete und den Kandidaten Merz sowie ihre Partei vor den Folgen warnte. Die Mittwoch-Abstimmung bleibt wohl am ehesten mit den feixenden und Selfie schießenden AfD-Abgeordneten im Gedächtnis, wogegen am Freitag unzählige Debattenverschiebungen wegen einberufener Fraktionssitzungen im Gedächtnis haften bleiben - in meinem Gedächtnis. Es ist Wahlkampf, dieses Framing sollte man nicht außer Acht lassen. 
         &#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Gerade weil ich in einer interkulturellen Familie lebe und meine Frau und unsere Tochter schützen muss, sind diese Tage nicht spurlos an mir vorüber gegangen. Das Gedenken an den 80. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz war mit sehr vielen guten Dokumentationen und medialen Gedenkveranstaltungen verbunden. Beeindruckend und konsequent empfand ich in diesem Zusammenhang den Bruch von Michel Friedman mit der CDU, deren jahrzehntelanges Mitglied er war, seit 1983. Friedman brachte es auf den Punkt: Ihm ging es um den Tabubruch. Demokraten verhandeln mit Demokraten. Aber nicht mit einer in Teilen rechtsextremen Partei mit menschenverachtender Ideologie. Das war es, was Mr. Burns alias Friedrich Merz am Mittwoch und schließlich am Freitag -trotz der Warnungen- in den Wind geschlagen hatte. Verantwortungslos.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Faschisierung der Gesellschaft durch das Bürgertum, das ziel- und klassenbewusst seine Macht sichere?  Wie in etlichen anderen westlichen Gesellschaften auch? Nun, in meinen Ohren klang dies nicht mal mehr wie 80er - wohlgemerkt 1980er. Nun sind wir aber bereits in den 20ern des 21. Jahrhunderts und ich meine einiges an geschichtswissenschaftlicher Literatur, auch durch mein MA-Studium (u.a. der Neueren / Neuesten Geschichte) gelesen zu haben , aber diese Annahme einer Faschisierung durch ein imaginäres Bürgertum gehört schon lange nicht mehr zu Erkenntnissen  der Faschismustheorien. Vielmehr war es das Kleinbürgertum, das durch die multikausalen Krisen und den Geldverfall vom sozialen Abstieg stark bedroht war, das sich durch die juvenile faschistische Bewegung begeistern ließ.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Auf der anderen Seite erwiesen sich die Demokratien in Großbritannien und den USA so stabil, dass es dort nicht zu einer Faschisierung der Gesellschaft durch das Bürgertum kam. Darüber hinaus waren es die USA und Großbritannien, die an der Seite der Sowjetunion den deutschen Nazis in ihrem Vernichtungskrieg Einhalt geboten haben.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           Hannah Arendt und die Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Ich halte Hannah Arendts Überlegungen aus ihrem Werk "Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Antisemitismus, Imperialismus, totale Herrschaft" (1951) mit ihren historischen und kulturellen Herleitungen der faschistischen Bewegung für zielführender.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            Arendt argumentiert, dass das totalitäre Nazi-System auf die Kontrolle aller Lebensbereiche abzielte. Dies ist natürlich weiterhin deskriptiv gut anwendbar auf gegenwärtige moderne autoritäre Regime, wie Nordkorea oder auch China. Hannah Arendt beschrieb sehr plastisch und betonte die Rolle von Ideologie und Massenmobilisierung und auch hier kann man in der Gegenwart moderne populistische Bewegungen und Verschwörungstheorien untersuchen.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Als Merkmal faschistischer Bewegungen entwarf sie das Konzept der "atomisierten Massen", die sich durch Propaganda an eine umfassende Ideologie binden lassen. Widerspruch gab es bei der neueren Faschismus- und Diktaturforschung (Robert O. Paxton) bei Hannah Arendts Annahme eines rational durchgeplanten totalitärem System der Nazis - Paxton spricht eher von einem chaotischen und von Konkurrenzkämpfen geprägten Regime. Grundlage der Totalität war die umfassende Ideologie (Rassenlehre der Nazis), die Zerstörung der Individualität (so genannte Atomisierung der Identität: Menschen wurden vereinzelt und ihrer sozialen Bindungen beraubt, so dass sie völlig in der faschistischen Bewegung aufgingen. Und der Terror war das Herrschaftsinstrument des Staates. Willkürherrschaft und Gewalt nicht nur gegen Feinde, sondern potenziell gegen jeden Bürger.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Zu den Merkmalen gehörten der Nationalismus und die "Volksgemeinschaft" als Kitt; das Versprechen zur nationalen Einheit, jenseits von Klassenkämpfen oder parteipolitische Spaltungen. Die faschistische Bewegung brauchte Feindbilder, äußere und innere - "Volksschädlinge" im Kampf "Wir" gegen "sie". Der Personenkult der unfehlbaren Führerfigur, die den "Volkswillen" repräsentierte, gehörte dazu. Gewalt wurde als legitime und reinigende Kraft, das "Recht des Stärkeren" propagiert. Und schließlich gab es das soziale und wirtschaftliche Versprechen des wirtschaftlichen Aufschwungs, Arbeitsplätze und Fortschritt - nach der Weltwirtschaftskrise.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;strong&gt;&#xD;
      
           Droht die Gefahr des Faschismus durch das Erstarken der AfD?
          &#xD;
    &lt;/strong&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Gestartet ist die AfD als eurokritische Partei, die sich in den vergangenen Jahren sehr deutlich nach rechts außen entwickelt hat. Funktionäre fallen vor allem durch nationalistische, fremdenfeindliche und islamkritische Äußerungen auf. Die AfD wird durch den Verfassungsschutz beobachtet und insbesondere der Flügel um Björn Höcke ist als rechtsextrem eingestuft worden. Die Rhetorik der AfD trägt zur Spaltung der Gesellschaft bei und fördert rechtsextremistisches Gedankengut. Hierbei besteht die Gefahr, dass demokratische Normen erodieren und autoritäre Tendenzen gestärkt werden. Die Kanzlerkandidatin der AfD, Alice Weidel benutzt für die Nebelkerzen, die AfD als demokratische rechtskonservative Partei erscheinen zu lassen, Geschichtsverfälschungen wie die Lüge, die NSDAP sei eine linke Partei gewesen und der Führer Adolf Hitler ein Linker - dies hatte sie in dem Gespräch mit Elon Musk auf dessen Plattform X behauptet. Das ist Geschichtsrevisionismus. In der Talkshow "Caren Miosga" behauptete Alice Weidel, die Reichspogromnacht habe sich gegen Andersdenkende gerichtet - mit einer Parallele zu heutigen Angriffen auf AfD-Parteibüros. Solche reaktionären Geschichtsverfälschungen müsste mit geschichtswissenschaftlich gut recherchiertem Journalismus begegnet werden, aber leider misslingt dies in aktuellen Talkshowformaten, so dass diese noch zu Bühnen für die Lügen von Alice Weidel und AfD-Funktionären werden.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Rückenwind bekam Alice Weidel als Kanzlerkandidatin direkt aus den USA durch Trump und dessen Entourage, bei dessen Amtshandlungen sichtbar wird, woher der Wind weht. Mit China um geostrategische Ressourcen und globale Vormachtstellungen kämpfen. Autoritär den Rechtsstaat in den USA durch Dekrete und mit Elon Musk zurück zu bauen. Eine rechtspopulistische, in Teilen rechtsextreme Partei wie die AfD ist hierbei mit deren destruktiver Strategie ein willkommener Handlanger in der Bundesrepublik, um letztlich Europa zu schwächen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Quellen:
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Hannah Arendt: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Antisemitismus, Imperialismus, totale Herrschaft. Piper: 2011
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Georgi Dimitroff: Tagebücher 1933-1943 (2 Bände) Aufbau-Verlag: 2000
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <enclosure url="https://cdn.website-editor.net/df8d9bd0f3ae4378be420f037a0a26ef/dms3rep/multi/Arendt.jpg" length="152432" type="image/jpeg" />
      <pubDate>Sun, 02 Feb 2025 17:09:47 GMT</pubDate>
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      </media:content>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Die Bedeutung von Klasse</title>
      <link>https://www.careworking.de/die-bedeutung-von-klasse</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h6&gt;&#xD;
  &lt;font&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    
          Die Bedeutung von Klasse ist ein eindringliches und provokantes Werk , das die sozialen und politischen Implikationen von Klassenunterschieden in einer kapitalistischen Gesellschaft untersucht. bell hooks, bekannt für ihre fundierten Analysen zu Rassismus, Geschlecht und intersektionalen Ungleichheiten, beleuchtet in diesem Buch wie die Klassenzugehörigkeit unser Selbstverständnis, unsere Beziehungen und unsere Möglichkeiten formt. 
         &#xD;
  &lt;/font&gt;&#xD;
&lt;/h6&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://le-cdn.website-editor.net/df8d9bd0f3ae4378be420f037a0a26ef/dms3rep/multi/opt/bel+hooks+Klasse-1920w.png?dm-skip-opt=true"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          bell hooks argumentiert, dass Klasse eine oft übersehene aber entscheidende Dimension der sozialen Ungleichheit ist. Sie setzt sich kritisch mit der Illusion des amerikanischen Traums auseinander, der suggeriert, dass jede/r durch harte Arbeit sozialen Aufstieg schaffen kann. Hooks zeigt, wie dieses Narrativ bestehende Klassenhierarchien verschleiert und die systematische Marginalisierung bestimmter Gruppen aufrechterhält.
           &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           "Hätten meine Großeltern – Pächter und Bauern – und meine Eltern – Dienstmädchen und Hausmeister – mir nicht beigebracht, über Klassen und Geld hinwegzusehen, um das innere Selbst zu sehen, hätte ich wahrscheinlich nie gelernt, mich selbst und andere richtig wertzuschätzen. Dieses geteilte Wissen, getragen von ihren Erfahrungen der Versklavung, Knechtschaft und harter Arbeit unter weißer Vorherrschaft im kapitalistischen patriarchalen Süden, haben mir nicht nur dabei geholfen, zu wissen, wo ich stehe, sondern auch standhaft zu bleiben."
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Das Buch verknüpft persönliche Erfahrungen von hooks mit einer strukturellen Analyse der Klassenverhältnisse. Sie reflektiert über ihre eigene Herkunft aus einer Arbeiterklasse-Familie und den Übergang in akademische und intellektuelle Kreise, wodurch sie selbst zur Mittelschicht aufstieg. Dieser Perspektivwechsel ermöglicht es ihr, die subtilen und offensichtlichen Mechanismen der Klassenpolitik aufzuzeigen, die von kulturellen Praktiken bis hin zu systematischen Diskriminierungen reichen. bell hooks spricht über ihre eigene Erziehung in einer armen, afroamerikanischen Familie und wie diese Erfahrungen ihre Sicht auf die Dinge geprägt haben:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           "Als ich jung war, lebte ich in einer Welt, in der Armut normal war, aber die Armen nicht als weniger wert angesehen wurden."
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Besonders eindrucksvoll ist ihre Analyse der Verflechtung von Klasse mit Rasse und Geschlecht. bell hooks zeigt, wie Schwarze Frauen häufig an der Schnittstelle von rassistischen, sexistischen und klassistischen Unterdrückungsmechanismen stehen. Diese intersektionale Perspektive macht das Buch besonders lesenswert für Leserinnen, die die komplexen Dynamiken von Macht und Privilegien verstehen wollen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          bell hooks hat einen charakteristischen und zugewandten Stil, der akademische Analyse mit ihrem persönlichen Erzählen verbindet. Dadurch gelingt eine natürliche und mühelose Synergie plastischer und emotionaler Schreibweise. Die Gesellschaftskritik von hooks ist dadurch nahbar, aber auch zeitlos und hochaktuell. Ihre Sprache bleibt einfach und klar, sodass jede Leserschaft unabhängig vom Bildungsstand angesprochen wird. Sie reflektiert kritisch die Verschleierung von Klassenunterschieden in den USA und analysiert, wie Kapitalismus und Konsumgesellschaft die Wahrnehmung von Klasse verzerren.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           "Wir leben in einer Kultur, die es liebt, Klasse zu leugnen, die den Mythos der Klassenlosen propagiert."
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Das Buch ist durchgehend von ihrer aktivistischen Haltung geprägt, indem bell hooks nicht nur analysiert, sondern auch Handlungsvorschläge macht:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           "Wir müssen eine Bewegung aufbauen, die die Verbindung zwischen Rassismus, Sexismus und Klassismus erkennt und bekämpft."
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           bell hooks ist davon überzeugt, dass es notwendig ist, Klassenfragen in den Vordergrund politischer und gesellschaftlicher Diskurse zu rücken.
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Eines muss natürlich noch einmal klar herausgestellt werden: bell hooks schaffte es aufgrund ihrer akademischen Karriere in den USA in die Oberschicht aufzusteigen; nach dem BA in Stanford 1973 und dem Master in Wisconsin–Madison wurde sie schließlich 1983 an der University of California promoviert und lehrte u.a. an der Yale University; Professuren in New York und Kentucky folgten in den 1990er Jahren. Das reflektiert sie in ihren Schriften.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           "Während die Menge an Geld, die ich in den letzten zehn Jahren verdient habe, mich als Oberschicht ausweist, identifiziere ich mich nicht mit dieser Klassenpositionierung, auch wenn ich häufig die Klassenmacht genieße, die sie mir bietet. Ich identifiziere mich mit einem demokratischen Sozialismus, mit der Vision einer partizipativen Ökonomie innerhalb des Kapitalismus, die darauf abzielt, Klassenhierarchien infrage zu stellen und zu verändern. Mir gefällt, dass das Geld, das ich verdiene und mich in die wirtschaftliche Oberschicht versetzt, im Dienste der Umverteilung von Reichtum eingesetzt werden kann, und dann dazu beiträgt, das wirtschaftliche Wohlergehen anderer mit Hilfe achtsamer Praktiken des Gebens und Teilens zu verbessern."
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ein wichtiges Feld, dem sie sich in ihren cultural studies widmet, ist die Konsumkultur und deren Kritik.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Konsumkultur als Verschleierung von Klassenunterschieden
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Kaufkraft bestimme den Wert einer Person, nicht deren Klasse, postuliert bell hooks. Menschen versuchen, durch den Konsum von Luxusgütern oder Marken ihre Zugehörigkeit zu einer höheren Klasse zu demonstrieren, auch wenn dies nicht der eigenen tatsächlichen finanziellen Situation entspricht. bell hooks kritisiert die Vorstellung, dass jeder durch Erwerb bestimmter Konsumgüter sozial aufsteigen kann:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           "Konsum wird als Mittel der Klassenmobilität präsentiert, aber in Wirklichkeit verschulden sich viele, um einem idealisierten Bild von Wohlstand zu entsprechen."
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Diese Schulden führen oft dazu, dass Menschen in ihrer tatsächlichen Klasse gefangen bleiben oder gar zurückfallen, während sie versuchen, den Anschein von Reichtum zu wahren. hooks beschreibt, wie Konsum oft als eine Flucht vor den harten Realitäten des Lebens in einer niedrigeren Klasse genutzt wird:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           "Für viele ist der Kauf von Gütern ein Weg, um den Schmerz und die Scham der Armut zu betäuben."
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Sie betont, dass diese Praxis zwar kurzfristig Erleichterung bringen kann, langfristig aber keine Lösung für die grundlegenden Probleme der Klassenungleichheit bietet. hooks Analyse der Konsumkultur ist eng mit ihrer Kritik am Kapitalismus verknüpft. Sie argumentiert, dass das kapitalistische System von der Aufrechterhaltung von Klassenunterschieden profitiert.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           "Kapitalismus ermutigt uns zu konsumieren, nicht um Bedürfnisse zu befriedigen, sondern um ein Image zu projizieren."
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Dadurch bleibt die Ungleichheit bestehen, während die unteren Klassen ermutigt werden, ihren Status durch Konsum zu verbessern, was oft zu einem Teufelskreis der Verschuldung führt. bell hooks analysiert auch die Rolle der Medien in der Förderung der Konsumkultur. Sie kritisiert, wie Werbung und Medien die Verherrlichung von Konsum und die Verbindung zwischen Konsum und Glück perpetuieren:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           "Medien bombardieren uns ständig mit Bildern, die uns suggerieren, dass Glück und Erfolg durch den Erwerb von Dingen erreicht werden."
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Diese Botschaften tragen dazu bei, dass Menschen ihre soziale Klasse anhand ihres Konsumverhaltens definieren, anstatt auf die tatsächlichen wirtschaftlichen Realitäten zu achten. bell hooks plädiert daher für einen bewussten Widerstand gegen die Konsumkultur und ermutigt die Leser, sich ihrer Werte und Prioritäten bewusst zu werden.
           &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           "Die Prägung einer konsumkapitalistischen Sozialisierung, die uns alle lehrt, viel auszugeben und wenig wertzuschätzen, so viel wie möglich zu bekommen und so wenig wie möglich dafür zu geben (besser bekannt als Betrug), kann nicht einfach nach Belieben ausgelöscht werden. Es sollte offensichtlich sein, dass wir die Unterdrückung und Ausbeutung von Klassen nicht verändern können, ohne unser aller Verständnis von Geben und Nehmen zu verändern. Klasse ist weitaus mehr, als Geld zu besitzen. Solange wir diese Tatsache nicht begreifen, wird die Vorstellung, dass die Probleme in unser aller Leben, aber insbesondere die der Bedürftigen und Armen mit Geld gelöst werden können, weiterhin den Interessen einer herrschenden, räuberischen Klasse in die Hände spielen, während der Rest von uns zu machtlos und aufgeweicht ist, um noch sinnvolle Veränderungen im Leben aller, und quer durch alle Klassen, herbeizuführen."
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          bell hooks fordert dazu auf, authentische Beziehungen und persönliches Wachstum über den Erwerb von materiellen Gütern zu stellen.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           "Mein Zugehörigkeitsgefühl zur Klasse und meine Solidarität wird immer mit den Arbeiter*innen sein und mit den Leuten aller Klassen, die Geld dann als nützlich ansehen, wenn es zu unserem Wohlbefinden beiträgt. Die Zeit wird kommen, in der der Reichtum umverteilt wird, in der sich die Arbeiter*innen dieser Welt wieder vereinigen, – um für wirtschaftliche Gerechtigkeit einzustehen –, für eine Welt, in der alle genug haben, um ein erfülltes und gutes Leben zu leben." 
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          bell hooks:
          &#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Die Bedeutung von Klasse: Warum die Verhältnisse nicht auf Rassismus und Sexismus zu reduzieren sind
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          1. Auflage, Mai 2020, eBook UNRAST Verlag, Juni 2020 © UNRAST Verlag, Münster
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    
          ISBN 978-3-95405-064-2
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/df8d9bd0f3ae4378be420f037a0a26ef/dms3rep/multi/die-bedeutung-von-klasse-taschenbuch-bell-hooks-e8f90b73.webp" alt=""/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 23 Jan 2025 11:49:39 GMT</pubDate>
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      <title>Ende gut, alles gut</title>
      <link>https://www.careworking.de/ende-gut-alles-gut</link>
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      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Wie mir ein Innenmeniskusriss zu schaffen machte
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         Heute war der 2. von 3 freien Tagen - weiterhin mit Schmerzen im rechten Knie durch einen Meniskusriss und einen ausgeprägten Reizzustand der angrenzenden Gelenkkapsel und Reizerguss sowie einer Enthesiopathie der Quadrizepssehne an der Kniescheibe.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  
         Wie ich die Schmerzen durchhalte? Mit selbst gekauften Ibuprofen 400 (N3 Packung gekauft), um auf Arbeit die schwere Arbeit mit den Patientinnen und Patienten (Querschnitt zumeist B-Phasen) zu bewältigen. == Dies schrieb ich im September 2024. um genau zu sein, am 27.09.2024, als eine Radiologin nach dem MRT den Befund zu meinem rechten Knie online gestellt hatte.
         &#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           In den Wochen zuvor war die Kommunikation mit ChatGPT für mich konstruktiver als jene mit der Hausarztpraxis. Ich habe die Schmerzen beschrieben, ChatGPT hat daraufhin die möglichen Verletzungen analysiert. Seit Freitag (27.09.2024) habe ich Zugriff auf die MRT-Bilder des Knies und konnte damit selbst die Entzündungen und den Riss lokalisieren. 
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        
            Der Hausarztpraxis lag/ liegt der radiologische Befund bereits seit 20.09.2024 vor.
           &#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          ==  eine Benachrichtigung (Anruf / eMail) der Hausarztpraxis gab es nicht, so dass davon auszugehen ist, dass ein radiärer wurzelnaher Innenmeniskusriss zum einen
           &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          a) in einer 40 Stunden Woche in der Krankenpflege auf einer Station von Querschnittsgelähmten und neurologischen Patientinnen und Patienten in der Reha, also mit umfassenden und aufwändigen Vollpflegen und Transfers weiter so zu händeln sei und es gab
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           b) keinerlei Informationen für den hausärztlich betreuten Patienten hinsichtlich einer weiteren Behandlung dieses radiären Risses des Hinterhorns des Innenmeniskus.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Das wird wahrscheinlich die Zukunft unseres Gesundheitswesens: Damit wir die 40 Stunden Wochen im Schichtsystem gut durchhalten bis wir vor Rentenbeginn in die Grube fallen, befragen wir die KI und holen uns die Schmerzmittel aus dem Automaten.
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Die Schmerzmittel
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  
         Das war also Ende September 2024. Bis dahin hatte ich mich selbst medikamentiert mit den frei erhältlichen Ibuprofen 400 mg und Diclofenac 75 mg: Natürlich mit dem Wissen, dass ich nicht mehr als 2,4 g  Ibu pro Tag einnehmen durfte und beim Diclofenac ein PPI wie Pantoprazol als Magenschoner vor dem Verzehr eingenommen werden sollte.
         &#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Anfang Oktober humpelte ich in die Apotheke, um eine neue N3-Packung Ibuprofen 400 rezeptfrei zu kaufen und erst durch die Apothekerin bekomme ich die Info, dass seit diesem Jahr die Rezepte auf der Chipkarte gespeichert werden. 
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Also gleich am 09.09.24 beim HA-Praxisbesuch, aber ich wusste das nicht und niemand sagte mir das … 
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die Apothekerin meinte milde: “Ich weiß das auch nur, weil ich hier arbeite”.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die Schmerzen waren ja unvermindert stark und ohne Schmerzmittel gar nicht ertragbar. Zum Frühdienst stehe ich seitdem eine halbe Stunde früher auf, um schnell die Schmerzmedikation einnehmen zu können (natürlich mit Essen) und überhaupt das Knie bewegen zu können. Gerade durch die vielen Tätigkeiten in der Hocke, durch die Kilometer, die auf Station absolviert werden, waren die Schmerzen manchmal unberechenbar.
          &#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Erst nachdem ich in der Oktoberferienwoche in die Hausarztpraxis fuhr, schrieb mir der Hausarzt eine Überweisung für einen Orthopäden aus. Wahrscheinlich las er den Befund der Radiologin vom 20.09.24 erst zu diesem Zeitpunkt. 
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            In der Zwischenzeit habe ich mir oft sprichwörtlich ins Knie gebissen vor Schmerzen, nahm weiterhin die Schmerzmittel, hatte sie auch auf Arbeit griffbereit und bandagierte das rechte Knie, das vor allem auf Kälte sehr sensibel reagierte. Treppen mied ich konsequent.
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Am 03. Dezember 2024 war ich schließlich  bei einem unserer sehr guten Fachärzte der Klinik, der mir Rezepte für eine Orthese und Schuheinlagen sowie eine Physiotherapie für den Innenmeniskusriss ausstellte, nachdem er die MRT ausgewertet hat und zusätzlich Ultraschall-Auswertungen aufgrund des Befundes vom 20.09.24 angefertigt hatte. Mittlerweile habe ich die kontinuierliche Gabe von Tramadol 100 mg nur für den Bedarf eingeschränkt, trage eine Bandage zur Stabilisation des Knies und zum Wärmen (weil das Knie bei Kälte, gerade bei kalten Patientenzimmern, mit Blockade droht) und versuche, das Knie sooft wie möglich in unserer Freizeit zu schonen.
            &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        
            Vitamine und Mineralien für Knorpel, Knochen und Muskeln
           &#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;b&gt;&#xD;
        &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;/b&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Mittlerweile nehme ich das Nahrungsergänzungsmittel MSM ein (2 Gramm pro Tag), das als Methylsulfonylmethan mit Vitamin C in Deutschland noch keine Freigabe als Medikament erhalten hat, aber für die Regeneration von Knorpel empfohlen wird; ich nehme Glucosamin mit Kupfer und Mangan zu mir und als Brausetabletten Kalzium, Kalium und Magnesium, um Muskeln, Knochen und Knorpel zu stärken. Weiterer Nebeneffekt sind die Pluspunkte für Haut und Haare, die allesamt dem Schwefel, den Spurenelementen und Vitaminen zugeschrieben werden (Wenn's scheen macht ... würde Else Kling sagen). 
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Auch hier nahm ich Rücksprache mit ChatGPT, das vor allem Vitamin D3 in Verbindung mit K2 empfahl: D3 wirkt entzündungshemmend und fördert die Kalziumaufnahme und unterstützt die Knochenstruktur, die den Meniskus umgibt. Das Vitamin K2 wiederum ist wichtig für die Synergie mit D3 und sorgt für die effektive Nutzung des Kalziums in Knochen und Geweben. Vitamin K spielt bei der Produktion von Knorpelmatrix eine Rolle - inwiefern dies klinisch relevant ist, wird noch in Studien getestet.
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Mittlerweile kann ich wieder Fahrrad fahren (yes!), was ja auch nicht mehr möglich war. Zur Landtagswahl am 01. September wollte ich mit dem Fahrrad zum Wahllokal fahren - es war völlig unmöglich.
          &#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      
           Illusorisch ist es zu glauben, mit einem Beruf der Carearbeit in irgendeiner Weise "geschützt" oder "immun" zu sein, um diese Fürsorgearbeit für Patientinnen und Patienten zu bewältigen. Das war der Punkt, der mich zum Grübeln brachte - denn im Sommer arbeitete ich an mindestens sechs Wochen hintereinander ohne im entferntesten daran zu denken, dass diese Knieschmerzen sofort behandelt werden müssen. Das hängt meines Erachtens auch mit erlernten sozialen Rollen unserer Generation zusammen. Wenn der Hausarzt im September fragte, warum ich nicht schon früher gekommen sei. Ganz einfach: Weil wir unterbesetzt waren. "Das zählt nicht mehr", antwortete er.
            &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/df8d9bd0f3ae4378be420f037a0a26ef/dms3rep/multi/Vitamine_neu.jpg" alt=""/&gt;&#xD;
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      <pubDate>Tue, 03 Dec 2024 20:15:31 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Mit dem Javascript für ontouchstart ist die Seite auch IPhone-tauglich</title>
      <link>https://www.careworking.de/javascript-ontouchstart</link>
      <description>Ein paar neue Seiten gibt es: Salate, Suppen, Desserts und Hauptgerichte. Und ein Javascript ontouchstart erleichtert die Bedienung bzw. Steuerung der Sidebar auf IPhones.</description>
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         In den vergangenen Tagen und Nächten habe ich ein paar Seiten hinzugefügt und die HP-Darstellung auf IPhones durch ein Javascript verbessert.
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/df8d9bd0f3ae4378be420f037a0a26ef/dms3rep/multi/Salate1.png"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         Nach ein paar Spätschichten konnte ich mich der Webseite widmen, denn ein Anzeige-Fehler auf IPhones beim Check in verschiedenen Browsern hatte mich extrem gestört. Nun gibt es also auch Seiten über unsere Lieblingsessen aus Vietnam, die natürlich noch durch das koreanische BBQ ergänzt werden und wahrscheinlich werden wir auch eine Sushi-Seite kreieren, denn diese Köstlichkeiten sind gerade auch bei meinen Kolleginnen und Kollegen sehr beliebt. Erst einmal habe ich lediglich die Kategorien "
         &#xD;
  &lt;a href="/desserts"&gt;&#xD;
    
          Desserts
         &#xD;
  &lt;/a&gt;&#xD;
  
         ", "
         &#xD;
  &lt;a href="/suppen"&gt;&#xD;
    
          Suppen
         &#xD;
  &lt;/a&gt;&#xD;
  
         ", "
         &#xD;
  &lt;a href="/salate"&gt;&#xD;
    
          Salate
         &#xD;
  &lt;/a&gt;&#xD;
  
         " und "
         &#xD;
  &lt;a href="/vegetarische-gerichte"&gt;&#xD;
    
          Hauptgerichte
         &#xD;
  &lt;/a&gt;&#xD;
  
         " eingerichtet, aber weitere Seiten werden folgen. Am Wochenende lud ich ein paar Fotos von der vierwöchigen
         &#xD;
  &lt;a href="/bilder-aus-argentinien"&gt;&#xD;
    
          Argentinien-Tour
         &#xD;
  &lt;/a&gt;&#xD;
  
         im Jahr 2012 auf die Seite: Das war natürlich Jahre vor unserem Kennenlernen, aber ich finde die Landschaften einfach gigantisch schön. Und um Weltanschauen, um das Erkunden von Landschaften, das Fenster zur Welt soll es hier ja auch gehen.
         &#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Neu sind nun auch die Seiten mit einigen
          &#xD;
    &lt;a href="/zeichnungen"&gt;&#xD;
      
