Careworking Historie

Carearbeit bei Karl Marx

Nach Marx ist Arbeit die Grundlage der Gesellschaft, wobei die Reproduktion der Arbeitskraft – also die Sorge für sich selbst und andere – essenziell ist, um die Kapitalproduktion aufrechtzuerhalten. Marx beschreibt, dass der Kapitalismus nur funktioniert, wenn die Arbeitskraft der Menschen täglich erneuert wird – also wenn sie essen, schlafen, gesund bleiben und Kinder erziehen und bilden. Zu dieser "Reproduktion der Arbeitskraft" gehören Tätigkeiten wie Kochen, Putzen, Pflegen, Kinder betreuen und emotionale Fürsorge. Diese Arbeiten sind notwendig für die Gesellschaft, erscheinen aber im Kapitalismus nicht als echte Arbeit, weil sie in Privathaushalten meistens unbezahlt stattfinden. Für Marx zählen sie daher nicht zur "produktiven Arbeit", also nicht zur Arbeit, die direkt Mehrwert für Unternehmen schafft. Gerade diese Lücke in der Marx’schen Theorie wurde später von feministischen Ökonominnen hervorgehoben. Soziale Berufe, Gesundheits-, Erziehungs- und Bildungsberufe zeigen, wie sehr sich die Carearbeit in modernen Gesellschaften professionalisiert und weiterentwickelt hat.

Carearbeit heute

Silvia Federici hat die marxistische Theorie um eine entscheidende Dimension erweitert: die unsichtbare, unbezahlte Carearbeit, insbesondere die Rolle von Frauen in der Reproduktion der Arbeitskraft. Ihr Beitrag ist sowohl eine Kritik als auch eine Weiterentwicklung marxistischer Ansätze. Tätigkeiten wie Kindererziehung, Pflege, Kochen, Putzen sind keine "natürlichen" Aufgaben, sondern "gesellschaftlich organisierte Arbeit", die den Kapitalismus am Laufen hält. Diese Arbeit wird "nicht entlohnt", obwohl sie die "Voraussetzung für jede produktive Arbeit" ist – sie stellt die Arbeitskraft her und erhält sie.

Reproduktionsarbeit als Grundlage kapitalistischer Akkumulation

Marx konzentrierte sich auf die produktive Arbeit in der Fabrik, also Lohnarbeit, und vernachlässigte die Reproduktionsarbeit, die im Haushalt stattfindet. Federici argumentiert, dass Marx den "Arbeiter" als  Produktionskörper dachte – ohne zu berücksichtigen, wie dieser Körper überhaupt arbeitsfähig wird.

Von der Hausarbeitsdebatte zur CareRevolution

Silvia Federici war feministische Begründerin der Hausarbeitsdebatte in den 1970er Jahren, mit der Hausarbeit als Ausbeutung und unsichtbare Grundlage kapitalistischer Akkumulation analysiert wurde. Selma James, Mitautorin der „Wages for Housework“-Kampagne, verknüpft Carearbeit mit globalen Machtverhältnissen. Mariarosa Dalla Costa,  Mitbegründerin der italienischen Autonomia-Feministinnen, betonte, dass Reproduktionsarbeit produktiv ist, weil sie Arbeitskraft herstellt. Lise Vogel  (Marxism and the Oppression of Women: 1983) entwickelte die "unitary theory": Reproduktion der Arbeitskraft ist zentraler Bestandteil des Kapitalismus. Gabriele Winker  entwickelte das Konzept der Care Revolution. Frigga Haug  entwickelte das Konzept der Vier-in-einem-Perspektive (Arbeit, Care, Politik, Selbstsorge) und verbindet marxistische Theorie mit feministischer Praxis. Christina Kaindl  analysiert Carearbeit im Kontext von Prekarisierung und Klassenverhältnissen.

Was hält Gesellschaft zusammen?

Karl Marx sieht die Basis der Gesellschaft auf der materiellen Produktion, dabei ist der Konflikt zwischen den Klassen (Produktionsmittel und Produktionsverhältnissen) der Motor der Geschichte. Arbeit ist Grundlage der Gesellschaft, aber immer im Kontext von Produktionsverhältnissen. Nach Max Weber entsteht Gesellschaft aus individuellem sinnhaftem Handeln. Die moderne Gesellschaft ist durch zunehmende Rationalisierung (Bürokratie, Berechenbarkeit, Zweckrationalität) geprägt. Es existiert kein ökonomischer Determinismus. Nach Max Weber entstehen gesellschaftliche Entwicklungen aus dem Zusammenspiel verschiedener Faktoren, wie: Werten und Ideen (zB religiösen Überzeugungen), politischen Machtstrukturen, kulturellen Traditionen sowie individuellen Motiven und Sinnzuschreibungen. Von Max Weber wird deshalb seine berühmte Studie "Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus" hier Beachtung finden.


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