           Skizzen und Zeichnungen
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    
          : Vor einigen Wochen entdeckte ich eine Zeichenmappe mit vielen Skizzen aus dem Jahr 2004 - die werde ich mal einscannen. Und so fiel mir gleichzeitig auf, dass ich vor 20 Jahren, im September 2004 mein Studium an der TU Dresden als Magister Artium abgeschlossen habe. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Deshalb werden im Blog auch regelmäßig Beiträge zu Medien, Politik, Geschichte und Philosophie erscheinen, natürlich auch wieder Buchvorstellungen. Das neue Buch von Andreas Reckwitz "Verlust" wird auf jeden Fall dabei sein, ebenso wie Eva Illouz mit "Explosive Moderne". 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Zum Schluss noch das Javascript: IPhones reagieren auf Touch und nicht auf Klick-Events, wie an PCs üblich. Das Menü der Sidebar ließ sich dadurch auf dem IPhone nicht öffnen, deshalb fügte ich ein Javascript ontouchstart als Unterstützung ein.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <enclosure url="https://cdn.website-editor.net/df8d9bd0f3ae4378be420f037a0a26ef/dms3rep/multi/Taverna+Labyrinth.jpg" length="63921" type="image/jpeg" />
      <pubDate>Tue, 26 Nov 2024 10:57:10 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.careworking.de/javascript-ontouchstart</guid>
      <g-custom:tags type="string">Andreas Reckwitz,buchkritik,Politik,Medien,Argentinien,Hauptgerichte,Zeichnungen,Suppen,IPhone,Magister Artium,Vietnam,Javascript,Philosophie,Spätmoderne,Eva Illouz,Salate</g-custom:tags>
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/df8d9bd0f3ae4378be420f037a0a26ef/dms3rep/multi/Taverna+Labyrinth.jpg">
        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/df8d9bd0f3ae4378be420f037a0a26ef/dms3rep/multi/Taverna+Labyrinth.jpg">
        <media:description>main image</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>NEIN zur Kürzungspolitik bei der Dresdner Schulsozialarbeit</title>
      <link>https://www.careworking.de/nein-zur-kuerzungspolitik-bei-der-dresdner-schulsozialarbeit</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Der Dresdner OB Dirk Hilbert plant die drastische Kürzung der Schulsozialarbeit für Dresdner Schulen, um eine Haushaltslücke zu stopfen. Dem muss Einhalt geboten werden!
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/df8d9bd0f3ae4378be420f037a0a26ef/dms3rep/multi/inked131380792_204296587939291_3232084611278403005_n_li-2048x1536.jpeg"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         Das heute medial besprochene neueste Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung in Zusammenarbeit mit der Universität Leipzig kommt deshalb zur rechten Zeit: Die renommierte Stiftung führte eine  repräsentative Umfrage unter Schülerinnen und Schülern und Eltern durch, um künftig in einer  jährlich evaluierten (Panel)Studie die aktuelle Stimmungslage und aktuelle Herausforderungen im Bildungsbereich zu eruieren und frühzeitig negative Entwicklungen zu beschreiben.
         &#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Im Fokus dieser brandaktuellen Studie steht das psychische und schulische Wohlbefinden von Kindern (8-10 Jahre) und Jugendlichen (11-17 Jahre) und ihren Erziehungsberechtigten in Deutschland, die von der Stiftung als zu häufig vernachlässigte Akteursgruppe bezeichnet wird - in meinen Augen und aus eigenen Erfahrungen völlig zu recht. Darüber hinaus stehen im Fokus:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Einschätzung der Unterrichtsqualität und der Beziehungsqualität zu den Lehrkräften, psychosoziale Hilfsangebote sowie Barrieren an Schule. Von ihren Erziehungsberechtigten werden wir neben umfangreichen soziodemografischen Daten auch ihre Einschätzung zum psychischen und schulischen Wohlbefinden ihrer Kinder sowie zu psychosozialen Versorgungsstrukturen inner- und außerhalb von Schule erfassen. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Quelle:
          &#xD;
    &lt;a href="https://www.bosch-stiftung.de/de/projekt/das-deutsche-schulbarometer/schuelerinnen" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           https://www.bosch-stiftung.de/de/projekt/das-deutsche-schulbarometer/schuelerinnen
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;div&gt;&#xD;
      &lt;div&gt;&#xD;
        
            Erfasste Konstrukte waren hierbei:
           &#xD;
      &lt;/div&gt;&#xD;
      &lt;div&gt;&#xD;
        
            - Psychische Auffälligkeiten
           &#xD;
      &lt;/div&gt;&#xD;
      &lt;div&gt;&#xD;
        
            - Einschätzung der Lebensqualität
           &#xD;
      &lt;/div&gt;&#xD;
      &lt;div&gt;&#xD;
        
            - Aktuelle Sorgen und Belastungen
           &#xD;
      &lt;/div&gt;&#xD;
      &lt;div&gt;&#xD;
        
            - Schulisches Wohlbefinden
           &#xD;
      &lt;/div&gt;&#xD;
      &lt;div&gt;&#xD;
        
            - Bewertung der Schule
           &#xD;
      &lt;/div&gt;&#xD;
      &lt;div&gt;&#xD;
        
            - Bewertung der Unterrichtsqualität
           &#xD;
      &lt;/div&gt;&#xD;
      &lt;div&gt;&#xD;
        
            - Klassenleitungsstunde
           &#xD;
      &lt;/div&gt;&#xD;
      &lt;div&gt;&#xD;
        
            - Unterrichtsausfall
           &#xD;
      &lt;/div&gt;&#xD;
      &lt;div&gt;&#xD;
        
            - Hilfesucheverhalten
           &#xD;
      &lt;/div&gt;&#xD;
      &lt;div&gt;&#xD;
        
            - Einstellungen, Barrieren und Wissen zu psychischer
           &#xD;
      &lt;/div&gt;&#xD;
      &lt;div&gt;&#xD;
        
            - Gesundheit und Hilfsangeboten
            &#xD;
        &lt;br/&gt;&#xD;
        &lt;div&gt;&#xD;
          &lt;br/&gt;&#xD;
        &lt;/div&gt;&#xD;
        &lt;div&gt;&#xD;
          &lt;br/&gt;&#xD;
        &lt;/div&gt;&#xD;
        &lt;div&gt;&#xD;
          
             "Wohlbefinden und Verhalten, Schule und Unterricht, Hilfebedarfe und Hilfsangebote:
            &#xD;
        &lt;/div&gt;&#xD;
        &lt;div&gt;&#xD;
          &lt;br/&gt;&#xD;
        &lt;/div&gt;&#xD;
        &lt;div&gt;&#xD;
          
             Ein Schwerpunkt der Studie: der Zusammenhang zwischen Unterricht und psychischer Gesundheit. Zentral für das schulische Wohlbefinden, so die Ergebnisse, sind die konstruktive Unterstützung durch die Lehrkräfte und eine gute Klassenführung. Doch gerade hier gibt es Luft nach oben: Viele Schüler:innen berichten von häufigen Unterrichtsstörungen  und dass die Mehrheit der Lehrkräfte nicht nachfragt, was man schon verstanden hat und was noch nicht. 
             &#xD;
          &lt;span&gt;&#xD;
            
              Die Studie beleuchtet auch, wie die Erziehungsberechtigten mit dem Thema psychische Gesundheit umgehen und welche Hilfsangebote sie für ihr Kind in Anspruch nehmen. Dabei zeigt sich, dass bis zu einem Drittel der Eltern die Hilfestrukturen an der Schule ihrer Kinder nicht kennen."
             &#xD;
          &lt;/span&gt;&#xD;
        &lt;/div&gt;&#xD;
        &lt;div&gt;&#xD;
          &lt;br/&gt;&#xD;
        &lt;/div&gt;&#xD;
        &lt;div&gt;&#xD;
          
             Demnach berichten 41 % der Schülerinnen und Schüler, dass keine oder nur wenige Lehrkräfte überhaupt nachfragen, was bereits verstanden wurde oder noch nicht verstanden wurde. 83 % der Schülerinnen und Schüler berichten von häufigen Unterrichtsstörungen.
            &#xD;
        &lt;/div&gt;&#xD;
        &lt;div&gt;&#xD;
          
              
            &#xD;
        &lt;/div&gt;&#xD;
        &lt;div&gt;&#xD;
          
             Ergänzende Hilfestrukturen sind hier beispielsweise Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter auch in Grundschulen und Gymnasien. Dresden hat solche Strukturen sukzessive in den vergangenen Jahrzehnten vor allem auch durch eine rot-rot-grüne Stadtpolitik  von Linken, SPD und Grünen auf- und ausgebaut. 
             &#xD;
          &lt;span&gt;&#xD;
            
              Besorgniserregend ist zudem der gewachsene Leistungsdruck für die SuS und das immer noch unterhalb des Vor-Corona-Niveaus liegende Wohlbefinden der Kinder und Jugendlichen. 
             &#xD;
          &lt;/span&gt;&#xD;
        &lt;/div&gt;&#xD;
        &lt;div&gt;&#xD;
          &lt;br/&gt;&#xD;
        &lt;/div&gt;&#xD;
        &lt;div&gt;&#xD;
          &lt;b&gt;&#xD;
            
               Ein Viertel der Jugendlichen schätzt die eigene Lebensqualität als gering ein. Zwei Drittel bewerten sie als mittel und nur sechs Prozent als hoch. Ungefähr ein Fünftel der Schüler:innen bezeichnet sich selbst als psychisch belastet.  Ebenso viele klagen über ein geringes schulisches Wohlbefinden, bei Kindern aus Familien mit niedrigem Einkommen sogar knapp jedes Dritte. Die Kriege in der Welt, der Leistungsdruck in der Schule, die globale Klimakrise und die Ängste vor der eigenen Zukunft bereiten ihnen die meisten Sorgen.
             &#xD;
          &lt;/b&gt;&#xD;
        &lt;/div&gt;&#xD;
        &lt;div&gt;&#xD;
          &lt;b&gt;&#xD;
            &lt;a href="https://www.bosch-stiftung.de/de/storys/kriege-leistungsdruck-und-klimakrise-belasten-schuelerinnen" target="_blank"&gt;&#xD;
              
               https://www.bosch-stiftung.de/de/storys/kriege-leistungsdruck-und-klimakrise-belasten-schuelerinnen
              &#xD;
            &lt;/a&gt;&#xD;
          &lt;/b&gt;&#xD;
        &lt;/div&gt;&#xD;
        &lt;div&gt;&#xD;
          &lt;br/&gt;&#xD;
        &lt;/div&gt;&#xD;
        &lt;div&gt;&#xD;
          &lt;span&gt;&#xD;
            
              Zitate aus:
             &#xD;
          &lt;/span&gt;&#xD;
          &lt;br/&gt;&#xD;
        &lt;/div&gt;&#xD;
        &lt;div&gt;&#xD;
          
             Robert Bosch Stiftung (2024). Deutsches Schulbarometer: Befragung
            &#xD;
        &lt;/div&gt;&#xD;
        &lt;div&gt;&#xD;
          
             Schüler:innen. Ergebnisse von 8- bis 17-Jährigen und ihren Erziehungsberechtigten zu Wohlbefinden, Unterrichtsqualität und Hilfesuchverhalten.
            &#xD;
        &lt;/div&gt;&#xD;
        &lt;div&gt;&#xD;
          
             Robert Bosch Stiftung.
            &#xD;
        &lt;/div&gt;&#xD;
        &lt;div&gt;&#xD;
          &lt;br/&gt;&#xD;
        &lt;/div&gt;&#xD;
        &lt;div&gt;&#xD;
          
             Die Petition zur Unterstützung der Schulsozialarbeit an Dresdner Schulen gegen "die Liste der Grausamkeiten" von OB Dirk Hilbert kann hier unterzeichnet werden:
             &#xD;
          &lt;a href="https://www.dresden.de/de/leben/gesellschaft/buergebeteiligung/epetition.php?extForwardUrl=https%3A//apps.dresden.de/ords/f%3Fp%3D1610%3A3%3A%3A%3ANO%3A%3AP3_P_ID%3A23430" target="_blank"&gt;&#xD;
            
              https://www.dresden.de/de/leben/gesellschaft/buergebeteiligung/epetition.php?extForwardUrl=https%3A//apps.dresden.de/ords/f%3Fp%3D1610%3A3%3A%3A%3ANO%3A%3AP3_P_ID%3A23430
             &#xD;
          &lt;/a&gt;&#xD;
        &lt;/div&gt;&#xD;
        &lt;div&gt;&#xD;
          &lt;br/&gt;&#xD;
        &lt;/div&gt;&#xD;
        &lt;div&gt;&#xD;
          &lt;br/&gt;&#xD;
        &lt;/div&gt;&#xD;
        &lt;div&gt;&#xD;
          &lt;br/&gt;&#xD;
        &lt;/div&gt;&#xD;
      &lt;/div&gt;&#xD;
    &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <enclosure url="https://cdn.website-editor.net/df8d9bd0f3ae4378be420f037a0a26ef/dms3rep/multi/Johannstadt.jpg" length="186775" type="image/jpeg" />
      <pubDate>Wed, 20 Nov 2024 09:34:02 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.careworking.de/nein-zur-kuerzungspolitik-bei-der-dresdner-schulsozialarbeit</guid>
      <g-custom:tags type="string" />
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/df8d9bd0f3ae4378be420f037a0a26ef/dms3rep/multi/Johannstadt.jpg">
        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
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        <media:description>main image</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Wir sind Familie!</title>
      <link>https://www.careworking.de/wir-sind-familie</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Heute geht der neue Blog online
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/df8d9bd0f3ae4378be420f037a0a26ef/dms3rep/multi/462548885_1124620118997509_8315676025382510830_n-ced01545.jpg"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         Heute wird der neue Blog online gehen, also herzlich Willkommen, wenn Du auf dieser Seite gelandet bist. Ich heiße Maximilian und lebe mit meiner Frau Kim Lien und unserer Tochter Sora in Dresden, direkt an der Elbe. Wir sind nun mittlerweile seit acht Jahren verheiratet und leben hier seit dem Jahr 2017 zusammen. Auf diesen Seiten wollen wir Einblicke in unseren Alltag geben, der durch verschiedene Sprachen, gutes Essen, viel Arbeit und Themen wie Interkulturalität, Bildung, Migration und Weltanschauen geprägt ist.
        &#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <enclosure url="https://cdn.website-editor.net/df8d9bd0f3ae4378be420f037a0a26ef/dms3rep/multi/We+are+fam_+Nail.png" length="103017" type="image/png" />
      <pubDate>Tue, 05 Nov 2024 05:37:14 GMT</pubDate>
      <guid>https://www.careworking.de/wir-sind-familie</guid>
      <g-custom:tags type="string">familie,webseite,dresden</g-custom:tags>
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/df8d9bd0f3ae4378be420f037a0a26ef/dms3rep/multi/We+are+fam_+Nail.png">
        <media:description>thumbnail</media:description>
      </media:content>
      <media:content medium="image" url="https://cdn.website-editor.net/df8d9bd0f3ae4378be420f037a0a26ef/dms3rep/multi/We+are+fam_+Nail.png">
        <media:description>main image</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Loki the soccer cat</title>
      <link>https://www.careworking.de/loki-the-soccer-cat</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
          Loki ist flauschig, frech und ein Fußballgott
         &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
          Seit S
         &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
           onntag, dem
          &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
           27. August 2023 lebt der kleine Kater Loki bei uns. Einen Tag später wurde er drei Monate alt. Ich vollendete am Sonntag eine stressige 7-Tage-Arbeitswoche in der Spätschicht und muss mich nun also auch nachts gegen 23 Uhr vorsehen, wenn ich die Wohnungstür öffne, dass der flinke Loki nicht unversehens entwischt und die Gegend erkundet. Unsere Wohnung hat er schon eingehend erforscht.
          &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
           Ich werde Loki zum Cartoon-Helden machen, denn der kleine Kerl ist nicht nur süß und flauschig, sondern bestechend klug und frech, wie seine Mutter Lien schnell feststellte, um natürlich sofort anzumerken, dass sie ebenfalls eine Katze ist und er das nur von ihr haben kann. Natürlich habe ich nicht widersprochen, sondern schnell die Spuren der Hatz beseitigt, die der kleine Straßenfeger hinterlassen hatte. Am nächsten Morgen bot sich uns ein ähnliches Bild der Verwüstung im Flur, wo er sein Nachtquartier aufgeschlagen hat. Sein von Lien extra angeschafftes zweistöckiges Headquarter mit Kratzsäulen und Bommel verschmäht er bisher - heute meinte Lien, ich müsse ihm das mit dem Kratzen an den Säulen lehren, woher soll das schließlich ein dreimonatiger Kater wissen...?
          &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
           Nun ja. Es bleibt wieder einmal an mir hängen. Das mit dem Beibringen und auch das Katzenklo. Wie er letzteres benutzt, weiß er allerdings schon ausgezeichnet (was bin ich froh, dass ich ihm das nicht vormachen muss). Jedenfalls muss ich dafür Sorge tragen (in den Augen meiner Frau), dass seine Ausscheidungen zeitnah in die vorgesehenen Abfallbehälter vorm Haus wandern. Sonst bin ich ja auch für die Müll-Entsorgung zuständig.
          &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
           Loki juckt das natürlich überhaupt nicht. Schnell hat er sich in der kurzen Zeit - nun sind es drei Tage - an uns gewöhnt und vertraut uns. Er schnurrt zufrieden, dreht sein Bäuchlein nach oben und pennt gerne auf seinen mittlerweile gefundenen Lieblingsplätzen in unserer Hütte ein.
          &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
           Es werden ja mittlerweile schon Luxus-Suiten für Katzen im Internet angeboten. Dreistöckige Prinzessinnen-Gemächer, Penthouses und sogar mehrstöckige Gartenhäuser für Hunde und Katzen. Ich habe mir schon überlegt, sowas in der Richtung aus Karton zu bauen, natürlich ohne Hund. Zu fürchten bleibt, dass der kleine Kerl dieses Papppuppyhaus dann gar nicht mag und trotzdem weiterhin im Schuhregal pennt. Vielleicht sollte ich erstmal den Cartoon beginnen.
          &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
    &lt;p&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        &lt;br/&gt;&#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;img/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich werde Loki zum Cartoon-Helden machen, denn der kleine Kerl ist nicht nur süß und flauschig, sondern bestechend klug und frech, wie seine Mutter Lien schnell feststellte, um natürlich sofort anzumerken, dass sie ebenfalls eine Katze ist und er das nur von ihr haben kann. Natürlich habe ich nicht widersprochen, sondern schnell die Spuren der Hatz beseitigt, die der kleine Straßenfeger hinterlassen hatte. Am nächsten Morgen bot sich uns ein ähnliches Bild der Verwüstung im Flur, wo er sein Nachtquartier aufgeschlagen hat. Sein von Lien extra angeschafftes zweistöckiges Headquarter mit Kratzsäulen und Bommel verschmäht er bisher - heute meinte Lien, ich müsse ihm das mit dem Kratzen an den Säulen lehren, woher soll das schließlich ein dreimonatiger Kater wissen...?
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Nun ja. Es bleibt wieder einmal an mir hängen. Das mit dem Beibringen und auch das Katzenklo. Wie er letzteres benutzt, weiß er allerdings schon ausgezeichnet (was bin ich froh, dass ich ihm das nicht vormachen muss). Jedenfalls muss ich dafür Sorge tragen (in den Augen meiner Frau), dass seine Ausscheidungen zeitnah in die vorgesehenen Abfallbehälter vorm Haus wandern. Sonst bin ich ja auch für die Müll-Entsorgung zuständig.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Loki juckt das natürlich überhaupt nicht. Schnell hat er sich in der kurzen Zeit - nun sind es drei Tage - an uns gewöhnt und vertraut uns. Er schnurrt zufrieden, dreht sein Bäuchlein nach oben und pennt gerne auf seinen mittlerweile gefundenen Lieblingsplätzen in unserer Hütte ein.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Es werden ja mittlerweile schon Luxus-Suiten für Katzen im Internet angeboten. Dreistöckige Prinzessinnen-Gemächer, Penthouses und sogar mehrstöckige Gartenhäuser für Hunde und Katzen. Ich habe mir schon überlegt, sowas in der Richtung aus Karton zu bauen, natürlich ohne Hund. Zu fürchten bleibt, dass der kleine Kerl dieses Papppuppyhaus dann gar nicht mag und trotzdem weiterhin im Schuhregal pennt. Vielleicht sollte ich erstmal den Cartoon beginnen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 29 Aug 2023 14:18:48 GMT</pubDate>
      <author>100464c8-de9f-4bac-bd57-3903dc5cb163 (Maximilian Kretzschmar)</author>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Vom oblatendünnen Eis des halben Zweidrittelwissens (Sarah Kuttner)</title>
      <link>https://www.careworking.de/machen-sie-das-beste-aus-der-jahreszeit-indem-sie-diese-einfachen-richtlinien-befolgen</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Der Beitrag 
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;a href="https://www.deutschlandfunk.de/auslaendische-pflegefachkraefte-pflegenotstand-100.html?fbclid=IwAR0rh2uCHCyyOqezu_sLAv9kvCSr7OjEkv5dWce8O7RLOTn1D_nNYHVLEGs" target="_blank"&gt;&#xD;
      
           „Ausländische Pflegekräfte: Warum viele kommen und wieder gehen“
          &#xD;
    &lt;/a&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
            vom Deutschlandfunk ist hörens- bzw. lesenswert bezüglich der Situation von Pflegefachkräften aus Drittstaaten (wie den Philippinen), die hier in Pflegeeinrichtungen arbeiten, natürlich unter dem Vorbehalt, dass die Äußerungen auf subjektiven Erfahrungen basieren. Im Beitrag wird über die Erfahrungen von Krankenpfleger Romy Padilla in Berlin berichtet, aber auch in Sachsen arbeiten viele versierte Pflegefachkräfte mit einem abgeschlossenen BA-Studium (BA of Science in Nursing) von den Philippinen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Über den abgebildeten Screenshot hatte ich mich sehr geärgert, denn in meinen Augen basiert er auf „oblatendünnem Eis des halben Zweidrittelwissens“ (Sarah Kuttner), obwohl er von einem langjährigen Parlamentarier des Sächsischen Landtags verfasst wurde. Und weil dieser seine Gedanken und sich selbst so gut findet, zwitscherte er dies gleich zweimal in twitter und fand einen willigen Nachahmer in facebook.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;h1&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Billiger Populismus
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h1&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Aber auch die Wiederholung macht diese populistische Phrase nicht richtiger, weder im Vorwurf an die jetzige Regierung, noch in der These, es hätte nur der Ausbildung aller Geflüchteten seit 2015 bedurft, um den Fachkräftemangel in der Pflege zu beheben, denn um letzteren geht es konkret in den Bemühungen. Der Fachkräftemangel in der Pflege ist ein komplexes Thema, das nicht erst seit 2015 aufgetreten ist, sondern bereits Jahrzehnte existiert, ebenso wie die Abwerbung von Fachkräften aus anderen Staaten. Eine kurze Recherche in den offiziellen Statistiken hätte gezeigt, dass von den Asylsuchenden seit 2015 nur ein geringer Prozentsatz den Weg in die Pflege gesucht hat. Pflegeexpertinnen und -experten betonten und betonen in diesem Zusammenhang immer wieder, dass ebenso der Zwang oder die Verpflichtung, Leute in soziale Berufe zu vermitteln, eine schlechte Option ist.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die mangelnde Wertschätzung der Pflege in unserer Gesellschaft und die verbesserungswürdigen Rahmenbedingungen sind ebenso zugrundeliegende Ursachen, die in der zitierten Phrase nicht berücksichtigt wurden.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Darüber hinaus handelt es sich bei den avisierten Ländern (z.B. Philippinen und Brasilien) um Staaten, wo die Fachausbildungen sehr gut sind, aber Ernüchterung ob der Aufgaben und der Arbeitsbedingungen in Deutschland eintritt. Anerkennung der Abschlüsse dauert lange, es werden anders als bei ihnen Tätigkeiten ausgeführt, wo sie sich als billige Arbeitskräfte eingesetzt sehen. Auf den Philippinen legt man einen Bachelor nach der 4 Jährigen Ausbildung ab und auch in Brasilien absolviert man ein Hochschulstudium. Hingegen beklagen Pflegeexpertinnen in Deutschland eine seit Jahren anhaltende Deprofessionalisierung, denn auch die mittlerweile eingeführte dreijährige generalistische Ausbildung, worin die drei examinierten Fachberufe mittlerweile zusammengeführt wurden, wird skeptisch gesehen. Eine Evaluierung soll nach fünf Jahren erfolgen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Kurzum: Ich erwarte mehr Sachverstand vermittelt an konkreten Lebens- und Arbeitsbedingungen in Sachsen zum Thema Pflege aus dem Sächsischen Landtag, denn auch das sind Steuerkosten, die durch Abgeordnete des Sächsischen Landtags entstehen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 11 Jun 2023 21:17:31 GMT</pubDate>
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        <media:description>main image</media:description>
      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Die Examinierung ist fast geschafft</title>
      <link>https://www.careworking.de/halten-sie-den-kontakt-mit-website-besuchern-und-vertiefen-sie-die-bindung-mit-ihren-lesern</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die schriftlichen Aufsichtsarbeiten und die mündlichen Prüfungen sind absolviert. Das war eine sehr lange und intensive Lernphase bis Ende Mai 2022, die mit der Bewältigung breit gefächerter Lernfelder verbunden war. Das Handwerk besteht darin, diese Lernfelder mit ihrer Komplexität zu erfassen und auf das Wesentliche zu reduzieren. Im entscheidenden Moment mit den richtigen Prophylaxen, also den Pflegemaßnahmen zu handeln, mit anderen Professionen zu interagieren und den Pflegeprozess einzuleiten. Zur Gesundung, der Verhütung von Krankheiten und der Versorgung und Betreuung kranker und sterbender Menschen sowie von Menschen mit Handicaps.
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Diese sehr komplexen Lernfelder beinhalteten die Pflegetheorien und -modelle, Methoden; den riesigen Bereich Pflege mit den Krankheitsbildern aller medizinischen Fachgebiete angefangen bei A wie Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege bis Z wie orthopädischen Erkrankungen bis zu den Zehen wie dem Hallux valgus, einer Erkrankung des Fußskeletts. Die medizinische Diagnostik und Therapie ist daher ein weiteres großes Lernfeld sowie auch umfangreiche Kenntnisse über Lebenswelten und soziale Netzwerke, also Forschungen, die im Bereich der Soziologie und auch der Geschichte verortet sind. Bei den skizzierten Fallbeispielen handelte es sich um Erkrankungen des Bewegungsapparats (schlecht verheilter Oberschenkelhalsbruch), einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), akut aufgetretenem Fieber (Verdacht einer Virusinfektion), diabetischer Fuß mit neuropathischen Empfindungsstörungen und einer Wundversorgung am großen Zeh und schließlich eine pandemische Infektionssituation mit Quarantäne und depressiven Verstimmungen durch die Isolation von der bisherigen Bezugsperson, verbunden mit der Einordnung in Pflegetheorien, der Durchführung und Dokumentation der Pflegeplanung und schließlich auch die Einbindung in Alterstheorien.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Nach den schriftlichen Prüfungen hatten unsere Fachlehrerinnen noch eine Exkursion in die Ausstellung „Körperwelten“ in der Zeitenströmung im Industriegelände organisiert. Neben den faszinierenden Exponaten sind Bildtafeln über die sechs blue zones zu sehen, wo besonders viele über Hundertjährige glücklich leben. Lebenslanges Lernen ist ein Keyword, Optimismus sowie einem Glück, das Krankheit nicht bemisst in Handicaps sondern der Schönheit menschlicher Existenz und deren Diversität im Dasein.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ich hatte mir bereits seit dem ersten Ausbildungsjahr selbständig Lernkarten verschiedener Wissensgebiete erarbeitet und über die Anatomie und Physiologie, Zellen, Muskeln und Knochen und auch insgesamt über die Kranken- und Altenpflege sehr detailliert dargestellte und gleichzeitig komplex aufbereitete Lernkarteikästen gekauft, so dass ich in der Prüfungsphase auf dieses Kompendium zurückgreifen konnte. Gleich zu Beginn der Ausbildung erlernten wir die wichtigsten Prophylaxen, die ich dann ebenfalls in meiner praktischen Ausbildung in der konkreten Pflege am Bett anwenden konnte. Meine Praxisanleiter:innen förderten diese Wissensvertiefung durch ausgezeichnete Praxisanleitungen von Beginn an: Verbunden mit der Grundpflege wurden die verschiedensten Mobilisierungstechniken (Positionierungen / Lagerungen im Bett als auch Transfers mit Pflegehilfsmitteln) ebenso vermittelt wie auch die wichtigen Prophylaxen bezüglich der Aspiration (zB beim Essen reichen), der Thromboseprävention, Pneumonie, aber auch die Wichtigkeit der Hautbeobachtung bezüglich Intertrigo- und Dekubitusgefahr (letzteres stellt eine große Gefahr bei immobilen Patient:innen dar). Deshalb hatte ich bereits seit dem 1. Lehrjahr alle wichtigen Prophylaxen mit eigenen Lernkarten versehen und war durch die kontinuierliche praktische Arbeit mit den Prophylaxen sicher in der Anwendung selbiger.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Auch zu den Krankheitsbildern hatte ich mir schließlich ein eigenes Ordner bzw. Ordnungssystem erarbeitet: Sämtliche Krankheitsbilder von Kopf bis Fuß fasste ich in einem großen Spezialordner, gegliedert nach den entsprechenden medizinischen Fachbereichen zusammen. Ebenso verfuhr ich mit der medizinisch therapeutischen Diagnostik: Dort kamen noch die diversen Aufzeichnungen zur medizinischen Fachsprache dazu sowie die Erste Hilfe Lektionen, alle Präsentationen und Aufzeichnungen über Injektionen, Wundversorgung, Beatmungs- und Apparatemedizin, Stomaversorgung und das umfangreiche Stoffgebiet Diabetes mellitus. Ein weiterer Ordner umfasste die Pflegetheorien, abgeleitete Modelle, die Pflegeorganisation, die Pflegeplanung und einige Fallbeispiele. Das dritte große Stoffgebiet schließlich – Lebenswelten und soziale Netzwerke – war ebenso systematisch geordnet mit den umfangreichen Abhandlungen aus Geschichte und Soziologie und dort ordnete ich schließlich auch die Alterstheorien zu.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Den sehr umfangreichen Bereich der Demenz, das Stoffgebiet der Palliative Care und die verschiedensten Methoden (bis hin zur Validation nach Richards), wie auch die Pflegestandards und Assessments habe ich schließlich in einem weiteren Ordner zusammengefasst. In meinem Ausgangsordner von 2019 schließlich sammelte ich sämtliche Aufzeichnungen zu Recht, Psychologie, Ethik, Deutsch und Englisch. Einen Extra-Ordner erhielt die Arzneimittelkunde, denn zur begonnenen Datenbank gesellte sich eine sehr umfangreiche Präsentation unserer Klassenlehrerin hinzu.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Bei den mündlichen Abschlussprüfungen handelte es sich um die Lernfelder Pflege, Berufsrolle, Krisen und das Fachgebiet Recht. Also ebenfalls sehr umfangreich. Hier hatte ich mich schließlich noch mal hingesetzt und fertigte extra Lernkarten an, denn bereits das Verschriftlichen der komplexen Inhalte ist eine wirksame Methode der Stoffwiederholung und des Lernens. Intrinsische Lernmotivation hatte ich hinlänglich. Das Lernen macht mir Spaß: Ob es die Komplexität von Krankheitsbildern ist, wo differentialdiagnostisch genau beschrieben werden muss, ähnlich lokal auftretende Symptome zu unterscheiden, um die richtigen Pflegemaßnahmen einzuleiten oder ob es eine – sicher anfangs mühsam zu erarbeitende – Pflegeplanung ist, deren Ziel die Gesunderhaltung oder die Rehabilitation ist bzw. dass sie zur Prävention eingesetzt wird. Pflege ist ein weites Feld, die völlig zu Recht seit einigen Jahrzehnten als Wissenschaft auf Augenhöhe zur Medizin forscht und fortbildet und wirkt. Pflege ist intellektuell und vor allem auch körperlich herausfordernd.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Es wird ja immer noch -vor allem medial, wahrscheinlich aber auch durch den Laienblick der Eindruck vermittelt, bei uns handele es sich um Pfleger:innen, die ausschließlich die basalen Erfahrungen machen, Hilfsbedürftige zu waschen und nach dem Toilettengang das Gesäß abzuwischen. Die das Essen austeilen und eine Art Wärter:innen sind, wie es bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert der Fall war, wo ausschließlich Männer mit zweifelhaften Biographien, ohne Bildung und häufig auch mit Gewalt Aufsicht in Einrichtungen mit Hilfsbedürftigen ausübten. Das Bild ist von vorvorgestern. Eine Zukunft der Pflege benötigt für diese herausfordernden Facharbeiten fachlich sehr gut ausgebildete, motivierte und vor allem auch ethisch und moralisch gebildete Pflegefachkräfte, ansonsten werden die wachsenden Aufgaben der kommenden Jahre nicht bewältigt.
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           In den mündlichen Prüfungen hatte ich schließlich aus den umfangreichen Losen (das waren sicherlich mehr als 25 pro Fachgebiet) Fallaufgaben zu einer Femurfraktur und Bettlägerigkeit bei stationärem Aufenthalt gezogen (Prophylaxen zur notwendigen Mobilisierung), die geriatrische Rehabilitation (u.a. mit Diabetes mellitus, BZ-Messung und Hypertonie) und schließlich ein Fallbeispiel aus dem Arbeitsrecht; Die Unwirksamkeit einer mündlich ausgesprochenen außerordentlichen Kündigung, sowie die Schilderung von Kündigungsarten, deren Unterscheidung und welche andere Vorgehensweise der PDL empfohlen werden kann.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Nun folgt noch die praktische Prüfung in wenigen Wochen, wo ich früh am Morgen durch die Prüfungskommission jemanden gelost bekomme, für den ich eine Pflegeplanung schreiben muss, ihn anhand seiner Patientenakte der Kommission vorstelle (biografisch, mit Grunderkrankungen, Diagnosen, Medikation, Prophylaxen) und eine Teilpflege durchführe, wahrscheinlich mehrere medizinische Behandlungspflegen absolviere und schließlich eine Beschäftigung kreiere. Abschließend folgt natürlich die Dokumentation dessen, die Übergabe an die Pflegefachkraft, Desinfektion aller benutzten Instrumente und die Reflexion.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;blockquote&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Analysieren Sie die aktuelle Pflegesituation hinsichtlich der Ressourcen und Probleme bzw. Risiken. Leiten Sie relevante Pflegeziele für die Prüfungssituation ab. Erarbeiten Sie schriftlich die Pflegeplanung/ einen Maßnahmeplan für die Durchführung der Pflege einschließlich Beratung, Betreuung und Begleitung. Erstellen Sie einen Ablaufplan und begründen diesen. Führen Sie die umfassende und geplante Pflege einschließlich der Beratung, Betreuung und Begleitung durch. Reflektieren und begründen Sie Ihr pflegerisches Handeln.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/blockquote&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Für mich persönlich ist das Lernenkönnen ein Privileg und ungeheuer wichtig.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Sat, 02 Jul 2022 21:17:31 GMT</pubDate>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Zukunft der Pflege</title>
      <link>https://www.careworking.de/tipps-zum-verfassen-hervorragender-beitraege-die-den-traffic-ihrer-website-erhoehen</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Das dritte und letzte Ausbildungsjahr beginnt und damit steigt bereits das Lampenfieber bezüglich der staatlichen Prüfungen im kommenden Jahr, beginnend im Juni 2022. Am 01. September 2022 findet schließlich der letzte Schultag statt, an welchem dann hoffentlich (dreimal auf Holz geklopft) ein Zeugnis mit guten und sehr guten Noten den Schlusspunkt der Ausbildung bilden wird. Erst mit diesem Zeugnis, mit einer erneuten ärztlichen Untersuchung und einem erweiterten polizeilichen Führungszeugnis kann für Gesundheitsfachberufe in Leipzig beim Kommunalen Sozialverband Sachsen (KSV Sachsen) die berufliche Anerkennung beantragt werden. Die Bearbeitungsfrist soll ca. vier Wochen betragen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Aktuell liegt eine 7 Tage-Arbeitswoche hinter mir mit fünf Früh- und zwei Spätdiensten und nun die Arbeit in einem neuen Bereich seit vorigem Wochenende. Für die liebgewonnenen Kolleginnen und Kollegen hatte ich deshalb zum Teamgespräch Frühlingsrollen mitgenommen - diesmal zubereitet von Lien und Sora, als ich am Wochenende arbeiten musste.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Lerninhalte
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Hinzugelernt habe ich vor allem durch die Praxisanleitungen, die Pflegegrade waren höher als im 1. Ausbildungsjahr, es gab mehr Behandlungspflege bezüglich der Wundversorgung von Dekubiti und auch ab und an eine PEG und Katheter zu versorgen. Bezüglich dem Setzen der Medikation, pharmazeutischem Wissen bei Krankheitsbildern und Erscheinungsformen demenzieller Erkrankungen speziell von Alzheimer habe ich einiges gelernt. Neuland war für mich das Insulinspritzen. Während ich gar keine Probleme damit habe, mich selbst sicher intramuskulär zu spritzen, war doch die subkutane Injektion bei Patient:innen mit einem gewissen Respekt bzw. einer Demut verbunden, die anfangs Überwindung kostete. Hier kommt die Sicherheit durch die Routine.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Ab Ende November 2020 arbeitete ich im Corona-Quarantänebereich und es galt, die Gefährdeten bestmöglich zu schützen und gut zu versorgen (Zimmerversorgung) bei gleichzeitig stetig wachsender Gefahr der eigenen Ansteckung sowie der Kompensierung der Ausfälle krankgewordener Kolleginnen und Kollegen. Die zuständige Behörde, das Gesundheitsamt Dresden war zu dieser Zeit (Anfang Dezember 2020) völlig überfordert und versagte. Ich habe mich durch die Arbeit angesteckt und nun mit der Corvid19-Impfung im Juni 2021 den Status als Genesener. Meine Frau erhielt am gleichen Tag wie ich bei ihrer Hausärztin die erste Impfung und 14 Tage später ihre zweite. Sora ist mit 11 Jahren noch ungeimpft und wird ab Montag in der Schule dreimal wöchentlich getestet.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <enclosure url="https://cdn.website-editor.net/df8d9bd0f3ae4378be420f037a0a26ef/dms3rep/multi/Haut.jpg" length="227208" type="image/jpeg" />
      <pubDate>Wed, 15 Jun 2022 21:17:30 GMT</pubDate>
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      </media:content>
    </item>
    <item>
      <title>Kurz vorgestellt: Checklisten Krankheitslehre</title>
      <link>https://www.careworking.de/kurz-vorgestellt-checklisten-krankheitslehre</link>
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      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Heute stelle ich eines der sehr praktischen Fachbücher für Ausbildung und Beruf vor. Es geht um die Beschreibung der wichtigsten Krankheitsbilder für den Dienstgebrauch. Nach dem erweiterten Durst-Prinzip aufgebaut, werden vom Abszess bis zur Zytomegalie auf insgesamt 318 Blättern im handlichen Querformat eines Ringordners klassische Erkrankungen dargestellt.
         &#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
    
           
         &#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
  
          
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div&gt;&#xD;
  &lt;img src="https://cdn.website-editor.net/df8d9bd0f3ae4378be420f037a0a26ef/dms3rep/multi/Krankheitsbilder.webp"/&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;b&gt;&#xD;
    
          Aufbau
         &#xD;
  &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Auffällig ist die klare und gerasterte Struktur der kartonierten Blätter. Unter dem in blau gehaltenen und gefetteten Krankheitsbegriff findet sich die kursiv gesetzte Kurzdefinition des Krankheitsbildes, das nach dem erweiterten Durst-Prinzip der Ursachen, Symptome, Diagnostik, Therapie und den Hinweisen zur Pflege kurz beschrieben und durch das Raster in jeweils drei Blöcke klar definiert wird. Bei den meisten Krankheitsbildern findet sich diese übersichtliche Darstellung auf jeweils einer Seite, sind ausführlichere Erläuterungen notwendig - beispielsweise beim Krankheitsbild Adipositas mit zahlreichen Hinweisen zur Pflege und besonderen Informationen zu Komplikationen und Begleiterkrankungen - wird die Darstellung auf der nächsten Seite des Blattes fortgesetzt. Die alphabetische Ordnung erleichtert das Suchen auch ohne Register, dafür mit einer blau abgesetzten Fußzeile. Natürlich sollte man sich beim Blättern nicht nur an den Vorderseiten orientieren, denn einige Krankheitsbilder beginnen auf den Rückseiten, zur besseren Orientierung befindet sich ein Stichwortregister im Anhang.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Inhalt
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die Reihenfolge verläuft querbeet, d.h. Atemwegserkrankungen, Herzerkrankungen, degenerative Erkrankungen der Gelenke und Knochen, Krankheiten des Urogenitalsystems, Infektionskrankheiten, Augenerkrankungen, HNO-Krankheitsbilder und Hautkrankheiten sind Bestandteile dieses Kompendiums. Demzufolge sind die stichwortartige Diagnostik und Symptomatik verkürzend eine Zusammenfassung von diagnostischen Verfahren und den Leitsymptomen vorbehalten und sicherlich nicht mit der vertiefenden Darstellung in medizinischen Fachbüchern zu verwechseln. Dieses Handbuch richtet sich an Mitarbeiter:innen in Pflegeberufen, die in der Praxis schnell verfügbares Überblickswissen benötigen, um danach Spezialwissen zu recherchieren. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Machen wir die Probe aufs Exempel: Arteriosklerose. Ich muss natürlich nicht lange suchen und finde sie zwischen der Apendizitis und der rheumatoiden Arthritis. Die Ursachen der häufig im Alter auftretenden Gefäßerkrankung werden kurz in vier Stichpunkten beschrieben, unter der Symptomatik finden sich die Folgeerkrankungen, die Therapieformen sind dementsprechend allgemeingefasst und skizzieren mit den Hinweisen zur Pflege die notwendigen Prophylaxen zur Behandlung beeinflussbarer Risikofaktoren und Patient:innenberatung(en). Es gibt also genügend Ansatzpunkte, weiterführendes Wissen durch Fachbücher zu generieren. Kritikpunkt ist, dass es keine, auch grafisch hervorgehobenen Querverweise zu den Folgeerkrankungen gibt oder beispielsweise auch zu Begleiterkrankungen, dies würde das Wissen besser vernetzen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ein zweites Beispiel, diesmal vom Ende: Ich suche die Zystitis. Die Zystitis ist eine Entzündung der Harnblase und wird synonym als Blasenentzündung bezeichnet. Ursachen und Symptome werden in sechs Stichpunkten ausreichend dargestellt, bei der Diagnostik erfolgt der Hinweis auf den Labornachweis sowie den Erregernachweis. Was sehr verkürzt dargestellt ist, findet sich in den Hinweisen zur Pflege. In knappen sieben Stichpunkten wird auf die ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Miktion bei Harndrang, lokaler Wärmeanwendung bei Schmerzen und der sorgfältigen Intimhygiene hingewiesen sowie die Einnahme von Cranberry-Produkten empfohlen, dennoch erscheint mir dies als nicht ausreichend, um diese gerade bei Frauen häufig anzutreffende Blasenentzündung auch die Prophylaxen betreffend darzustellen. Am Anfang unserer Ausbildung beschäftigten wir uns in Theorie und Praxis sehr ausführlich mit den Prophylaxen in der Pflege, wo die Zystitisprophylaxe natürlich dazugehört. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          So fehlt in der Übersicht bei den Symptomen eine ausführliche Beschreibung des Urins (beispielsweise auch Blutbeimengung) und auch die Einfuhr- und Ausfuhrbeobachtung in der Dokumentation sowie die Verabreichung spezieller Teesorten bei den Pflegehinweisen. Bei den Ursachen einer Zystitis fehlt zudem der Vermerk, dass es sich um Nierenerkrankungen oder auch eine Immunschwäche handeln kann.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Als Ergänzung zu den umfangreichen Pflege-Nachschlagewerken ist dieses kompakte Buch aus dem Elsevier-Verlag sehr empfehlenswert. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Checklisten Krankheitslehre, 4. Auflage, zusammengestellt von Dr. Petra Becker. Elsevier: 2019
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 29 Aug 2021 16:01:49 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Adieux au Proletariat? Working class reloaded</title>
      <link>https://www.careworking.de/adieux-au-proletariat-working-class-reloaded</link>
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      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Vor einigen Monaten stellte ich im Blog das Buch „working class“ von Julia Friedrichs vor. Durch eine Rezension auf der Internetplattform Soziopolis vom Direktor des Soziologischen Forschungsinstituts Göttingen (SOFI) an der Georg-August-Universität, Berthold Vogel, kam ich heute wieder auf dieses Thema. 
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         Vogel hat exakt die sehr explizite Kritik von Julia Friedrichs an die Adresse der Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft, Medien und Gewerkschaften, die mithin in den vergangenen 30 Jahren die heutigen Rahmenbedingungen für nachfolgende Generationen gestalteten, völlig ignoriert und so zurückgewiesen. Stattdessen reduziert er Friedrichs Buch auf das Kapitel Corona-Pandemie und repetiert ein ums andre Mal seit Jahren gut gemeinte Allgemeinplätze:
         &#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          „Die Risiken und die negativen Folgen der Pandemie verteilen sich eben nicht nach den Schnittmustern der alten Klassengesellschaft. Hier ist Forschung und Expertise gefragt, denn nachdem wir in der Covid-19-Krise alle unsere virologischen Grundkurse besucht haben, ist jetzt soziologische Sensibilität gefragt, die dabei helfen kann, eine neue Wertschätzung gesellschaftlich notwendiger Arbeit zu formulieren, Solidarität und Gemeinwohl als Leitprinzipien der Gesellschaftsgestaltung zu stärken und die Frage anzugehen, welche öffentlichen Güter wir künftig benötigen, um den Anforderungen der gesellschaftlichen Zukunft gerecht werden zu können.“
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Berthold Vogel
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Für jedes Sätzchen einen Euro ins Phrasenschwein. Mich macht das wütend. Vor ein paar Tagen las ich von verschiedenen linken Intellektuellen eine Facebook-Diskussion über einen Beitrag zur „verbindenden Klassenpolitik“, ein ebenfalls in meinen Augen eher fragwürdiges Konstrukt der neuen Linken eine neue Taktik zu probieren auf einem Weg ohne Strategie und wo der Kompass verloren ging. Man suche das verlorene Subjekt der Arbeiterklasse, das sich störrisch verweigert und versuche es nun, mit Zwischenklassen zu verbinden, nämlich mit der eigenen gut gebildeten aus ehemals aufgestiegenen Familien, also dem bildungsbürgerlichen Kleinbürgertum und der lohnabhängigen Mittelklasse. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Also Teilen davon, jeweils. Nur jenen, die sich solidarisieren wollen, natürlich. Klingt alles ein bisschen hilflos und mehr nach Wünschdirwas oder Suchesdiraus anstatt nach Analyse. Und verdammt, die letzte soziale Bewegung ist auch schon wieder vor 16 Jahren eingeschlafen und war Folge der Agenda 2010-Politik. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Trostlos. Und nicht zu vergessen: Der Sozialkonservatismus.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Seit je hat die Arbeiterklasse einen eigenen Leistungsbegriff, dass man sich Respekt, Selbstrespekt und den Anspruch auf Einkommen durch Anpacken und die Bereitschaft verdient, die eigenen Fertigkeiten weiterzuentwickeln. Durch Disziplin und Selbstdisziplin. Einerseits gab es nicht nur das egalitäre Ideal, sondern regelrechte egalitäre Instinkte, andererseits das Bewusstsein für feine Unterschiede. Hier­archien fanden durchaus Akzeptanz. Annie Ernaux vermochte es, dies in ihren Romanen plastisch zu beschreiben.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Staatliche Gelder für Arbeitslose, chronisch Gescheiterte oder „die Armen“ waren weniger akzeptiert als in bürgerlichen Schichten. Für Arbeiter:innen waren Arme Leute aus der eigenen Umgebung, die sich primär dadurch von ihnen unterschieden, dass sie sich weniger anstrengten oder es an Disziplin vermissen ließen. „Ich stehe ja auch sehr früh morgens auf und mache einen Job, der eigentlich eine Qual ist – warum soll der andere eine Unterstützung bekommen, nur weil er sich diese Qual erspart?“ Gerade wer harte Arbeit leistet, will nicht, dass andere „auf meine Kosten leben“. Seitdem ich seit 2019 die Pflegeausbildung absolviere, höre ich oft diese Argumente.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Der österreichische Journalist Robert Misik schrieb vor zwei Jahren über die falschen Freunde der arbeitenden Klassen, denn homogen war diese nie:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Wer gehört heute dazu? Die Arbeiter bei Mercedes in Stuttgart oder bei MAN in Nürnberg. Die Köche in unserem Lieblingsrestaurant. Die Kindergärtnerin. Verkäufer im Supermarkt, die Frauen, die die Regale auffüllen. Das Pflegepersonal im Spital. Der Mann, der unsere Heizung wartet. Die Beschäftigten am Bau, vom Maurer bis zum Polier. Der Mechatroniker im mittelständischen Exportunternehmen. Die Leute von der Müllabfuhr und die Busfahrer. Der Lehrer in der Grundschule. Die junge Frau im Call-Center. Die Technikerin bei der Mobilfunkfirma. Die Burschen, die die elektrischen Tretroller einsammeln und aufladen. Die Programmierer und Designer, die stundenlang im Büro hinter dem Computer sitzen. Die prekäre Datenverarbeiterin. Der Azubi. Der Lkw-Fahrer. Die junge Teilzeitkraft im Fast-Food-Restaurant. Gabelstaplerfahrer. Dachdecker. Die Leute vom E-Werk, die die Leitungen legen, die Frauen und Männer von der Telekom, die das Breitband in den Häusern hochziehen. Die Paketschupferin bei Amazon. Die Zugbegleiterin bei der Deutschen Bahn. Der Monteur mit Eigenheim. Der Erntehelfer. Die Ganztagespflegerin aus Bulgarien. Der arbeitslose Fiftysomething, der in seiner dritten sinnlosen Umschulungsmaßnahme steckt. Der Prekäre, der sich durchkämpft.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Robert Misik, Die alten und neuen Arbeiterklassen
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Industriekultur und Strukturwandel in den vergangenen 50 Jahren
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          https://www.kulturrat.de/themen/heimat/industriekultur/die-alten-und-neuen-arbeiterklassen/2/
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Robert Misik zählt eine sehr breite Vielfalt auf, in der ich mich, meine Frau und meine Kolleg:innen wie auch deren Familien wiederfinde. Braucht man hierfür ein Soziologiestudium? Wohl nicht. Als Journalist geht Misik natürlich nicht analytisch vor und zählt hier verschiedene Gruppen, eben auch dem Kleinbürgertum und der Mittelklasse zugehörig, auf. Hans-Jürgen Urban, der in den Nullerjahren den schönen Begriff der „Mosaiklinken“ kreierte, schrieb in einem Beitrag, dass sich nicht die arbeitenden Klassen aufgrund der Strukturkrisen auflösten, sondern wandelten (von der fordistischen Industriearbeit zum Postfordismus und zur Dienstleistungsgesellschaft beispielsweise). Auch gut. Und wenn also der Autobauer am Band in Stuttgart mit seinen 4.000 Euro Netto (oder noch mehr) heimgeht, dann verdankt er dies auch einer ungemein starken IG Metall und dem Organisationsgrad in seiner Fabrik. Und der Automarke. Und kann womöglich so eine Familie gut ernähren als Alleinverdiener, so wie das in der aufstrebenden Nachkriegsmoderne nach den 1950ern erstrebenswert war oder wie Helmut Schelsky sie nannte: Nivellierte Mittelstandsgesellschaft.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Gut, also der Autoschrauber aus dem Ländle fällt raus. Bleiben trotzdem noch genügend andere. Wir arbeiten 40 bzw 48 Stunden pro Woche mit Drei Schichten und Wochenendarbeit in systemrelevanten Bereichen mit hoher Verantwortung und zugleich hoher psychischer und physischer Belastung. Und wir müssen Sorge für unsere Kinder tragen und hatten in den Lockdowns neben der Carearbeit auch im Homeschooling einen sehr hohen Mehraufwand in der schulischen Ausbildung. Nicht zuletzt sei noch daran erinnert, dass die Sorge um die Gesundheit für Menschen in der Pflege eine dreifache Gefährdung darstellt: Die Gesundheit der Pflegebedürftigen, die Gesundheit der Familienangehörigen und die eigene Gesundheit.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Es wurde in den vergangenen Monaten schon sehr viel geschrieben zum starken und ungerechten Gefälle der Bezahlung in Pflegeeinrichtungen und zwischen Ost und West (siehe auch im Blog). Gerade heute twitterten einige Pflegefachkräfte aufgrund des angedrohten Bahnstreiks der Gewerkschaft der Lokomotivführer (GdL), dass diese Gewerkschaft plastisch zeige, woran es der systemrelevanten Pflege immer noch mangele: Der Organisiertheit, einer starken Solidarität und auch Mut. Schaut man sich ca. sechs Wochen vor der Bundestagswahl 2021 #btw21 die politischen Vorhaben an, so sind die steuerlichen Entlastungen für Einkommen bis 6.500 Euro für Leute wie Dich und mich richtig. Findet man bei der Linken. Auch der Spitzensteuersatz kann auf 53 Prozent erhöht werden, denn Helmut Kohl war sicher vieles, aber nicht links. Und dass Einkommensmillionäre ab dem ersten Euro über 1 Million an die öffentliche Hand 75 Prozent zahlen sollen, kann wiederum zur besseren finanziellen Unterstützung (mit fiskalischen Mitteln) der Pflege, der Bildung und der öffentlichen Daseinsvorsorge eingesetzt werden.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           In Amerika wurde es übrigens erreicht, dass an Unis prekär arbeitende Intellektuelle gemeinsam mit den Servicekräften von McDonalds für deren Mindestlohn von 15 Dollar demonstrierten. Unvorstellbar in Deutschland. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 10 Aug 2021 06:00:09 GMT</pubDate>
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      <title>Es ist an der Zeit</title>
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      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Freiheit, Gleichheit, Solidarität
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         Heute am 17. Juli ist der internationale Tag der Gerechtigkeit, erinnerte mich heute morgen facebook an einen Thread am 17. Juli 2016 - zwei Tage nach der Hochzeit von Lien und mir in Ho Chi Minh Stadt. Anlässlich dieses Tages hatte ich von der renommierten israelischen Soziologin Eva Illouz, die in Israel und Frankreich lehrt, ein Zitat aus ihrem Essayband "Israel" gepostet. Eva Illouz hat noch nie einen Hehl daraus gemacht, Linke, Sozialistin und liberal zu sein. Durch ihre Heimaten in Israel, Frankreich und Marokko ist sie weltoffene Kosmopolitin, die auch in Deutschland gelehrt hat - vor zwei Jahren in Bielefeld - und, das sollte immer wieder erwähnt werden, von der Wochenzeitung "Die Zeit" unter die zwölf Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen weltweit gewählt wurde, die wahrscheinlich das Denken der Zukunft verändern werden. Das war 2009. Im Jahr 2015 bin ich ihr leibhaftig begegnet (sie stand neben mir) bei dem Taz lab der Tageszeitung in Berlin, wo sie den Essayband vorgestellt hat ("Wie viel Gefühl verträgt eine Gesellschaft, die nach Gerechtigkeit strebt?"). Ich habe alle ihre Bücher gelesen - sie schreibt über Gefühle im Kapitalismus, Liebe, Romantik, Familie, Medien, Konsum, Glück - mein Denken hat sie verändert. Hoffentlich findet die gesellschaftliche Linke auch in Deutschland für die Zukunft die Kraft, Gesellschaft zu gestalten, zum Beispiel in einer Mitte-Links-Regierung, das bleibt weiterhin meine Hoffnung. Es ist an der Zeit. Das zeigen die aktuelle Umweltkatastrophe in Deutschland ebenso wie die akute Ausbreitung von Corona in ärmeren Ländern, ohne ausreichend Impfstoffe für deren Bevölkerung. Freiheit, Gleichheit, Solidarität. Und nicht nur bis zum eignen Tellerrand zu schauen, sondern darüber hinaus und den Blick nicht zu verlieren für die Anderen und für das andere.
         &#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Angesichts der langen Prozession von Leuten, die ungehindert Lügen verbreiten, sollten wir uns erinnern, wofür die Linke steht. Historisch ist es die Linke - und nicht die Rechte -, die uns wirksame Mittel an die Hand gegeben hat, um Gesellschaften neu zu denken und real zu verändern. Die Linke ist eine große Familie mit vielen Geschwistern, die ein Spektrum von Anarchismus über den Marxismus bis zur Sozialdemokratie abdeckt. Trotzdem verfügt diese weitläufige kakophone Familie über zwei Hauptzweige: den Liberalismus (der die Grundrechte und -Freiheiten des Menschen verteidigt) und den Sozialismus (der Mechanismen zur Herstellung von Verteilungsgerechtigkeit ersinnt). Die Unterschiede zwischen den diversen linken Strömungen drehen sich um die Frage, welches Gewicht man jeweils der Freiheit oder der Gleichheit beimisst - in den Vereinigten Staaten sind die meisten Linken liberal, während Europa historisch für eine Verbindung von Liberalismus und Sozialismus steht. Dieser Unterschiede ungeachtet zeichnet sich die Linke jedoch durch einen einzigen starken moralischen Kern aus, der sich in einem Wort zusammenfassen lässt: Universalismus - die Überzeugung, dass Menschen, wenn wir von ihrer Religion oder sozialen Klasse absehen, gleich sind und vergleichbare Freiheiten und Ressourcen genießen sollten. Diese moralische Überzeugung hat die gewaltige Matrix, die wir Moderne nennen, mit ungeheurer Kraft geprägt.
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Aus: Eva Illouz, Israel. soziologische Essays, erschienen bei suhrkamp 2015, S. 197 f.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ich weiß um die Problematik, dass gar nicht mal so klar ist, was in dieser Tradition als links interpretiert wird: Das erlebte ich erst kürzlich, als ich dieses Zitat erneut und fünf Jahre später in facebook postete. In Deutschland gibt es schließlich mindestens fünf Parteien, die für sich proklamieren, eine "Partei der Mitte" zu sein (Ich denke dies tun SPD, Grüne, CDU, FDP und ebenfalls die AfD). Nur dass es diese "MITTE" als scharf abgrenzbaren definitorischen Topos gar nicht gibt: Nur als Ableitung und in Abgrenzung von links oder rechts. Dabei bleibt unklar, ob hierin der sozioökonomische Status oder der kulturelle oder gar der weltanschauliche Status zählt. Dem einzigen, dem ich abnehme von "Mitte und Maß" zu schreiben, ist mithin Prof. Herfried Münkler und auch dieser betont in seinen Exkursen durch die Genese der Begrifflichkeiten, dass "in Städten, die von ihrer sozioökonomischen Struktur her zu den Extremen tendierten, die Mitte durch die limitierte Vergabe des Bürgerrechts gestärkt werden [müsse]", so grenzte bereits Aristoteles die politische Ordnung der Antike gegen die Extreme ab. Keinesfalls verband Aristoteles mit dem Streben nach der Mitte das Mittelmaß, sondern er nutzte das sehr anschauliche Beispiel des Bogenschützen, der, um mit Pfeil und Bogen die Mitte zu treffen, komplexe Bedingungen wie das Gewicht des Pfeils, Windrichtung, Entfernung einkalkulieren sollte und vor allem zunächst über das Ziel hinausschießen muss.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Das Ethos der Mitte entbindet den Menschen nicht von der Pflicht, nach Höchstleistungen zu streben, vielmehr ist es selbst ein Höchstes.
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Herfried Münkler, Mitte und Maß.  Der Kampf um die richtigen Ordnung, S. 83
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Und weil auf twitter von Konservativen der moralische Zeigefinger erhoben und auf die Verbrechen im Stalinismus und die Verbrechen der Roten Khmer verwiesen wurde: Nein, diese Verbrechen sind unvergessen und müssen das auch bleiben als Erinnerung für totalitäre Regime bzw. Diktaturen mit geschlossenem menschenverachtendem Weltbild. Die Pervertierung einer einst emanzipatorischen Idee. Mit Demokratie und Sozialismus hatte das nichts zu tun. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt. 
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Immanuel Kant 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ein weiterer Kritikpunkt ist der Einwurf, dass der Liberalismus als Ideologie wohl kaum mit links vereinbar ist, weil er die Herrschenden stützt und ebenso den Kapitalismus. An dieser Stelle muss ich Eva Illouz verteidigen und erinnere an den Beginn der Moderne mit der Französischen Revolution und nach Aufklärung oder in deren Rahmen im 19. Jahrhundert an den Vormärz, die Julirevolution 1830 in Frankreich, die deutsche Revolution 1848/49 und die revolutionären Umtriebe in deutschen Landen. Alles unvollendet, ich weiß. Zerklüftet, fragmentiert, schließlich erstickt. Auch die Novemberrevolution 1918. Waren das wirklich alles nur Linke, die von dem revolutionären Fieber, dass sich was ändern muss, angesteckt wurden? Nö, es waren vor allem auch die Freiheitsideen des Liberalismus. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Eva Illouz meint im Grunde den republikanischen Gedanken des Citoyen (nicht des Bourgeois), den im vergangenen Jahr Achim Wesjohann, Geschäftsführer der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen im Sächsischen Landtag in sehr empfehlenswerten Blogbeiträgen auf seinem Blog "Wesjohanns Worte" (AT) beschrieb (Freiheit statt Liberalismus I; Freiheit statt Liberalismus II; Republikanismus; Rechts wo das Herz nicht schlägt; Zugehörigkeit; Tugend; Agenda). Denn Liberalismus wird auch immer wieder neu dekliniert. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern darin, dass er nicht tun muss, was er nicht will
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Jean-Jacques Rousseau
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Jean-Jacques Rousseau folgte Aristoteles bezüglich dessen politischer Vorstellungen über das Gemeinwesen und schrieb im Contrat Social, dass ein Staat auch nicht zu groß sein dürfe, um gut regiert zu werden, denn je größer der Staat, desto mehr nehme die Freiheit ab. Als soziale und moralische Voraussetzungen der Demokratie formuliert Rousseau zum ersten, dass der Staat klein sein müsse, um das Volk zu versammeln, zum zweiten müsse es eine große Biederkeit der Sitten geben und zum dritten eine möglichst große Gleichheit in Stand und Vermögen, einer sozialen Mitte.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Denn entweder ist der Luxus die Folge von Reichtum, oder er macht ihn notwendig. Er verdirbt den Reichen wie den Armen, den einen durch Besitz und den anderen durch Habgier.
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Jean-Jacques Rousseau, Politische Schriften, S. 129 - zitiert nach Herfried Münkler, Mitte und Maß. Der Kampf um die richtigen Ordnung, rowohlt, S. 89
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Sicherlich fallen den meisten aktuell Liberale a la FDP mit Sprüchen a la "Jeder ist seines Glückes Schmied" und Eigenverantwortung und SUV vor dem Eigenheim auf der grünen Wiese ein - also dem Typus des egoistischen Eigennutzes statt der Verantwortung für Gesellschaft und das, was man gemeinhin als Gemeinwohl bezeichnet. Ich denke, man darf hier nicht dem Zerrbild des grassierenden Neoliberalismus' der vergangenen 30 Jahre anheim fallen.  Auch Eigentum und Kapitalismus sind bei liberalen Ökonomen kein untrennbarer Trugschluss und seit Judith N. Shklars Schriften zum Liberalismus (Liberalismus der Furcht, Der Liberalismus der Rechte) sind auch neue liberale Lesarten bekannt geworden neben den gängigen des Wirtschaftsliberalismus a la Hayek und Friedman. Shklar, 1939 mit ihrer Familie vor den Nazis aus Lettland nach Kanada emigrierte Jüdin, vermochte es in ihren Schriften, den Liberalismus vier unterschiedlicher Denktraditionen zu beleuchten - wie zuvor den Liberalismus der Furcht angesichts totalitärer Diktaturen in ihrer wohl bekanntesten Schrift aus dem Jahr 1989.  
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           In unserer Zeit hegt der Liberalismus der Furcht größere Erwartungen als nur die Forderung nach "Frieden um jeden Preis". Er steckt sich höhere Ziele. Er will nicht nur die Beseitigung des Terrors, sondern auch die Einhegung aller Quellen vermeidbarer Furcht, dabei immer darauf bedacht, die persönliche Freiheit aller zu vergrößern. Er setzt seine Hoffnung darein, eine Gesellschaft zu errichten, in der ein jeder sein Leben zu führen vermag ohne Einschüchterung von öffentlichen oder privaten Akteuren fürchten zu müssen.
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Der Liberalismus der Furcht neigt infolgedessen dazu, die Verringerung jeder Form von sozialer Ungleichheit zu unterstützen. Ohne im Mindesten einen Zustand völliger Gleichheit anzustreben, sucht er solche Ungleichheiten
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           einzudämmen, die die Macht effektiver Bedrohung in die Hände einiger Weniger legen. Jegliche Konzentration gesellschaftlicher Macht, die Menschen der Furcht aussetzt, ihrer Anstellung, Gesundheit und Bildung beraubt zu werden, ist abzulehnen. 
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           Dies ist ein Liberalismus, der weniger egalitär als antimonopolistisch ist, und in der Tat war dies für viele Jahrhunderte eine seiner charakteristischen Eigenschaften.
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          ﻿
          &#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Judith N. Shklar: Der Liberalismus der Rechte, Matthes&amp;amp;Seitz, S. 35f.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Sat, 17 Jul 2021 10:35:41 GMT</pubDate>
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      <title>Care und Cure</title>
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      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         Im Juni 2021 absolvierte ich mein klinisches Außenpraktikum im renommierten Bavaria Klinikum in Kreischa auf einer Station für Intensivrehabilitation des Querschnittsgelähmtenzentrums der Phasen B und C sowie einigen neurologischen Patient:innen. Das Klinikum Kreischa ist für seine vielfältigen Therapien auf diesem Gebiet bundesweit bekannt. Im Mittelpunkt steht die individuell auf den Patienten abgestimmte Therapie, um ihm einen bestmöglichen Einstieg in sein gewohntes Umfeld zu ermöglichen. 
         &#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Wichtig sind hier beispielsweise die ATL, die "Aktivitäten des täglichen Lebens", wozu u.a. das Essen, die Körperhygiene, das An- und Ausziehen, aber auch die Blasen- und Darmentleerung und die nötigen Transfers vom Bett in den Rollstuhl oder auf Toilette gehören. Patient:innen der Phase B sind noch akut mit der neuen Situation konfrontiert, die zumeist durch Traumata wie Unfälle oder durch Infektionserkrankungen verursacht wurde und beginnen diese Frührehabilitation im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt. Am Schluss dieses Beitrags sind die "Aktivitäten des täglichen Lebens" nach dem Pflegemodell von Nancy Roper et al aufgeführt, Pflegepionier:innen wie Monika Krohwinkel, Antje Grauhan und Liliane Juchli haben diese ATL weiterentwickelt.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Eine Menge gelernt
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          So habe ich in diesem Monat sehr viel erfahren können über die klinische Behandlungspflege hinsichtlich Trachealkanülen (auch als Tracheostoma bezeichnet) und die Bronchialtoilette, das Absaugen von Sekreten; das Inhalieren (beispielsweise der "Münchner Lösung"); Blasenkatheter (sogenannte Zystofixe), Urinalkondome, PEG-Ernährungssonden für die  perkutane Endoskopische Gastrostomie (Magensonde); Infusionen; Beatmung von Patient:innen; Blasenspülungen; Anus praeter; die Wundversorgung unterschiedlichster Wunden und die Mobilisierung und Transfers mit Liftern bzw. Lifternetzen der Patient:innen in deren Pflegerollstühle.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Nach der ausführlichen Übergabe des Nachtdienstes an die Frühschicht ab 6 Uhr und den Tagesterminen der Patient:innen erfolgte nach dem Vier-Augen-Prinzip die sorgfältige Kontrolle der Medikation durch die Pflegefachkräfte, die durch den Nachtdienst gestellt wurde und die Vorbereitung des Pflegewagens inklusive BZ-Tablett, Blutdruckmessgeräten und dem Material für die Wundversorgung (Vorbereitung meint hier nicht das Auffüllen des Wagens, dies wird natürlich nach der Pflege mit gründlicher Desinfektion aller Gerätschaften und des Wagens vollzogen).
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Damit Patient:innen ohne Sorge bezüglich unkontrollierten Stuhlgangs an ihren vielfältigen Therapien teilnehmen können, gehören Einläufe und das sorgfältige Entleeren des Darms zu den morgendlichen Aufgaben. Nach der gründlichen Grundpflege am Morgen - ganz individuell auf die Ressourcen der Patient:innen abgestimmt - können diese danach in Ruhe ihr Frühstück einnehmen: Auf dem Zimmer oder im Speisesaal gemeinsam mit anderen Patient:innen. Verantwortlich hierfür sind die freundlichen Servicekräfte des Hol-und Bringedienstes, die ebenfalls für die Begleitung zu Terminen zuständig sind sowie für das Essenreichen. Wichtig für die Tageskurve sind die Messungen der Vitalzeichen von Puls und Blutdruck, die gemäß der ärztlichen Anordnungen bei einigen täglich mehrmals erfolgen und bei anderen aller zwei Tage. Sind die Patient:innen gut versorgt, werden die Betten frisch gemacht; die freundlichen Reinigungskräfte reinigen alle Zimmer und die Hygienehelfer:innen füllen die Bestände in den Zimmern wieder auf, denn es gibt in allen Zimmern einen Pflegeschrank, in welchem Lagerungskissen, neue Bettwäsche sowie Handtücher und Waschlappen und das Material für die Wundversorgung sowie Katheter bereitstehen - das erspart Zeit und Kapazitäten bei der täglichen Pflege. Bei einigen Patient:innen ist durch die akute Situation, beispielsweise noch über PEG-Sonde ernährt und/oder über Trachealkanüle abgesaugt zu werden, eine sehr umfängliche Vollpflege wie in der Intensivpflege erforderlich, so dass die Fachkräfte auch am Vormittag in diesen Zimmern sehr stark gefordert sind, die Apparaturen zu überwachen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Wundmanagement und Säure-Basen-Status (SBS)
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Eine Wundschwester kümmert sich gesondert um einige Wunden - das alles erfolgt in enger Absprache mit der Stationsleitung und dem versierten Pflegepersonal und natürlich führen auch die verschiedenen Fachärzt:innen, Oberärzte und der Chefarzt bei den Patient:innen Visiten durch und sprechen dies mit der Stationsleitung ab. Dort - in der Stationsleitung - ist ebenfalls eine gut kommunizierende und fachlich versierte Arzthelferin im Team, die als wichtige Schnittstelle unterstützend neben vielen organisatorischen Dingen wie dem Management bei den Aufnahmen der Patient:innen den SBS, den Säure-Basen-Status des Blutes misst, der wichtig für die Bestimmung von metabolischen (Stoffwechsel) und respiratorischen Störungen (Lunge) ist und bei Abweichen von Normwerten auf Erkrankungen von Lunge, Nieren oder Herz hinweist. Gerade bei den beatmeten Patient:innen, die ja von dem Sauerstoffgerät entwöhnt werden sollen, ist dieser Test erforderlich.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Umfassende Dokumentation
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Sehr wichtig ist schließlich die umfassende Dokumentation des Allgemeinzustands der Patient:innen sowie der durchgeführten Pflegemaßnahmen aufgrund ärztlicher Anordnungen - alle Maßnahmen und erfassten Vitalzeichen, Ein- und Ausfuhr, Veränderungen der Medikation, Lagerungen (bzw. Positionierungen) usw. Das alles wird in der Tageskurve dokumentiert. Der Spätdienst schließlich übernimmt nach der umfangreichen und präzisen Übergabe des Frühdienstes alle Änderungen am Nachmittag und bereitet die Tageskurve für den nächsten Tag vor, die schließlich in der Patientenakte eingeheftet wird. Für das Wundmanagement, das am Morgen nach der Grundpflege durchgeführt wird, gibt es auf dem Pflegewagen einen gesonderten Dokumentationsordner, wo alle ärztlichen Anordnungen zur Wundversorgung bei den Patient:innen aufgeführt sind.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Guter Spirit
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Für mich war es ungemein bereichernd! In einer sehr guten und zugewandten Atmosphäre von aufgeschlossenen Menschen - zumeist GuK und Altenpfleger:innen - und eloquenten Pflegefachkräften, bei denen ich über die Schulter schauen konnte, machte die Arbeit großen Spaß und war abwechslungsreich. Gleiches traf für die Patient:innen zu: Mit großem Elan meisterten sie ihre neue Lebenssituation und freuten sich über jedes Zeichen hin zu mehr Selbständigkeit - dem Ziel der Rehabilitation. Care and Cure ist mir dabei bewusster geworden.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Auch im Haus selbst, gelegen in einem großzügig gestalteten Barockgarten, gab es einen sehr guten und höflichen Umgangston: Unabhängig von den unterschiedlichen Gewerken - ob Therapeuten, Pflegepersonal, H&amp;amp;B-Dienst, Ärzt:innen - ist der Teamspirit der Bavarianer:innen gut spürbar.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Nur die Mash war sooo 1970er...
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Mitten auf dem Arbeitsweg an einem Frühschichtsonntag, also mitten an einer Ampelkreuzung am Uni-Campus ging mein Motorrad aus und nicht mehr an. Schön blöd sowas.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Durch den enggetakteten Dienstplan - und im Frei habe ich ja noch die Arzttermine von Sora zu bewältigen und die Carearbeit - kam ich auch nur stundenweise dazu, nach dem Fehler zu suchen. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Elektrik ist einfach tot. Batterie mehrmals aufgeladen, destilliertes Wasser nachgefüllt, Sicherungen gewechselt, mit dem Multimeter Amperestunden, Volt und Ohm gemessen und schon mal bei "Praktiker" nach Batterien Ausschau gehalten, sowie alle Kabel nach Brüchen untersucht: Alles bisher Fehlanzeige. Nun werde ich am Zündschloss weitersuchen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Aber so kam ich in den Genuss, die Öffentlichen zu nutzen, um nach Kreischa zu gelangen. Das kostete 3 Stunden pro Tag extra. Ich stand 3:30 Uhr am Morgen auf, um eine Stunde später mit dem Fahrrad zum Weberplatz zu wackeln und dort werktags 4:53 Uhr in Bus 66 zu steigen, um vom Kaufpark Nickern 5:14 Uhr mit dem Bus 86 schließlich kurz vor halb 6 am Klinikum einzutreffen. Dann galt es noch, per pedes einen Berg zu erklimmen (ab diesem Zeitpunkt war ich endgültig wach). Am Wochenende ist der Fahrplan noch schlimmer: Ich fuhr mit dem allerersten Bus 66 am Samstagmorgen um 5:03 Uhr los und war einmal - weil der Busfahrer der 86 erstmal alle Fahrscheine am Sonntag beim Einstieg kontrollierte und so schon zu spät eingetroffen war - erst nach 5:45 Uhr in dem Umkleideraum, der gerade nass gewischt wurde. Nun ja, passiert, aber ist arbeitsorganisatorisch verbesserungswürdig.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Es ist also kein Wunder, dass viele Mitarbeiter:innen aus Dresden kommend das Auto bevorzugen. Auch zur Spätschicht waren die Linien nicht besser getaktet: Der Bus 86 fuhr erst 22:22 Uhr, so dass ich kurz vor 23 Uhr mein Fahrrad am ehemaligen Sitz unseres Instituts für Kommunikationswissenschaft am Weberplatz aufschloss und nach Hause rollte. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Mit dem Motorrad brauchte ich höchstens 20 Minuten am Morgen, nur im Nachmittagsverkehr in der Rush hour konnte sich der Fahrtweg auf bis zu 45 Minuten zusammenläppern. Das soll kein Jammern sein, sondern eine schlichte Darstellung von Realität. Wenn Öffis besser sein sollen als der MIV, dann muss sich was ändern, denn auch der Preis war erheblich teurer: 4,50 Euro pro Fahrt, da kurz vor Kreischa die zweite Tarifzone des VVO beginnt. Für schlappe 15 Kilometer wohlgemerkt. Und last but not least das letzte Mimimi: Dresdner Busse der 66 haben kein AC, obwohl vom Landesministerium für Arbeit und Wirtschaft gefördert, der VVO-Bus schon. Das ist für Berufspendler:innen an heißen Tagen doof, noch dazu bei Schichtarbeit.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          In Kurzform einige neue Abkürzungen, die ich gelernt habe: SBS (Säure-Base-Status) - UTK (Tracheastoma)  - SPF (Zystofix) - ISK (Selbstkatheterisierung) - IFK (Katheterisierung PK) - SK (Sprechkanüle) - AP (Anus praeter) - ZFRW (Zentrum für Rehabilitation und Wunden) - VW (Versorgung Wunde) - DK  (Dauerkatheter) 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Und natürlich für mich neue Krankheitsbilder, wo ich nun meine Bildung weiter intensiviere. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Differenzierungen bei Querschnittslähmung: bei der inkompletten Querschnittlähmung sind Teile des Rückenmarks beschädigt und nicht alle Nervenbahnen betroffen.  Bei der kompletten Querschnittslähmung ist das Rückenmark in Gänze zerstört.  
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Tetraplegie: Lähmung aller vier Extremitäten (Schädigung in der Halswirbelsäule)
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Paraplegie: Lähmung der Beine (Schädigung im Bereich der Brust- und/oder Lendenwirbelsäule)
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Für die professionelle Pflege spielen "Die zwölf Aktivitäten des täglichen Lebens" (ATL) nach dem Pflegemodell von Nancy Ropers "activities of daily living" (adl) eine wichtige Rolle.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Die zwölf Aktivitäten des täglichen Lebens
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Ruhen und schlafen
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Krankenbett täglich oder wenn nötig erneuern und säubern
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Positionierung der Patienten
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Nutzen von Lagerungshilfsmitteln
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Beobachtung des Schlafes
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Sich bewegen
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Dekubitusprophylaxe durchführen
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Kontrakturprophylaxe durchführen
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Bewegungsübungen (aktiv, assistiv, passiv)
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Thromboseprophylaxe durchführen
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Mobilisation und Krankengymnastik
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Sich waschen und kleiden
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Hilfe beim An- und Ausziehen
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Hilfestellung und komplette Übernahme der Körperpflege
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Parodontitisprophylaxe durchführen
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Beobachtung der Haut
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Essen und trinken
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Beobachtung von Körpergewicht und Körperlänge
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Hilfeleistung beim Essen und Trinken
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Kostformen patientengerecht bestimmen
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Aspirationsprophylaxe
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ernährungssonde und Sondenkost
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Ausscheidung
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Obstipationsprophylaxe
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Beobachtung von Urin, Stuhlgang, Erbrechen
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Inkontinenzversorgung
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Darmeinlauf
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Regulierung der Körpertemperatur
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Beobachtung der Körpertemperatur
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Pflege bei Fieber
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Atmen
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Beobachtung der Atmung
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Pneumonieprophylaxe
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Inhalation
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Kontaktatmung durchführen
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Für Sicherheit sorgen
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Verhütung von Gefahren
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          persönliche Hygiene
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Umgang mit Medikamenten und mit Sterilgut
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Verhütung von nosokomialen Infektionen
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Sich beschäftigen
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ergotherapie und Physiotherapie
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Rehabilitation
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Kommunizieren
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          mit Patienten, Angehörigen und innerhalb des Pflegeteams
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Dienstübergabe
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Visite
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Sinn finden
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Angstbewältigung
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Besinnungstage und Meditationen
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Beobachtung von Schmerz und Schmerzbewältigung
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Begleitung Sterbender
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Sich als Mann oder Frau fühlen
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Intimsphäre schützen
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Veränderung durch Medikamente
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Sat, 10 Jul 2021 05:56:25 GMT</pubDate>
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    <item>
      <title>working class</title>
      <link>https://www.careworking.de/working-class</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Warum wir Arbeit brauchen, von der wir leben können. Das aktuelle Buch von Julia Friedrichs.
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         Bei Zeit Online las ich, dass die 1980 geborene Journalistin keinesfalls den heute angestaubt wirkenden und einschränkenden Begriff der Arbeiterklasse wählte, sondern davon schrieb, dass 50 Prozent der deutschen Bevölkerung zur working class gehören. All jenen nämlich, die ohne Kapital, ohne Reichtum, Erbe, ohne Vermögen, ohne Anlagen oder Immobilien nur von dem Lohn ihrer Arbeit leben müssen. 
         &#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Und so kaufte ich ihr Buch schließlich am #equalpayday. Dieser Tag, der auf die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern aufmerksam machen soll, ist in meinem Verständnis inzwischen viel breiter zu fassen. So wie es die Kolumnistin von der "Süddeutschen", Teresa Bücker formuliert:
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;i&gt;&#xD;
      
           In der Summe mag es den Gender-Pay-Gap minimal reduzieren, wenn Frauen individuell bessere Gehälter aushandeln, aber der große Pay-Gap zwischen den Geschlechtern hängt an diskriminierenden Strukturen, die dazu führen, dass überwiegend Frauen in Teilzeit-Stellen arbeiten und die Löhne in Berufsgruppenwie der Altenpflege oder Kleinkindpädagogik zu niedrig sind. Eine Erzieherin, die in einer Gehaltstabelle eingestuft wird, hat von Verhandlungstipps gar nichts.
          &#xD;
    &lt;/i&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Teresa Bücker: Zwischenzeit_en. Newsletter auf steadyhq.com
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Aber nun zum Buch von Julia Friedrichs. Das Cover zeigt drei Silhouetten in neonpink auf dunkelblauem Grund, die auf drei Berufsgruppen der working class hinweisen: Einen Kontrabassisten, eine Pflegefachkraft, die eine Spritze aufzieht und eine am Computer sitzende Wissensarbeiterin.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Der Kontrabass führt als Spur direkt zu einem Paar mit zwei Kindern (8 und 15 Jahre), das von Julia Friedrichs in seinem Alltag begleitet wurde. Alexandra und Richard haben mit ihren beiden Kindern für 200.000 Euro ein Haus gekauft: Ohne Erbe, sondern mit Bausparvertrag, Kredit per Makler und einem monatlichen Fixpreis von 1.300 Euro für Kreditzinsen, Tilgung, Strom, Wasser, Ölheizung.  Die Bank gewährte keinen Kredit, weil sie als Musiker Freiberufler sind. Sie müssen beide arbeiten, um als Selbstständige über die Runden zu kommen - Netto kommen so 1.600 Euro pro Verdienst zusammen bei Stundenlöhnen zwischen 21 und 27 Euro Brutto als Honorarkräfte ohne Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Alexandra erzählt, dass an der Musikschule im Jahr 2011 zum letzten Male die Honorare für die MusiklehrerInnen angehoben wurden: von 19,43 Euro auf schlappe 21 Euro. Inflationsmäßig berechnet sind die damaligen 21 Euro heute soviel wie 18,80 Euro wert.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Eine sichere Anstellung wie noch in den 1980ern, so erzählt es Julia Friedrichs Vater, der selber Lehrer ist, bleibt ein ferner Traum für die beiden. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Sait geht es ähnlich als Familienvater mit zwei Kindern: Sait reinigt seit 2002 die Bahnsteige der Berliner U-Bahnhöfe. Angefangen hat er mit 8,30 Euro im Jahr 2002. Seit Herbst 2020 verdient er erstmals 10,56 Euro pro Stunde, aber gleichzeitig wurden seine Stunden auf 35 pro Woche runtergefahren. Unterbietungswettbewerb seiner Firma mit den Berliner Verkehrsbetrieben: Mehr Bahnhöfe schaffen in kürzerer Zeit. Bleiben 1.600 Euro Brutto plus das Lehrgeld seines Sohnes und die 10 Euro Brutto pro 6 Stunden seiner Frau als Näherin. "Heutzutage geht man zu zweit arbeiten, und das Geld reicht nicht. Das tut auf eine Art und Weise weh", erzählt Sait.
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  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Julia Friedrichs kann anhand dieser genauen und empathischen Schilderungen und guter Recherche den gesellschaftlichen Abwärtstrend seit den 1990er Jahren markieren: Die Löhne sackten seit Mitte der 1990er Jahre für heute fast 8 Millionen Menschen in Deutschland auf Niedriglohnniveau ab. Was sich stark erhöhte waren die Lebenserhaltungskosten, die Mieten und die Kosten für Strom wurden verdoppelt, Sozialabgaben stiegen. Die Fernsehjournalistin geht auf Spurensuche der gesellschaftlichen Umbrüche und bezieht auch ihre eigene Familiengeschichte mit ein. Die aus einer Lehrer-Familie stammende gebürtige Westfälin wuchs in der Nachkriegsmoderne der 1980er Jahre auf, wo noch ein Gehalt für einen guten Wohlstand in Reihenhaus-Idylle ausreichte. Lehrer und Lehrerinnen hatten Festanstellungen, wie ihr Vater berichtet und waren nicht in prekären Nöten wie Alexandra und Richard in den 2020ern. Und natürlich nimmt Julia Friedrich hierbei Bezug auf die durch Ulrich Beck plastisch als Aufstiegsgesellschaft skizzierte Nachkriegsmoderne, das ist eine der zahlreichen Stärken ihres Buches: Die Autorin recherchiert gründlich die zahlreiche Wissenschaftsliteratur zum Thema und stellt sie sprachlich sehr gut lesbar dar. In der Aufstiegsgesellschaft (bzw. nivellierten Mittelstandsgesellschaft, wie Helmut Schelsky schrieb) blieben Ungleichheiten bestehen, aber sozialer Aufstieg, Bildungschancen, Einkommen, Freizeit und Konsum stiegen auch für die Arbeiterinnen und Arbeiter. 
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  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
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  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ulrich Beck, Richard Sennett und Andreas Reckwitz sind hierbei die wichtigen Säulen, diese gesellschaftlichen Umbrüche analytisch zu untersuchen und einzuordnen. Aber auch Expertinnen und Experten der Finanzwirtschaft wie der Ex-Weltbank-Ökonom Branko Milanovic oder Philippa Sigl-Glöckner, ebenfalls eine bekannte Ex-Weltbank-Ökonomin und nun Büroleiterin von Bundesfinanzminister Olaf Scholz, werden von Julia Friedrichs befragt. 
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    &lt;br/&gt;&#xD;
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  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Arbeit verliert und Kapital gewinnt
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    &lt;/b&gt;&#xD;
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  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
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  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Sigl-Glöckner erinnert sich an das durch von Hayek und Röpke begründete Framing, nur innerhalb des neoliberalen Paradigmas zu denken. Milanovic verglich die Einkommensdaten der vergangenen 30 Jahre und macht zwei Gruppen als Globalisierungsgewinner aus - die ohnehin Reichen der 1 Prozent Oberschicht, deren Reichtum einen steilen Anstieg nach oben nimmt. Und es gibt eine neue Mittelschicht in Asien, vor allem in China und in Indien. Milanovic skizziert dabei das Bild eines Elefanten: Die 1 Prozent Oberschicht ist der Rüssel, Buckel und Kopf formt die zweite Gruppe der neuen Mittelschicht. Hingegen sind die realen Einkommen der unteren Mittelschicht der reichen Industrieländer seit den späten 1980er Jahren gesunken. Langsam stiegen die Einkommen der ärmsten Schichten in Asien. Friedrichs zitiert aus dem deutschen Bundeswirtschaftsministerium, dass "im Jahr 2015 .. die realen Bruttolöhne der unteren 40 Prozent zum Teil deutlich niedriger als 1995 [waren]". Mit Einführung der Mindestlöhne versucht man deshalb, diesem Trend entgegen zu wirken, was nur teilweise gelang. Mit dem Wirtschaftswissenschaftler Tim Bönke spricht Friedrichs über die ungleiche Verteilung der Einkommen in Deutschland, wo sich seit 1980 die Volkswirtschaft mit BIP verdoppelte und pro Kopf und preisbereinigt um 53 Prozent gestiegen ist. Bönke macht auf die Unterschiede durch die Globalisierung aufmerksam: Auf Arbeiter erhöhte sich der Druck durch die weltweite Konkurrenz, während es für die Systemgewinner nach oben ging: "Es gibt eine internationale Nachfrage nach sehr gut ausgebildeten westlichen Führungskräften. Dazu gibt es einige Berufsgruppen wie Anwälte, Banker, Versicherungsmakler oder Immobilienverkäufer, die wesentlich höher bezahlt werden, als ihre Produktivität eigentlich zulassen würde. Diese Menschen belohnt das System."
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
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  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Heißluftballons
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    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ungleiche Verteilung der Vermögen ist das Thema von Vermögensforscher Markus Grabka, der annähernd diese Verhältnisse beschreibt mit den 99 Prozent, die durch die reichere Hälfte in Deutschland gehalten werden, von denen wiederum die wohlhabensten 10 Prozent 60 Prozent inne haben. Dieser Reichtum ist nicht erarbeitet, 50 Prozent werden vererbt oder verschenkt.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          In der Regel, sagt Markus Grabka, sei der deutsche Vermögende eher alt, westdeutsch und männlich. "Frauen ganz oben gibt es kaum, und wenn, sind sie Witwen oder eingeheiratet."
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Aus: working class. Warum wir Arbeit brauchen, von der wir leben können. von Julia Friedrichs
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          95 Prozent der Bevölkerung sei bereits mit einem Vermögen unter 50.000 Euro abbildbar, auf einem Zentimeter kariertem Papier. Der Rest? Treibt in Heißluftballons in der Atmosphäre. 
         &#xD;
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  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
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  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Die goldenen 1980er Jahre 
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Früher war alles besser, diese Kurzformel ist für die Nachkriegsmoderne auf den Punkt gebracht, wenn es um die Perspektiven für jedermann ging, Wohlstand zu bilden. Sparerfreibeiträge, vermögenswirksame Leistungen, Bauförderungen waren seit Ludwig Erhard die Zauberworte für den Aufschwung. Aus den Mäusen auf dem Sparbuch waren in überschaubarer Zeit Mäusenester geworden mit Tages- und Festgeldern, Bausparverträge, Sparkonten brachten Zins und Zinseszins, fünf Prozent damals. 2018 warnten Banken Anleger davor, dass sich ihre Zinsen in Negativzinsen verwandeln können und sie draufzahlen müssen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Milanovic, der Ökonom mit dem Elefanten,  macht die Zeichen der gesellschaftlichen Umbrüche in den 1980er Jahren fest: Bei Einkommen und Vermögen vergrößert sich die Schere, Akademiker bekommen höhere Gehälter als Arbeiter und Angestellte ohne Studienabschlüsse und die Unterschiede zwischen den sozialen Schichten werden größer - und natürlich bildet hierfür die Globalisierung mit dem Neoliberalismus seit den ausgehenden 1980ern den Rahmen. Julia Friedrichs blendet an dieser Stelle des Rückblicks populäre westdeutsche Fernsehserien dieses Jahrzehnts ein, wie die "Schwarzwaldklinik", "Ich heirate eine Familie", "Diese Drombuschs" und die "Lindenstraße" und beschreibt skizzenhaft die wie aus einer fernen Zeit stammenden Inhalte - so kauft Dr. Dressler seiner Geliebten für 50.000 DM in der City Münchens eine Eigentumswohnung, Vater Beimer verdient als Sozialarbeiter mit drei Kindern 3.494 DM und zahlt 780 DM Miete - unterm Strich blieben dem armen Mann nach allen Abzügen der Fixkosten - inklusive der musischen Bildung seiner Brut - schlappe 2.000 DM zum Leben, wie Hansemann erregt vorrechnet. Auch in der bundesdeutschen Wirklichkeit reichte ein Einkommen, zwei Drittel aller Frauen mit zwei Kindern waren Hausfrauen. So eine Kindheit hatte auch Christian, ungefähr die Generation von Julia Friedrichs, "ein Kind der alten Bundesrepublik", mit dem Vater als Ernährer. Christian erinnert sich, dass er 100 DM aus seinem Taschengeld für den Sony-Walkman Anfang der 1980er Jahre bezahlte - an den musste ich mich auch erinnern, aber ich bezahlte 750 Ostmark für das gleiche Produkt in der DDR. Christian lebte mit seinen Eltern in materieller Sicherheit mit Haus und Garten, zwei Autos und einer Garage mit acht Fahrrädern: "Wir lebten im westdeutschen Wohlstand, der erarbeitet war." Hilfe für die Schule brauchte er keine, denn eine Schullaufbahn war nicht an hohe Erwartungen geknüpft. Dass mal ein anständiger Mensch aus ihm wird, war das Bildungsziel.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ex-Weltbank-Ökonom Paul Collier hatte ähnliche Erinnerungen an seine Kindheit, auch er brauchte keine Hilfe oder Kontrolle. Heute hingegen wird sein Sohn von ihm naturwissenschaftlich beschult, von der Mutter in Latein und extra ist ein Privatlehrer engagiert. Christian lernte Konditor und machte das Abitur auf dem 2. Bildungsweg - er war der erste in seiner Familie, der überhaupt Abitur machte. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Heute gilt: Wenn Abitur zum normativen Wert wird, verlieren alle anderen Abschlüsse.
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die Geschichte von Christian ist exemplarisch für die Abwertung von beruflichen Karrieren. Er bekam in seiner Firma eine Chefin vor die Nase gesetzt, die seine Beförderung rückgängig machte, wodurch seine antrainierten Reflexe: *Wenn man fleißig und arbeitsam ist, dann wird man belohnt* außer Kraft gesetzt wurden. Ein Break, ein Bruch der Erzählung des eigenen Lebens. Dafür schafften andere diese Sprünge. Christians Gesundheit wird schließlich in einem U-Bahnschacht fürs restliche Leben lädiert sein, weil er mit diesen schmerzhaften Brüchen direkt in einen Burnout raste.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Die Goldene Generation
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    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           Das Gespräch mit einer erfolgreichen Rundfunkjournalistin aus der Goldenen Generation, die ihre Berufskarriere in den 1970ern begann, ist sehr aufschlussreich und markiert berufsbiografisch sehr genau die gesellschaftlichen Umbrüche. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Seit dem Jahr 2018 erhebt der Berufsverband Freischreiber die Honorare freier Journalistinnen und Journalisten. Im Schnitt lag das Brutto-Stundenhonorar bei 22,73 Euro - vor Abzug von Steuern sowie Urlaubs- und Krankheitstagen. Ähnlich dem, was Alexandra und Richard verdienen. Ein Viertel der Lokaljournalisten erhält weniger als 10 Euro brutto in der Stunde, ein "Taschengeld", kommentiert der Berufsverband.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           Aus: working class. Warum wir Arbeit brauchen, von der wir leben können. von Julia Friedrichs 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die Freien also mit unter 10 Euro brutto quasi ehrenamtlich und hobbymäßig, nicht wie ein Beruf, der existenzsichernd ist. Hingegen sind die gerade in die Rente entlassenen fest angestellten Redakteure die "Generation 110 Prozent", wie die Fernsehjournalistin Julia Friedrichs schreibt, "weil sie, ähnlich wie ihre Generationsgenossen bei großen deutschen Unternehmen mit Betriebsrenten so "überversorgt" sind - wie es selbst die Gewerkschaft nennt -, dass sie im Alter ein höheres monatliches Netto haben als in ihrer aktiven Zeit. Bis Anfang der 1990er Jahre machten die Sender ihren Redakteuren dieses teure Versprechen für die Zukunft, das jetzt, oh Wunder, die Etats einschnürt. Man habe das Ganze 'auf der Zeitschiene wohl nicht so durchgerechnet', sagt mir einer der Verhandler am Telefon."
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Scheint eine Spezialität der Nachkriegsgeneration gewesen zu sein. Rentenkasse? Klima? Staatsverschuldung? Aufstiegschancen? "Wir haben das auf der Zeitschiene wohl nicht so durchgerechnet."
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
            Aus: working class. Warum wir Arbeit brauchen, von der wir leben können. von Julia Friedrichs  
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Plastisch wird diese Generationsschuld am Beispiel des langjährigen NDR-Redakteurs Christoph Lügert: Als Studienabbrecher bekam er am Anfang seiner Karriere alle Chancen eingeräumt: Eine Volontärsstelle und daran nahtlos eine Festanstellung auf Lebenszeit - der Standort konnte nach Ausbildungsende frei gewählt werden und jedes neue berufliche Angebot war immer besser dotiert als der bisherige Vertrag. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          "In meiner Generation", schreibt er, "können sich viele an ihren großzügigen Renten erfreuen", und das, ergänzt er, ohne sich, wie die Alten zuvor, darauf berufen zu können, Deutschland nach dem Krieg wiederaufgebaut zu haben. "Wir sind auf vielfältige Weise bloße Nutznießer dessen, was unsere Vorfahren geleistet haben."
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Zitiert nach Julia Friedrichs,  Aus: working class. Warum wir Arbeit brauchen, von der wir leben können. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die Karriere der Rundfunkjournalistin verlief ebenso geradlinig nach oben und sicher - sie begann 1980 als Julia Friedrichs geboren wurde. Viele Freiheiten beim öffentlich rechtlichen Rundfunk, freie Themenwahl, nach einem Jahr als Freie und Wechsel zu einer Lokalzeitung dann schließlich doch eine Festanstellung auf Lebenszeit, nach Umzug in eine andere Stadt klappte es sofort mit der nächsten Festanstellung. Die Etats waren ohne Limit.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          "Um einen sechsminütigen Beitrag über eine neue Ausstellung einer Künstlerin zu machen, fuhren wir mit einem kleinen Bus, in dem sechs Personen saßen: ein Fahrer, ein Kameramann, ein Tonmann, ein Lichtmann, eine Produktionsassistentin, die dafür gesorgt hat, dass alle Markennamen abgeklebt werden, und ich als Redakteurin. Das waren alles Leute, die fest angestellt waren, sicher in Lohn und Brot."
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           Zitiert nach Julia Friedrichs,  Aus: working class. Warum wir Arbeit brauchen, von der wir leben können.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Das Berufseinsteigergehalt für die Redakteurin Viola lag bei 3.300 DM brutto, es gab keinerlei Unsicherheit, dass sich das Leben nicht finanzieren ließe. Ab Mitte der 1990er Jahre fingen die Sender an, einzusparen. Und um die Jahrtausendwende platzte die Medienblase endgültig - das beschrieb schon Katja Kullmann in "Echtleben", ihrem 2011 erschienenen Buch über die Prekarisierung der Medienbranche. Als Boomer-Generation saß nun die ältere Redakteurin V. auf der anderen Seite des Schreibtisches und musste jüngeren Berufseinsteigern mit guten Qualifikationen und Talenten die Illusion auf Festanstellungen nehmen. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Wer heute in den Job geht, muss wissen, dass es schwierig wird, damit sein Leben zu bestreiten. Es gibt natürlich ein paar, die absolute Spitze sind, von denen jeder weiß: Egal, wo du sie hinschickst, sie kommen mit einem exzellenten Stück zurück. Die können gut davon leben. Aber auch sie haben immer das Gefühl: Wie geht es weiter? Werde ich wirtschaftlich auf Dauer existieren können?`Ich glaube, dass diese Lage bei vielen einhergeht mit einer Desillusionierung, auch mit einer Müdigkeit, weil die Belohnung für die Anstrengung, die feste Stelle, gar nicht kommen konnte.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Redakteurin Viola, Aus:  working class. Warum wir Arbeit brauchen, von der wir leben können.  von Julia Friedrichs
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Julia Friedrichs wirft eine spannende Frage auf, direkt an Viola aus der Goldenen Generation der Boomer gerichtet: Was sie empfunden habe beim Überbringen solch schlechter Nachrichten für Jüngere, dass diese trotz bester Ausbildung keine Hoffnung auf sichere Arbeit haben werden. Nichts, sagte Viola, denn es sei ja nicht ihre Schuld, mit einem Schulterzucken.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Woher rührt dieses krasse Ungleichgewicht zwischen den Generationen? Julia Friedrichs macht sich auf die weitere Spurensuche und spricht mit Verantwortlichen in Gewerkschaften über diese Verhandlungen der Altersbezüge. Keine Instanz bemerkte die klaffende Finanzierung für künftige Generationen. Dem stimmt einer der Gewerkschafter zu, aber rückgängig machen ließ sich dies im Nachhinein nicht mehr, bezüglich der Rechtmäßigkeit dieser Bezüge.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Friedrichs denkt an einen Solidaritätsfonds der heutigen Boomer für jüngere Generationen. Würde nicht funktionieren, sagt der eine von der Gewerkschaft, Redakteurin Viola wäre mit 100 Euro im Monat ihrer Rente dabei.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Mit Milliarden Steuerzuschüssen wird man die Unwucht im System noch einige Zeit übertünchen können. Aber die Stützmaßnahmen werden immer teurer, und sie lösen das Problem nicht: Die Generation derer, die heute alt sind, hat ein Rentengebäude gezimmert, das für die, die nachkommt, nicht mehr hält. Sie hätten entweder mehr Kinder zur Welt bringen müssen, sich pro Jahr weniger Geld auszahlen dürfen oder, die naheliegende Lösung: länger arbeiten müssen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
           Aus:  working class. Warum wir Arbeit brauchen, von der wir leben können.  von Julia Friedrichs 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Selbst der befragte Kevin Kühnert, zum damaligen Zeitpunkt noch Juso-Vorsitzender, antwortet Julia Friedrichs, dass er als Kind von Beamten dieses System der Altersvorsorge für falsch hält, das überwunden werden muss. Allerdings sind Friedrichs Gespräche mit den Jugendvorsitzenden der Parteien CDU, Grüne, SPD und FDP erschreckend in meinen Augen: Weder mit Visionen der Befragten verbunden, noch mit Vorstellungen, wie die gegenwärtige Misere der steigenden Ungleichheit bewältigt werden kann. Zumindest ist die Einsicht bei ihnen zu finden, dass ihre Elterngeneration eine miserable Hypothek hinterlassen hat. Und, das kommt erschwerend hinzu, heute sind die über 50 Jährigen die größte Wählergruppe mit 60 Prozent und sie bleiben es auch. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Bildung, Klima, Kinder, Rentensystem und Staatskasse sind als Nachlass der Goldenen Generation der Babyboomer defizitär und ein Schuldensystem, für das nachfolgende Generationen schon lange zahlen. "Die schamlose Generation" nennt Sven Kuntze die Babyboomer, seine Generation.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Und wie sieht die Rentenprognose aus für Christian, Alexandra, Richard und Sait? Christians Rentenbescheid weist 1.500 Euro Brutto aus, Netto ca. 1.200 Euro, bei Richard wies die Rentenversicherung 1.300 Euro Brutto aus, so dass Alexandra davon ausgeht, dass beide weit über das Rentenalter hinaus unterrichten werden. Sait bekäme 739 Euro Brutto, seine Frau höchstens 800 - die vor Jahren als "Riesterrente" abgeschlossene Zusatzrente erwies sich als Bluff. Er wird wohl mit seiner Frau in die Türkei zurückgehen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Zurück in die Zukunft
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Und dann kommt auch noch Corona. Friedrichs trifft Marcel Fratzscher, den Präsidenten des Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und fragt ihn, ob nun die schwebenden Heißluftballons von ihrem Reichtum an die Gesellschaft abgeben werden. In den USA gibt es "The giving pledge" von Superreichen, die zu ihren Lebzeiten einen Großteil von Vermögen an die Gesellschaft spenden. Einzelne deutsche Fußballer starteten solche Initiativen, wie Marco Reus, Joshua Kimmich und Leon Goretzka. Doch bei den deutschen Superreichen ist Fratzscher kein Aktionismus bekannt. Angesichts eines Staates, der nun Milliarden-Hilfspakete auflegen musste, eine weitere Bankrotterklärung für jene, die seit den 1990ern fett verdienten, im Gegensatz zum Gros der Arbeitenden.
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  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Julia Friedrichs trifft schließlich auch Wolfgang Schmidt, den Staatsekretär von Finanzminister Olaf Scholz, aus dem "Cockpit der Regierung". 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ich wehre mich dagegen, dass man sagt, die SPD ist schuld, sagt Schmidt. Manche Dinge sind nicht zu ändern. Die verschärfte Globalisierung hat den Lohndruck in den Industriegesellschaften extrem verstärkt. Du hast die gleiche Geschichte über die Clinton-Jahre in den USA, du hast sie in Frankreich, in Schweden, in Großbritannien. Es war ein historischer Zufall, dass die sozialdemokratischen Parteien zu dem Zeitpunkt an den Regierungen waren, als die neue Phase der Globalisierung begann.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Wolfgang Schmidt, Aus: working class. Warum wir Arbeit brauchen, von der wir leben können.  von Julia Friedrichs  
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          An dieser Stelle gibt es den Einspruch der Ökonomin Philippa Sigl-Glöckner, die an die Steuerungsfunktionen des Staates erinnert: "Der Staat kann gute Standards auf dem Arbeitsmarkt setzen, gerade bei den sozialen Dienstleistungen. (...) Wir könnten, fährt sie fort, ein wesentlich stabileres System haben, weil diese höheren Nettolöhne dann auch den Konsum im Land antreiben würden und wir mehr für die heimische Wirtschaft produzieren und weniger exportieren würden."
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Wolfgang Schmidt erinnert nochmal an die beiden unterschiedlichen Herangehensweisen durch Adenauer nach dem 2. Weltkrieg und durch die Kohlregierung nach der (Wieder)Vereinigung: Unter Adenauer wurde nach dem Krieg das Lastenausgleichsgesetz für 30 Jahre verabschiedet und Vermögende mussten 1,5 Prozent ihres Vermögens an die Gesellschaft geben. Die Kosten der (Wieder)Vereinigung wurden aus Steuermitteln und über die Sozialkassen beglichen, also über Arbeit und Konsum. Der Lastenausgleich nach dem 2. Weltkrieg sorgte für die Nivellierung und die Gleichheit zwischen den verschiedenen Schichten. An dieser Stelle schiebt Julia Friedrich - nach ein paar Seiten natürlich - ein Zitat von Reckwitz aus dem "Ende der Illusionen" nach, der diese Nachkriegsgesellschaft denn auch als das patriarchal geprägte Modell mit dem männlichen Ernährer der Kleinfamilie und der Frau als Hausfrau der nivellierten Gesellschaft markierte und davon spricht, dass dies nicht nur eine romantisierende Erinnerung sei, sondern immer noch Bezugspunkt für links wie rechts ist und als normative Folie und als Bezugsrahmen dient. Die 41 Jährige Julia Friedrichs plädiert nachdrücklich dafür, angesichts der gegenwärtigen heterogenen und diversen Gesellschaft sich von diesem nostalgischen Bild zu trennen und stattdessen den Blick für etwas Neues nach vorn zu richten.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Und nun?
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Klar, theoretisch mag der Bruder unseres Wirtschaftssystems, der Sozialismus, faszinierender sein. Aber tatsächlich mit ihm leben? Schwierig. Ich möchte keinem Staat unterworfen sein, der mir vorschreibt, was ich zu tun habe, wovon ich träumen soll, wie viel ich besitzen oder konsumieren darf. Die Idee, dass jede die Freiheit hat, zur Autorin des eigenen Lebens zu werden, ist unübertroffen. Ich mag den Wettstreit und die Belohnungen am Ende. Das Problem ist nicht das Spiel, sondern dass es nach offensichtlich unfairen Regeln gespielt wird. Vielleicht können die, die in den letzten Jahren immer mit zwei Würfeln würfeln durften, einfach mal ein paar Runden aussetzen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Julia Friedrichs, working class. Warum wir Arbeit brauchen, von der wir leben können. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Im Abgang schwächelt das Buch, man sieht es an diesem Zitat. Dass die fragende Julia Friedrichs keine Patentrezepte entwickeln muss, ist mir klar und dass alle Befragten und bemühten Autorinnen und Autoren dies ebensowenig taten und tun, ebenso, doch am Schluss des Buches besteht Julia Friedrichs Fazit letztlich darin, den Kapitalismus zähmen zu wollen und ihn zurück in die Realwirtschaft zu führen. Ich will dies nun nicht als falsch bewerten, sondern erinnere mich an das im Jahr 2016 von Sahra Wagenknecht veröffentlichte Buch "Reichtum ohne Gier. Wie wir uns vor dem Kapitalismus retten", das besonders unter Mitgliedern der Linken furchtbar verrissen und sie als Keynesianerin beschimpft wurde, wenngleich ihr Buch für volle Hörsäle und Veranstaltungen sorgte und gute Kritiken erhielt. Die promovierte Wirtschaftsexpertin schlug genau diesen Weg ein: Einen Pfad zu suchen zum Wettbewerb der inhabergeführten Unternehmen, der Startup's, von Genossenschaften und hin zum Talentwettbewerb und zur Förderung von Innovation für das Gemeinwohl und so eine neue Wirtschaftsordnung zu gestalten.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          "The future is unwritten" sagt hingegen Staatssekretär Wolfgang Schmidt aus dem SPD geführten Finanzministerium im letzten Gespräch und es bleibt am Ende auch so ein bißchen das Narrativ einer sozialdemokratischen Erzählung hängen, die nun gerade im Superwahljahr 2021 am Beginn des Wahlkampfes ihren Abschluss findet. Unbeschadet davon gelingt Julia Friedrichs durch die lange Begleitung ihrer porträtierten Gesprächspartnerinnen und -partner ein wichtiges Stück Zeitgeschichte, in welchem sie hochaktuell auch die lange Phase der Corona-Pandemie in Deutschland authentisch beschreibt: Gut getrennt sind hierbei die Perspektiven der Protagonisten und Protagonistinnen und ihr eigener Point of view, das ist sehr angenehm zu lesen und vermag dadurch auch, Haltungen zu beschreiben. Julia Friedrich verleugnet ganz und gar nicht, als Fernsehjournalistin auch politisch zu denken, sich von Haltungen zu distanzieren oder andere zu bekräftigen. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ich möchte dieses Buch ausdrücklich empfehlen, denn es bietet für Menschen verschiedener Generationen den Effekt des Wiedererkennens: Auch der eigenen Familiengeschichte, der 1980er Jahre West wie für Julia Friedrichs oder jene der 1970er Jahre wie für mich - wenngleich ich es sehr schade finde, dass Julia Friedrich niemanden mit Ost-Biografie porträtierte. Dieses Buch ist ein wichtiger Ansatzpunkt für Diskussionen und Diskurse darüber, wie wir unsere Zukunft gestalten werden: Inbegriffen ist hierbei die kritische Reflexion derer in den Parlamenten, die für unsere Zukunft die Rahmenbedingungen setzen. Julia Friedrichs zeigte sehr anschaulich, dass anscheinend Kontrollinstanzen und Kontrollfunktionen versagt haben bezüglich der Gestaltung dieser Zukunftsmöglichkeiten.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 10 Feb 2021 07:25:27 GMT</pubDate>
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    <item>
      <title>Zelfstrijkend: Buurtzorg und Zorghotels</title>
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      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Das Pflegesystem in Holland
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         Holland ist führend in Europa, wenn es um die Wertschätzung von Pflegenden und die Fürsorge für die Pflegebedürftigen geht. Deshalb möchte ich heute das Pflegesystem in Holland fokussieren.
         &#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Im Jahr 2006 fand in Holland eine Reform des Pflege- und Gesundheitssystems statt. Öffentliche Versicherungen wurden privatisiert und es begann der Umbau des Pflegesystems von einem zentralistisch gesteuerten hin zu einem dezentralen System mit dem Ziel, die Gesundheitskosten zu senken und gleichzeitig durch den Wettbewerb den Patienten und auch den Versicherungen mehr Freiräume der Auswahl zu geben. Es wurden dabei drei Märkte geschaffen: Ein Versicherungsmarkt, der Erwerbsmarkt und der Versorgungsmarkt.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Für die Versicherten sind alle Beiträge gleich, jeder Antragsteller muss aufgenommen werden und erhält das zugrundeliegende Basismodell und jede/r Versicherte hat die Möglichkeit, einmal pro Jahr die Versicherung zu wechseln. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Der Erwerbsmarkt wiederum dient den Versicherungen mit verschiedenen Gesundheitsdienstleistern Verträge über Gesundheitsdienstleistungen abzuschließen, was innerhalb der Rahmenbedingungen der holländischen Gesundheitsbehörde "Nederlandse Zorgautoriteit" (NZa) erfolgt. Der Versorgungsmarkt schließlich sichert dem Patienten die Wahlfreiheit, selbst über Gesundheitsdienstleistungen und den jeweiligen Gesundheitsdienstleister entscheiden zu können und dies mithilfe einer Überweisung des Hausarztes.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die Zielsetzung der Kostensenkungen wurden durch diese Reform nicht erreicht, die Gesamtkosten blieben gleich, obwohl die Preise für Gesundheitsleistungen gefallen waren, aber insgesamt stieg das Volumen der Gesundheitsleistungen. So kam es zur Pflegereform im Jahr 2015.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Umfassende Reformierung der Langzeitpflege
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Holland hat einen sehr hohen Anteil an Pflegebedürftigen, die in Heimen untergebracht werden. Ziel der weitreichenden Reformierung der Langzeitpflege war es, die Selbstbestimmtheit betroffener Pflegebedürftiger so lang als möglich zu erhalten und Qualität und Pflege langfristig zu verbessern. Bis zu diesem Zeitpunkt galt das "Allgemeine Gesetz für besondere Krankheitskosten" (AWBZ), das 1968 in Kraft getreten war als eine Pflegeversicherung für Menschen, die auf Heimbetreuung angewiesen waren. Dieses Gesetz war nur teilweise mit der deutschen Pflegeversicherung vergleichbar, denn es bildete ein viel umfangreicheres Risikospektrum ab. So wurden nicht nur die Kosten übernommen, wenn Menschen durch Alter, Krankheit oder Unfall zum Pflegefall wurde, sondern auch für Aufenthalte in psychiatrischen Einrichtungen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Das bisherige Pflegesystem in Holland wurde nun ab 2015 in vier Gesetzen verankert: Drei bestanden bereits zu diesem Zeitpunkt und ein neues Gesetz kam hinzu, das Gesetz über die Langzeitpflege (WLZ). 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Wet langdurige zorg - Gesetz über die Langzeitpflege
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          In diesem Gesetz wird die Betreuung von Pflegebedürftigen geregelt, die 24/7 auf Pflege und Betreuung angewiesen sind. Umfassendste Form ist hierbei die Unterbringung in Einrichtungen der Langzeitpflege. Festgestellt wird die Bedürftigkeit durch das Centrum Indicatiestelling Zorg (CIZ). Pflegebedürftige können alternativ ein "Volledig Pakket Thuis" (VPT), ein Komplettpaket in häuslicher Umgebung bestellen oder aber mittels eines persönlich zugeteilten Pflegebudgets von der Sociale Verzekerings Bank (SVB), der Sozialversicherungsbank die festgelegten Pflegeleistungen von selbst gewählten Dienstleistern buchen. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Zorgversekeringswet – Gesetz über die Krankenversicherung (ZVW)
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Häusliche Pflege, die keiner 24/7-Betreuung bedarf, fällt nun in die Krankenversicherung und ist im ZVW geregelt. Dort werden die Hausarztabrechnungen, die Versorgung in Krankenhäusern, Therapien und die Medikamentenversorgung geregelt.  Durch diese Neuordnung verspricht sich der Gesetzgeber eine bessere Koordinierung der medizinischen Versorgung und bessere Korrespondenz und Kooperation der Dienstleister und Versorger. Zentral sind hierbei die Pflegefachpersonen, in der Regel Bezirkskrankenpfleger, welche die pflegerischen Bedarfe ermitteln, die notwendig sind, damit der Pflegebedürftige in der eigenen Häuslichkeit leben kann. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Wet maatschappelijke ondersteuning – Gesetz über die soziale Unterstützung 
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
           
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Den Gemeinden obliegt die soziale Unterstützung für die Förderung der Teilhabe jedes Einzelnen. Dieses Gesetz heißt dementsprechend Wet maatschappelijke ondersteuning (WMO). Die Gemeinden sind für die Versorgung von Menschen mit Behinderungen und für die Versorgung von alten Menschen zuständig. Die Pflegebedürftigkeit bzw. der Grad der sozialen Unterstützung wird durch die Gemeinde eingeschätzt, wobei die Möglichkeiten der Selbsthilfe, von sozialen Netzwerken und Helfern vor Ort den Vorrang haben, um die Teilhabe des Hilfebedürftigen vollumfänglich zu gewährleisten. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Nun ist es viel besser möglich, die Hilfen individuell auf die Bedarfe der Hilfesuchenden abzustimmen. Vormals war dies die Angelegenheit der Pflegeversicherung (AWBZ), die nur ein bestimmtes Potfolio an unterstützenden Leistungen bot. Jetzt werden auch Freizeitangebote, wichtige Transporttransfers, das Catering für die Essensversorgung oder die Unterstützung mit Haushaltshilfen über die Gemeinden abgewickelt.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Umfassende Reformierung der Langzeitpflege
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Holland hat einen sehr hohen Anteil an Pflegebedürftigen, die in Heimen untergebracht werden. Ziel der weitreichenden Reformierung der Langzeitpflege war es, die Selbstbestimmtheit betroffener Pflegebedürftiger so lang als möglich zu erhalten und Qualität und Pflege langfristig zu verbessern. Bis zu diesem Zeitpunkt galt das "Allgemeine Gesetz für besondere Krankheitskosten" (AWBZ), das 1968 in Kraft getreten war als eine Pflegeversicherung für Menschen, die auf Heimbetreuung angewiesen waren. Dieses Gesetz war nur teilweise mit der deutschen Pflegeversicherung vergleichbar, denn es bildete ein viel umfangreicheres Risikospektrum ab. So wurden nicht nur die Kosten übernommen, wenn Menschen durch Alter, Krankheit oder Unfall zum Pflegefall wurde, sondern auch für Aufenthalte in psychiatrischen Einrichtungen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Das bisherige Pflegesystem in Holland wurde nun ab 2015 in vier Gesetzen verankert: Drei bestanden bereits zu diesem Zeitpunkt und ein neues Gesetz kam hinzu, das Gesetz über die Langzeitpflege (WLZ). 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Wet langdurige zorg - Gesetz über die Langzeitpflege
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          In diesem Gesetz wird die Betreuung von Pflegebedürftigen geregelt, die 24/7 auf Pflege und Betreuung angewiesen sind. Umfassendste Form ist hierbei die Unterbringung in Einrichtungen der Langzeitpflege. Festgestellt wird die Bedürftigkeit durch das Centrum Indicatiestelling Zorg (CIZ). Pflegebedürftige können alternativ ein "Volledig Pakket Thuis" (VPT), ein Komplettpaket in häuslicher Umgebung bestellen oder aber mittels eines persönlich zugeteilten Pflegebudgets von der Sociale Verzekerings Bank (SVB), der Sozialversicherungsbank die festgelegten Pflegeleistungen von selbst gewählten Dienstleistern buchen. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Zorgversekeringswet – Gesetz über die Krankenversicherung (ZVW)
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Häusliche Pflege, die keiner 24/7-Betreuung bedarf, fällt nun in die Krankenversicherung und ist im ZVW geregelt. Dort werden die Hausarztabrechnungen, die Versorgung in Krankenhäusern, Therapien und die Medikamentenversorgung geregelt.  Durch diese Neuordnung verspricht sich der Gesetzgeber eine bessere Koordinierung der medizinischen Versorgung und bessere Korrespondenz und Kooperation der Dienstleister und Versorger. Zentral sind hierbei die Pflegefachpersonen, in der Regel Bezirkskrankenpfleger, welche die pflegerischen Bedarfe ermitteln, die notwendig sind, damit der Pflegebedürftige in der eigenen Häuslichkeit leben kann. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Wet maatschappelijke ondersteuning – Gesetz über die soziale Unterstützung 
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
    
           
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Den Gemeinden obliegt die soziale Unterstützung für die Förderung der Teilhabe jedes Einzelnen. Dieses Gesetz heißt dementsprechend Wet maatschappelijke ondersteuning (WMO). Die Gemeinden sind für die Versorgung von Menschen mit Behinderungen und für die Versorgung von alten Menschen zuständig. Die Pflegebedürftigkeit bzw. der Grad der sozialen Unterstützung wird durch die Gemeinde eingeschätzt, wobei die Möglichkeiten der Selbsthilfe, von sozialen Netzwerken und Helfern vor Ort den Vorrang haben, um die Teilhabe des Hilfebedürftigen vollumfänglich zu gewährleisten. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Nun ist es viel besser möglich, die Hilfen individuell auf die Bedarfe der Hilfesuchenden abzustimmen. Vormals war dies die Angelegenheit der Pflegeversicherung (AWBZ), die nur ein bestimmtes Potfolio an unterstützenden Leistungen bot. Jetzt werden auch Freizeitangebote, wichtige Transporttransfers, das Catering für die Essensversorgung oder die Unterstützung mit Haushaltshilfen über die Gemeinden abgewickelt.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Wie sieht nun die Finanzierung nach der Pflegereform aus?
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die Leistungen nach diesen vier verschiedenen Gesetzen werden dementsprechend verschieden abgerechnet und finanziert. Für die Langzeitpflege gibt es einen speziellen Langzeitpflegefonds, in den Bürger ab 18 Jahren eine einkommensabhängige Prämie einzahlen (sie wird über die Einkommenssteuer verrechnet), deren Wert aktuell bei 9,65 Prozent des Einkommens liegt. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Bei zusätzlichen Gesundheitsdienstleistungen wird ein zusätzlicher einkommensabhängiger Beitrag gezahlt. Bei diesem Betrag spielt das Alter desjenigen eine Rolle, desweiteren ob er verheiratet oder ledig ist, ob er Kinder versorgen muss und ob er häuslich betreut wird oder in einem Pflegeheim lebt. Die Zentralregierung unterstützt mit öffentlichen Mitteln diesen Fonds, falls die Beiträge nicht zur Kostendeckung ausreichen. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Zorgversekeringswet (Gesundheitsrecht)
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Alle Versicherten über 18 Jahre zahlen eine Versicherungsprämie an ihre Versicherung, obligatorisch ist dabei eine Selbstbeteiligung. Der Arbeitgeber zahlt einen einkommensabhängigen Betrag in einen Krankenversicherungsfonds ein. Für Kinder und Jugendliche entrichtet der Staat Beiträge, die in einen Krankenversicherungsfonds eingezahlt werden. Aus den Krankenversicherungsfonds erhalten Versicherungen (neben den Versichertenbeiträgen) eine von Alter und Gesundheitszustand abhängige Zuteilung von Mitteln aus den Krankenversichertenfonds. Damit soll ein fairer Wettbewerb stattfinden und vermieden werden, dass Versicherte wegen zu hoher Risiken abgelehnt werden. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Wet maatschappelijke ondersteuning - (Gesetz über soziale Unterstützung)
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Für die Leistungen der sozialen Unterstützung gibt es einen Fonds für Gemeinden, aus welchem die Aufwendungen bestritten werden. Dienstleister bekommen ihre Leistungen direkt ausgezahlt. Je nach Vermögen oder Einkommen kann es auch zu einer Eigenbeteiligung bis zur völligen Kostenübernahme kommen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Gewinnerzielungsabsicht? Nur in Ausnahmefällen.
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Eine Gewinnerzielungsabsicht ist nur im Bereich der ambulanten Versorgung möglich. Der Minister für Gesundheit, Wohlfahrt und Sport ist für die Zulassungen der Gesundheitsdienstleister zuständig. Geregelt wird dies im Gesetz über die Zulassung von Pflegedienstleistern (WTZi). Dort ist eine Gewinnerzielungsabsicht nicht auf alle Dienstleistungen hin zulässig. Dies wird im Art. 3.1 des WTZi bestimmt. Eine Gewinnerzielungsabsicht ist nicht zulässig, wenn es sich um ein Angebot einer stationären Behandlung handelt.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Fazit
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Auch das holländische Pflegesystem basiert wie jenes in Deutschland auf dem konservativen Wohlfahrtsmodell nach Subsidaritätsprinzip. Der Staat greift erst dann bei der Pflege ein, wenn die Familien nicht mehr die Erfordernisse der Fürsorge für den Pflegebedürftigen bewerkstelligen können. Allerdings ist dieses Pflegesystem wie jenes in Schweden universell angelegt, indem keine finanziellen Aspekte zum Hauptkriterium erhoben werden. In Holland ist die Krankenversorgung nicht so kommerzialisiert worden wie in Deutschland, wodurch im Fokus die Anliegen der Pflegebedürftigen stehen und neue Denkansätze und innovative Pflegemodelle, wie beispielsweise Buurtzorg und Zorghotels, entwickelt wurden.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Buurtzorg ist ein Ambulanter Pflegedienst und wurde 2007 vom holländischen Krankenpfleger Josephus Bernardus Imelda (Jos) de Blok (Vogelwaarde, 10. August 1960) gemeinsam mit vier Kollegen gegründet.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Buurtzorg ( „Nachbarschaftshilfe“) ist in der häuslichen Pflege tätig. Als „purpose (Sinn, Zweck) driven company“ hat die Firma eine gemeinnützige Rechtsform.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Das Motto der gesamten Organisation : „Menschlichkeit vor Bürokratie“.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die Mission für die Teams: „Gebt den Pflegekräften ihre Berufung zurück und schafft Rahmenbedingungen, dass sie die Menschen so betreuen können, wie sie es lieben.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Wenn Schwestern und Pfleger ihre Arbeit wieder schätzen, sind auch Patienten und Angehörige glücklich.“
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Selbstverständnis: „We don’t deliver care, we solve problems“. Es existieren keine zu verkaufende „Pflegeleistungen“. Es wird ausschließlich nach verbrachter Zeit für die Problemlösung abgerechnet.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Kleine, sich selbst organisierende Teams von 4 bis 12 Pflegekräften.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Keine Hierarchien, keine Chefs, keins PDLs – weder in der Zentrale noch in den Teams. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Das Buurtzorg Zwiebel-Modell von innen nach außen. Der Klient/Patient steht immer im Mittelpunkt.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die Situation des Klienten wird von den Pflegern holistisch (ganzheitlich) wahrgenommen und der Pflegebedarf eingeschätzt. Ziel ist es immer, die Eigenständigkeit und Unabhängigkeit des Klienten zu verbessern. Also das umgekehrte Ziel des „Pflegegrad-Managements“, das bei uns das Sachleistungsbudget für mehr Versorgungsleistungen verbessern soll. Idealerweise wird der Klient/Patient schnellstmöglich durch „Genesung und /oder wiedererlangter Eigenständigkeit“ aus der Obhut von Buurtzorg wieder entlassen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Als Einschätzung- und Bewertungssystem wird das OMAHA-System genutzt. Pflegeplanung und Dokumentation wird ausschließlich papierlos über Tablets vorgenommen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Alle Teammitglieder sind für alle Aufgaben verantwortlich (Medizinische Versorgung, Einsatzpläne, Neueinstellungen, Neukunden, Abrechnungen, Budgets, etc.).
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Eigenes Social Intranet Buurtzorgweb als Grundlage des Lernens, der Kommunikation und des Wissensaustauschs.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Rahmenvorgabe für die Arbeit und Organisation der selbstorganisierten Buurtzorg Teams.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Teams werden von derzeit 21 Coaches beim Aufbau und bei Konflikten unterstützt, wenn sie von den Teams hierzu aufgerufen werden.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Quelle: https://pflege-dschungel.de/buurtzorg/
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Mon, 08 Feb 2021 07:25:30 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Pflege stärken</title>
      <link>https://www.careworking.de/pflege-staerken</link>
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      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Oder die Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         ndreas Westerfellhaus, der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, wurde vor zwei Tagen von Zeitungen zitiert, Führungskräfte in der Pflege gezielt schulen zu wollen, um so die Arbeitsbedingungen in der Branche zu verbessern.
         &#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Diese Initiative ist auf drei Jahre ausgelegt, in welchen 750 stationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen begleitet werden sollen. Insgesamt gibt es in der Bundesrepublik 28.000 Pflegeeinrichtungen und ambulante Dienste, in denen 1,2 Millionen Menschen arbeiten.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Weil viele der ausgebildeten Pfleger nicht lange im Beruf bleiben und vor allem die schlechten Arbeitsbedingungen kritisieren, müsse man an diesem Punkt ansetzen, argumentiert Westerfellhaus. Nun sollen externe Unternehmensberater diese Veränderungen evaluieren.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Westerfellhaus verweist auf ein Pilotprojekt mit 25 Einrichtungen, wo man signifikant Arbeitsbedingungen verbessern konnte. Für dieses Ansinnen stehen ein paar Millionen bereit. Start ist ab Sommer 2021.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Unterschiede der Arbeitsbedingungen in Deutschland, Schweden und Japan
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die Arbeitsbedingungen von Pflegenden standen im internationalen Vergleich vor zwei Jahren auf der Forschungsagenda, als die Hans Böckler Stiftung eine vergleichende Studie der Arbeitsbedingungen in Deutschland, Schweden und Japan veröffentlichte. Der demografische Wandel stellt besonders die Industrieländer vor die Herausforderung, nun dezidiert die Arbeitsbedingungen von Pflegekräften spürbar zu verbessern, die unter Zeitdruck, Erschöpfung und prekären Arbeitsverhältnissen leiden.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Normalarbeit allein ist kein Garant für hohe Arbeitszufriedenheit. Zusätzlich braucht es unter anderem eine adäquate Ausbildung, ausreichend Personal und Gestaltungsspielräume für die Beschäftigten.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die Studie der Sozialwissenschaftlerin Prof. Dr. Hildegard Theobald von der Universität Vechta untersuchte Daten von insgesamt 2.500 Beschäftigten in den Jahren 2005 bis 2012.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Prekäre Beschäftigungsformen liegen in Japan und Schweden bei 60 Prozent, in Deutschland sind es über 70 Prozent. Das Qualifikationsniveau in allen drei Ländern ist ungefähr gleich: Es gibt die zwei- bis dreijährige Berufsausbildung und zusätzlich PflegehelferInnen und ungelernte Kräfte.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          In Deutschland ist das Fachkräfteniveau in den ambulanten Diensten mit 53 Prozent am höchsten, wogegen Deutschland im stationären Bereich mit 33 Prozent Fachkräfteanteil in Kranken- und Altenpflege Schlusslicht ist.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Von diesen 33 Prozent deutscher Fachkräfte halten ein Viertel ihre Ausbildung für inadäquat. In Schweden sind im stationären Bereich Zweidrittel der Beschäftigten Fachkräfte, von denen sich nur 11 Prozent als inadäquat ausgebildet sehen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          In Japan sind es 44 Prozent der Fachkräfte im stationären Bereich, die sich unzureichend ausgebildet sehen, hingegen im ambulanten Bereich 26 Prozent. Hier muss man erwähnen, dass Deutschland maßgeblich die Entwicklung des Pflegesektors in Japan beeinflusst hat, da Japans Gesellschaft in etwa so schnell altert wie jene in Deutschland, deshalb nahm Japan die Pflegeversicherung in Deutschland als Vorbild.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Zeitdruck und schwere körperliche Belastungen sind signifikant hoch in der Pflege
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Besonders Zeitdruck und die körperlichen Belastungen sind im internationalen Vergleich in allen drei Ländern die Probleme der Pflegekräfte, die zuallererst angesprochen werden.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Zeitdruck: 73 Prozent der Beschäftigten aus der stationären Pflege aus Deutschland
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          53 Prozent der Japaner und 40 Prozent der Schweden leiden unter Zeitdruck.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          In ambulanten Diensten: 54 Prozent in Deutschland, 35 Prozent in Japan und 37 Prozent in Schweden.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Körperliche Belastungen: Im stationären Bereich in Deutschland und Schweden klagen 60 bis 70 Prozent über zu hohe Belastungen. In Japan sind es sogar 81 Prozent, die über die körperlichen Belastungen klagen. In Japan werden durch ambulante Dienste vor allem hauswirtschaftliche Tätigkeiten ausgeführt, deshalb liegt dort der Prozentsatz bei 18 Prozent, in Deutschland und Schweden bei 40 bis 50 Prozent. Stark ausgeprägt ist in allen drei Ländern, den Job zu wechseln: 30 Prozent der ambulanten Dienste in Deutschland bekunden dies und 56 Prozent in der stationären Pflege in Japan.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Sehr kritisch fiel in der Studie von Hildegard Theobald der Umgang mit Migrantinnen und Migranten in der Pflege vor allem in Deutschland auf - in Japan ist der Migrationsanteil mit 0,5 Prozent marginal. In Deutschland und Schweden arbeiten jeweils 14 Prozent im stationären Bereich und 11 Prozent in den ambulanten Diensten.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          "Unbezahlte Überstunden machen 41 Prozent der Migranten und Migrantinnen sowie 18 Prozent der anderen Beschäftigten. Noch schlechter sieht es bei den Ungelernten aus. Gestaltungsspielräume haben 23 Prozent der Pflegekräfte mit Migrationshintergrund und 35 Prozent der einheimischen Kollegen. Häufig körperlich erschöpft sind 88 im Vergleich zu 64 Prozent. Zudem erfahren Migranten und Migrantinnen weniger Wertschätzung von den Familien und Vorgesetzten. Von ausländerfeindlichen Kommentaren sind 15 Prozent betroffen."
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Wie entscheidend das kulturelle Ansehen der Pfleger für ein ganzes System ist, zeigt die Befragung in Japan. Dort gibt es zurzeit einen Imagewandel: Ein Job im Pflegeheim gilt dort immer öfters als körperlich anstrengender Männerberuf. Und als gut bezahlter Vollzeitjob.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          "Allerdings werde an diesem Beispiel auch deutlich, dass Normalarbeit allein kein Garant für hohe Arbeitszufriedenheit ist. Zusätzlich brauche es unter anderem eine adäquate Ausbildung, ausreichend Personal und Gestaltungsspielräume für die Beschäftigten."
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die Sozialwissenschaftlerin gibt als Handlungsempfehlungen: Von Schweden lernen und grundsätzlich Pflegekräfte gut auszubilden und hierbei auch berufsbegleitende Angebote anzubieten. Um prekäre Arbeit und Teilzeitjobs zu verringern, müssen familienfreundlichere flexiblere Vollzeit- oder umfangreichere Teilzeitarrangements eingerichtet werden. Desweiteren sei eine bessere Kinderbetreuung notwendig.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Weder klingen die Befunde neu oder überraschend, noch sind es die Lösungsvorschläge (siehe Blogbeitrag "Lady with the Lamp"). Hoffentlich werden nun die von Andreas Westerfellhaus beauftragten Unternehmensberatungen durch die Schulungen von Führungskräften ein paar neue, vielleicht auch spannende und noch nie dagewesene Aspekte der Motivation von Arbeitskräften herauskitzeln und so dieses harte Arbeiten am Limit - auch im internationalen Vergleich - zumindest in den Bilanzen der Unternehmensberatungen erträglicher machen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Hildegard Theobald: Pflegearbeit in Deutschland, Japan und Schweden (Link), Study der Hans-Böckler-Stiftung Nr. 383, (unter Mitarbeit von Holger Andreas Leidig) August 2018.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 29 Dec 2020 11:35:42 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Handicap Pay Gap in Pflegeberufen</title>
      <link>https://www.careworking.de/handicap-pay-gap-in-pflegeberufen</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Der Spiegel veröffentlichte in der vergangenen Woche einen Beitrag zu den Mittleren Brutto-Verdiensten in Pflegeberufen, wo auch die Übersicht des Screenshots sehr erhellend die Unterschiede in den Gehältern darstellte - allerdings mit Zahlen aus dem Jahr 2017.
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         Zum einen ist die klaffende Lücke im ebenfalls sehr verantwortungsvollen Altenpflegeberuf mit der dreijährigen examinierten Fachausbildung augenfällig und zum anderen werden diese Pay Gaps in politischen Diskursen zumeist verschwiegen oder marginalisiert. Ursachen für diese gravierende Lohnschere ist unter anderem in den unterschiedlichen Finanzierungssystemen von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen zu suchen. Krankenhäuser profitieren von öffentlich-freigemeinnützigen Trägerschaften und damit verbundener Tarifbindung. Schaut man sich seinen monatlichen Krankenversichertenbeitrag an, so übernimmt die Krankenversicherung alle Behandlungskosten ihrer Versicherten.
         &#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Hingegen ist die seit 1995 eingeführte Pflegepflichtversicherung für die Langzeitpflege - derzeit bei ca. 3,0 Prozent liegend - lediglich eine "Teilkasko"-Versicherung, wodurch die Hauptlast der Kosten an die Versicherten weitergereicht wird. Lediglich Festzuschüsse werden durch die Pflegekassen entrichtet und das auch nur bei zu begutachtender schwerer Pflegebedürftigkeit. In vielen Fällen reichen die Renten der Pflegebedürftigen für die Kosten in Pflegeeinrichtungen nicht aus und Kommunen müssen als Sozialhilfeträger einspringen - auch Kommunen sind bemüht, diese Pflegesätze dementsprechend zu bremsen. Natürlich muss man sich auch die Trägerlandschaft in der Langzeitpflege anschauen: Über die Hälfte der Pflegeeinrichtungen sind in privater Hand, unterliegen damit keiner Tarifbindung und sehen sich in der Pflicht von Aktiennehmern und Renditeerwartungen. Betriebsgröße und Mitarbeitervertretungen sind zudem in den ambulanten Pflegediensten gering.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Jeanette Cartensen hat gemeinsam mit Holger Seibert und Doris Wiethölter im Auftrag des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg eine aktuelle Studie über den mittleren Verdienst in Krankenhäusern, Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten erstellt, welche 2020 veröffentlicht wurde. Die Differenzen sind gravierend.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die Autoren konstatieren: "Man erkennt in den aktuellen Entgelt-Daten sowohl bei den Fach- wie auch den Hilfskräften das seit langem und weiterhin bestehende Gefälle zwischen der Krankenhaus- und der Altenpflege. Die Pflegefachkräfte in den Krankenhäusern verdienen im Mittel 17 Prozent mehr als die in der Altenpflege, bei den Helfern sind es sogar fast 25 Prozent Differenz zuungunsten derjenigen, die in der Altenpflege arbeiten."
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Ost-West-Gefälle weiterhin erheblich
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Leider immer noch gut erkennbar ist zudem das erhebliche Lohngefälle zwischen West- und Ostdeutschland auch in den Pflegeberufen. Das Gefälle beträgt ca. 20 Prozent und differiert bei den Fachkräften der Altenpflege um 13 Prozent und in der Krankenpflege um 10,3 Prozent.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Darüberhinaus gibt es erhebliche Differenzen zwischen einzelnen Bundesländern. Auf Länderebene verdienen Pflegefachpersonen in der Langzeitpflege im Median zwischen 2.329 Euro in Sachsen-Anhalt und 3.169 Euro in Baden-Württemberg. Pflegefachpersonen im Krankenhaus erzielen dagegen zwischen 2.962 Euro in Mecklenburg-Vorpommern und 3.644 Euro im Saarland. Die Lohnspreizung zwischen Pflegefachpersonen in der Langzeitpflege und im Krankenhaus beträgt zwischen 383 Euro in Bayern und 771 Euro in Sachsen-Anhalt. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Vergleich Krankenpflegehelfer und Altenpflegehelfer
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Das geringere Lohnniveau in der Langzeitpflege wiederholt sich auch beim Vergleich der Alten-und Krankenpflegehilfe. Während der Gehaltsunterschied zwischen Pflegefach-und Pflegehilfspersonen ohnehin relativ gering ausfällt, verdienen Pflegefachpersonen in der Langzeitpflege in Sachsen-Anhalt sogar 8 Euro weniger und in Rheinland-Pfalz nur 19 Euro mehr, als einjährig ausbildete Krankenpflegehelfer.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Doch damit sind die erheblichen Lohngefälle bei weitem noch nicht ausreichend dargestellt.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ein weiteres Lohngefälle gibt es innerhalb der Altenpflege zwischen den Pflegeheimen und der ambulanten Pflegediensten. Annähernd 900 Euro weniger verdient man in der ambulanten Pflege als in der Krankenpflege im Mittel in Westdeutschland - und hier, das muss bei dieser Studie auch betont werden, beziehen sich alle Zahlen auf VOLLZEIT und lassen das Gros an erwerbstätigen Frauen in Teilzeit außer Acht.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Erst im Sommer diesen Jahres wurden Mindestlöhne für Helferberufe eingeführt, die nun bei 11,60 Euro pro Stunde liegen. Ab dem 1. April 2021 wird in Westdeutschland ein Mindestlohn von 11,80 Euro bezahlt, während im Osten der Republik ab diesem Zeitpunkt 11,50 Euro bezahlt werden. Schließlich soll ab September 2021 erstmals der gleiche Pflegemindestlohn in West- und Ostdeutschland gezahlt werden. Wer die schwere und verantwortungsvolle Arbeit von Pflegeassistenten kennt, der weiß, dass das wenig ist.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Wenn in der Bundesrepublik bezüglich dieser gravierenden Pay Gaps kein Umdenken erfolgt, wie zum einen die Pflegeleistungen nicht noch stärker zu Lasten der Pflegebedürftigen gehen und zum anderen die Rahmenbedingungen für gute Pflege auch dergestalt verbessert werden, indem Pflegekräfte angemessen bezahlt werden für gute Arbeit mit einem rentensicheren Einkommen, dann wird sich der Pflegenotstand in der Langzeitpflege noch verstärken.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Es sind politische Entscheidungen, die diesem Umdenken zugrunde liegen müssen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Jeanette Carstensen, Holger Seibert und Doris Wiethölter (2020): Entgelte von Pflegekräften. Aktuelle Daten und Indikatoren, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 15 Dec 2020 16:17:36 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Annie Ernaux: Eine Frau</title>
      <link>https://www.careworking.de/annie-ernaux-eine-frau</link>
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      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Annie Ernaux erhielt im Jahr 2022 den Literatur Nobelpreis.
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         "Ich werde weiter über meine Mutter schreiben. Sie ist die einzige Frau, die mir ernsthaft etwas bedeutet hat, und sie war seit zwei Jahren dement. Vielleicht sollte ich warten, bis ihre Krankheit und ihr Tod Teil meiner Vergangenheit geworden sind, so wie andere Ereignisse auch, der Tod meines Vaters und die Trennung von meinem Mann, damit ich den Abstand gewinne, der die Analyse der Erinnerungen erleichtert. Doch im Moment kann ich ohnehin nichts anderes tun, als über sie zu schreiben. Es ist ein schwieriges Unterfangen. Für mich hat meine Mutter keine Geschichte. Sie war schon immer da. Mein erster Impuls beim Schreiben, sie in zeitlosen Bildern festhalten: »Sie war wütend«, »sie war eine Frau, die alles verbrannte«, einzelne Szenen, in denen sie vorkommt, ungeordnet aneinanderreihen. So finde ich aber nur die Frau aus meiner Vorstellung, dieselbe Frau, die ich seit ein paar Tagen in meinen Träumen sehe, wieder lebendig, unbestimmten Alters, in einer Atmosphäre der Spannung, wie in einem Horrorfilm. Ich möchte aber auch die Frau zu fassen bekommen, die außerhalb von mir existiert hat, die Frau, die am ländlichen Rand einer Kleinstadt in der Normandie geboren wurde und auf der geriatrischen Station eines Krankenhauses in einem Vorort von Paris gestorben ist. Was ich zu schreiben hoffe, um ihr gerecht zu werden, liegt vermutlich an der Nahtstelle von Familie und Gesellschaft, Mythos und Geschichte. Mein Vorhaben ist literarischer Art, denn es geht darum, nach einer Wahrheit über meine Mutter zu suchen, die nur durch Worte gefunden werden kann. (Was bedeutet, weder Fotos noch meine Erinnerungen noch die Erzählungen von Verwandten können mir diese Wahrheit liefern.) Gleichzeitig will ich sozusagen unterhalb dessen bleiben, was gemeinhin als Literatur gilt."
         &#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Das sind ein paar Zeilen aus dem vor ein paar Wochen (2019) zum dritten Mal in deutscher Übersetzung erschienenen Roman von Annie Ernaux über ihre Mutter, nun unter dem deutschen Titel "Eine Frau". Wie bei Hélène Cixous ist die deutsche Übersetzerin dieses Buchs zu würdigen: Sonja Finck übersetzte bereits "Die Jahre" (2017).
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Annie Ernaux' auch in Deutschland vielbeachtete Werke sind allesamt autobiografisch, sie schreibt über ihre bäuerliche Herkunft (der Großeltern und Mutter), die späteren proletarischen Verhältnisse der Arbeiter und schließlich das kleinbürgerliche Milieu authentisch, schnörkellos, gerade, ohne Scham, schlicht und nicht distanziert. "Wie viele Großfamilien war auch die meiner Mutter eine Sippe, das heißt, meine Großmutter und ihre Kinder hatten dieselbe Art, sich zu verhalten und als Arbeiter in einer ländlichen Kleinstadt zu leben, etwas, was sie als "die D…" erkennbar machte. Sie schrien alle herum, Männer wie Frauen. Waren überschwänglich fröhlich, aber misstrauisch, gerieten schnell in Rage und "redeten nicht um den heißen Brei herum". Vor allem waren sie stolz auf ihre Arbeitskraft."
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ohne narzisstische Selbstspiegelung tritt in ihren Erzählungen das Ich (Ego) hinter das unbestimmte man und das plurale wir zurück. Was ihr mit dieser auch atmosphärisch dichten Erzählweise gelingt, ist ein über das autobiografische hinausgehende historiografische Beschreiben einer Epoche. Mit ihrer Trilogie über ihren Vater ("Das bessere Leben", 1986), ihre Mutter ("Das Leben einer Frau", 1989) und das Panorama ihres Lebens (in "Die Jahre", 2008 - die deutsche Übersetzung erschien 2017).
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Im Gegensatz möchte ich betonen - nun aus der Distanz der Jahre betrachtet - beispielsweise zu Didier Eribon, der nach dem Erfolg von "Rückkehr nach Reims" gerade in Deutschland in der späteren Lesereise durch die Literatursalons alles widerrief, was bis dato gerade in Deutschland in sein Buch hineininterpretiert wurde. Auch in "Gesellschaft als Urteil" über die Generation seiner Großeltern verharrte Eribon in der Perspektive der Selbst-Introspektion. Hier nennt Eribon Annie Ernaux sein literarisches Vorbild, doch im Gegensatz zu ihm schreibt sie nicht aus der selbstreflexiven, distanzierten und schamhaften Perspektive: "Meine Eltern waren Proletarier. Ich fühle mich schuldig, wenn ich schreibe, ich fühle mich schuldig, meine Eltern mit den Augen der Bourgeoisie zu beurteilen", sagt die Ernaux. Noch heute trägt sie diesen Zwiespalt mit sich und fühlt sich auch nicht der Exklusivität des Pariser Großbürgertums zugehörig, obwohl dieses ihre Werke liest. So war es auch kein Zufall, dass Annie Ernaux eine der wenigen Intellektuellen neben dem Schriftsteller Edouard Louis war, die sich ohne Wenn und Aber mit den Gilet jaunes solidarisierte.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          In schnörkellosen Skizzen beschreibt sie das Leben ihrer Großeltern auf dem Land und das Leben ihrer Mutter, die mit 12 Jahren Fabrikarbeiterin wurde - beseelt vom Wunsch, einmal einen Laden zu führen. In Lillebonne schließlich, einer Arbeiterstadt mit 7.000 Einwohnern mit vielen Webereien aus dem 19. Jahrhundert, eröffnet die Frau einen Lebensmittelladen, seit drei Jahren verheiratet mit einem Seilerei-Arbeiter, der ebenfalls bereits mit 12 Jahren als Knecht auf einem Hof gearbeitet hatte. "Für eine Frau war die Ehe eine Frage von Leben und Tod, die Hoffnung, es zu zweit leichter zu haben, oder der endgültige Absturz." Beide hatten den Willen zum Aufstieg, dennoch war bei ihm die Angst vor dem täglichen Kampf größer, während sie sich sehr bewusst war, dass sie nichts zu verlieren haben und dadurch ihre Lage verbessern können. Die Mutter führt ihren Laden mit großer Leidenschaft, stellt sich auf das industrielle Elend ein, "das dem Elend ähnelte, das sie kannte, nur noch härter, im Bewusstsein, dass sie ihren Lebensunterhalt Menschen verdankte, die selbst nicht genug zum Leben hatten."
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ernaux beschreibt ihre Mutter als hübsche, lebenslustige Frau mit rotgefärbten Haaren, die oft herumschrie mit lauter dröhnender Stimme und mit kehligem Lachen. "Ich glaubte, dass ich wie sie sein würde, wenn ich groß bin". Erinnerungssplitter reihen sich aneinander, welche die widersprüchliche Beziehung zu ihrer Mutter während des Heranwachsen beschreiben: "Sie hörte auf, mein Idol zu sein. Ich wurde empfänglich für das Frauenbild, das Zeitschriften wie L'Écho de la Mode vermittelten und dem die Mütter meiner kleinbürgerlichen Klassenkameradinnen auf dem Pensionat nahekamen: schlanke, zurückhaltende Frauen, die kochen konnten und ihre Töchter »Schätzchen« nannten. Ich fand, meine Mutter nahm zu viel Raum ein. Ich sah weg, wenn sie sich eine Flasche zum Entkorken zwischen die Beine klemmte. Ich schämte mich für ihren barschen Ton und ihr forsches Auftreten, umso mehr, als ich ahnte, wie ähnlich ich ihr war. Ich lebte meine jugendliche Rebellion auf romantische Weise aus, als würden meine Eltern dem Bürgertum angehören. Ich identifizierte mich mit unverstandenen Künstlern. Für meine Mutter hatte die Rebellion nur einen einzigen Zweck gehabt, der Armut entkommen, und nur eine einzige Form, arbeiten und Geld verdienen, damit man es genauso gut hatte wie andere. Daher der bittere Vorwurf, den ich nicht begriff, genauso wenig, wie sie mein Verhalten verstand: »Wenn wir dich mit zwölf in die Fabrik geschickt hätten, wärst du jetzt nicht so. Du weißt gar nicht, wie gut du es hast.« Und auch die wütende Bemerkung, die sie oft machte: »Da geht sie schon aufs Pensionat und taugt trotzdem nicht mehr als andere.« Manchmal stand ihr in Gestalt ihrer Tochter der Klassenfeind gegenüber."
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Annie Ernaux wird studieren können aufgrund des harten und arbeitsreichen Lebens ihrer Eltern. Während ihr Vater sich an seinem Platz (so auch der Titel des Buches über ihn) nicht verändern wird - als einfacher Arbeiter mit einfacher Sprache, ist ihre Mutter sehr bildungshungrig, die gerne liest und Bücher ehrfürchtig behandelt. "Versuch, deinen Haushalt gut zu führen, damit er dich nicht rauswirft", war der Tip der Mutter, als Annie Ernaux heiratet: Einen Studierten aus bürgerlichem Haus mit einer Mutter mit schlankgebliebenem Körper, glattem Gesicht und gepflegten Händen. "Man merkt gleich, dass sie aus anderen Verhältnissen stammt als wir", sagt die Mutter viele Jahre später.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Als der Vater 1967 nach kurzer viertägiger Krankheit stirbt, wird die Mutter noch drei Jahre Laden und Kneipe führen, beseelt vom Gedanken, mit ihrer Tochter zusammenleben zu können. "Es bedeutete, in einer Welt zu leben, die sie einerseits aufnahm, andererseits ausgrenzte. Eines Tages wütend: "Ich passe hier nicht ins Bild." … Es dauerte, bis ich begriff, dass meine Mutter in meinem Haus dasselbe Unbehagen empfand, das ich als Jugendliche in "besseren Kreisen" empfunden hatte (als wäre es nur an den "Schwächeren", an Unterschieden zu leiden, die die anderen für irrelevant halten). Und dass sie, indem sie so tat, als verstehe sie sich als Hausangestellte, die reale kulturelle Überlegenheit der Tochter und des Schwiegersohns, de Le Monde lasen und Bach hörten, instinktiv zu einer imaginierten wirtschaftlichen Überlegenheit umdeutete, der Überlegenheit eines Chefs über seine Arbeiter: eine Form der Rebellion."
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Sie lebte sich ein in diese bürgerliche Welt, las Le Monde und Le Nouvel Observateur, besuchte Kirchen, widmete sich hingebungsvoll den Enkeln und zog mit der Familie Mitte der 1970er in einen Vorort von Paris, in ein Einfamilienhaus in einem Neubaugebiet. Dort gefiel es ihr nicht "es war ein vager Ort, wo der Blick sich an nichts festhalten konnte und man den Eindruck hatte, ohne Gefühle und Gedanken im luftleeren Raum zu schweben." Nach sechs Monaten kehrte die Mutter nach Yvetot zurück, in ein kleines Appartment in der Nähe der Innenstadt. Es wird ihre letzte kleine Wohnung sein. Annie Ernaux ist mit ihrer Familie inzwischen in ein altes Dorf nahe des Neubaugebietes gezogen, wo sich ihre Mutter auf Besuch wohler fühlt: "Kaum war sie angekommen, jätete sie die Blumenbeete."
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ein durch ein Auto verursachter Unfall veränderte sie, 73 Jährig. "Sie erlitt einen Beinbruch und eine Gehirnerschütterung. Sie war eine Woche bewusstlos. Der Chirurg im Krankenhaus war der Meinung, dass sie aufgrund ihrer robusten Konstitution durchkommen würde. Sie schlug um sich, wollte die Kanüle rausreißen, das Gipsbein anheben. … Ich blickte auf ihre nackten Schultern, ihren Körper, sah sie zum ersten Mal hilflos, leidend. Ich hatte den Eindruck, die junge Frau vor mir zu sehen, die mich in einer Kriegsnacht unter großen Schmerzen geboren hatte. Entsetzt wurde mir klar, dass sie sterben konnte."
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Körperlich erholte sie sich, doch im Wesen war sie seitdem verändert. "Sie verstand nicht mehr, was sie las. Sie wanderte von einem Zimmer ins nächste, ständig auf der Suche. Sie leerte ihren Schrank, breitete die Kleider und Erinnerungsstücke auf dem Bett aus, räumte sie woanders wieder ein, begann am nächsten Morgen von neuem, als ob es ihr nicht gelänge, die richtige Ordnung zu finden. An einem Samstagnachmittag im Januar verstaute sie die Hälfte ihrer Kleider in Plastiksäcken und nähte die Säcke oben mit Garn zu. Wenn sie gerade nichts umräumte, saß sie mit verschränkten Armen im Wohnzimmer und starrte ins Leere. Nichts konnte sie mehr glücklich machen."
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Als sich ihr Gesundheitszustand zusehends verschlimmert, wird sie in die Gastroenterologie eingewiesen - ihr Zustand verbessert sich innerhalb weniger Tage. Dann kommt sie in die Geriatrie, zu den Kurzzeitpatienten ins Erdgeschoss für genehmigte acht Wochen, danach kurzzeitig in ein privates Seniorenheim, das aber keine orientierungslosen Patienten aufnimmt. So geht es zurück in die Geriatrie in die 1. Etage, wo die Menschen bis zum Tod bleiben dürfen. "Nach wenigen Wochen verließ sie das Bedürfnis, auf sich zu achten. Sie sackte zusammen, ging gebeugt, mit gesenktem Kopf. Sie verlor die Brille, ihr Blick war trüb, das Gesicht nackt, leicht aufgedunsen von den Beruhigungsmitteln. Sie sah immer wilder aus. …
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Menschen, die sie gekannt hatten, schrieben mir, "Das hat sie nicht verdient", sie fanden, es wäre besser, wenn sie schnell "erlöst" würde. Vielleicht wird eines Tages die ganze Gesellschaft dieser Meinung sein. Sie kamen nicht zu Besuch, für sie war meine Mutter längst tot. Aber sie wollte leben. Sie versuchte immer wieder aufzustehen, indem sie sich mit ihrem gesunden Bein hochstemmte, wollte den Stoffstreifen abreißen, der sie daran hinderte. Sie streckte die Hand nach allem in ihrer Reichweite aus. Sie hatte ständig Hunger, alle Energie konzentrierte sich auf ihren Mund. Sie liebte es, wenn man ihr einen Kuss auf die Wange gab, und spitzte die Lippen, um den Kuss zu erwidern … Ich wusch ihr die Hände, rasierte ihr die Wangen und das Kinn, trug ihr Parfüm auf. Eines Tages begann ich ihr das Haar zu bürsten und hörte dann wieder auf. Sie sagte, "ich mag es, wenn du mich frisierst." Von da an bürstete ich es ihr immer. …
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Sie starb acht Tage vor Simone de Beauvoir.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Sie war allen gegenüber großzügig, sie gab lieber, als dass sie nahm. Ist Schreiben nicht auch eine Form des Gebens.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Dies ist keine Biografie und natürlich auch kein Roman, eher etwas zwischen Literatur, Soziologie und Geschichtsschreibung. Meine Mutter, die in ein beherrschtes Milieu hineingeboren worden war, das sie hinter sich lassen wollte, musste erst Geschichte werden, damit ich mich in der beherrschenden Welt der Wörter und Ideen, in die ich auf ihren Wunsch hin gewechselt bin, weniger allein und falsch fühle."
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ernaux, Annie: Eine Frau.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Suhrkamp: 2019
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 08 Dec 2020 11:35:36 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Meine Homère ist tot...</title>
      <link>https://www.careworking.de/meine-homere-ist-tot</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         klagt Hélène Cixous und Homère ist tatsächlich nicht etwa eine feminine Ableitung des Homer, sondern im Französischen ist Homère eine Frau.
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         "Homere ist eine Frau, meine Mutter ist mir Homere, Homere ist meine Mutter, Homere jene Frau, die Schreiben und Literatur auf und in die Welt bringt. Anders als die vertrauten Männernamen Homer oder Homere, ist der Signifikant Homere hier aber nicht nur einem Geschlecht zugeordnet. Homere ist nicht von ausschließlicher oder ausschließender Weiblichkeit. Da der Titel so ausdrücklich auffordert, mit den Ohren zu lesen, hören wir im Signifikanten Homere auch homme, den "Menschen" oder "Mann": Homere ist homme-mere, ein Mensch der Leben trägt, gibt, wahrt", schreibt die Übersetzerin Claudia Simma in ihrem Nachwort zur deutschen Ausgabe, die erst vor wenigen Monaten in Wien erschien. Hélène Cixous war lange Wegbegleiterin von Jacques Derrida und Begründerin der feministischen Linguistik in Frankreich, wie Derrida wurde sie in Algerien geboren, nachdem ihre Familie als Juden vor den Nazis aus Deutschland fliehen musste. Ihre Mutter Eve wurde in Osnabrück geboren. Die frühere Hebamme ist 103 Jahre alt, als ihr Sterben beginnt und sich ihre Tochter Helene bei ihr einquartiert, um mit ihr diese Odyssee zu erleben und sie zu begleiten.
         &#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          "Helene: Willst Du Pipi machen?
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Eve: Das ist hier nicht die Frage. Ich glaube ich sterbe. Was muss ich tun?
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Du kommst schauen ob ich da bin. Ich habe Angst ich sterbe und du bist nicht da.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ich spüre, dass die Stunde gekommen ist.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Du lachst aber ich, ich lach nich.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Was schreibst du?
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Helene: wir sind auf Extremreportage.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Eve: Wenn ich tot bin wirst du nichts hören können. Und nichts verstehen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Helene: Ich will den Augenblick hören den man nicht hört. Und verstehen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Eve: Wenn die Stunde schlägt dann schlägt sie.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Wenn ich sterben gehe wirst du weinen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Du schaust von Zeit zu Zeit ob ich noch da bin.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Helene: Aber in der Zwischenzeit?
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Eve: Verlässt du mich nich.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Es tut mir leid dass ich gehe aber ich kann nicht lang bleiben.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Was ist zu tun?
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Wenn die Stunde schlägt dann schlägt sie. Du wirst mich entschuldigen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Helene: Nich jetzt.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Eve: Es ist dumm.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Helene: Was?
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Eve: Mein sterblicher Zustand.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Mit einem Schlag werde ich nich mehr da sein.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Noch ein oder zwei Tage
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ich werde da sein oder nicht mehr da sein
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ich muss dir noch Umstände machen
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Hast du eine Freundin?
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Kannst du damit rechnen?
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Das ist dumm, was willst du tun?
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Vielleicht werde ich diese Nacht für immer einschlafen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Was machst du morgen?
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Helene: Ich sehe den Ophthalmologen. Nachher bleibe ich bei dir.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Eve: Was für Nachrichten?
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Helene: Die Wahlen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Eve: Hoffentlich nich der widerliche kleine Kerl?
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Man schläft ein, vielleicht wacht man nich auf
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ich hoffe ich werde morgen noch da sein.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Helene: Du bringst mich zum Weinen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Eve: Man kann nie wissen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Du warst immer ein gutes kleines Mädchen zu mir.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Vielleicht werde ich morgen früh nich aufwachen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Wenn er gewählt worden ist sagst du es mir. Wir werden sehen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Wo schläfst du?
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Man weiß nicht was passiert. Ob es morgen ist oder heute oder wann. Wird Pierre da sein?
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Jedenfalls bin ich nicht einverstanden mit Montaigne.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Wenn ich Glück habe, werde ich da sein um dich zu trösten.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Kraul mir den Kopf."
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Sorgfältig protokolliert Helene alle Gespräche mit ihrer Maman und beschreibt auch den allmählichen Rückzug, den körperlichen Zerfall und das Hinübergleiten
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Am 14. August nehme ich den 1.°°Juli wieder auf, noch einmal, noch einmal, suche ich, ich suche, es ist 8 Uhr, sie ist gegangen, geschieden, grade erst ist es gekommen, sie ist da, sie ist im Zug, der Zug ist da, ich bin auf dem Steg unmerklich hat der Zug "abgehoben", ich weiß nicht in welcher Sekunde, die Separation ist eingetreten. Separation tritt nicht ein, sie tritt nur in unserer Abwesenheit ein. Ich war da und war nicht da. Ich weiß nicht wann sie hinausgegangen ist. Sie hat ihren Körper an ihrer Stelle zurückgelassen. Sie pflegte sich nicht einen Zentimeter zu bewegen zehn Stunden lang, im Morgengrauen fand ich sie in der exakt selben Position in der ich sie in der Abenddämmerung schlafend verlassen habe und um 23 Uhr noch einmal besucht hatte. Als ich sie um 5 Uhr montags wieder aufgefunden hatte war sie so wie ich sie sechs Stunden zuvor verlassen hatte, nachdem ich ihr Wasser eingeflößt hatte und, wie an den anderen Morgen, atmete sie sachte und regelmäßig, ich hatte mich geneigt, so wie an den anderen Morgen, wo ich mich sachte zum Urteil beugte denn es war unmöglich, so absolut war ihre Unbeweglichkeit, zu entscheiden ob sie war wo sie war, außer aus der größtmöglichen Nähe, ich hatte mich geneigt mein Schweigen an ihr Schweigen gelegt und mich gehütet sie aufzuwecken in fruchtlosem und mühevollem Erwachen da ich sie um das Obdach der Ruhe gebracht hätte ohne ihr etwas Besseres bieten zu können als die nächste Qual mit einem Medikament, dann war ich vor dem PC sitzengeblieben, das heißt vier Meter von ihr und sie war still geblieben in meinem Rücken und vielleicht ist in einem der Momente dieser Zeit ohne Rand und Relief auf einen Atemzug der nächste Atemzug nicht abgefolgt, die letzte Sekunde ist zwischen diversen Sekunden verirrt, vielleicht ist sie vor mir oder hinter mir passiert
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          sie hat mich nicht gerufen, sie selbst war vielleicht nicht da der Nichtevent von Nichteve hat vielleicht stattgefunden während sie schlief, er ist ihr vielleicht entgangen, vielleicht ist ja sogar gar nichts passiert, vielleicht ist es Nichts das gekommen ist und so habe ich dieses sehr lange Leben in Vereinigung mit Gott verloren an der Ecke einer Zeit ohne Minute."
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Eve Cixous und Helene Cixous
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Am 26. August 2013 um 5 Uhr früh
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          im Haus von Arachon
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Cixous, Hélène: Meine Homère ist tot...
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Passagen: 2019
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Mon, 09 Nov 2020 11:35:34 GMT</pubDate>
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      <title>„Das war so ein bisschen wie Game of Thrones“</title>
      <link>https://www.careworking.de/ehrenpflegas</link>
      <description />
      <content:encoded>&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;h3&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Aufregung um Ehrenpflegas
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Das Bundesministerium von Franziska Giffey gab immerhin 700.000 Euro aus dem Bundesetat für insgesamt fünf Folgen von ca. 6 Minuten Länge aus. Warum also die Aufregung? Die beginnt schon mit dem Sujet und den Hauptfiguren der Miniserie, das trivialer nicht sein könnte.
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           "Ausbildung heißt bei mir, ich mach die Probezeit, hab dann nen Vertrag und scheiß dann drauf. Kassier mein Cash und chill wie´n Maulwurf", macht der nicht besonders motiviert und klug wirkende Boris mit fragmentierten Deutschkenntnissen ("Ich bin 25 und gehe 1. Klasse - 1. Klasse Pflegeschule") schon in den ersten Minuten klar.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;blockquote&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "Ausbildung heißt bei mir, ich mach die Probezeit, hab dann nen Vertrag und scheiß dann drauf. Kassier mein Cash und chill wie´n Maulwurf." Boris, 25
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/blockquote&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Der Loser hat schon mehrere Lehren abgebrochen: als Tischler, Frisör und als Kraftfahrzeugmechatroniker. Beste Voraussetzungen also, die 3 Jährige examinierte generalisierierte Ausbildung zum Pflegefachmann zu absolvieren. In seiner neuen Klasse trifft er auf Miray, die er schon aus der Schule kennt und in die er schon einige Jahre verliebt ist. 'Harry' Potter ist die dritte Figur dieser Miniserie: Eine neunmalkluge Streberin, die "lieber Bücher liest, als was mit dem Handy zu machen".
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Klischeehafter Blick auf Pflege
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Wie war so der 1. Praxiseinsatz? "Bei mir ist jemand gestorben, das war so ein bisschen wie Game of Thrones", erzählt Miray. Es wird Werbung für die Ausbildungsvergütung gemacht, die über 1.000 Euro liegt - Harry Potter kann sich davon ein Cabrio leisten, wie geil. Boris rechnet aus, wieviele E-Zigaretten er dafür verkaufen müsste: Schlappe 200 wären das nämlich.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Boris absolviert seine Praxis in einem Pflegeheim, sein Umgang mit dementen Bewohnern ist dementsprechend: "Ich bin Boris, Alter!", klärt er auf. Weil er sein Handy vergessen hat, dringt Boris mit Harry Potter und Miray in ein Bewohnerzimmer ein und durchsucht die Schubladen und Schränke des schlafenden Bewohners. "Wenn er so schläft, sieht er ein bisschen aus wie die Kinder von meiner Station", sagt die angehende Kinderkrankenschwester Potter.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;blockquote&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           „Wenn er so schläft, sieht er ein bisschen aus wie die Kinder von meiner Station.“
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/blockquote&gt;&#xD;
  &lt;blockquote&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           H. Potter
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/blockquote&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Seinen Kumpels erzählt Boris: "Ich sitz da irgendwie den ganzen Tag mit Kartoffeln rum und ess Kartoffelbrei." Auch der Pflegerberuf scheint bei den angehenden Bankern und Kfz-Mechanikern voll die Anerkennung zu haben: "He Boris, hast Du da Game bei Frauen?", "He Baby, ich bin Pfleger, mach Dich bereit! Ich muss nur kurz einmal checken, ob Deine Windel noch frisch ist", wird vom anderen Kumpel die Klaviatur der dümmsten Klischees über Pflege durchgespielt.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Am Ende erklärt noch die straighte Lehrerin, warum so einer wie Boris in die Pflegeschule aufgenommen wurde. "Weil's manchmal Wunder wirkt, wenn jemand, der ganz viel Scheiße in seinem Leben gebaut hat, auf jemanden trifft, der seine Hilfe braucht."
           &#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
      
           Nette Philosophie. Dass ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis Grundlage der Aufnahme für die examinierte Pflegeausbildung ist, wird wohlweislich verschwiegen.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;blockquote&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "Weil's manchmal Wunder wirkt, wenn jemand, der ganz viel Scheiße in seinem Leben gebaut hat, auf jemanden trifft, der seine Hilfe braucht."
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/blockquote&gt;&#xD;
  &lt;blockquote&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Berufsschullehrerin Jana
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/blockquote&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Franziska Giffeys kleiner Gastauftritt ganz am Schluss der letzten Folge geht in der Aufregung um Boris' Verhaftung unter. Der hatte seinem Banker-Kumpel paar auf die Zwölf verpasst, weil dieser sich beim nächtlichen motorisierten Ausflug (nach ausgiebigem Zechgelage) ans Heim über die Pflegebedürftigen lustig gemacht hatte. Boris hat dort nun Hausverbot, darf aber die Ausbildung nach der Probezeit weitermachen, erzählt die taffe Lehrerin Jana. Ende gut, alles gut.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Franziska Giffey sonnte sich sichtlich zur Premiere dieser Miniserie im Berliner Filmtheater Delphi, spiegeln solche 700.000 Euro-Würfe doch ihre Philosophie, jungen Menschen die Attraktivität von anspruchsvollen Pflegeberufen schmackhaft zu machen. Und nebenbei hatte sie ein paar hübsch gemachte Fotos für ihren Facebook-Account.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Die wütenden Gegenreaktionen aus der Pflegebranche, vor allem auch von den Auszubildenden der examinierten Fachberufe, sprechen eine klare Sprache. "Wir fühlen uns sehr falsch verstanden, wenn wir Physiologie-, Anatomie-, Biologie- und Soziologiekenntnisse besitzen, welche der „Durchschnittsbürger“ nicht hat, aber von der eigenen Regierung offenbar als dumm und handyfixiert dargestellt werden. Dadurch werden keine kompetenten Arbeitskräfte angesprochen, sondern die, die letzten Endes keinerlei Eignung für so einen wichtigen und verantwortungsvollen, teilweise auch sehr belastenden Beruf haben", schreiben Auszubildende beispielsweise in einem offenen Brief an Franziska Giffey (Quelle: www.rotkreuzschwestern.de). Groß ist der Ärger auch bei den Vertreterinnen und Vertretern der Pflegewissenschaften, die seit vielen Jahren für die gesellschaftliche Anerkennung und höhere Wertschätzung von Pflegefachberufen kämpfen und sich dabei vor allem öffentlich Gehör verschaffen - indem sie permanent die wichtige und systemrelevante Facharbeit der Pflegeberufe thematisieren.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;blockquote&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "Wir fühlen uns sehr falsch verstanden, wenn wir Physiologie-, Anatomie-, Biologie- und Soziologiekenntnisse besitzen, welche der „Durchschnittsbürger“ nicht hat, aber von der eigenen Regierung offenbar als dumm und handyfixiert dargestellt werden."
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/blockquote&gt;&#xD;
  &lt;blockquote&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Auszubildende
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/blockquote&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Dass Fachqualifikation, Interaktionskompetenz und Strukturkompetenz - um an dieser Stelle exemplarisch drei wichtige Kompetenzen der professionellen Pflege zu nennen - wichtige Merkmale sind, die unabdingbar mit der examinierten dreijährigen Fachausbildung verknüpft sind, wird in dieser Miniserie sträflich konterkariert. Zudem bei jungen Leuten die Bereitschaft groß wäre, in der Pflege zu arbeiten, wenn denn auch die Rahmenbedingungen stimmen würden - doch die Rahmenbedingungen stimmen schon seit vielen Jahren nicht.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           "Pflege mit Herz", der Grundtenor des Films ist grundsätzlich falsch. Er dient nicht im geringsten dazu, auf die fordernde und verantwortungsvolle Tätigkeit von Pflegefachkräften nur annähernd einzugehen und somit jungen Leuten auch nur ansatzweise einen Einblick in Ausbildung und Beruf zu geben.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      
           Was sich hierin spiegelt ist leider das Unvermögen politischer Entscheidungsträger, mit adäquaten Kampagnen und Management auf die Erfordernisse des Pflegenotstands zu reagieren. Der Pflege der Zukunft wird man so nicht gerecht.
          &#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
  &lt;p&gt;&#xD;
    &lt;span&gt;&#xD;
      &lt;span&gt;&#xD;
        
            ﻿
           &#xD;
      &lt;/span&gt;&#xD;
      &lt;br/&gt;&#xD;
    &lt;/span&gt;&#xD;
  &lt;/p&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 08 Nov 2020 11:35:38 GMT</pubDate>
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    </item>
    <item>
      <title>Die spanische Grippe – ein Lehrstück für Pandemien</title>
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      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  &lt;span&gt;&#xD;
    
          Dieser kurze Aufsatz über die spanische Grippe entstand vom 20. bis 22. März 2020 im Homeschooling und war eine Zusatzaufgabe im Portfolio für unsere Fachschule. Zu dieser Zeit waren auch alle Bibliotheken geschlossen, so dass ich nur auf Publikationen im Internet zugreifen konnte. Dies als Vorbemerkung zu den Rahmenbedingungen dieser Arbeit und dem damaligen Wissensstand.
         &#xD;
  &lt;/span&gt;&#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  &lt;b&gt;&#xD;
    
          Gliederung:
         &#xD;
  &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          1. Einleitung
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          2. Verlauf
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          3. Ursachen
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          4. Zeitliche und regionale Eingrenzung
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          5. Fallzahlen
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          6. Gegenmaßnahmen und Folgen für die Bevölkerung
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          7. Ausblick: Grippe-Pandemien 1957 und 1968
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Verwendete Literatur
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           1. Einleitung
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Vor über 100 Jahren, zwischen Frühjahr 1918 bis ins Jahr 1920 hinein, brach die so genannte spanische Grippe als Pandemie aus und kostete bis zu 50 Millionen Menschen weltweit das Leben. Allein im Deutschen Reich starben rund 426.000 Menschen. Dabei hatte die erste Welle relativ harmlos im Frühjahr 1918 begonnen und wenige Menschenleben gekostet. Erst die Herbstwelle 1918 und die spätere, dritte Welle im Frühjahr 1919 waren mit einer außergewöhnlich hohen Letalität verbunden.Die zweite Welle im Herbst 1918 nahm gerade dort einen tödlichen Ausgang, wo viele Menschen in Ballungsgebieten aufeinander trafen. Und dies waren in Europa Rekruten und Kriegsgefangenenlager durch den I. Weltkrieg. Dort steckten sich viele Menschen an und starben an akutem Lungenversagen. Das Influenzavirus, das erst im Jahr 1933 entdeckt werden sollte, färbte die Haut der Sterbenden oft dunkelblau – Zeichen einer Unterversorgung mit Sauerstoff. [3] Als Pandemie kann die spanische Grippe bezeichnet werden, da sie kontinentübergreifend weder zeitlich noch örtlich abgrenzbar war.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           2. Verlauf
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die globale Welt von 1918 war schon wesentlich stärker vernetzt und die Bevölkerung war mobil durch internationale Waren- und Migrationsströme. Schiffe, Züge, Automobile und letztlich regional die Straßenbahnen trugen zur exponentiellen Verbreitung des Grippe-Virus bei. Kein Teil der Erde blieb von dieser Pandemie verschont: in Indien wurden sechs Prozent der Gesamtbevölkerung ausradiert (18,6 Millionen Menschen), in China starben 9,5 Millionen Menschen, zwei Prozent der Staatsbevölkerung.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Auslöser des Virus InfluenzaA H1N1 war die Militärbasis Fort Riley im US Bundesstaat Kansas. Von Schweinen oder Geflügel aus sprang es auf einen amerikanischen Rekruten über, der die heute als Influenza-A-Virus H1N1 bezeichnete Seuche als Patient Null in ein Ausbildungslager der US-Armee schleppte (Camp Funston). Von dort aus gelangten die Viren über Truppentransporte nach Frankreich und in die übrige Welt. An der Westfront schließlich infizierten sich deutsche Soldaten, über die das Virus in das Deutsche Reich gelangte. Der Landarzt Loring Miner musste bereits Anfang 1918 zahlreiche Patienten im Fort behandeln, deren Symptome einen sehr heftigen Krankheitsverlauf nahmen – dies wurde schließlich im Public Health Report im Frühjahr 1918 veröffentlicht. Rasant verbreitete sich der Virus – heute würde man die Verbreitung exponentiell nennen: „Am 4. März erkrankte ein Koch namens Albert Gitchell an der Grippe, drei Wochen später waren in dem Ausbildungslager, in dem sich durchschnittlich 56.000 Rekruten befanden, 1100 Schwerkranke und 38 Todesfälle zu beklagen.“ [4]
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          In den Militärlagern, in denen Rekruten auf den Einsatz im I. Weltkrieg vorbereitet wurden, hatte das Virus die idealen Bedingungen für seine rasante Verbreitung: Zehntausende Menschen auf engem Raum, schlechte Hygiene und viele vom militärischen Drill erschöpfte Männer. Trotz der Veröffentlichung im Public Health Report im Frühjahr 1918 aufgrund des Auftretens in den Militärcamps war es bereits zu spät, die Infektionen einzudämmen: Bereits Ende März wurden aus der französischen Bretagne weitere Infektionen gemeldet, denn dort landeten Woche für Woche Zehntausende US-Soldaten für den Kriegseinsatz. Auch der Kriegsverlauf trug zur weiteren rasanten Ausbreitung und Vermehrung des Influenza-Viruses bei. Gerade im Frühjahr 1918 konnten die deutschen Truppen an der Westfront große Geländegewinne verzeichnen, was mit der Kriegsgefangenschaft von Franzosen, Briten und Amerikanern einherging: Und in diesen Gefangenenlagern verbreitete sich das Virus ungehemmt – auch auf deutsche Soldaten, die sich bald zu Hunderttausenden krankmeldeten und so das Influenza-Virus in die deutschen Städte brachten. Von Medizinern wurden erschreckende Zahlen der Mortalität beschrieben und aus den Lazaretten griffen die Infektionen auf das zivile Leben über. Eingeschränkt wurde das öffentliche Leben: Der Straßenbahnverkehr wurde eingeschränkt, Industriebetriebe verloren bis zu einem Drittel ihrer Belegschaft durch Krankheit. München, Berlin, Leipzig, Breslau – aus vielen Städten wurden Tausende Grippefälle gemeldet.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           3. Ursachen
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ein Team um Michael Worobey von der University of Arizona hat erforscht, wie der Erreger entstand und das Ergebnis 2014 publiziert: Vermutlich entwickelte er sich kurz vor dem Ausbruch 1918 durch die Kreuzung eines Vogelgrippevirus mit einem menschlichen Virus, das bereits seit rund 10 bis 15 Jahren kursierte. Ursachen für den Erreger wurden erst im Jahre 2005 gefunden, als Wissenschaftler den Subtyp von H1 N1 rekonstruieren konnten. Vor allem konnte geklärt werden, warum es gerade Männer von 20 bis 40 Jahren in den Jahren 1918 bis 1920 dahinraffte, die doch gegenüber Kranken, alten Menschen und Kindern über ein widerstandsfähiges Immunsystem verfügten. In der ersten Welle dieser Pandemie konnte der Influenzavirus die Immunantwort der akut Infizierten unterdrücken. In der zweiten Welle passierte folgendes: Als die intakten Immunsysteme in einer nun zum Teil immunisierten Bevölkerung zum Gegenschlag ausholten, um den Influenzavirus abzuwehren, geriet diese Reaktion so heftig, dass das Atemsystem angegriffen wurde, was einer bakteriellen Lungenentzündung Vorschub leistete – und die nun immunschwachen Körper besiedelte. Die Infizierten starben qualvoll an Atemnot und erstickten – viele hatten eine bläulich-schwarze Haut aufgrund des Sauerstoffmangels. „Dies wird in der Forschung oft auf eine als „Zykotin-Sturm“ bezeichnete Überreaktion des Immunsystems zurückgeführt. Die potenten Immunsysteme der jüngeren Alterskohorten hätten beim Versuch, das eindringende Virus zu neutralisieren auch gesunde Körperzellen attackiert – deren Abfallmaterial habe die Lungenarterien verstopft, woran die Patienten dann erstickt seien, schreibt etwa der Medizinhistoriker John M. Barry in seinem Werk „The Great Influenza“ von 2004.“ [5]
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           4. Zeitliche und regionale Eingrenzung
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Der Begriff der „spanischen Grippe“ hat sich durch zwei Aspekte beim Verlauf der Pandemie manifestiert. Zum einen gab es wahrscheinlich einen Fall einer Erstmeldung aus dem Februar 1918 aus dem Badeort San Sebastian (Nordküste Spaniens). Gesichert überliefert ist allerdings die im Kapitel Verlauf geschilderte Verbreitung des Virus in den USA im Bundesstaat Kansas. Von dort ausgehend verbreitete sich das Virus innerhalb weniger Wochen durch den Kriegseinsatz in Europa und weltweit. Die Ansteckungswelle wurde zudem noch befördert durch die militärischen Zensurbehörden, die versuchten, diese Krankheit geheim zu halten. Das ist außerdem der zweite Grund dafür, dass die Pandemie weiterhin unter dem Namen der „spanischen Grippe“ firmiert. Spanische Medien, die nicht unter die rigiden Zensurbestimmungen fielen wie die kriegsführenden Mächte im Deutschen Reich, in den USA in Großbritannien und Frankreich, berichteten als erste über die seltsame und rasant verlaufende Infektionskrankheit.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Abgelaufen ist diese Pandemie in drei Wellen: die erste begann Anfang 1918, die zweite im Herbst 1918 (mit sehr vielen Todesopfern) und eine dritte 1920.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           5. Fallzahlen
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Medizinhistoriker schätzen die Gesamtopferzahl weltweit auf 25 bis 50 Millionen Menschen – bei damals 1,8 Milliarden Menschen. Die Mortalitätsrate liegt so bei 1,5 bis 2 Prozent und beträgt somit das 25 fache einer Grippewelle. In Europa werden die Grippetoten auf 2,3 Millionen geschätzt, in Indien wurden sechs Prozent der Gesamtbevölkerung getötet (18,6 Millionen Menschen), in China starben 9,5 Millionen Menschen, zwei Prozent der Staatsbevölkerung. „Manche Historiker gehen sogar von mehr als 100 Millionen Toten aus – besonders für die hart betroffenen Teile Afrikas, Asiens und Ozeaniens gibt es kaum valide Statistiken. Die Letalitätsrate lag je nach Versorgungssituation zwischen 0,7 und 6 Prozent, im polynesischen Samoa starb wegen des Fehlens jedweder Grippe-Immunität gar ein Fünftel der Bevölkerung.“ [5]
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           6. Gegenmaßnahmen und Folgen für die Bevölkerung
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Vor allem in den USA wurden bei Ausbruch der Infektionskrankheit im Jahr 1918 Isolierungsmaßnahmen angeordnet: „Quarantäne für Haushalte mit Erkrankten, Schließungen von Schulen, Kirchen, Theatern und Tanzetablissements. Untersagt wurden private Beerdigungen und öffentliche Zusammenkünfte. 2007 veröffentlichte die Fachzeitschrift »Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America« (PNAS) eine Studie zum Zusammenhang dieser Maßnahmen mit der Intensität der Epidemie 1918. Die Autoren hatten bemerkt, dass der potenzielle Nutzen der »nicht pharmazeutischen Maßnahmen« zwar von mathematischen Modellen unterstützt wird, jedoch noch nicht systematisch untersucht war.“ [1]
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass in jenen Städten, in denen frühzeitig das öffentliche Leben mit Isolationsmaßnahmen sanktioniert wurde, um die Hälfte niedrigere Spitzenwerte bei den Todesfällen aufwiesen als in den Städten, die dies später regulierten. So gibt es einen interessanten Vergleich zwischen den Städten Philadelphia, wo die Sanktionsmaßnahmen sehr spät umgesetzt wurden und St. Louis, wo rasch reagiert wurde. Die Todesfallzahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Während in St. Louis 31 Menschen pro 100.000 Einwohner starben, tötete der Virus in Philadelphia 257 Menschen pro Woche und pro 100.000 Einwohner.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Ein wichtiges Fazit ist: Eine wissenschaftliche Begleitung und Evaluation, eine strikte Dokumentation ist vor allem heute – angesichts des Corona-Virus – von entscheidender Bedeutung, vor allem dann, wenn Epidemien Regierungshandeln mit Sanktionen der bürgerlichen Grundrechte erforderlich machen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           7. Ausblick: Grippe-Pandemien 1957 und 1968
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          „Über die Erreger der Grippe-Pandemien von 1957 und 1968 weiß man heute, dass sie durch Rekombination entstanden: Ein Vogelgrippevirus und ein Grippevirus von Menschen infizierten die gleiche Zelle. Die entstandene Hybridform vereinte in ihrem Genom Teile beider Viren. Pandemien, die von einem solchen Subtyp ausgelöst werden, töten zwar viele Menschen, treffen aber schon auf eine gewisse bereits vorliegende Immunität.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          1957: Die sogenannte »asiatische« Pandemie nahm in China ihren Anfang. Bei ihr blieb ein vorher entwickelter Impstoff ohne Wirkung, weil mit den häufigen Veränderungen der viralen Gene noch nicht gerechnet wurde. Sie war nach der Spanischen Grippe die zweitschlimmste Influenza-Pandemie des 20. Jahrhunderts mit weltweit ein bis zwei Millionen Opfern. In Deutschland starben daran rund 30 000 Menschen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          1968: Bei dieser Pandemie, wegen ihrer Herkunft Hongkong-Grippe genannt, entstand der heute dominante Influenzatyp H3N2, eine Kombination von Geflügelpestviren mit Influenzaviren, die bereits unter Menschen zirkulierten. Sie gilt als letzte große Grippe-Pandemie, an der bis 1970 weltweit insgesamt eine Million Menschen starben.“
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          https://www.neues-deutschland.de/artikel/1134550.spanische-grippe-philadelphia-mahnt.html
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Verwendete Literatur:
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          [1] Ulrike Hennig: Philadelphia mahnt. Was von der spanischen Grippe heute noch zu lernen ist. (21.03.2020) https://www.neues-deutschland.de/artikel/1134550.spanische-grippe-philadelphia-mahnt.html
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          [2] Sven-Felix Kellerhof: „Die schwerste Seuche, die jemals über die Erde fegte.“ https://www.welt.de/geschichte/article205501205/Spanische-Grippe-Die-schwerste-Seuche-die-jemals-ueber-die-Erde-fegte.html
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          [3] Thorsten Maybaum mit dpa: Spanische Grippe: Ein Virus – Millionen Tote. (01/2018) https://www.aerzteblatt.de/archiv/197155/Spanische-Grippe-Ein-Virus-Millionen-Tote
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          [4] Hans Michael Kloth: Grippe-Katastrophe von 1918/19: „Nehmen Sie alle Tischler und lassen Sie Särge herstellen“. (27.04.2009) https://www.spiegel.de/geschichte/grippe-katastrophe-von-1918-19-a-948269.html
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          [5] Christoph David Piorkowski: Die Mutter der modernen Pandemien. (20.03.2020)https://www.tagesspiegel.de/wissen/coronavirus-und-spanische-grippe-im-vergleich-die-mutter-der-modernen-pandemien/25662134.html
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
&lt;/div&gt;</content:encoded>
      <enclosure url="https://cdn.website-editor.net/df8d9bd0f3ae4378be420f037a0a26ef/dms3rep/multi/wounded-american-soldiers-in-hospital-on-london-feed-the-pigeons-on-the-steps-6d6bb0-1024.jpg" length="73552" type="image/jpeg" />
      <pubDate>Wed, 08 Apr 2020 10:35:37 GMT</pubDate>
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      <title>Lady with the Lamp - zu den Unterschieden der Pflegesysteme in Deutschland und den nordischen Ländern</title>
      <link>https://www.careworking.de/lady-with-the-lamp-zu-den-unterschieden-der-pflegesysteme-in-deutschland-und-den-nordischen-laendern</link>
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      <content:encoded>&lt;h3&gt;&#xD;
  
         Vergleich Schweden und Deutschland
        &#xD;
&lt;/h3&gt;&#xD;
&lt;div data-rss-type="text"&gt;&#xD;
  
         In diesem Jahr wurde der 200. Geburtstag von Florence Nightingale begangen. Als the Lady with the lamp ging sie in die neuere Geschichte der Krankenpflege ein.
         &#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Florence Nightingale war nicht nur die engagierte Pflegerin, die sich um die Verletzten und Kranken in den Lazaretten und Hospitälern kümmerte, sondern sie ist die Begründerin der methodischen und deskriptiven Pflegetheorie, welche das pflegerische Wissen als gleichbedeutend und nebenstehend zum ärztlichen Wissen dokumentierte.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Im angelsächsischen Raum wurde seit den 1920er Jahren sehr viel für die Professionalisierung der Pflege getan, so beispielsweise mit der Akademisierung von Pflegeberufen, damit verbunden sind Spezialisierungen, aber auch durch mehr Selbstverwaltung und Selbstverantwortung und auch anspruchsvolle, vormals Ärzten vorbehaltene Tätigkeiten auszuführen.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Deutschland ging schon im ausgehenden 19. Jahrhundert einen anderen, eigenen Weg und beließ die Kranken- und die Altenpflege historisch den barmherzigen Schwestern und der unbezahlten Familienarbeit, die von Frauen verrichtet werden musste. In der Wohlfahrtstypologie spricht man vom "konservativen Wohlfahrtsregime", auf dem die Pflege in Deutschland immer noch basiert, es kam auch mit Beginn der Globalisierung, Mitte der 1980er Jahre, nicht zu einem Paradigmen-Wechsel dieser Annahme. Zuvörderst ist Pflege Angelegenheit der Familie, nur im Notfall springt der Staat ein. So nimmt es nicht Wunder, dass das Leistungsprinzip Pflege durch die Sozialgesetzbücher geregelt ist und bezüglich der Langzeitpflege nur ein Teilleistungsgesetz eintritt, geregelt im SGB XI. Nur Teile von Leistungen werden durch Pflegekassen übernommen, das Gros muss der Versicherungsnehmer (also der Pflegebedürftige) selber tragen. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Doch dieses Pflegesystem erodiert, denn es setzt ein veraltetes Familienmodell der Arbeitsteilung voraus. Unbezahlte, vor allem durch Frauen geleistete Familienarbeit der Reproduktion kann schon heute aufgrund sich auflösender Familienstrukturen, wachsenden beruflichen Mobilitätsanforderungen, weniger Nachkommen, einer älter werdenden Gesellschaft und der (zum Glück erkämpften!) voranschreitenden Emanzipation von Frauen auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr gänzlich auf deren Schultern abgeladen werden.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Anders entschied man sich Anfang der 1990er Jahre mit der beginnenden Globalisierung in den skandinavischen Ländern, das Pflegesystem zu strukturieren. Dieses Wohlfahrtsregime wird typologisch vereinfachend als sozialdemokratische Wohlfahrt bezeichnet: Der Staat ist an erster Stelle für jeden seiner Bürger und Bürgerinnen und dessen/deren Gesundheit und Pflege verantwortlich (universalitische Ausrichtung). Weil Schweden Ende der 1980er, Anfang der 1990er in die schwerste Wirtschaftskrise seit den 1930er Jahren geriet, die Arbeitslosigkeit rasant anstieg und die öffentlichen Haushalte stark belastet wurden, strebte es sozialpolitische und institutionelle Reformen an (ÄDEL-Reform).
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Von der Politikwissenschaftlerin und Pflegeberaterin Dr. Cornelia Heintze gibt es zwei Studien, welche die Unterschiede in der Pflege zwischen fünf nordischen Ländern und jenen des deutschen Wohlfahrtsregimes fokussierte.  Bereits 2015 attestierte Cornelia Heintze dem deutschen Pflegesystem durch das Festhalten am veralteten Paradigma und dem Durchführen von Reformen am alten Pflegesystem, dass so nicht die größer werdenden Probleme der Pflege in der Zukunft gelöst werden können - dieses System wird kollabieren.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          "Das „familienbasierte Modell“ korrespondiert laut Dr. Heintze 'mit einer Politik, die mehr an der Aufrechterhaltung eines möglichst hohen Anteils von Familienpflege als daran interessiert ist, eine qualitativ hochstehende und für alle gut zugängliche Pflegeinfrastruktur zu schaffen.' Kurz gesagt: Es handelt sich um eine Politik, die in erster Linie darauf abzielt, die Kosten für die Pflege gering zu halten." (Siehe Heintze, Cornelia: Auf der Highroad – der skandinavische Weg zu einem zeitgemäßen Pflegesystem. Ein Vergleich zwischen fünf nordischen Ländern und Deutschland. Expertise im Auftrag der Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik der Friedrich-Ebert-Stiftung, 2. aktualisierte und erweiterte Auflage: 2015, S. 6)
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          So wurden Mitte der 1990er Jahre in Deutschland die falschen Zeichen gesetzt, u.a. mit der noch heute praktizierten Teilkasko-Pflegepflichtversicherung, die lediglich aufgrund schwerer Pflegebedürftigkeit von (als Schattenwirtschaft der Krankenkassen eingesetzte) Pflegekassen einen Teil Pflegeleistungen nach dem SGB XI erstattet. Eigentlich war diese 1995 eingeführte Pflichtversicherung dafür gedacht, den Staat von Leistungen zur Pflege zu entlasten - das hat sich ins völlige Gegenteil verkehrt. Viele Rentnerinnen und Renter müssen die Hilfe zur Pflege bei den Kommunen beantragen, weil ihre Renten nicht ausreichen, die aufwändigen Pflegeleistungen selbst zu bezahlen, das trifft vor allem auf den stationären Bereich zu. In Deutschland hatte die Vereinigung zu einer höheren Staatsverschuldung geführt, zu Finanzierungsproblemen der Sozialkassen und die Massenarbeitslosigkeit schließlich zu einer Erschöpfung des Sozialstaats (Trampusch: 2009).
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          1995 wurde die öffentliche Aufgabe - Pflege als Daseinsvorsorge - an den Markt delegiert und somit privatisiert. Im Rahmen von Markt und Wettbewerb öffnete dieser neoliberale Kurs in den 1990ern nicht nur Krankenhäuser für renditeorientierte Konzerne, sondern begründete einen Pflegemarkt mit lukrativem Anreiz für die Generierung von Gewinnen auf Kosten von Pflegebedürftigkeit. Über die Hälfte der Pflegeeinrichtungen sind heute in privater Hand. Der Pflegesektor gilt als einer der am frühsten vermarktlichten Segmente der sozialen Wohlfahrtsproduktion in Deutschland (Oschmiansky: 2013).
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Mit den Pflegestärkungsgesetzen (drei wurden bisher verabschiedet) wurde in den vergangenen Jahren ein wenig nachgebessert bzw. "reformiert": Im Jahr 2015 erweiterte man den Pflegebedürftigkeitsbegriff um Menschen mit demenziellen und weiteren kognitiven Einschränkungen, wobei ein neues Begutachtungsinstrument weg von der quantitativen Bemessung des Pflegebedarfs mit drei Pflegestufen hin zu einem qualitativen Modell mit fünf Pflegegraden eingeführt wurde. Mit dem 01. Januar 2017 trat dieses Pflegestärkungsgesetz II in Kraft. Was zu noch größeren Pflegebedarfen führte. Allerdings versäumte man es damals, den Teilkaskopflichtbeitrag zu erhöhen. Am Teilkaskoprinzip will Bundesgesundheitsminister Spahn von der CDU nicht rütteln. Altersvorsorge bleibt Privatsache. Und somit bleibt auch das Sozialstaatsprinzip zutiefst konservativ: Sozialrechtlich begründen nur erhebliche Beeinträchtigungen Leistungen. Für viele Menschen mit geringer und mittlerer Pflegebedürftigkeit gibt es keinen Leistungsanspruch.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Was machen nun beispielsweise die nordischen Länder anders?
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Beispiel Schweden. Folkhemmet ist eine wichtige Metapher im sozialdemokratischen Verständnis für den Wohlfahrtsstaat: "Im guten Heim herrschen Gleichheit, Fürsorglichkeit, Zusammenarbeit und Hilfsbereitschaft. Auf das Volks- und Mitbürgerheim angewandt würde das den Abbau aller sozialen und ökonomischen Schranken bedeuten, die nun die Bürger in Privilegierte und Benachteiligte, in Herrschende und Abhängige, in Reiche und Arme, in Begüterte und Verarmte, in Ausplünderer und Ausgeplünderte teilen." (Per Albin Hansson, Vorsitzender der sozialdemokratischen Arbeiterpartei 1928 in einer Rede im schwedischen Reichstag)
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          "Neben der sozialdemokratischen Partei SAP spielte die schwedische Arbeiterbewegung, die im Schwedischen Gewerkschaftsdachverband (LO) zusammengeschlossen war, eine zentrale Rolle bei der Schaffung des universalistischen Wohlfahrtsmodells. Gustav Möller, der zwischen 1936 und 1951 mit einer kurzen Unterbrechung sozialdemokratischer Sozialminister in Schweden und maßgeblich am Ausbau des schwedischen Wohlfahrtsstaates beteiligt war, nannte vor allem zwei Gründe für die Umsetzung des universalistischen Ansatzes in verschiedenen Sozialreformen. Erstens wird durch den Einbezug aller Bürgerinnen und Bürger eine soziale Stigmatisierung derjenigen vermieden, die von den Sozialleistungen (besonders) profitieren. Sozialleistungen sollen keine milde Gabe der Nächstenliebe, sondern ein Bürgerrecht darstellen, um das man nicht zu betteln braucht. Zweitens soll so eine administrative Komplexität und demütigende Behandlung durch die Bürokratie vermieden werden (Rothstein 1985, S. 157f.)." 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          (Zitiert nach Oschmiansky, Heidi: Zwischen Professionalisierung und Prekarisierung: Altenpflege im wohlfahrtsstaatlichen Wandel in Deutschland und Schweden, Dissertation, FU Berlin: 2013)
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;b&gt;&#xD;
      
           Die soziale Sicherung umfasst universell alle Bürgerinnen und Bürger nicht am Erwerbsstatus anknüpfend, sondern am Wohnstatus. 
          &#xD;
    &lt;/b&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Die professionelle Pflege in den nordischen Ländern wurde bereits Ende der 1970er Jahre akademisiert (in Dänemark 1990). Eine Unterscheidung zwischen der Altenpflege und der Krankenpflege gibt es nicht. Die Professionalisierung des Pflegebereichs führte zu einer gleichrangigen Fachdisziplin auf Augenhöhe zur Medizin. Die Pflegefachkräfte haben so auch eine hohe Eigenständigkeit und Selbständigkeit in ihren Zuständigkeitsbereichen, was zur Unabhängigkeit bei den Kenntnissen für die Planung, das Führen und die Koordination der Versorgung führt. Auch in der Bevölkerung ist das Vertrauen in die professionelle Pflege und damit auch deren Wertschätzung groß. Die Pflegeeinrichtungen befinden sich in öffentlicher, zumeist kommunaler Verantwortung und sind deshalb auch personell besser ausgestattet. Diese Vollversorgung jedes Bürgers und jeder Bürgerin basiert auf einer Vollversicherung und dreimal so hohen öffentlichen Ausgaben für Pflege als in Deutschland. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Arztleistungen sind in den nordischen Ländern teuer: Ärztinnen und Ärzte werden nur nach dem tatsächlichen gesellschaftlichen Bedarf ausgebildet. So gibt es beispielsweise in Dänemark, Norwegen und in Finnland viermal so viele Pflegefachkräfte wie Ärzte. Und auch der Aspekt der Vollzeitarbeit spielt eine wichtige Rolle im Vergleich zu Deutschland: Während es in Dänemark eine Zwei-Drittel Vollzeitquote gibt, ist die Vollzeitarbeit in der Pflege in Deutschland rückläufig. 1999 arbeiteten 52 Prozent Vollzeit, 2015 waren es nur noch 31 Prozent. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Anders als in Deuschland werden in Skandinavien noch genügend Kinder geboren, um die Sterberate auszugleichen und so demografisch auch genügend Nachwuchs für die Pflege zu generieren (und muss nicht peinliche #Ehrenpflegas-Kampagnen inszenieren). 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Auch das Ausbildungs- und Weiterbildungssystem in Skandinavien ist vorbildlich: Anders als in Deutschland mit vielen privat zu finanzierenden kommerziellen Bildungseinrichtungen, ist auch dies im Norden öffentlich, weils wichtig ist.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Was ist zu tun, um die Pflege für die Zukunft zu rüsten? Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie systemrelevant und wie wichtig diese Pflegearbeit ist. Dass die Menschen, die in diesen Einrichtungen oder in der ambulanten Pflege arbeiten mit dem höchsten Gut, dem gefährdeten menschlichen Leben von Pflegebedürftigen verantwortungsvoll, gut qualifiziert und motiviert umgehen und dabei ihre eigene Gesundheit gefährden und die ihrer Familien. Auch letzteres ist die bittere Quintessenz einer Corvid-19 Infektion. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Pflegeleistungen sind ein wichtiger gesellschaftlicher Beitrag. Dies honoriert man nicht nur mit Beifallklatschen vom Balkon herunter. Eine angemessene Personalausstattung, gute Weiterbildungsmöglichkeiten, angemessene familienfreundliche Rahmenbedingungen für die Schichtarbeit - gerade auch, was Betreuungsmöglichkeiten für Frauen mit Kindern betrifft - und nicht zuletzt für verantwortungsvolle Arbeit angemessene Löhne zu zahlen, sind Punkte, die öffentlich fast schon gebetsmühlenartig repetiert werden. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Bei all den vorhandenen Schattenseiten sind allerdings auch die Vorzüge von Pflegeleistungen in Deutschland zu nennen: Hierbei exemplarisch die außerklinische Intensivpflege, die im häuslichen Umfeld mit 24/7-Betreuung (mit 1:1-Schlüssel) stattfindet. 
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    &lt;br/&gt;&#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
  &lt;div&gt;&#xD;
    
          Im direkten Vergleich fällt natürlich auch zwischen Schweden und Deutschland ein struktureller Unterschied der Administration auf:  In Deutschland teilen sich gleich drei Bundesministerien die Zuständigkeiten, indem Franziska Giffey seltsame #Ehrenpflegas-Miniserien durch ihr Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanzieren lässt, um Jugendliche für die konzertierte Ausbildungsoffensive Pflege zu gewinnen (also auch für Senioren); Jens Spahn das Gesundheitsministerium führt und an der Teilkaskopflegeversicherung festhält und Hubertus Heil als Bundesarbeitsminister einen Flächentarifvertrag für den zerklüfteten Pflegesektor aushandeln will. In Schweden gibt es ein Ministerium für Gesundheit und soziale Angelegenheiten - eine klare Strukturiertheit, die für sich spricht.
         &#xD;
  &lt;/div&gt;&#xD;
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      <pubDate>Mon, 20 Jan 2020 16:14:42 GMT</pubDate>
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